{"id":1445986,"date":"2023-08-10T15:32:51","date_gmt":"2023-08-10T13:32:51","guid":{"rendered":"https:\/\/laboklin.de\/?p=1445986"},"modified":"2024-04-19T09:51:44","modified_gmt":"2024-04-19T07:51:44","slug":"akute-oder-chronische-diarrhoee-wann-ist-welche-diagnostik-zu-verwenden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/laboklin.de\/de\/akute-oder-chronische-diarrhoee-wann-ist-welche-diagnostik-zu-verwenden\/","title":{"rendered":"Akute oder chronische Diarrh\u00f6e \u2013 wann ist welche Diagnostik zu verwenden?"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\"><p>[vc_row][vc_column][vc_column_text]Verdauungsst\u00f6rungen sind ein h\u00e4ufiger Vorstellungsgrund in der tier\u00e4rztlichen Praxis. Neben Vomitus, Anorexie, Flatulenzen und Gewichtsverlust ist Durchfall ein h\u00e4ufiges Symptom.<br \/>\nDurchfall wird mit einer Erh\u00f6hung der Kotabsatz\u00adfrequenz und des Kotvolumens beschrieben.<br \/>\nEventuell k\u00f6nnen Beimengungen von Blut und\/oder Schleim dazu geh\u00f6ren.<br \/>\nDauert der Durchfall weniger als 3 Wochen spricht man von einem akuten Geschehen. Wenn die Problematik l\u00e4nger als 3 Wochen besteht, handelt es sich um chronische bzw. chronisch-rezidivierende Verdauungsst\u00f6rungen. In den meisten F\u00e4llen sind akute Durchf\u00e4lle selbstlimitierend und k\u00f6nnen di\u00e4tetisch und\/oder mit Fl\u00fcssigkeitssubstitution erfolgreich therapiert werden. Oft ist hier keine aus\u00adl\u00f6sende Komponente zu identifizieren.<br \/>\nBei Patienten mit anhaltenden Verdauungs\u00adst\u00f6rungen muss jedoch eine ausf\u00fchrliche Dia\u00adgnostik durchgef\u00fchrt werden. Zu Beginn stellt sich die Frage, ob es sich um prim\u00e4re gastrointestinale Ursachen (= im Magen-Darm-Trakt lokalisiert) handelt oder ob die Ursache au\u00dferhalb des Magen-Darm-Traktes (extragastrointestinal) gesucht werden muss.[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column css=&#8220;.vc_custom_1650632075890{margin-top: 20px !important;margin-bottom: 20px !important;}&#8220;][vc_column_text css=&#8220;&#8220;]Die <strong>Tabelle 1<\/strong> gibt einen \u00dcberblick \u00fcber m\u00f6gliche gastrointestinale und extragastrointestinale Ursachen.<\/p>\n<table>\n<tbody valign=\"top\">\n<tr style=\"color: #ffffff;\" bgcolor=\"e51e1e\">\n<td><strong>Gastrointestinale Ursachen<\/strong><\/td>\n<td><strong>Extragastrointestinale Ursachen<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Infekti\u00f6se Erreger<\/p>\n<ul>\n<li>Endoparasiten \/ Protozoen<\/li>\n<li>(fakultativ) pathogene Bakterien<br \/>\n(<strong>Salmonellen, Campylobacter, Yersinien <em>Clostridium spp.<\/em>, <em>Escherichia (E.) coli<\/em>)<\/strong><\/li>\n<li>Viren (v.a. Parvoiren, Coronaviren)<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<td valign=\"top\">Erkrankungen des Pankreas<\/p>\n<ul>\n<li>exokrine Pankreasinsuffizienz (EPI)<\/li>\n<li>Pankreatitis<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"302\">Akutes h\u00e4morrhagisches Diarrhoesyndrom (AHDS)<\/td>\n<td width=\"302\">Erkrankungen der Leber<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"302\">Futtermittel-responsive Diarrhoe (FRE)<\/td>\n<td width=\"302\">Nierenerkrankungen<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"302\">Antibiotika-responsive Diarrhoe (ARE)<\/td>\n<td width=\"302\">Hyperthyreose<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"302\">Inflammatory Bowel Disease (IBD)<\/td>\n<td width=\"302\">Morbus Addison<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"302\">Protein-Verlust-Enteropathie (PLE)<\/td>\n<td width=\"302\">Infektionen (z.B. FIV \/ FeLV, <em>Toxoplasma<\/em> bei Katzen)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"302\">Neoplasien<\/td>\n<td width=\"302\">Entz\u00fcndungen (z.B. Pyometra, Peritonitis)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"302\">partielle Obstruktionen<\/td>\n<td width=\"302\">Neoplasien (z.B. Lymphom)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"302\">Toxine<\/td>\n<td width=\"302\">toxisch (z.B. Medikamente)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"302\">idiopathisch<\/td>\n<td width=\"302\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vor jeder Labordiagnostik stehen der Vorbericht und die klinische Untersuchung des Patienten.<br \/>\nNach Angabe der allgemeinen anamnestischen Daten wie Rasse, Alter, Impfstatus, Entwurmung, aktuelle Medikation, Vorbehandlungen usw. sollte auch die Dauer der Symptomatik, die Kotkonsistenz und die Absatzfrequenz erfragt werden. Somit l\u00e4sst sich evtl. eingrenzen, ob es sich eher um eine D\u00fcnndarm- oder Dickdarmproblematik (oder eine Mischform) handelt (Tabelle 2). Die Informationen aus Vorbericht und erfolgter klinischer Untersuchung des Patienten ergeben zusammen die Basis, welche labordiagnostischen Untersuchungen ausgew\u00e4hlt werden.<\/p>\n<p>Die Auswahl der Labordiagnostik richtet sich auch wie oben beschrieben danach, ob eine akute oder chronische Diarrh\u00f6e vorliegt und welche bisherigen Untersuchungen durchgef\u00fchrt wurden.<\/p>\n<p>Zu Beginn k\u00f6nnen Basisuntersuchungen sowohl aus Kot als auch aus Blut erste Hinweise geben. Je nach Ergebnis kann weiter entschieden werden, welche Folgeuntersuchungen n\u00f6tig sind. Auch bildgebende Untersuchungen und die Durchf\u00fchrung einer Eliminationsdi\u00e4t zur Abkl\u00e4rung von Futtermittelunvertr\u00e4glichkeiten k\u00f6nnen je nach Fragestellung veranlasst werden.<\/p>\n<h2>Basisuntersuchungen<\/h2>\n<p>Zu den Basisuntersuchungen geh\u00f6ren:<br \/>\n<strong>Kot<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li>parasitologische Untersuchung (Endoparasiten)<\/li>\n<li>Untersuchung auf (fakultative) Darmpathogene<\/li>\n<li>Untersuchung auf virale Erreger<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Blut<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li>H\u00e4matologie<\/li>\n<li>Blutchemie<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Kommt ein Patient mit Durchfall zum ersten Besuch in die tier\u00e4rztliche Praxis, sollte eine parasitologische Untersuchung durchgef\u00fchrt werden. Ein Befall mit Darmparasiten wie Spul-, Peitschen- oder Hakenw\u00fcrmern kann ebenso zu gastrointestinalen St\u00f6rungen f\u00fchren als auch ein Befall mit Protozoen wie z. B. Giardien oder Kokzidien. Die Untersuchung erfolgt mikroskopisch (Flotation \/ Sedimentation) oder bei Giardien auch \u00fcber einen ELISA (immunologisches Verfahren). Eine 3-Tage-Sammelkotprobe erh\u00f6ht die Wahrscheinlichkeit intermittierend ausgeschiedene Erreger nachzuweisen. Speziell bei der Katze sollte bei entsprechendem Vorbericht auch an eine m\u00f6gliche Infektion mit <em>Tritrichomonas foetus<\/em> gedacht werden, die mittels einer PCR-Untersuchung abgekl\u00e4rt werden kann.<br \/>\nBei akutem Durchfall, vor allem beim Jungtier oder in Verbindung mit einem gest\u00f6rten Allgemeinbe\u00adfinden (z. B. Fieber), k\u00f6nnen verschiedene virale Erreger (v. a. Parvoviren, Circoviren, Coronaviren) die Ursache sein. Diese k\u00f6nnen teils durch einen ELISA und\/oder eine PCR untersucht werden.<br \/>\nEine bakteriologische Untersuchung der Kotprobe kann zur Abkl\u00e4rung einer Infektion mit (fakultativen) Darmpathogenen in Frage kommen. Dazu geh\u00f6ren <em>Salmonella<\/em> spp., <em>Yersinia<\/em> spp., <em>Campylobacter<\/em> spp., E. coli und gasbildende Bakterien wie <em>Clostridium<\/em> spp. und <em>Clostridioides<\/em> sp. Hier vor allem <em>Clostridium perfringens<\/em> und <em>Clostridioides difficile<\/em>, welche in der Lage sind, verschiedene Enterotoxine zu bilden. Sinnvoll ist es bei Hunden und Katzen, die nach dem BARF-Konzept gef\u00fcttert werden, auf Salmonellen, Yersinien, Campylobacter und Listerien zu untersuchen.<br \/>\nNeben der bakteriologischen kann auch die mykologische Untersuchung durch einen vermehrten Nachweis von Hefepilzen Hinweise auf eine Dysbiose geben.<br \/>\nMithilfe der Blutuntersuchung (Blutbild und Blutchemie) ist es m\u00f6glich Informationen zu bekommen, ob es sich um eine systemische Erkrankung handelt, die mit gastrointestinalen Beschwerden einhergeht. Hierzu z\u00e4hlen z. B. Leber- oder Nieren\u00aderkrankungen. Es l\u00e4sst sich beurteilen, ob eine Dehydratation, ein Parasitenbefall oder eine Infektion vorliegt. Auch Hinweise auf ein entz\u00fcndliches Geschehen lassen sich im Blutbild erkennen. Sinnvoll ist auch die Bestimmung des Gesamteiwei\u00df und Albumin um beispielsweise eine Protein-Verlust-Enteropathie zu entdecken oder andere Erkrankungen, welche ebenfalls mit Proteinverlust assoziiert sind, zu erkennen.<\/p>\n<p><strong>Tabelle 2:<\/strong> Unterschiede zwischen D\u00fcnn- und Dickdarmdurchfall<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr style=\"color: #ffffff;\" bgcolor=\"#e51e1e\">\n<td width=\"201\"><strong>Klinisches Bild<\/strong><\/td>\n<td width=\"201\"><strong>D\u00fcnndarm<\/strong><\/td>\n<td width=\"201\"><strong>Dickdarm<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"201\"><strong>Kot<\/strong><\/td>\n<td width=\"201\"><\/td>\n<td width=\"201\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"201\">Volumen<\/td>\n<td width=\"201\">+++<\/td>\n<td width=\"201\">&#8211; bis +<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"201\">Schleim<\/td>\n<td width=\"201\">&#8211;<\/td>\n<td width=\"201\">++ bis +++<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"201\">Blutbeimengungen<\/td>\n<td width=\"201\">Mel\u00e4na<\/td>\n<td width=\"201\">frisches Blut<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"201\">unverdaute Bestandteile<\/td>\n<td width=\"201\">+++<\/td>\n<td width=\"201\">&#8211;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"201\">Konsistenz<\/td>\n<td width=\"201\">oft w\u00e4ssrig<\/td>\n<td width=\"201\">oft breiig<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"201\"><strong>Kotabsatz<\/strong><\/td>\n<td width=\"201\"><\/td>\n<td width=\"201\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"201\">Frequenz<\/td>\n<td width=\"201\">normal bis +<\/td>\n<td width=\"201\">+++<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"201\">Tenesmus<\/td>\n<td width=\"201\">&#8211;<\/td>\n<td width=\"201\">++ bis +++<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"201\"><strong>Gewichtsverlust<\/strong><\/td>\n<td width=\"201\">m\u00f6glich<\/td>\n<td width=\"201\">&#8211;<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h2>Weiterf\u00fchrende Untersuchungen<\/h2>\n<p>Wenn die ersten Untersuchungen noch nicht zu einer Diagnose gef\u00fchrt haben, m\u00fcssen weitere Differentialdiagnosen abgekl\u00e4rt werden. Zu den weiterf\u00fchrenden Untersuchungen geh\u00f6ren:<\/p>\n<p><strong>Kot<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li>Abkl\u00e4rung einer Maldigestion \/ Malabsorption<br \/>\n\u2013 mikroskopische Nahrungsausnutzung<br \/>\n\u2013 canine Pankreaselastase (Hund)<br \/>\n\u2013 Gallens\u00e4uren (chologene Diarrh\u00f6e)<\/li>\n<li>Abkl\u00e4rung eines Entz\u00fcndungsgeschehens<br \/>\n\u2013 Calprotectin<\/li>\n<li>Abkl\u00e4rung eines Proteinverlusts<br \/>\n\u2013 alpha-1-Antitrypsin<\/li>\n<li>Abkl\u00e4rung einer Dysbiose<br \/>\n\u2013 Dysbioseanalyse<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Blut<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li>Pankreas<br \/>\n\u2013 TLI, Vitamin B12, Fols\u00e4ure<br \/>\n\u2013 PLI<\/li>\n<li>Hyperthyreose<br \/>\n\u2013 T4 (Katze)<\/li>\n<li>Morbus Addison<br \/>\n\u2013 Basalcortisol, Na\/K Quotient<\/li>\n<li>Infektionen Katze<br \/>\n\u2013 Antik\u00f6rper (FIV, Toxoplasma), FeLV-Antigen<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Mit der <strong>mikroskopischen Nahrungsausnutzung<\/strong> werden anhand einer Spezialf\u00e4rbung und anschlie\u00dfender Mikroskopie des Kots unverdauter Nahrungsbestandteile wie Fett, Muskelfasern und St\u00e4rke beurteilt. Diese Untersuchung ist nicht spezifisch f\u00fcr ein bestimmtes Krankheitsbild, kann aber Hinweise auf eine verringerte Verdauungs- und Resorptionsleistung (Maldigestion oder Malabsorption) geben.<br \/>\nBei Gewichtverlust mit Erbrechen und Durchfall l\u00e4sst sich beim Hund mit der<strong> caninen Pankreas\u00adelastase<\/strong> die Funktion des exokrinen Pankreas \u00fcberpr\u00fcfen. Dieser Parameter kann als Screening f\u00fcr eine exokrine Pankreasinsuffizienz verwendet werden. Es handelt sich um ein Enzym, welches vom Pankreas sezerniert und im Darm nicht abgebaut wird. Ein hoher Wert best\u00e4tigt eine aus\u00adreichende Funktion des exokrinen Pankreas. Bei einer EPI liegen erniedrigte Werte vor \u2013 diese k\u00f6nnen aber auch bei Hunden mit Durchfall durch einen Verd\u00fcnnungseffekt im Kot und bei gesunden Hunden zeitweise erniedrigt sein. Daher sollte in diesen F\u00e4llen im Anschluss die Bestimmung der TLI-\u00adKonzentration (Trypsin-like Immunoreactivity) im Blut durchgef\u00fchrt werden.<br \/>\nBei <strong>Calprotectin<\/strong> handelt es sich um einen Biomarker, der Hinweise auf ein entz\u00fcndliches Geschehen im Darm geben kann. Es ist ein Protein, welches haupts\u00e4chlich in neutrophilen Granulozyten gebildet wird. Liegt ein Entz\u00fcndungsreiz vor, dringen vermehrt Granulozyten \u00fcber Diffusion in die Darmwand ein und erh\u00f6hen so die Calprotectin-Konzentration im Kot. Die Bestimmung von <strong>alpha-1-Antitrypsin<\/strong> kann durchgef\u00fchrt werden, wenn der Verdacht eines Proteinverlusts \u00fcber den Darm besteht. Alpha-1-Antitrypsin ist ein Proteaseinhibitor, der \u00e4hnlich gro\u00df ist wie das Albumin und in etwa gleicher Weise \u00fcber den Darm verloren geht, wenn zum Beispiel eine gesteigerte Durchl\u00e4ssigkeit der Darmwand besteht. Es ist im Gegensatz zum Albumin unempfindlich gegen\u00fcber bakteriellem proteolytischem Abbau im Darm und wird so unver\u00e4ndert \u00fcber den Kot ausgeschieden. Erh\u00f6hte Werte zeigen einen enteralen Proteinverlust an.<br \/>\nUm abzukl\u00e4ren, ob die intestinalen Mikrobiota im Ungleichgewicht sind, kann eine <strong>Dysbioseanalyse<\/strong> helfen. Ist die Zusammensetzung der Darmflora gest\u00f6rt oder herrscht eine Verschiebung der kommensalen Keime untereinander, spricht man von einer Dysbiose.<br \/>\nImmer h\u00e4ufiger werden verschiedene Krankheitsbilder, wie chronischer Durchfall, Futtermittelunvertr\u00e4glichkeiten, chronische Enteropathie oder metabolische Beschwerden, mit einer Dysbiose in Verbindung gebracht. Mit der kulturellen Anzucht l\u00e4sst sich nur ein sehr geringer Teil (&lt; 1 %) der Bakterien erfassen, wobei durch die molekularbiologisch-basierende Dysbioseanalyse (qPCR) auch Keime, unabh\u00e4ngig ihrer Kultivierungsbedingungen, detektiert werden k\u00f6nnen (v. a. Anaerobier).<br \/>\nWeitere Differentialdiagnosen k\u00f6nnen mit bestimmten Parametern aus dem Blut gezielt abgekl\u00e4rt werden.<br \/>\nErkrankungen des Pankreas sollten \u00fcber die Untersuchung der <strong>TLI-Konzentration<\/strong>, der <strong>PLI-Konzentration<\/strong> (Pancreatic Lipase Immunoreactivity), Vitamin B12 (Cobalamin) und Fols\u00e4ure abgekl\u00e4rt werden k\u00f6nnen.<br \/>\nDie Bestimmung der TLI ist ein spezifischer Test zum Nachweis einer exokrinen Pankreasinsuffizienz (TLI-Konzentration erniedrigt). Der PLI-Wert ist ein Biomarker zur Diagnose einer Pankreatitis. Dabei ist ein Anstieg der PLI-Konzentration im Blut hinweisend.<br \/>\nEndokrinopathien, z. B. die Hyperthyreose bei der Katze, lassen sich \u00fcber die Bestimmung des Gesamt-Thyroxin (T4) abkl\u00e4ren. Beim Morbus Addison sind Elektrolytverschiebungen (Natrium\/Kalium-Quotient) und ein erniedrigter Basalcortisolspiegel sichtbar (Achtung: Es gibt auch atypische Formen ohne Elektrolytverschiebungen).<br \/>\nInfektionen mit dem felinen Immundefizienzvirus (FIV) und dem felinen Leuk\u00e4mievirus f\u00fchren bei der Katze zu einer Immunsuppression und sind damit pr\u00e4disponierend f\u00fcr Infektionen, die den Gastrointestinaltrakt betreffen k\u00f6nnen. Die Detektion von FeLV-Antigen und FIV-Antik\u00f6rper erfolgt \u00fcber einen ELISA oder die Erkennung des Provirus \u00fcber eine PCR.<br \/>\nBildgebende Untersuchungen des Abdomens, histopathologische Untersuchungen von Gewebeproben und die Eliminationsdi\u00e4t sind weitere wichtige diagnostische Methoden zur Abkl\u00e4rung einer chronischen Diarrh\u00f6e.<br \/>\nDie <strong>histologische Untersuchung<\/strong> kann zur Abkl\u00e4rung eines Tumorverdachtes hilfreich sein. Au\u00dferdem k\u00f6nnen typische Ver\u00e4nderungen Hinweise auf eine Protein-Verlust-Enteropathie geben als auch allgemeine Informationen zu einem Entz\u00fcndungsgeschehen im Darm (z. B. Futtermittelunvertr\u00e4glichkeit, IBD).<br \/>\nEine Eliminationsdi\u00e4t ist ein nicht invasiver Weg, eine futtermittelresponsive Diarrh\u00f6e abzukl\u00e4ren. Dabei ist ein striktes Einhalten der Di\u00e4t von gro\u00dfer Wichtigkeit und sollte je nach Compliance des Besitzers und Umfeld des Tieres realistisch eingesch\u00e4tzt werden (z. B. zweifelhaft bei einem Familienhund in einer Familie mit kleinen Kindern, von denen der Hund Essensreste aufschnappt).[\/vc_column_text][vc_column_text css=&#8220;.vc_custom_1691742603543{margin-top: 20px !important;}&#8220;]<\/p>\n<h2>Zusammenfassung<\/h2>\n<p><strong>Abbildung 3<\/strong> gibt einen \u00dcberblick \u00fcber eine m\u00f6gliche diagnostische Aufarbeitung bei Patienten mit Durchfall.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Dr. Corinna Hader<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1446045 size-full\" src=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Diagnostische-Aufarbeitung-Diarrhoee-.jpg\" alt=\"\" width=\"1947\" height=\"964\" srcset=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Diagnostische-Aufarbeitung-Diarrhoee-.jpg 1947w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Diagnostische-Aufarbeitung-Diarrhoee--300x149.jpg 300w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Diagnostische-Aufarbeitung-Diarrhoee--1024x507.jpg 1024w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Diagnostische-Aufarbeitung-Diarrhoee--768x380.jpg 768w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Diagnostische-Aufarbeitung-Diarrhoee--1536x761.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1947px) 100vw, 1947px\" \/><\/p>\n<p><strong>Abb. 3:<\/strong> Diagnostische Aufarbeitung Diarrh\u00f6e[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;vc_default&#8220; gap=&#8220;10&#8243; css=&#8220;.vc_custom_1713511923411{margin-top: 30px !important;}&#8220;][vc_column width=&#8220;1\/2&#8243;][vc_column_text css=&#8220;.vc_custom_1713512032687{margin-bottom: 10px !important;}&#8220;]<\/p>\n<h5><strong>Weiterf\u00fchrende Literatur<\/strong><\/h5>\n<ul>\n<li>\n<h6><span style=\"color: #808080;\"><strong>Dahlem D, Burgener I. Chronische Diarrhoe. kleintier konkret 2015; 18(03): 28-39. doi: 10.1055\/s-0035-1550096.<\/strong><\/span><\/h6>\n<\/li>\n<li>\n<h6><span style=\"color: #808080;\"><strong>Dorn D, Mangelsdorf S.Pankreatitis beim Hund. kleintier konkret 2018; 21(01): 20-31 doi: 10.1055\/s-0043-124118.<\/strong><\/span><\/h6>\n<\/li>\n<li>\n<h6><span style=\"color: #808080;\"><strong>Ewald N, R\u00f6dler F, Heilmann RM. Chronische Enteropathien bei der Katze \u2013 diagnostische und therapeutische Aspekte. Tierarztl Prax Ausg K Kleintiere Heimtiere 2021; 49(05): 363-376.doi: 10.1055\/a-1584-9705<\/strong><\/span><\/h6>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][vc_column width=&#8220;1\/2&#8243;][vc_row_inner equal_height=&#8220;yes&#8220; gap=&#8220;10&#8243;][vc_column_inner width=&#8220;1\/4&#8243; css=&#8220;.vc_custom_1713512063974{background-color: #e7e7e7 !important;}&#8220;][vc_icon icon_fontawesome=&#8220;fas fa-file-pdf&#8220; color=&#8220;custom&#8220; size=&#8220;xl&#8220; align=&#8220;center&#8220; css=&#8220;.vc_custom_1713512079556{margin-top: 20px !important;margin-bottom: 20px !important;}&#8220; custom_color=&#8220;#e51e1e&#8220; link=&#8220;url:https%3A%2F%2Flaboklin.de%2Fwp-content%2Fuploads%2F2023%2F08%2FLA_August_2023_DE_FINAL.pdf|title:LABOKLIN%20aktuell%20AUGUST%202023|target:_blank&#8220;][\/vc_column_inner][vc_column_inner width=&#8220;3\/4&#8243; css=&#8220;.vc_custom_1713512069182{background-color: #e7e7e7 !important;}&#8220;][vc_column_text css=&#8220;.vc_custom_1713512091159{margin-top: 20px !important;margin-bottom: 20px !important;}&#8220;]<a href=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/LA_August_2023_DE_FINAL.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Akute oder chronische Diarrh\u00f6e \u2013<br \/>\nwann ist welche Diagnostik zu verwenden?<\/strong><\/a>[\/vc_column_text][\/vc_column_inner][\/vc_row_inner][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verdauungsst\u00f6rungen sind ein h\u00e4ufiger Vorstellungsgrund in der tier\u00e4rztlichen Praxis.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1446089,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"none","_seopress_titles_title":"","_seopress_titles_desc":"","_seopress_robots_index":"","footnotes":""},"categories":[490],"tags":[],"class_list":["post-1445986","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-laboklin-aktuell-2023","category-490","description-off"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1445986","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1445986"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1445986\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1470905,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1445986\/revisions\/1470905"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1446089"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1445986"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1445986"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1445986"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}