Allgemeine Informationen
Das Genus Orthopoxvirus gehört zur Familie der Poxviridae. Pockenviren sind in der Lage, im Zytoplasma der Wirtszelle ohne Mitwirkung des Zellkerns zu infektionstüchtigen Viren heranzureifen. Sie besitzen ein relativ großes Genom mit einer doppelsträngigen linearen DNA.
Orthopoxviren haben ein breites Wirtsspektrum und werden daher wechselnd als z. B. Kuhpocken, Katzenpocken, Elefantenpocken oder Rattenpocken bezeichnet. Besonders empfänglich sind Rinder, Fleischfresser, Nager und der Mensch.
Säugerpocken (Orthopoxinfektionen) sind derzeit nicht im EU-Tiergesundheitsrecht (Animal Health Law, AHL) gelistet (Stand Oktober 2026), in Deutschland jedoch gemäß § 4 TierSeuchMeldV meldepflichtig (betroffene Tierarten siehe dort).
Katze
Eine Infektion mit Orthopoxvirus bovis kann sowohl bei der Katze als auch beim Menschen die so genannten „Katzenpocken“ verursachen. Katzen infizieren sich in der Regel durch ihre Beutetiere wie Maus und Ratte. Zu einem Eindringen des Virus in die Haut kommt es durch Biss- oder Kratzverletzungen, die meist am Kopf, Hals oder den Vordergliedmaßen lokalisiert sind. An diesen Stellen treten dann zum Teil nekrotisierende, stark juckende Pocken auf. In den meisten Fällen kommt es nach einigen Wochen zu einer Selbstheilung, jedoch kann bei immunsupprimierten Menschen und auch Katzen (z. B. FIV-Infektion) eine systemische Infektion mit schweren bis tödlichen Pneumonien entstehen.
Die bis in die siebziger Jahre hin durchgeführte Vakzination gegen Menschenpocken stellt zwar keinen Schutz gegen eine Infektion dar, doch kann es durch Serokonversion mit dem zur Schutzimpfung benutzten Vacciniavirus wahrscheinlich zu einem abgeschwächten Erkrankungsbild kommen. Diese Impfungen wurden Mitte der 70er Jahre eingestellt und ein gehäuftes Auftreten dieser Infektion wird wieder wahrscheinlicher.
Eine PCR-Analyse aus Hautkrustenmaterial kann eine schnelle und sichere Diagnose liefern.
Ratten und andere Kleinsäuger
Das Auftreten von Orthopoxvirus bovis-Infektionen bei Heimtierratten und die daraus resultierende Übertragung auf den Menschen wurde ebenfalls beschrieben. Die Ratten zeigen nekrotisierende Läsionen an Gliedmaßen und im Bereich von Kopf und Schwanz. Auch andere Kleinsäuger (Kaninchen, Meerschweinchen, Maus) sind empfänglich.