Allgemeine Informationen
Das Bornavirus ist ein nicht segmentiertes, behülltes RNA-Virus, das zur Familie der Bornaviridae gehört.
Säugetiere
Zahlreiche Säugetierarten sind empfänglich für dieses Virus. Klinisch relevant ist es vor allem beim Pferd und beim Schaf. Erkranken können auch Rinder, Ziegen und Neuweltkamele. Bei der Katze gilt nur ein Borna-Fall als bestätigt, nachdem die „staggering disease“ neuerdings dem Rustrela-Virus zugeschrieben wird.
Bornaviren haben einen ausgeprägten Neurotropismus und lösen nicht eitrige Meningoenzephalomyelitiden aus, die mit Anorexie, Apathie, Somnolenz und multiplen neurologischen Ausfällen einhergehen. Tiere, die an der Borna’schen Krankheit leiden, entwickeln motorische Störungen und sind verhaltensauffällig.
Das Virusreservoir stellen Feldspitzmäuse dar. Diese sind symptomlos, aber lebenslang infiziert. Andere Säugetiere wie Pferde und Schafe sowie der Mensch können als Fehlwirte fungieren. Die Übertragungswege sind noch nicht gänzlich geklärt, wahrscheinlich erfolgt eine Infektion über die Nervenenden der nasalen und pharyngealen Mucosa. Nach derzeitigem Wissen scheiden Fehlwirte das Virus nicht aus. Natürliche Infektionen von Säugetieren durch Pferde, Schafe oder Menschen sind nicht nachgewiesen. Experimentell sind Infektionen von Pferd zu Pferd (Schaf zu Schaf, Katze zu Katze) möglich.
Bei Pferd und Schaf sind neben oben genannten Symptomen vor allem gesenkte Kopfhaltung, Absondern von der Herde, Leerkauen und Speicheln sowie im späten Stadium Festliegen und Ruderbewegungen beschrieben. Eine saisonale Häufung der Erkrankung von März-September ist bei Pferd und Schaf beschrieben.
Die Immunantwort ist oft gering bis gar nicht vorhanden, weswegen eine Diagnose über eine Antikörperbestimmung schwierig ist. Die Inkubationszeit ist unbekannt. Eine klinisch manifeste Infektion verläuft letal (Krankheitsdauer meist 1–3 Wochen). Auch klinisch inapparente Infektionen sind möglich. Beim Menschen endeten die durch das Bornavirus ausgelösten Enzephalitiden bisher fast ausnahmslos tödlich, bisher sind nur wenige solcher Fälle beschrieben.
Bornavirus-Infektionen der Säugetiere sind in Deutschland gemäß § 4 TierSeuchMeldV meldepflichtig. Im EU-Tiergesundheitsrecht (Animal Health Law, AHL) sind sie nicht gelistet (Stand September 2026).
Vögel
Die neuropathische Drüsenmagendilatation (Proventricular Dilatation Disease, PDD) ist eine weltweit verbreitete schwerwiegende Erkrankung v. a. bei Großpapageien wie Aras, Amazonen oder Graupapageien.
Die PDD betrifft entweder den Magen-Darm-Trakt, das zentrale Nervensystem oder beide Bereiche. Das heißt, einerseits können Verdauungsstörungen wie Durchfall, Erbrechen oder Regurgitation sowie Anorexie und Ausscheidung unverdauter Körner im Kot auftreten. Andererseits kann sich eine PDD durch neurologische Ausfälle wie Ataxien und Koordinationsstörungen, Tremor oder Paresen äußern. Beide Symptomkomplexe gehen mit Depression, allgemeiner Schwäche und starker Abmagerung einher.
Neben perakuten und akuten Todesfällen beobachtet man vor allem beim älteren Vogel auch chronische Krankheitsverläufe. Zudem können klinisch inapparente Vögel mit dem Virus infiziert sein. Zuchtbestände und Neuzugänge sollten daher auf eine Infektion mit aviärem Bornavirus (ABV) überprüft werden.
Der sicherste Nachweis einer ABV-Infektion erfordert eine Kombination aus Antikörper- und Erregernachweis. Beide Testergebnisse sind immer im Zusammenhang mit der klinischen Symptomatik zu interpretieren.