{"id":1605564,"date":"2026-04-21T10:50:53","date_gmt":"2026-04-21T08:50:53","guid":{"rendered":"https:\/\/laboklin.de\/?p=1605564"},"modified":"2026-04-21T10:53:55","modified_gmt":"2026-04-21T08:53:55","slug":"expertenrunde-zur-felinen-hyperthyreose","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/laboklin.de\/de\/expertenrunde-zur-felinen-hyperthyreose\/","title":{"rendered":"Expertenrunde zur felinen Hyperthyreose"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\"><p>[vc_row][vc_column][vc_column_text css=&#8220;&#8220;]Die Laboklin Expertenrunde greift eine Vielzahl praxisrelevanter Fragestellungen auf. Zum Thema feline Hyperthyreose haben sich vier Endokrinologen und eine Chirurgin zusammengesetzt, um ihr Wissen mit uns zu teilen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Expertenrunde standen zur Verf\u00fcgung: <strong>Prof. Dr. Felicitas Boretti, <\/strong>Dipl. ACVIM und ECVIM-CA, Leitung Endokrinologie, Klinik f\u00fcr Kleintiermedizin, Vetsuisse Fakult\u00e4t, Universit\u00e4t Z\u00fcrich; <strong>Dr. Katarina Hazuchova, <\/strong>PhD, Dipl. ECVIM-CA, Ober\u00e4rztin Innere Medizin, Klinik f\u00fcr Kleintiere, Gie\u00dfen; <strong>Prof. <\/strong><strong>Dr. Mirja Nolff, <\/strong>Dipl. ECVS, Leitung Abteilung f\u00fcr Weichteil- und Tumorchirurgie, Klinik f\u00fcr Kleintierchirurgie, Vetsuisse Fakult\u00e4t, Universit\u00e4t Z\u00fcrich; <strong>PD Dr. Astrid Wehner, <\/strong>Dipl. ECVIM-CA, Ober\u00e4rztin Innere Medizin mit Schwerpunkt Endokrinologie, LMU M\u00fcnchen; <strong>PD<\/strong> <strong>Dr.<\/strong> <strong>Florian<\/strong> <strong>Zeugswetter,<\/strong> Leitung der endokrinologischen Abteilung, Universit\u00e4tsklinik f\u00fcr Kleintiere Wien<\/p>\n<p>Bevor wir in Diagnostik und Therapie einsteigen, schauen wir kurz auf die <strong>Entstehung der felinen <\/strong><strong>Hyperthyreose: <\/strong>PD Dr. Zeugswetter erkl\u00e4rt, dass die normale Katzenschilddr\u00fcse eine Subpopulation von Thyreozyten mit gro\u00dfem Wachstumspotential enth\u00e4lt. Werden diese durch bestimmte \u00e4u\u00dfere Faktoren stimuliert, kommt es zur Hyperplasie. Die hyperplastischen Zellen beginnen schlussendlich, sich autonom zu vermehren und aus einer adenomat\u00f6sen Hyperplasie entstehen Adenome und in seltenen F\u00e4llen Adenokarzinome. Die konkreten Ausl\u00f6ser der adenomat\u00f6sen Hyperplasie sind nicht bekannt. Der sprunghafte Anstieg der Erkrankung seit der Erstbeschreibung 1977 spricht f\u00fcr \u00e4u\u00dfere Einflussfaktoren. In zahlreichen Studien assoziierte Faktoren sind reine Wohnungshaltung, Dosenfutter, fischhaltige Di\u00e4ten, starke Jodschwankungen im Futter, Katzenstreu sowie Flavonoide (z. B. in Soja). Polyphenole (BPA) und polybromierte Diphenylether (PBDEs) in Futter, Trinkwasser oder Umwelt spielen vermutlich ebenfalls eine Rolle.<\/p>\n<p>Im Anschluss rekapituliert PD Dr. Zeugswetter die wichtigsten <strong>klinischen Symptome <\/strong>der felinen Hyperthyreose. Er nennt als Hauptsymptome vor allem Gewichtsverlust trotz gutem Appetit, Polyurie\/Polydipsie, ein struppiges Haarkleid sowie eine ausgepr\u00e4gte Unruhe und vermehrtes Vokalisieren. H\u00e4ufig kommen gastrointestinale Beschwerden wie Erbrechen und Durchfall hinzu; manchmal ist Durchfall sogar das einzige Symptom. Damit stellt sich direkt die Frage: Welche weniger klassischen Anzeichen sollte man nicht \u00fcbersehen? Dr. Katarina Hazuchova weist darauf hin, dass bei Katzen mit Hyperthyreose ausgepr\u00e4gte Schw\u00e4che mit zervikaler Ventroflexion vorkommen kann. Auch bei Polypnoe sollte eine Hyperthyreose differentialdiagnostisch in Betracht gezogen werden. Sie kann Ausdruck des erh\u00f6hten Sauerstoffbedarfs sein. Ebenso sollte bei neu aufgetretenen Herzger\u00e4uschen oder anderen Anzeichen einer Herzerkrankung immer auch die Schilddr\u00fcsenfunktion \u00fcberpr\u00fcft werden. Das gilt auch f\u00fcr Katzen mit epileptiformen Anf\u00e4llen oder pl\u00f6tzlicher Erblindung.<\/p>\n<p>Exkurs Herz: PD Dr. Astrid Wehner betont, dass die durch Hyperthyreose induzierten Herzver\u00e4nderungen h\u00e4ufig zun\u00e4chst nicht behandlungsbed\u00fcrftig sind und sich nach erfolgreicher Therapie der<\/p>\n<p>Hyperthyreose wieder normalisieren k\u00f6nnen. F\u00fcr die Einordnung k\u00f6nnen kardiale Biomarker wie (NT-) proBNP oder Troponin I hilfreich sein. Sinken diese sp\u00e4ter trotz gut eingestellter Hyperthyreose nicht, sollte die Katze kardiologisch untersucht werden, um eine Herzerkrankung weiter zu klassifizieren und ggf. zu therapieren.<\/p>\n<p>Die <strong>labordiagnostischen Ver\u00e4nderungen<\/strong>, die einen Hinweis auf das Vorliegen einer Hyperthyreose liefern k\u00f6nnen, bespricht Prof. Dr. Felicitas Boretti. Sie erkl\u00e4rt, dass bei Katzen mit erh\u00f6hten Leberwerten und zugleich passenden klinischen Symptomen die Hyperthyreose zu den Differentialdiagnosen z\u00e4hlen sollte. Sowohl AP (alkalische Phosphatase) als auch ALT k\u00f6nnen erh\u00f6ht sein; in der Praxis ist die ALT zwar h\u00e4ufiger erh\u00f6ht, bleibt jedoch unspezifisch, w\u00e4hrend eine Erh\u00f6hung der AP im Kontext einer Hyperthyreose typischer ist. Erh\u00f6hte AP- und Phosphatwerte bei gleichzeitig normalen Nierenwerten lassen sich durch eine gesteigerte Aktivit\u00e4t knochenspezifischer Isoenzyme erkl\u00e4ren, die einen vermehrten Knochenumbau widerspiegeln, und sollten bei passenden klinischen Befunden Anlass zu einer gezielten Schilddr\u00fcsendiagnostik geben.<\/p>\n<p>Die <strong>Diagnose <\/strong>wird in den meisten F\u00e4llen \u00fcber eine erh\u00f6hte T4-Konzentration im Blut gestellt. PD Dr. Florian Zeugswetter beantwortet die Frage, inwieweit das Alter der Katze das Referenzintervall beeinflusst. Bei Welpen ist die T4-Konzentration physiologisch sehr hoch und nimmt mit zunehmendem Alter langsam ab. F\u00fcr Katzen zwischen etwa 1 und 9 Jahren passen die g\u00e4ngigen Referenzbereiche in der Regel gut. Bei \u00e4lteren Katzen k\u00f6nnten die Referenzintervalle hingegen eher niedriger anzusetzen sein. Einige Labore haben dem mit einem geringeren oberen Referenzintervall Rechnung getragen, weil die Hyperthyreose eher eine Erkrankung der \u00e4lteren Katze ist. Bei der Beurteilung von T4-Ergebnissen sollten das Alter der Katze und das obere Referenzintervall des jeweiligen Labors beachtet werden.<\/p>\n<p>Es stellt sich die Frage, wie oft Katzen trotz Hyperthyreose eine T4-Konzentration im Referenzbereich zeigen. Prof. Dr. Felicitas Boretti weist darauf hin, dass dies vorkommen kann, besonders in der Fr\u00fchphase der Erkrankung. Wenn T4 nur mild erh\u00f6ht ist, kann es durch nat\u00fcrliche Schwankungen zeitweise in den Referenzbereich fallen, meist jedoch im oberen Bereich. Nicht-thyreoidale Erkrankungen k\u00f6nnen den T4-Wert ebenfalls so weit absenken, dass er vor\u00fcbergehend in den Referenzbereich rutscht.<\/p>\n<p>Bei <strong>unklaren Befunden <\/strong>empfiehlt PD Dr. Florian Zeugswetter die erneute T4-Bestimmung nach 2\u20134 Wochen. Besteht ein starker klinischer Verdacht auf Hyperthyreose und liegt T4 im oberen Referenzbereich, kann die Bestimmung von freiem T4, endogenem TSH und reversem T3 hilfreich sein.<\/p>\n<p>Die Einschr\u00e4nkungen der verschiedenen Parameter m\u00fcssen dabei jedoch beachtet werden: fT4 kann bei nicht-thyreoidaler Erkrankung (NTI) ansteigen und eine Erh\u00f6hung ist wenig spezifisch; eine TSH-Messung im Referenzbereich oder dar\u00fcber schlie\u00dft eine Hyperthyreose mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit aus, ein nicht messbares TSH ist aber auch bei gesunden Katzen h\u00e4ufig; reverses T3, ein inaktiver Metabolit von T4, steigt bei der Hyperthyreose verl\u00e4sslich an, es bedarf aber noch weiterer Studien. Bringen auch diese weiterf\u00fchrenden Parameter keine Klarheit, so ist der n\u00e4chste Schritt der Abkl\u00e4rung der T3-Suppressionstest oder besser die Schilddr\u00fcsenszintigraphie.<\/p>\n<p>Es wird die Frage aufgeworfen, ab wann von einem <strong>Schilddr\u00fcsenkarzinom <\/strong>(anstatt benigner adenomat\u00f6ser Hyperplasie oder Adenom) ausgegangen werden kann. PD Dr. Astrid Wehner nennt rasch wachsende, solide Massen (sofern nicht zystisch) sowie Katzen, die sich sehr schwer einstellen lassen und ungew\u00f6hnlich hohe Dosen an Thyreostatika ben\u00f6tigen, als Hinweisfaktoren. Dr. Katarina Hazuchova erg\u00e4nzt, dass es h\u00e4ufig Patienten sind, die bereits l\u00e4nger hyperthyreot sind. PD Dr. Florian Zeugswetter beschreibt au\u00dferdem die Palpation als Hinweis: benigne Knoten sind eher weich und gut verschieblich, w\u00e4hrend derbe, schlecht verschiebliche und gr\u00f6\u00dfere Ver\u00e4nderungen st\u00e4rker in Richtung Karzinom weisen. Die Szintigrafie hilft zur sicheren Abgrenzung leider weniger zuverl\u00e4ssig, als man erwarten w\u00fcrde.<\/p>\n<p>In Bezug auf <strong>therapeutische Optionen <\/strong>wird nach der <strong>Prognose <\/strong>gefragt. PD Dr. Astrid Wehner kann hier Gutes berichten. Insgesamt ist die Prognose g\u00fcnstig, wobei es auch auf das Lebensalter der Katze und nat\u00fcrlich auf m\u00f6gliche Co-Morbidit\u00e4ten ankommt. Kurative Therapieoptionen wie die Radioiodtherapie sind dabei mit einer signifikant l\u00e4ngeren Lebenserwartung, geringeren Rezidivraten und weniger therapiebedingten Nebenwirkungen assoziiert. Nach Radioiodtherapie betr\u00e4gt die mediane \u00dcberlebenszeit etwa 3,7 bis 4,0 Jahre. Im Vergleich dazu ist die Prognose unter medikamenteller Therapie mit Thyreostatika ung\u00fcnstiger. In einer Studie mit 47 Katzen, die dauerhaft mit Thiamazol\/Methimazol behandelt wurden, lag die mediane \u00dcberlebenszeit bei 2,0 Jahren. Das erkl\u00e4rt sich durch mehrere Faktoren. Es ist m\u00f6glich, dass der Halter nach einer bestimmten Zeit seiner Katze dauerhaft keine Medikamente mehr eingeben kann oder dass die Hyperthyreose medikamentell nicht mehr zu behandeln ist. Bei l\u00e4ngerer Behandlung mit Thyreostatika kann sich eine Resistenz gegen\u00fcber diesen ausbilden. Es ist auch m\u00f6glich, dass sich adeno-mat\u00f6se Ver\u00e4nderungen im Laufe der Zeit zu einem Karzinom entwickeln.<\/p>\n<p>Prof. Dr. Mirja Nolff nennt als Indikationen f\u00fcr eine <strong>Thyreoidektomie <\/strong>vor allem Katzen, die schwer einstellbar sind, bei denen die Medikamentengabe nicht klappt, die Nebenwirkungen unter Thyreostatika zeigen, die gro\u00dfe Knoten entwickelt haben oder wo der Verdacht auf Karzinom besteht. Kritisch wird es, wenn beidseitig operiert werden muss und die Nebenschilddr\u00fcsen nicht erhalten werden k\u00f6nnen: Eine Reimplantation ist nicht zuverl\u00e4ssig, deshalb muss man postoperativ auf einen Hypoparathyreoidismus vorbereitet sein. Postoperativ sollte das ionisierte Calcium sehr engmaschig kontrolliert werden. Eine weitere schwerwiegende m\u00f6gliche Komplikation ist die Larynxparalyse. Sie ist allerdings sehr selten. Prof. Dr. Mirja Nolff betont, dass im Vergleich von Radiojodtherapie vs. einseitiger Exstirpation im Hinblick auf Erreichung der Euthyreose die einseitige Operation schlechter abschneidet. Das liegt daran, dass h\u00e4ufig eben doch beide Schilddr\u00fcsen betroffen sind. Daher empfiehlt sie, Katzenhalter darauf aufmerksam zu machen, dass eine einseitige OP die Symptome ggf. nicht vollst\u00e4ndig therapiert. In solchen F\u00e4llen muss ggf. noch die zweite Schilddr\u00fcse entfernt werden, wenn eine Radioiodtherapie nicht zur Verf\u00fcgung steht. Eine Hypothyreose ist im Anschluss meist gut behandelbar.<\/p>\n<p>Inwieweit eine <strong>di\u00e4tetische Therapie <\/strong>eine Option ist, beantwortet PD Dr. Astrid Wehner. Eine hochgradige Reduktion der Jodzufuhr kann die Produktion von Schilddr\u00fcsenhormonen soweit hemmen, dass eine Euthyreose erreicht wird. Eine spezielle Di\u00e4t steht zur Verf\u00fcgung. Der alleinige Ausschluss von Futtermitteln mit hohem Jodgehalt (Fisch, Meeresfr\u00fcchte) reicht nicht aus. Der Zeitraum bis zur Erreichung der Euthyreose variiert z. T. stark (28 bis 180 Tage). Die Futterumstellung muss strikt, vollst\u00e4ndig und dauerhaft erfolgen. Leider ist dies oft der Grund f\u00fcr ein (langfristiges) Therapieversagen. Insgesamt kann die T4-Konzentration schwanken und bleibt in einigen F\u00e4llen zu hoch.<\/p>\n<p><strong>Thyreostatika <\/strong>bleiben die am h\u00e4ufigsten genutzte Therapieform. F\u00fcr die Tiermedizin zugelassen sind Carbimazol als Retard-Pr\u00e4parat und Thiamazol (= Methimazol). Retard-Carbimazol kann gem\u00e4\u00df Hersteller einmal t\u00e4glich gegeben werden, Thiamazol-Pr\u00e4parate in der Regel zweimal t\u00e4glich. Prof. Dr. Felicitas Boretti f\u00fchrt aus, dass ein Versuch einer einmal t\u00e4glichen Gabe grunds\u00e4tzlich m\u00f6glich ist. Bei sehr hohen Ausgangs-T4-Werten wird eine Katze mit zweimal t\u00e4glicher Gabe jedoch meist schneller stabil eingestellt. Liegt bei niedriger Gesamtdosis die T4-Konzentration zu tief, kann die Umstellung auf eine einmal t\u00e4gliche Gabe sinnvoll sein. Als weitere Option kann ein auf dem tiermedizinischen Markt registrierter, individuell dosierbarer Sirup eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Bez\u00fcglich einer transdermalen\u00a0 Salbenbehandlung sind PD Dr. Astrid Wehner und PD Dr. Florian Zeugswetter eher zur\u00fcckhaltend. Die Salbe bringt einige Nachteile mit sich: der f\u00fcr das ungeborene Kind teratogene Wirkstoff kann schneller in Kontakt mit dem Tierhalter kommen, die Resorption ist nicht immer konstant und im Ohr zur\u00fcckgebliebene Cremeschichten k\u00f6nnen diese zus\u00e4tzlich beeinflus-sen. Perspektivisch k\u00f6nnte eine Nanopartikel-Car-rier-Salbe in Deutschland auf den Markt kommen; dazu gebe es bereits Studien.<\/p>\n<p>PD Dr. Astrid Wehner widmet sich dem Thema <strong>Hyperthyreose und Niere<\/strong>. Bei hyperthyreoten Katzen liegt ein erh\u00f6htes zirkulierendes Blutvolumen und damit eine erh\u00f6hte Nierendurchblutung vor.<br \/>\nEs entsteht eine glomerul\u00e4re Hypertension \u2013 m\u00f6glicherweise noch begleitet von einer systemischen Hypertension, die die Niere sch\u00e4digen und\/oder zur Progression einer vorbestehenden Nierenerkrankung beitragen kann, da unter anderem auch eine Proteinurie resultieren kann. Gleichsam steigt die glomerul\u00e4re Filtrationsrate durch den erh\u00f6hten Druck im Glomerulum an, was dazu f\u00fchrt, dass Blutkonzentrationen renaler Filtrationsmarker (wie z. B. Kreatinin und SDMA) geringer ausfallen. Es ist m\u00f6glich, dass erst nach Normalisierung der Schilddr\u00fcsenfunktion eine Nierenerkrankung evident wird. Die Experten sind sich einig, dass bei Katzen, die bereits zum Zeitpunkt der Diagnose azot\u00e4misch sind, initial mit einer reduzierten Dosis des Thyreostatikums begonnen werden sollte. Als Richtwert gilt etwa die H\u00e4lfte der \u00fcblichen Dosis, je nach Ausma\u00df der Azot\u00e4mie auch etwas weniger, um die Reaktion der Nieren auf die Therapie beurteilen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die <strong>Radioiodtherapie <\/strong>(RJT) gilt im Hinblick auf die Therapie als optimal. Dr. Katarina Hazuchova kl\u00e4rt dar\u00fcber auf, was bei einer \u00dcberweisung zu beachten ist. Die Kosten f\u00fcr die Standardtherapie liegen bei etwa 2000 \u20ac netto, die Katzen bleiben in der Regel 5\u20137 Tage station\u00e4r. Vorab sollte eine kardiologische Abkl\u00e4rung erfolgen; in einigen Zentren wird zudem eine vollst\u00e4ndige Diagnostik inklusive Abdomen-Ultraschall erwartet. Thyreostatika sollten 7 Tage vor der Behandlung abgesetzt werden, eine jodarme Di\u00e4t bereits 14 Tage vorher. Nach der RJT m\u00fcssen die Katzen vier Wochen im Haus bleiben; leben Schwangere, Stillende oder Babys\/kleine Kinder im Haushalt, d\u00fcrfen diese keinen Kontakt zu der Katze haben. Katzen, die potenziell eine Intensiv-Behandlung ben\u00f6tigen oder keine ausreichende Futteraufnahme zeigen, k\u00f6nnen nicht behandelt werden.<\/p>\n<p>Im Hinblick auf gleichzeitig bestehende Nierenerkrankungen sind Dr. Katarina Hazuchova und PD Dr. Florian Zeugswetter gleicher Meinung: Ist mittels Thyreostatika eine Euthyreose erzielt worden und besteht in diesem Moment keine schwere Azot\u00e4mie (Kreatinin im IRIS-Stadium 2) kann die Katze ein guter Kandidat f\u00fcr eine Radioiodtherapie sein. Es ist sehr selten, dass sich die Azot\u00e4mie nach einer Radioiodtherapie deutlich verschlechtert. Allerdings sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass sich keine Hypothyreose entwickelt. Kommt es bei niedrigen T4-Konzentrationen zur Azot\u00e4mie oder klinischen Symptomen einer Hypothyreose, sollte unbedingt eine Substitution mit Levothyroxin erfolgen.<\/p>\n<p><strong>Monitoring<\/strong>: Wann kontrollieren wir nach Therapiebeginn \u2013 und wo soll der T4 am Ende liegen? Dr. Katarina Hazuchova empfiehlt bei stabilen Patienten die erste Kontrolle nach 3\u20134 Wochen: Blutbild mit Nierenwerten, T4 und Abgleich mit Symptomen.<br \/>\nNach weiteren 3\u20134 Wochen wird erneut gepr\u00fcft, anschlie\u00dfend reicht bei eingestellten Patienten meist eine Kontrolle alle 3\u20134 Monate. Prof. Dr. Felicitas Boretti handelt bei Katzen, die zum Zeitpunkt der Diagnose bereits azot\u00e4misch sind, fr\u00fcher. Hier empfiehlt sie eine Kontrolle schon nach 1\u20132 Wochen.<\/p>\n<p>Zudem r\u00e4t sie zur Bestimmung von TSH, um eine iatrogene Hypothyreose nicht zu \u00fcbersehen (sollte nicht \u00fcber den Referenzintervall ansteigen). PD Dr. Florian Zeugswetter setzt f\u00fcr azot\u00e4mische Katzen den Zielkorridor f\u00fcr T4 anders. Das Ziel f\u00fcr eine nicht azot\u00e4mische Katze ist eine T4-Konzentration im mittleren Referenzbereich bis leicht darunter. Bei azot\u00e4mischen Patienten darf T4 hingegen eher im oberen Referenzbereich liegen.<\/p>\n<p>Prof. Dr. Felicitas Boretti versichert, dass der Tageszeitpunkt der Blutentnahme in Relation zur Tablettengabe keine Rolle spielt. Schwankungen der T4-Konzentration unter Thyreostatika- Therapie sind bekannt. Sie folgen aber keinem zirkadianen Rhythmus und stehen nicht im Zusammenhang mit dem Zeitpunkt der Medikamentengabe. Wichtig ist ihr hingegen, dass die Bestimmung der T4-Konzentrationen in einem externen, qualit\u00e4tssicheren Labor erfolgt. In-House-Ger\u00e4te weisen eine geringere Messzuverl\u00e4ssigkeit auf und k\u00f6nnen bereits in klinisch relevanten Konzentrationsbereichen abweichen, was zu Fehleinsch\u00e4tzungen f\u00fchren kann.<br \/>\nDie anderen Experten stimmen dieser Einsch\u00e4tzung nachdr\u00fccklich zu.<\/p>\n<p>Zum Abschluss soll das Thema <strong>Nebenwirkungen <\/strong>noch kurz angerissen werden. Dr. Katarina Hazuchova unterscheidet zwischen Nebenwirkungen, die man oft \u201eaussitzen\u201c kann, und solchen, die sofort ernst werden: Am h\u00e4ufigsten seien gastrointestinale Nebenwirkungen \u2013 unangenehm f\u00fcr die Halter, aber meist zeitlich begrenzt. Deshalb solle man sie von Beginn an aktiv ansprechen. Auch milde Leberenzymerh\u00f6hungen k\u00f6nne man sehen; sie seien selten und k\u00f6nnten sich trotz Therapie wieder normalisieren. Kritisch seien dagegen starker Juckreiz und vor allem Blutbildver\u00e4nderungen wie h\u00e4molytische An\u00e4mie, Neutropenie\/Leukopenie oder Thrombozytopenie \u2013 hier m\u00fcssen die Thyreostatika abgesetzt werden. Solche schweren Nebenwirkungen, wei\u00df PD Dr. Astrid Wehner zu berichten, treten meist im ersten Monat, h\u00e4ufig innerhalb der ersten 3 Monate auf. Die Wahl des oralen Pr\u00e4parates hat keinen Einfluss auf die H\u00e4ufigkeit des Auftretens. Dermal verabreichte Formulierungen hingegen k\u00f6nnen mit geringeren gastrointestinalen Nebenwirkungen einhergehen. Prof. Dr. Felicitas Boretti schlie\u00dft mit einer guten Nachricht ab: Selbst Blutbildver\u00e4nderungen sind nach Absetzen der Thyreostatika meist reversibel. Die modernen, gut dosierbaren veterin\u00e4r-medizinischen Pr\u00e4parate erleichtern eine optimale Einstellung der T4-Konzentration, was dazu f\u00fchrt, dass schwere Nebenwirkungen mittlerweile deutlich seltener gesehen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Dr. Jennifer von Luckner<\/em><\/p>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;vc_default&#8220; gap=&#8220;10&#8243; equal_height=&#8220;yes&#8220; css=&#8220;.vc_custom_1761741256523{margin-top: 30px !important;}&#8220;][vc_column width=&#8220;1\/6&#8243; css=&#8220;.vc_custom_1733824634434{background-color: #E7E7E7 !important;}&#8220;][vc_icon icon_fontawesome=&#8220;fa fa-solid fa-file-pdf&#8220; color=&#8220;custom&#8220; size=&#8220;xl&#8220; align=&#8220;center&#8220; css=&#8220;.vc_custom_1776761421845{margin-top: 10px !important;margin-bottom: 10px !important;padding-top: 20px !important;padding-bottom: 20px !important;}&#8220; custom_color=&#8220;#e51e1e&#8220; link=&#8220;url:https%3A%2F%2Flaboklin.de%2Fwp-content%2Fuploads%2F2026%2F04%2Fexpertenrunde_zur_felinen_hyperthyreose.pdf|title:LABOKLIN%20aktuell%2004.2026|target:_blank&#8220;][\/vc_column][vc_column width=&#8220;5\/6&#8243; css=&#8220;.vc_custom_1733824644825{background-color: #E7E7E7 !important;}&#8220;][vc_column_text css=&#8220;.vc_custom_1776761447930{margin-top: 10px !important;margin-bottom: 0px !important;padding-top: 35px !important;padding-bottom: 0px !important;}&#8220;]<strong><a href=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/expertenrunde_zur_felinen_hyperthyreose.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Expertenrunde zur felinen Hyperthyreose<\/a><\/strong>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Feline Hyperthyreose: Symptome, Diagnostik, neue Parameter, Therapieoptionen<\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":1605565,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"none","_seopress_titles_title":"%%post_title%%","_seopress_titles_desc":"%%post_excerpt%%","_seopress_robots_index":"","footnotes":""},"categories":[28],"tags":[],"class_list":["post-1605564","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-laboklin-aktuell","category-28","description-off"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1605564","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1605564"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1605564\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1605600,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1605564\/revisions\/1605600"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1605565"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1605564"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1605564"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1605564"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}