Die Akute-Phase-Reaktion (APR) ist eine frühe systemische Antwort auf Entzündungsreize, Infektionen sowie Gewebeschädigungen. Über proinflammatorische Zytokine (IL-6, IL-1b, TNF-a) wird die Synthese spezifischer Akute-Phase-Proteine (APP) in der Leber reguliert, deren Konzentrationen bei einer APR im Blut ansteigen oder abfallen. APP sind wertvolle Marker zur Erkennung und Verlaufskontrolle entzündlicher Prozesse sowie neoplastischer Erkrankungen. Die APR erfolgt deutlich früher und spezifischer als Veränderungen der Leukozytenzahl. APP werden basierend auf der Reaktionsstärke in „Major“ (10–100facher Anstieg), „Moderate“ (2–10facher Anstieg) und „Minor“ (< 2facher Anstieg) eingeteilt. Die Bestimmung der Major-APP ist gut geeignet für eine frühe Diagnostik und Verlaufskontrolle bestimmter Erkrankungen, die mit einer APR einhergehen. Beim Hund ist das C-reaktive Protein (CRP) das wichtigste Major-APP, bei der Katze hingegen das Serum Amyloid A (SAA). Haptoglobin (Hp) und a1-saures Glykoprotein (AGP) zählen zu den moderaten bis minor reagierenden APP. Albumin, Transferrin und Paraoxonase gehören zu den negativen APP, deren Konzentration bei einer Akute-Phase-Reaktion typischerweise abnimmt. Das Verhalten der jeweiligen APP während der APR ist in Tabelle 1 dargestellt.
-
Abb. 1: Katze mit FIP
Bildquelle: Laboklin
Der Hund – CRP als Goldstandard
Als Major-APP steigt CRP innerhalb von 4–24 Stunden nach auslösender Noxe bis zum 50–100fachen an, erreicht nach 1–2 Tagen sein Maximum und fällt bei erfolgreicher Therapie rasch ab. Aufgrund dieser Dynamik eignet sich CRP hervorragend zur Früherkennung, Verlaufskontrolle und Beurteilung des Therapieerfolgs.
Erhöhte CRP-Werte treten bei einer Vielzahl entzündlicher und immunvermittelter Prozesse auf, darunter bakterielle Infektionen, Parasitosen, Autoimmunerkrankungen, Neoplasien und posttraumatische oder postoperative Veränderungen.
Bei Hunden mit akuter Babesia canis-Infektion besteht eine deutliche Korrelation von CRP mit klinischem Schweregrad und hämatologischen Parametern.
Im Rahmen des Antimicrobial Stewardship wurde gezeigt, dass Antibiotika abgesetzt werden können, sobald eine klinische Besserung und Normalisierung der CRP-Konzentration eingetreten sind, was die Therapiedauer vieler Erkrankungen signifikant verkürzt.
Auch bei systemischen Mykosen wie der pulmonalen Coccidioidomykose zeigte CRP in Kombination mit Hp einen prädiktiven Wert für Remission.
CRP kann jedoch auch ohne entzündliche Ursache – z. B. bei extremer körperlicher Belastung oder während der Trächtigkeit – erhöht sein, weshalb die Interpretation kontextabhängig erfolgen muss.
Tabelle 1: Überblick über die Veränderung der Akuten-Phase-Proteine sowie Leukozytenzahl in Abhängigkeit der Zeit nach dem Entzündungsreiz bei Hund und Katze.
| Zeit nach Entzündungsreiz | Hund – z. B. CRP, SAA |
Hund – Leukozytenzahl |
Katze – z. B. SAA, AGP |
Katze – Leukozytenzahl |
| 0–6 h | zu Beginn leichter Anstieg (Synthese in der Leber startet nach wenigen Stunden) | meist noch im Referenzbereich | zu Beginn leichter Anstieg | meist noch im Referenzbereich |
| 6–12 h | deutlicher Anstieg messbar | erste Tendenz zum Anstieg möglich, oft noch grenzwertig | deutlicher Anstieg messbar | erste Tendenz zum Anstieg möglich, oft noch unauffällig |
| 12–24 h | starker Anstieg, Werte meist klar pathologisch | jetzt häufig Leukozytose/-penie sichtbar | starker Anstieg, klar pathologisch | häufiger Leukozytose, teils Stressleukogramm |
| 24–48 h | Peak der APR – höchste Konzentration | weiterer Anstieg/Plateau der Leukozyten | Peak der APR | weiterer Anstieg/Plateau der Leukozyten |
| 2–5 Tage | beginnender Abfall, wenn Entzündung kontrolliert | Leukozyten häufig noch erhöht, langsam rückläufig | Abfall bei klinischer Besserung | Leukozyten oft noch verändert, normalisieren langsamer |
| > 5 Tage | Rückkehr in/nahe Referenzbereich bei ausheilender Entzündung | Normalisierung, kann aber durch chronische Prozesse länger dauern | ähnlich wie Hund | ähnlich wie Hund |
APR = Akute-Phase-Reaktion, CRP = C-reaktives Protein, SAA = Serum Amyloid A, AGP = alpha-1-saures Glykoprotein
Akute-Phase-Index (API) – kombinierter Marker
Aktuelle Forschung kombiniert positive (CRP, Hp) und negative APP (Albumin, optional PON-1) zu einem Akute-Phase-Index (API). Dieser spiegelt die Gesamtaktivität der Entzündung wider. Hunde mit malignen Tumoren und hohem API hatten eine signifikant schlechtere Prognose.
Bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen – beispielsweise der kaninen Leishmaniose – sind CRP und Hp dauerhaft erhöht, während Albumin und Transferrin häufig abfallen. API-Veränderungen korrelieren eng mit Therapieansprechen und Krankheitsaktivität. Persistierend hohe Werte weisen auf Restaktivität, Co-Infektionen oder Therapieversagen hin.
Die Katze – SAA und AGP im Fokus
Bei Katzen unterscheiden sich Dynamik und Bedeutung der APP deutlich vom Hund. SAA ist das wichtigste Major-APP, während AGP besonders bei FIP diagnostische Bedeutung hat.
Serum Amyloid A (SAA)
SAA reagiert sehr früh und empfindlich, erreicht schnell hohe Konzentrationen und eignet sich daher sowohl zur Frühdiagnostik als auch zur prognostischen Beurteilung. Ein rascher Abfall zeigt gutes Therapieansprechen, ein stagnierender Wert eine persistierende Entzündung oder Sekundärinfektion. Moderne turbidimetrische Tests mit monoklonalen Antikörpern liefern eine hohe diagnostische Präzision. Weitere Studien belegen die Nützlichkeit von SAA insbesondere bei bakteriellen Infektionen wie Pyelonephritis.
Alpha-1-saures Glykoprotein (AGP)
AGP ist ein moderat ansteigendes APP mit hoher klinischer Relevanz für FIP (Abb. 1). Erhöhte AGP-Serumwerte unterstützen die Verdachtsdiagnose in Kombination mit anderen Befunden. Besonders unter antiviraler Therapie zeigt AGP eine dynamische Veränderung.
Haptoglobin (Hp)
Beim Hund und der Katze zählt Hp zu den in der Leber synthetisierten moderaten Akute-Phase-Proteinen. Die zentrale biologische Funktion besteht in der hochaffinen Bindung von freiem Hämoglobin (Hb) aus lysierten Erythrozyten, wodurch oxidativer Gewebeschaden reduziert und ein Verlust von Hb-gebundenem Eisen verhindert wird. Im Rahmen akuter Entzündungsprozesse zeigen beide Spezies einen im Vergleich zu Major-Akute-Phase-Proteinen wie SAA oder CRP deutlich weniger ausgeprägten und verzögerten Konzentrationsanstieg von Hp.
Wie bei anderen Säugetieren können intravasale Hämolysevorgänge zu einer Absenkung der Haptoglobinkonzentration führen, da das Protein durch die Bindung großer Mengen freien Hämoglobins rasch verbraucht wird.
Negative Akute-Phase-Proteine
Albumin
Albumin sinkt durch Umverteilung von Aminosäuren zur Synthese positiver APPs und durch erhöhte Kapillarpermeabilität. Es ist ein wertvoller Indikator systemischer Entzündung, muss jedoch unter der Berücksichtigung von Hydratation, Proteinverlust und Leberfunktion beurteilt werden. Beim Hund wird Albumin im API berücksichtigt.
Transferrin
Transferrin, ein eisenbindendes Transportprotein, sinkt während der APR, um die Eisenverfügbarkeit für Mikroorganismen zu reduzieren. Bei Hunden zeigte sich ein deutlicher Transferrinabfall bei bakteriellen Infektionen. Auch bei Katzen wurde eine signifikante Abnahme bei chronischer Entzündung dokumentiert.
Akute-Phase-Proteine bei FIP
Die feline infektiöse Peritonitis (FIP) ist eine entzündliche Erkrankung, die in der Regel mit einem Anstieg der Akuten-Phase-Proteine einhergeht. In Studien konnte gezeigt werden, dass die Bestimmung von AGP im Erguss die aussagekräftigste Methode zur Unterscheidung zwischen Katzen mit FIP und ohne FIP ist. Dabei wurden unterschiedliche Cut-Off-Bereiche mit verschiedener Sensitivität/ Spezifität definiert (Tab. 2). Einige dieser Cut-Off-Bereiche, z. B. bei Helfer-Hungerbühler et al. (AGP > 2927), weisen eine hohe Spezifität (97 %) auf und können damit sehr hinweisend auf eine FIP sein.
Aufgrund der jedoch vergleichsweise niedrigen Sensitivität (54 %) kann nahezu die Hälfte der Katzen mit FIP nicht erkannt werden. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass APPs auch bei anderen Erkrankungen ansteigen können. Katzen mit septischem Abdomen und auch Katzen mit disseminierten Neoplasien weisen oft ähnlich hohe AGP-Konzentrationen auf wie Katzen mit FIP. Daher ist eine ergänzende zytologische und bakteriologische Untersuchung zum Ausschluss von Differentialdiagnosen wichtig. Die alleinige Messung von AGP reicht somit nicht für eine endgültige Diagnose aus, sondern ist eines der vielen Puzzleteile bei der Diagnosestellung.
AGP kann zudem eine wichtige Rolle im Therapiemonitoring von Katzen mit FIP spielen. Unter Therapie sinkt das AGP stetig ab, jedoch langsamer als das SAA. Dies ist vermutlich auf die längere Halbwertszeit von AGP zurückzuführen, weshalb die AGP-Konzentration an Tag 2 der FIP-Therapie auch höher sein kann als vor Start der Therapie. Ein signifikanter Abfall des AGPs war ab Tag 7 nach Therapiestart feststellbar. Spätestens an Tag 28 war das AGP bei fast allen Katzen wieder im Normalbereich (Helfer-Hungerbuehler 2024: (10) – 17/18 Katzen und Zuzzi-Krebitz 2024: 37/39 Katzen) und kann hiermit als guter Parameter verwendet werden, um den Therapieerfolg zu kontrollieren. Bei SAA zeigte sich bereits an Tag 2 ein signifikanter Abfall und die meisten Katzen wiesen innerhalb von 4–7 Tagen wieder (nahezu) normale SAA-Konzentrationen auf. Addie und Kollegen (2022) verwenden AGP als Marker, um zwischen Remission und Genesung zu unterscheiden. Genesung bezeichnet dabei die vollständige Heilung von FIP, während Remission als ein intermediäres Stadium zwischen Heilung und Tod definiert ist, welches noch das Risiko eines Rückfalls birgt. Katzen, die vollständig geheilt waren (Genesung) zeigten AGP-Werte im Normalbereich, wohingegen Katzen in Remission erhöhte AGP-Werte aufwiesen. Der Anstieg von AGP könnte damit auch einen Hinweis auf einen potentiellen FIP-Rückfall geben.
Tabelle 2: Überblick über aktuelle Publikationen zur Verwendung von AGP. Gemessene mediane Werte (inklusive Range) bei Katzen mit FIP im Vergleich zu Katzen ohne FIP, definierte Cut-Off-Werte und deren Sensitivität und Spezifität
| Studie | Akute-Phase-Protein | Medianer Wert bei Katzen mit FIP (Range) | Medianer Wert bei Katzen ohne FIP (Range) | Cut-Off | Sensitivität (%) | Spezifität (%) | |
| Serum | |||||||
| Hazuchova 2017 | AGP (µg/ml) | 2900 (960-5040) | 690 (120-4500) | 2260 | 85 | 90 | |
| SAA (µg/ml) | 98,5 (1,3-163,4) | 7,6 (0,1-163,8) | 97,3 | 55 | 87 | ||
| Hp (mg/ml) | 2,0 (2,0-9,0) | 1,8 (0,0-2,0) | 2,0 | 55 | 82 | ||
| Erguss | |||||||
| AGP (µg/ml) | 2570 (1300-5760) | 480 (190-3800) | 1550 | 93 | 93 | ||
| SAA (µg/ml) | 80,4 (0,1-207,4) | 0,1 (0,1-182,7) | 43,6 | 71 | 91 | ||
| Hp (mg/ml) | 2,2 (0,1-9,3) | 0,8 (0,1-2,5) | 2,1 | 79 | 87 | ||
| Serum | |||||||
| Helfer- Hungerbuehler 2024 |
AGP (µg/ml) | 2954 (200-5861) | gesund | krank | 2531 | 61 | 79 |
| 235 (78-616) |
1734 (305-3449) |
2927 | 54 | 97 | |||
| Erguss | |||||||
| AGP (µg/ml) | 2425 (343-5611) | 560 (83-3950) | 1686 | 71 | 89 | ||
| Serum | |||||||
| Romanelli 2024 | AGP (µg/ml) | 1986 (405-4428) | 296 (165-4254) | 707 | 80 | 80 | |
| >4099 | – | 100 | |||||
| <438 | 100 | – | |||||
| Erguss | |||||||
| AGP (µg/ml) | 1717 (549-3166) | 233 (103-4099) | 990 | 75 | 73 | ||
| >4254 | – | 100 | |||||
| <296 | 100 | – | |||||
Dr. Ruth Klein, Katharina Buchta




