Bad Kissingen, im September 2026

 

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

 

Aborte bei Wiederkäuern und Neuweltkamelen können viele Ursachen haben. Das heutige Laboklin aktuell liefert Ihnen nützliche Informationen zu möglichen Erregern. Wir sind sicher, es ist sehr informativ für die Praxis.

 

Apropos Erreger – das Shamonda-Virus (SHAV) ist Anfang August zum ersten Mal in Deutschland nachgewiesen worden. Es gehört zu den Orthobunyaviren und ist mit dem bereits bekannten Schmallenbergvirus (SBV) verwandt. Übertragen wird es über blutsaugende Gnitzen; betroffen sind vor allem Milchrinder. Hier löst es insbesondere Fieber, Durchfall, Fressunlust und einen massiven Rückgang der Milchleistung aus, der bis zu 3 Wochen anhalten kann. In Anlehnung an die Erkenntnisse zum SBV ist davon auszugehen, dass es bei einer Infektion in bestimmten Phasen der Trächtigkeit zu fetalen Schäden kommen kann. Die Infektion breitet sich rasant in den Beständen aus. Zeitgleich traten ungeklärte neurologische Erkrankungsfälle bei Pferden in der Schweiz und in Süddeutschland auf. Bei 2 dieser Pferde konnte Shamonda-Virus im Hirngewebe nachgewiesen werden. Ob es tatsächlich der Auslöser der neurologischen Symptomatik ist, ist noch nicht abschließend geklärt. Möglicherweise sind auch kleine Wiederkäuer oder Neuweltkamele betroffen, hierzu fehlen bisher jedoch Daten. Laboklin hat eine PCR zum Nachweis von SHAV etabliert (43,50 € netto Tierarzt). Als Probenmaterial wird bei Tieren mit klinischen Symptomen EDTA-Blut benötigt. Pro Herde sollten 2–3 Tiere getestet werden. Da die Virämie des Virus nur sehr kurz zu sein scheint, sollte die Probennahme für die PCR in der akuten Fieberphase erfolgen (3–5 Tage). Auch Serum und Liquor sind als Untersuchungsmaterial geeignet. Als Prophylaxe ist bisher nur die Gnitzenbekämpfung möglich, ein Impfstoff steht nicht zur Verfügung.

 

Ein weiterer Erreger – Psoroptes ovis ist der Erreger der sogenannten Schafräude. Diese Ektoparasitose verursacht erheblichen Juckreiz, Hautirritationen und Haar- bzw. Wollverlust und beeinträchtigt damit das Wohlbefinden der Tiere massiv. Zudem treten häufig Sekundärinfektionen auf. Die Psoroptes-Milben werden meist über ein infiziertes Tier in einen Bestand eingetragen, sei es durch Zukauf oder bei Kontakt auf einer Ausstellung. Auch eine Verbreitung über unbelebte Vektoren wie Transportfahrzeuge, Schermaschinen und Kleidung ist möglich. Bleibt ein Bestand unbehandelt, kommt es durch direkten Tierkontakt schnell zu einer Ausbreitung in der ganzen Herde. Rezidive sind häufig, da die Behandlung systemisch und wiederholt erfolgen muss.

Der Nachweis von Antikörpern gegen Psoroptes ovis bietet die Möglichkeit, frühzeitig Infektionen zu erkennen sowie einen klinischen Verdacht spezifisch zu bestätigen, um den entsprechenden Therapieplan zu entwickeln (Psoroptes ovis-Ak, Tierart: Schaf, Ziege, Probenmaterial: Serum, Preis 26,00 € netto Tierarzt). Der Direktnachweis der Psoroptes ovis-Milben im Hautgeschabsel ist schwierig und häufig falsch negativ.

 

Wir freuen uns, Sie bei der Diagnostik weiterhin zu unterstützen!

Mit besten Grüßen aus dem Labor

 

Dr. Elisabeth Müller
FTA Mikrobiologie, Dipl. ECVM
Geschäftsleitung

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