{"id":1440514,"date":"2023-06-16T10:41:39","date_gmt":"2023-06-16T08:41:39","guid":{"rendered":"https:\/\/laboklin.de\/?p=1440514"},"modified":"2024-04-19T10:15:53","modified_gmt":"2024-04-19T08:15:53","slug":"dysbioseanalyse-und-mehr-nicht-invasive-diagnostik-bei-gastrointestinalen-stoerungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/laboklin.de\/de\/dysbioseanalyse-und-mehr-nicht-invasive-diagnostik-bei-gastrointestinalen-stoerungen\/","title":{"rendered":"Dysbioseanalyse und mehr \u2013  nicht invasive Diagnostik bei gastrointestinalen St\u00f6rungen"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\"><p>[vc_row][vc_column width=&#8220;2\/3&#8243;][vc_column_text]<\/p>\n<h2>Physiologie und Aufgaben der intestinalen Mikrobiota<\/h2>\n<p>Die gastrointestinale Mikrobiota ist eine komplexe Gemeinschaft von Mikroorganismen, die den Verdauungstrakt besiedelt und eine wichtige Rolle f\u00fcr die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere spielt. Sie besteht zu 99 % aus anaeroben Bakterienspezies, die unter Ausschluss von Luftsauerstoff wachsen und z. B. den Bakterienst\u00e4mmen Firmicutes, Proteobacteria und Fusobacteriota angeh\u00f6ren. Die genaue Zusammensetzung der Darmmikrobiota ist jedoch individuell verschieden, ver\u00e4ndert sich im Laufe des Lebens und wird durch Faktoren wie Ern\u00e4hrung, Krankheiten, Medikamente oder Umweltbedingungen stark beeinflusst. Eine gesunde Darmmikrobiota unterst\u00fctzt die Verdauung, die Immunabwehr, die Produktion von Vitaminen und kurzkettigen Fetts\u00e4uren (SCFAs) sowie die Abwehr pathogener Keime. Dazu stehen die einzelnen Bakterienst\u00e4mme in engem Zusammenhang, interagieren untereinander, was als cross-feeding bezeichnet wird, und bilden ein eigenes stark vernetztes \u00d6kosystem.<\/p>\n<p>Dieses \u00d6kosystem der Darmmikrobiota kann als die erste Ebene der Darmbarriere gesehen werden. Allein durch ihr Vorhandensein und ihre Stoffwechselleistung verhindert sie das Ansiedeln von Pathogenen und beeintr\u00e4chtigt deren Vermehrung (Kolonisationsresistenz). Die darauffolgende Schleimschicht und die Darmschleimhaut stellen weiterhin eine mechanische Barriere gegen\u00fcber Fremdkeimen und Antigenen dar. Darmepithelzellen sind durch \u201etight junctions\u201c (Zell-Zell-Verbindungen) miteinander verbunden, sodass bei einer intakten Schleimhaut der Transfer von Substanzen sehr selektiv geschieht. Als dritte Ebene der Darmbarriere spielt das Darm-assoziierte Immunsystem eine wichtige Rolle. Schon die blo\u00dfe Anwesenheit der Darmmikrobiota tr\u00e4gt \u00fcber st\u00e4ndiges Training des Darm-assoziierten Immunsystems zur Instandhaltung einer \u00adimmunologischen Abwehrbarriere gegen Fremdkeime bei. Au\u00dferdem werden Pathogene durch die Stimulation der Synthese von antimikrobiell wirksamen Peptiden wie \u00df-Defensinen und Immun\u00adglobulinen aktiv verdr\u00e4ngt. Eine v\u00aderminderte Barriere\u00adfunktion z. B. durch bakterielle Dysbalancen kann unter anderem zum \u00dcbertritt von \u00adAntigenen, Endotoxinen und zentralnerv\u00f6s wirksamen Metaboliten aus dem Darmlumen in den Blutkreislauf f\u00fchren und diverse Patho\u00admechanismen initiieren oder verst\u00e4rken.<\/p>\n<h2>Folgen und Diagnostik von Dysbiosen<\/h2>\n<p>Eine Dysbiose der Mikrobiota ist eine St\u00f6rung des Gleichgewichts zwischen den verschiedenen Bakterienarten, die zu einer verminderten Diversit\u00e4t, einer erh\u00f6hten Anzahl von potentiell sch\u00e4dlichen Bakterien und einer ver\u00e4nderten Funktion der Mikrobiota f\u00fchren kann. Sie kann durch verschiedene Faktoren ausgel\u00f6st oder beg\u00fcnstigt werden, wie z. B. Stress, Ern\u00e4hrungsumstellung, Antibiotikatherapie, Infektionen oder chronische Darmerkrankungen. Des Weiteren kann bei bestehenden gastrointestinalen Beschwerden eine Dysbiose zu einer schnellen Verschlechterung der klinischen Symptome f\u00fchren. Eine Analyse der Dysbiose z. B. mittels quantitativer PCR (Probenmaterial: Faeces) kann daher eine n\u00fctzliche diagnostische Methode sein, um das Ausma\u00df der Darmst\u00f6rung zu beurteilen und eine gezielte Therapie zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Klinische Symptome, die f\u00fcr eine Dysbioseanalyse sprechen, k\u00f6nnen sein:<\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li>chronische und akut-entz\u00fcndliche Darmerkrankungen<\/li>\n<li>Bl\u00e4hungen, Durchfall, Verstopfung<\/li>\n<li>D\u00fcnndarm\u00fcberwucherungssyndrom (SIBO), Reizdarmsyndrom<\/li>\n<li>Maldigestion, Malabsorption, Mikron\u00e4hrstoffdefizite<\/li>\n<li>Futtermittelunvertr\u00e4glichkeiten, Allergien<\/li>\n<li>Juckreiz, Ekzeme<\/li>\n<li>Fellverlust<\/li>\n<li>u. v. m.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][vc_column width=&#8220;1\/3&#8243;][vc_column_text css=&#8220;&#8220;]<\/p>\n\n\t\t\t<style type='text\/css'>\n\t\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t#gallery-1 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landscape'>\n\t\t\t\t\t<a class=\"rollover rollover-zoom dt-pswp-item\" title=\"\" data-dt-img-description=\"LABOKLIN aktuell | Abb. 2: H\u00fcndin Leila (li) und abgesetzter Kot (re)  &lt;br&gt;Bildquelle: Dr. Jennifer Scherzer\" data-large_image_width=\"1100\" data-large_image_height=\"781\"href='https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/LA_06-23_Abb.2.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1100\" height=\"781\" src=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/LA_06-23_Abb.2.jpg\" class=\"attachment-full size-full\" alt=\"LABOKLIN aktuell 06.2023:: H\u00fcndin Leila (li) und abgesetzter Kot (re)\" aria-describedby=\"gallery-1-1440515\" srcset=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/LA_06-23_Abb.2.jpg 1100w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/LA_06-23_Abb.2-300x213.jpg 300w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/LA_06-23_Abb.2-1024x727.jpg 1024w, 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Gr\u00fcne Pfeile entsprechen den Referenzwerten bzw. zeigen keine Auff\u00e4lligkeit, im Vergleich zu den Referenzwerten zeigen gelbe Pfeile eine leichte Erh\u00f6hung oder Erniedrigung und rote Pfeile eine starke Abweichung an. &lt;br&gt;Bildquelle: Laboklin\" data-large_image_width=\"628\" data-large_image_height=\"1413\"href='https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/LA_06-23_Ergebnis-des-Dysbioseprofils.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"628\" height=\"1413\" src=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/LA_06-23_Ergebnis-des-Dysbioseprofils.jpg\" class=\"attachment-full size-full\" alt=\"LABOKLIN aktuell 06.2023: Ergebnis des Dysbioseprofils von H\u00fcndin \u201eLeila\u201c. Gr\u00fcne Pfeile entsprechen den Referenzwerten bzw. zeigen keine Auff\u00e4lligkeit, im Vergleich zu den Referenzwerten zeigen gelbe Pfeile eine leichte Erh\u00f6hung oder Erniedrigung und rote Pfeile eine starke Abweichung an.\" aria-describedby=\"gallery-1-1440549\" srcset=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/LA_06-23_Ergebnis-des-Dysbioseprofils.jpg 628w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/LA_06-23_Ergebnis-des-Dysbioseprofils-133x300.jpg 133w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/LA_06-23_Ergebnis-des-Dysbioseprofils-455x1024.jpg 455w\" sizes=\"auto, (max-width: 628px) 100vw, 628px\" \/><\/a>\n\t\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1440549'>\n\t\t\t\t\tAbb. 3: Ergebnis des Dysbioseprofils von H\u00fcndin \u201eLeila\u201c. Gr\u00fcne Pfeile entsprechen den Referenzwerten bzw. zeigen keine Auff\u00e4lligkeit, im Vergleich zu den Referenzwerten zeigen gelbe Pfeile eine leichte Erh\u00f6hung oder Erniedrigung und rote Pfeile eine starke Abweichung an. <br>Bildquelle: Laboklin\n\t\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t\t<\/div>\n\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column css=&#8220;.vc_custom_1650632075890{margin-top: 20px !important;margin-bottom: 20px !important;}&#8220;][vc_column_text css=&#8220;&#8220;]Da Krankheitsbilder und klinische Symptome nicht unbedingt auf einen einzelnen Bakterienstamm oder eine Spezies zur\u00fcckgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen, konzentriert sich die Dia\u00adgnostik auf die Messung ganzer funktioneller Bakterien\u00adgruppen. Aus Studien ergaben sich f\u00fcr Hunde und Katzen, einige Bakterien und Bakteriengruppen, die als <strong>Markerkeime auf einen \u00addysbiotischen Zustand des Darmes<\/strong> genutzt werden k\u00f6nnen. Der Nachweis der Markerkeime mittels molekularbiologischer Methoden kann zum einen Aufschluss \u00fcber die Kolonisations\u00adresistenz liefern. Zum anderen kann die Betrachtung einzelner funktioneller Bakteriengruppen, wie SCFA-bildender oder mukosaprotektiver \u00adBakterien, R\u00fcckschl\u00fcsse auf den Zustand der Mukus\u00adschicht und die Energie\u00adversorgung der Darmepithelzellen erlauben.<\/p>\n<p>Jedoch ist zu beachten, dass die Ursachen f\u00fcr eine Dysbiose sehr vielf\u00e4ltig sein k\u00f6nnen und die St\u00f6rung des bakteriellen Gleichgewichtes einen direkten Einfluss auf die Barrierefunktion der Darmwand hat. Somit kann die Bestimmung weiterer Parameter hilfreich sein, um den Zustand der Darmbarriere detaillierter zu betrachten (Abbildung 1).<\/p>\n<h2>F\u00e4kale Biomarker zur Beurteilung von Darmschleimhaut und Verdauungsleistung<\/h2>\n<p>Neben den Markerkeimen erg\u00e4nzen mitunter folgende biochemische Parameter das Dysbioseprofil:<\/p>\n<p>\u2013 <strong>Calprotectin<\/strong> \u2013 ist als Entz\u00fcndungsmarker in der Differentialdiagnostik f\u00fcr eine Reihe von Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts (z. B. IBD oder anderer entz\u00fcndlicher Darmerkrankungen) gut geeignet. Ebenfalls kann er zur \u00dcberwachung des Therapieverlaufs und zur Erkennung von Rezidiven bei diesen Erkrankungen eingesetzt werden.<br \/>\n\u2013 <strong>Alpha-1-Antitrypsin<\/strong> \u2013 kann als Marker f\u00fcr Proteinverluste \u00fcber den Darm verwendet werden. Jedoch ist zu beachten, dass es sich hierbei nicht um einen f\u00fcr entz\u00fcndliche Darmerkrankungen spezifischen Marker handelt. Erh\u00f6hte Werte kommen bei anderen gastrointestinalen oder systemischen Erkrankungen vor, die zu einer erh\u00f6hten Darmpermeabilit\u00e4t (\u201cleaky gut\u201c) f\u00fchren.<br \/>\n\u2013 Die Konzentration der <strong>caninen Pankreas\u00adelastase 1<\/strong> \u2013 spiegelt direkt die exokrine Pankreasfunktion wider. Ein Mangel an Pankreas\u00adelastase kann zu Verdauungsproblemen und Mangelern\u00e4hrung f\u00fchren und ein niedriger Wert im Kot deutet auf eine mangelnde Produktion von Verdauungsenzymen hin. Eine verminderte pr\u00e4caecale Verdauungsleistung f\u00fchrt dar\u00fcber hinaus zu einer vermehrten Anflutung von Fetten und Proteinen im Dickdarm. Hierdurch wird das Milieu zugunsten von potentiell nachteiligen Keimen verschoben und das Entstehen von Dysbiosen kann beg\u00fcnstigt werden.<\/p>\n<p>Ein weiterer Biomarker, <strong>das sekretorische IgA (sIgA)<\/strong>, kann Aufschl\u00fcsse \u00fcber die Belastung der Darmschleimhaut geben und wird ab dem 01.07.2023 im Dysbioseprofil f\u00fcr Hund und Katze neu angeboten.<\/p>\n<h2>Bedeutung und Funktion vom sIgA<\/h2>\n<p>Der Antik\u00f6rper sIgA, der vor allem auf den Schleimh\u00e4uten vorkommt, dient als eine erste Verteidigungslinie gegen Pathogene, die \u00fcber die Atemwege, den Magen-Darm-Trakt oder die Haut eindringen k\u00f6nnen. Als wichtiger Bestandteil des Darm-assoziierten Immunsystems bindet es an potenziell sch\u00e4dliche Mikroben oder Antigene und verhindert so, dass sie an die Darmwand andocken oder diese sch\u00e4digen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der Zusammenhang zwischen Darmmikrobiom und sIgA ist noch nicht vollst\u00e4ndig gekl\u00e4rt, jedoch hat die Mikrobiota einen Einfluss auf das Darm-assoziierte Immunsystem und somit auf die Bildung und Funktion von sIgA. Zum einen f\u00f6rdert es die Reifung und Aktivierung der Plasmazellen, die sIgA produzieren. Zum anderen moduliert das sIgA die Zusammensetzung und Aktivit\u00e4t der intestinalen Mikrobiota, indem es bestimmte Mikroben selektiv bindet oder hemmt. Dadurch entsteht eine symbiotische Beziehung, die f\u00fcr die Erhaltung der Darmbarriere und der mukosalen Immunit\u00e4t wichtig ist.<\/p>\n<p>sIgA ist ein wichtiger diagnostischer Marker f\u00fcr verschiedene Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, wie z. B. der chronisch entz\u00fcndlichen Enteropathie oder des Leaky-Gut-Syndroms. Die Bestimmung von sIgA im Kot kann Aufschluss \u00fcber die Funktionsf\u00e4higkeit und die Beanspruchung des Darm-assoziierten Immunsystems geben.<\/p>\n<p>\u2013 Ein <strong>verminderter Nachweis<\/strong> von <strong>sIgA<\/strong> kann auf eine Beeintr\u00e4chtigung der Darmbarriere und eine Schw\u00e4chung des lokalen Immunsystems hinweisen. Dies kann mit einer erh\u00f6hten Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr Darmerkrankungen, einer erh\u00f6hten Infektanf\u00e4lligkeit, allergischen Reaktionen oder immunsuppressiven Zust\u00e4nden einhergehen.<br \/>\n\u2013 Ein <strong>erh\u00f6htes sIgA<\/strong> kann auf eine besondere Beanspruchung des Darmimmunsystems hinweisen, die durch akute oder chronische Entz\u00fcndungen der Darmschleimhaut verursacht werden kann. M\u00f6gliche Erkrankungen sind z.\u00a0B. Colitis, IBD oder Parasitosen.<\/p>\n<p>Die Bestimmung von sIgA im Kot ist eine einfache und nicht invasive Methode, um den lokalen Immunstatus im Darm zu beurteilen. Allerdings sollte sie immer in Kombination mit anderen klinischen und laborchemischen Parametern interpretiert werden, um eine korrekte Diagnose zu stellen.<\/p>\n<h2>Fallbeispiel<\/h2>\n<p>\u201eLeila\u201c ist eine 8-j\u00e4hrige Boxerh\u00fcndin, die seit einigen Monaten unter wiederkehrendem Durchfall (Abbildung 2), Bl\u00e4hungen und Appetitlosigkeit leidet. Es wurde ein Dysbioseprofil aus Sammelkot (Abbildung 3) erstellt. Dabei ergab die Analyse einen erh\u00f6hten Gehalt an sIgA und Calprotectin. Dies deutet auf eine Entz\u00fcndung der Darmschleimhaut sowie auf eine starke Belastung des lokalen Immunsystems hin.<br \/>\nDie Analyse der Markerkeime ergab eine verminderte Diversit\u00e4t des Mikrobioms. Der Intestinal Score lag mit 5,0 im auff\u00e4lligen Bereich und spricht somit f\u00fcr einen dysbiotischen Zustand.<br \/>\nBei genauerer Betrachtung der Markerkeimgruppen fiel eine leichte bis starke Verminderung zu den Referenzwerten von<em> F. prausnitzii<\/em>, <em>Turicibacter spp<\/em>. und <em>Blautia spp<\/em>. auf. Diese Spezies geh\u00f6ren zum Stamm der Firmicutes und tragen als SCFA-Produzenten oder SCFA-Verwerter eine entscheidende Rolle bei der Energieversorgung der Darmeptihelzellen.<br \/>\nDas Proteobakterium E. coli war hingegen im Vergleich zum Referenzbereich erh\u00f6ht. Dies wird beim Hund im Zusammenhang mit gastrointestinalen St\u00f6rungen beobachtet. Neben einer Verdr\u00e4ngung schleimhautprotektiver Bakterien k\u00f6nnen die stark immunogene Wirkung und nachteilige Stoffwechselprodukte zu einer Reizung der Darmschleimhaut beitragen. Weiterhin wird das Darmmilieu so zugunsten von Pathogenen verschoben.<\/p>\n<p>Durch die Umstellung auf ein leichtverdauliches Futter mit dem Zusatz von Pr\u00e4biotika, kann das Wachstum schleimhautprotektiver Bakterien gef\u00f6rdert und gleichzeitig die Ausbreitung nachteiliger Bakterien gehemmt werden. Dieser Effekt kann durch den zus\u00e4tzlichen Einsatz von Probiotika weiter verst\u00e4rkt werden. Folglich werden die Enterozyten wieder besser mit Energie versorgt und die Folgen der Reizung durch sch\u00e4dliche bakterielle Stoffwechselprodukte nehmen ab. Gegebenenfalls kann die Therapie durch die Zugabe entz\u00fcndungshemmender Medikamente erg\u00e4nzt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Dr. Jennifer Scherzer<\/em><\/p>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;vc_default&#8220; gap=&#8220;10&#8243; css=&#8220;.vc_custom_1713514452866{margin-top: 30px !important;}&#8220;][vc_column width=&#8220;1\/2&#8243;][vc_column_text]<\/p>\n<h5><strong>Weiterf\u00fchrende Literatur<\/strong><\/h5>\n<ul>\n<li>\n<h6><span style=\"color: #808080;\"><strong>Tress U, Suchodolski JS, Williams DA, Steiner JM. Development of a fecal sample collection strategy for extraction and quantification of fecal immunoglobulin A in dogs. Am J Vet Res. 2006 Oct;67(10):1756-9. doi: 10.2460\/ajvr.67.10.1756.<\/strong><\/span><\/h6>\n<\/li>\n<li>\n<h6><span style=\"color: #808080;\"><strong>Peters IR, Calvert EL, Hall EJ, Day MJ. Measurement of immunoglobulin concentrations in the feces of healthy dogs. Clin Diagn Lab Immunol. 2004 Sep;11(5):841-8. doi: 10.1128\/CDLI.11.5.841-848.2004.<\/strong><\/span><\/h6>\n<\/li>\n<li>\n<h6><span style=\"color: #808080;\"><strong>Grellet A, Heilmann RM, Polack B, Feugier A, Boucraut-Baralon C, Grandjean D, Gr\u00fctzner N, Suchodolski JS, Steiner JM, Chastant-Maillard S. Influence of Breed Size, Age, Fecal Quality, and Enteropathogen Shedding on Fecal Calprotectin and Immunoglobulin A Concentrations in Puppies During the Weaning Period. J Vet Intern Med. 2016 Jul;30(4):1056-64. doi: 10.1111\/jvim.14255.<\/strong><\/span><\/h6>\n<\/li>\n<li>\n<h6><span style=\"color: #808080;\"><strong>AlShawaqfeh MK, Wajid B, Minamoto Y, Markel M, Lidbury JA, Steiner JM, Serpedin E, Suchodolski JS. A dysbiosis index to assess microbial changes in fecal samples of dogs with chronic inflammatory enteropathy. FEMS Microbiol Ecol. 2017 Nov 1;93(11). doi: 10.1093\/femsec\/fix136.<\/strong><\/span><\/h6>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][vc_column width=&#8220;1\/2&#8243;][vc_row_inner equal_height=&#8220;yes&#8220; content_placement=&#8220;middle&#8220; gap=&#8220;10&#8243;][vc_column_inner width=&#8220;1\/4&#8243; css=&#8220;.vc_custom_1713514508086{background-color: #e7e7e7 !important;}&#8220;][vc_icon icon_fontawesome=&#8220;fas fa-file-pdf&#8220; color=&#8220;custom&#8220; size=&#8220;xl&#8220; align=&#8220;center&#8220; css=&#8220;.vc_custom_1713514533130{margin-top: 20px !important;margin-bottom: 20px !important;}&#8220; custom_color=&#8220;#e51e1e&#8220; link=&#8220;url:https%3A%2F%2Flaboklin.de%2Fwp-content%2Fuploads%2F2023%2F06%2FLA_Juni_2023_DE_FINAL.pdf|title:LABOKLIN%20aktuell%20JUNI%202023|target:_blank&#8220;][\/vc_column_inner][vc_column_inner width=&#8220;3\/4&#8243; css=&#8220;.vc_custom_1713514513438{background-color: #e7e7e7 !important;}&#8220;][vc_column_text css=&#8220;.vc_custom_1713514549382{margin-top: 20px !important;margin-bottom: 20px !important;}&#8220;]<a href=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/LA_Juni_2023_DE_FINAL.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Dysbioseanalyse und mehr \u2013 <\/strong><strong>nicht invasive Diagnostik bei gastrointestinalen St\u00f6rungen<\/strong><\/a>[\/vc_column_text][\/vc_column_inner][\/vc_row_inner][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column][vc_column_text]<\/p>\n<h1><span style=\"color: #ffffff;\">Wurmbefall Hund \u2013 worauf ist zu achten? \u2013 zoonotisches Potential<\/span><\/h1>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die gastrointestinale Mikrobiota ist eine komplexe Gemeinschaft von Mikroorganismen, die den Verdauungstrakt besiedelt und eine wichtige Rolle f\u00fcr die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere spielt. <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1440566,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"none","_seopress_titles_title":"","_seopress_titles_desc":"","_seopress_robots_index":"","footnotes":""},"categories":[490],"tags":[],"class_list":["post-1440514","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-laboklin-aktuell-2023","category-490","description-off"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1440514","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1440514"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1440514\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1470924,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1440514\/revisions\/1470924"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1440566"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1440514"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1440514"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1440514"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}