{"id":1339523,"date":"2009-12-20T15:04:57","date_gmt":"2009-12-20T14:04:57","guid":{"rendered":"https:\/\/laboklin.de\/?p=1339523"},"modified":"2024-10-21T10:16:45","modified_gmt":"2024-10-21T08:16:45","slug":"mdr1-defekt-beim-hund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/laboklin.de\/de\/mdr1-defekt-beim-hund\/","title":{"rendered":"MDR1-Defekt beim Hund"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\"><p>[vc_row][vc_column width=&#8220;2\/3&#8243;][vc_column_text]<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Vor mehr als zwei Jahrzehnten wurde bei Colliehunden erstmals ein Krankheitsbild beobachtet, bei dem es infolge der Behandlung mit dem Antiparasitikum Ivermectin zur Auspr\u00e4gung schwerer neurologischer Symptome kam. Einige Tiere zeigten bereits nach Verabreichung subtherapeutischer Ivermectindosen Vomitus, Tremor, neurologische Bewegungsst\u00f6rungen, Kr\u00e4mpfe sowie komat\u00f6se Zust\u00e4nde, sogar Todesf\u00e4lle wurden beschrieben. Andere Tiere der Rasse tolerierten dagegen die Verabreichung wesentlich h\u00f6herer (therapeutischer) Ivermectinkonzentrationen ohne neurologische Symptome zu entwickeln. Dieses Ph\u00e4nomen wurde als \u201eIvermectin-Unvertr\u00e4glichkeit des Collies\u201c bezeichnet. Mittlerweile sind zahlreiche Wirkstoffe bekannt, die bei verschiedenen Hunderassen und Mischlingen zur Ausbildung neurotoxischer Symptomatik mit dramatischen Krankheitsverl\u00e4ufen f\u00fchren k\u00f6nnen. Daf\u00fcr verantwortlich ist ein Gendefekt im MDR1- Gen der betroffenen Tiere. Besitzen Hunde dieses Defektgen, k\u00f6nnen bestimmte (lipophile) Substanzen ungehindert ins Gehirn eindringen, wo sie agonistisch an Gaba &#8211; Rezeptoren von Nervenzellen wirken. Schwere Vergiftungserscheinungen sind die Folge, die therapeutisch nicht mit einer spezifischen Therapie zu beeinflussen sind.<\/p>\n<h2 class=\"bodytext\">MDR1-Defekt &#8211; Die Mutation<\/h2>\n<p class=\"bodytext\">Die \u00dcberempfindlichkeit gegen\u00fcber dem Antiparasitikum Ivermectin und weiteren Medikamenten ist durch einen Defekt im Multidrug-Resistance Transporter (MDR1) bedingt. Dieser Transporter fungiert als Effluxpumpe und sitzt u.a. in der Membran von Endothelzellen, die die Gehirnkapillaren auskleiden. Er \u00fcbt im Gehirn eine Barrierefunktion aus (Blut\/Hirnschranke), indem er Arzneistoffe und toxische Verbindungen in den Gehirnkapillaren zur\u00fcckh\u00e4lt und sie wieder aktiv ins Blut transportiert. Damit wird ein \u00dcbertritt dieser Substanzen in das Nervengewebe verhindert. Das intakte MDR1- Protein wird auch als<br \/>\nP-Glycoprotein bezeichnet, besteht aus 1280 Aminos\u00e4uren und ist ein essentieller Bestandteil der Blut\/Hirnschranke. Ist bei Hunden das Defektgen vorhanden, bricht die Synthese des MDR1-Proteins bereits nach ca. 10% des Leserahmens vorzeitig ab. Dem defekten MDR1-Gen fehlen vier Basenpaare, nach der Lokalisation des Defektes wird die Mutation als nt 230 (del4) bezeichnet.<\/p>\n<h2 class=\"bodytext\">MDR1-Defekt &#8211; Die Funktionen<\/h2>\n<p class=\"bodytext\">Neben der Barrierefunktion im Gehirn, Hoden und der Plazenta \u00fcbernimmt das MDR1-Protein in anderen K\u00f6rperorganen Ausscheidungsfunktionen. So wird das MDR1-Protein in Leber, Niere und Darm exprimiert und ist an der Ausscheidung von Wirkstoffen (Leber, Niere) beteiligt. Ferner wirkt das MDR1- Protein im Darm als eine Absorptionsbarriere. Ist der MDR1- Transporter nicht intakt, verliert er einerseits seine Barrierefunktion im Gehirn\/Hoden\/ Plazenta, andererseits ver\u00e4ndert sich die Pharmakokinetik f\u00fcr viele Substanzen durch verst\u00e4rkte Absorption bzw. verz\u00f6gerte Elimination. Eine fatale Kumulation von Wirkstoffen ist die Folge und der Organismus wird mit toxischen Substanzen \u00fcberflutet. Zus\u00e4tzlich \u00fcbernimmt das MDR1- Protein auch Transportfunktionen und beeinflusst endokrine Regelkreise. So limitiert das intakte MDR1-Protein den \u00dcbertritt von NNR- Hormonen Cortisol und Corticosteron ins Gehirn. Ist diese \u201eTransportkontrolle\u201c nicht mehr gew\u00e4hrleistet, kommt es zu einer down-Regulierung des feed-back- Mechanismus der Hypothalamus\/ Hypophysenachse.<\/p>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][vc_column width=&#8220;1\/3&#8243;][vc_column_text]<\/p>\n\n\t\t\t<style type='text\/css'>\n\t\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\t\twidth: 100%;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='dt-gallery-container gallery galleryid-1339523 gallery-columns-1 gallery-size-large'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t\t<a class=\"rollover rollover-zoom dt-pswp-item\" title=\"\" data-dt-img-description=\"LABOKLIN aktuell | &lt;b&gt;Abb. 1:&lt;\/b&gt; MDR1-Defekt beim Hund  (Deutschland 2006 - 2009)\" data-large_image_width=\"342\" data-large_image_height=\"324\"href='https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/1-min-15.png'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"342\" height=\"324\" src=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/1-min-15.png\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"Laboklin: MDR1-Defekt beim Hund (Deutschland 2006 - 2009)\" aria-describedby=\"gallery-1-1339524\" srcset=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/1-min-15.png 342w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/1-min-15-300x284.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 342px) 100vw, 342px\" \/><\/a>\n\t\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1339524'>\n\t\t\t\t\t<b>Abb. 1:<\/b> MDR1-Defekt beim Hund  (Deutschland 2006 &#8211; 2009)\n\t\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t\t<a class=\"rollover rollover-zoom dt-pswp-item\" title=\"\" data-dt-img-description=\"LABOKLIN aktuell | &lt;b&gt;Abb. 2:&lt;\/b&gt; MDR1-Defekt beim  Collie  (Deutschland 2006 - 2009)\" data-large_image_width=\"362\" data-large_image_height=\"445\"href='https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/2-min-14.png'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"362\" height=\"445\" src=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/2-min-14.png\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"Laboklin: MDR1-Defekt beim Collie (Deutschland 2006 - 2009)\" aria-describedby=\"gallery-1-1339528\" srcset=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/2-min-14.png 362w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/2-min-14-244x300.png 244w\" sizes=\"auto, (max-width: 362px) 100vw, 362px\" \/><\/a>\n\t\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1339528'>\n\t\t\t\t\t<b>Abb. 2:<\/b> MDR1-Defekt beim  Collie  (Deutschland 2006 &#8211; 2009)\n\t\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t\t<a class=\"rollover rollover-zoom dt-pswp-item\" title=\"\" data-dt-img-description=\"LABOKLIN aktuell | &lt;b&gt;Abb. 3:&lt;\/b &gt; MDR1-Defekt nach Hunderassen  (Deutschland 2006 - 2009)\" data-large_image_width=\"718\" data-large_image_height=\"477\"href='https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/3-min-8.png'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"718\" height=\"477\" src=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/3-min-8.png\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"Laboklin: MDR1-Defekt nach Hunderassen (Deutschland 2006 - 2009)\" aria-describedby=\"gallery-1-1339532\" srcset=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/3-min-8.png 718w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/3-min-8-300x199.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 718px) 100vw, 718px\" \/><\/a>\n\t\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1339532'>\n\t\t\t\t\t<b>Abb. 3:<\/b > MDR1-Defekt nach Hunderassen  (Deutschland 2006 &#8211; 2009)\n\t\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t\t<\/div>\n\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column css=&#8220;.vc_custom_1712651446463{margin-top: 10px !important;}&#8220;][vc_column_text]Niedrige Basalcortisolkonzentrationen und ev. eine Suppression der Schilddr\u00fcsenhormone k\u00f6nnen die Folge sein. Bei betroffenen Tieren ist u. U. eine geringe Substitution von Schilddr\u00fcsenhormonen in Erw\u00e4gung zu ziehen (in subtherapeutischer Dosis von ~1 mg\/Tier). In einer prospektiven Studie aus den USA zeigten Tiere mit dem MDR1- Defektgen eine erh\u00f6hte Stressanf\u00e4lligkeit (deutlich herabgesetzte Antwort der NNR nach Stimulation) im Vergleich zu MDR1-intakten Hunden und erholten sich langsamer von schweren Erkrankungen.<\/p>\n<h2 class=\"bodytext\">MDR1-Defekt &#8211; Die Rassen<\/h2>\n<p class=\"bodytext\">Nachdem urspr\u00fcnglich die Mutation nur bei Colliehunden beschrieben war, kennt man heute eine Vielzahl von Hunderassen und Mischlingen, bei denen der Defekt nachgewiesen wurde. Betroffene Rassen sind der Collie (Kurz-Langhaar), Australian Shepherd, English Shepherd, Sheltie, Bobtail, Border Collie, Wei\u00dfer Sch\u00e4ferhund, W\u00e4ller, Longhaired Whippet und Silken Windhound. Eigene Untersuchungsergebnisse bei LABOKLIN in den Jahren von 2006 bis 2009 zeigten, dass ca. 57 % aller untersuchten Tiere frei waren von der MDR1-Mutation, ca. 32 % der untersuchten Tiere waren Tr\u00e4ger und 11 % der Hunde waren homozygot betroffen.<\/p>\n<h2 class=\"bodytext\">MDR1-Defekt &#8211; beim Collie<\/h2>\n<p class=\"bodytext\">Ca. 42 % aller eingesandten Proben stammten von Hunden der Rasse \u201eCollie\u201c. Unterteilt man die Colliehunde in verwandte Rassen, so wurden ca. 59 % zu \u201eCollie unbestimmt\u201c gez\u00e4hlt, da hier keine detaillierte Rasseangabe von den einsendenden Praxen erfolgt war. Die zweitgr\u00f6\u00dfte Probenanzahl stammte von Hunden der Rasse Border- Collie mit ca. 22 % aller Einsendungen. Danach folgten der Langhaar-Collie mit ca. 8 % der Proben, der Kurzhaar-Collie (7 %) und der Bearded Collie mit 3 % der Proben. Die Langhaarcollies stellten mit insgesamt ca. 33 % der getesteten Tiere die gr\u00f6\u00dfte Zahl der homozygot betroffenen Hunde. Innerhalb dieser Gruppe nimmt der American Collie eine Sonderstellung ein, da er kein einziges \u201efrei\u201c\u2013 getestetes Tier aufwies, aber 60 % der Tiere homozygot betroffen waren und 40 % als Tr\u00e4gertiere identifiziert wurden. Die Gruppe \u201eCollie-unbestimmt\u201c folgte mit ca. 26 % homozygot betroffenen Tieren, gefolgt von der Gruppe der Kurzhaarcollies mit ca. 17 % homozygot betroffenen Tieren. Bei den weiteren getesteten Rassen waren die homozygot betroffenen Hunde am h\u00e4ufigsten bei der Rasse Longhaired Whippet (12,5 %) zu finden, gefolgt von den Rassen Shetland Sheepdog (7,7 %) und Australian Shepherd (5,6 %). Bei den getesteten Bearded Collies war kein einziges homozygot betroffenes Tier dabei und nur 2,7 % wurden als Tr\u00e4gertiere identifiziert.<\/p>\n<h2 class=\"bodytext\">MDR1-Defekt &#8211; Die Arzneistoffe<\/h2>\n<p class=\"bodytext\">Es sind zahlreiche Wirkstoffe bekannt, die die \u201eIvermectin-Unvertr\u00e4glichkeit\u201c bei Tieren mit homozygotem MDR1-Genotyp ausl\u00f6sen k\u00f6nnen. Bekannte Substanzen, die zu neurotoxischen Erscheinungen und Todesf\u00e4llen f\u00fchren bzw. f\u00fcr die eine Interaktion mit dem Multi-drug-transporter bei Hunden nachgewiesen wurde, sind Loperamid (Imodium<sup>\u00ae<\/sup>) und makrozyklische Laktone.<\/p>\n<p>Zu den makrozyklischen Laktonen z\u00e4hlen zahlreiche Antiparasitaria aus der Stoffgruppe der Avermectine (Ivermectin, Doramectin, Moxidectin u.a.m.). Wenn Arzneimittel aus diesen Stoffgruppen bei MDR1-defekten Tieren eingesetzt werden, m\u00fcssen sie ausdr\u00fccklich f\u00fcr die Anwendung am Hund zugelassen sein. Die Medikamente d\u00fcrfen in keiner anderen als der angegebenen Applikationsform und Dosierung verabreicht werden (z.b. oral statt topisch). F\u00fcr den Hund zugelassene Pr\u00e4parate sind z.B. Stronghold<sup>\u00ae<\/sup>\u00a0, Advocate\u00ae und Milbemax<sup>\u00ae<\/sup>. Das Selamectinpr\u00e4parat Stronghold<sup>\u00ae<\/sup>\u00a0wurde bei MDR1 -homozygoten Collies als spot-on Formulierung getestet und es wurden keine Intoxikationsanzeichen beobachtet. Eine von den Herstellerangaben abweichende Dosierung bzw. eine andere Applikationsart als die zugelassene spot-on-Formulierung darf nicht gew\u00e4hlt werden. Auch bei dem Moxidectinpr\u00e4parat Advocate<sup>\u00ae<\/sup>\u00a0(enth\u00e4lt Moxidectin und Imidacloprid) wurden bei fachgerechter Anwendung entsprechend den Herstellerangaben (spot-on) keine klinischen Anzeichen einer Intoxikation beobachtet. Eine orale Applikationsform f\u00fchrte allerdings schon in geringerer Dosierung als der vom Hersteller empfohlenen bei topischer Anwendung, zu neurologischer Symptomatik und muss daher unterbleiben. Ein weiteres Pr\u00e4parat, das eingesetzt werden kann, aber bei MDR1-Defekt-homozygot betroffenen Hunden nur eine sehr geringe therapeutische Breite besitzt ist das Milbemycinoximpr\u00e4parat Milbemax<sup>\u00ae<\/sup>. Neben Milbemycinoxim enth\u00e4lt Milbemax<sup>\u00ae<\/sup>\u00a0Praziquantel und wird laut Herstellerangaben oral als Anthelmintikum und zur Herzwurmprophylaxe eingesetzt. In einer Studie in den USA zeigten Ivermectinsensitive Collies bei oraler Applikationsform bereits bei einer geringen Dosiserh\u00f6hung gegen\u00fcber den Herstellerangaben neurologische Symptome (vermehrte Salivation, Koordinationsst\u00f6rungen etc.).<\/p>\n<p>F\u00fcr viele weitere Arzneigruppen wird eine Interaktion mit dem MDR1-Transporter in Zellkulturen bzw. Tiermodellen (knock-out M\u00e4usen) angegeben bzw. vermutet. Dazu geh\u00f6ren diverse Zytostatika, Herzglykoside, Antiepileptika, Opioide, Steroidhormone, Antiemetika, Antiacida, Antiviral-wirksame Substanzen, Antibiotika und Antimykotika, immunsuppressiv wirkende Medikamente (Cyclosporine) und andere mehr (z.B. Acepromazin).<\/p>\n<p>Die Washington State University empfiehlt bei der Anwendung von Acepromazin (in D z. B. Vetranquil<sup>\u00ae<\/sup>) und Butorphanol (in D z. B. Torbugesic<sup>\u00ae<\/sup>) bei Tr\u00e4gertieren eine Dosisreduzierung um 25% und bei homozygot betroffenen Tieren eine Dosisreduzierung um 30% bis 50%, da beide Wirkstoffe zu einer vertieften und verl\u00e4ngerten Sedation f\u00fchren k\u00f6nnen. F\u00fcr den Einsatz von Buprenorphine (in D z.B. Temgesic<sup>\u00ae<\/sup>) wird keine Dosierungsempfehlung f\u00fcr betroffene Hunde angegeben, obwohl eine Interaktion mit dem MDR1- Transporter vermutet wird.Weitere Hinweise auf Interaktionen des MDR1-Transporters mit Arzneistoffen finden sich auch in der Literatur (z.B. Plumb\u00b4s veterinary drug handbook 2008).<\/p>\n<h2 class=\"bodytext\">MDR1 &#8211; Der DNA-Test<\/h2>\n<p class=\"bodytext\">Die Entdeckung der Mutation f\u00fchrte zur Entwicklung eines DNA-Tests, mit dessen Hilfe mit hoher Sicherheit Hunde identifiziert werden k\u00f6nnen, die eine genetisch bedingte \u201eIvermectin- Unvertr\u00e4glichkeit\u201c entwickelt haben. F\u00fcr den DNA-Test wird zun\u00e4chst aus einer Blutprobe die DNA des Tieres isoliert. Mittels der sogenannten Polymerase- Kettenreaktion wird dann das betroffene Gen millionenfach vervielf\u00e4ltigt, um es leichter analysieren zu k\u00f6nnen. Anschlie\u00dfend wird mittels Hilfe molekulargenetischer Methoden die Gensequenz hinsichtlich der Mutation nt 230(del4) untersucht. Somit kann die Mutation direkt nachgewiesen werden und vom MDR1-Defekt betroffene Hunde k\u00f6nnen sicher identifiziert werden. Der Gentest liefert als Ergebnis einen der drei m\u00f6glichen Genotypen:<\/p>\n<p><b>N\/N:<\/b>\u00a0Der untersuchte Hund tr\u00e4gt das mutierte Gen nicht und kann die nt230 (del4) Mutation nicht auf seine Nachkommen \u00fcbertragen.<\/p>\n<p><b>N\/MDR1:<\/b>\u00a0Der untersuchte Hund tr\u00e4gt ein mutiertes Gen und kann die nt230 (del4) Mutation mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% auf seine Nachkommen \u00fcbertragen. Bei Tr\u00e4gertieren k\u00f6nnen zum jetzigen Zeitpunkt Unvertr\u00e4glichkeitsreaktionen \/ Vergiftungssymptome nach Applikation von problematischen Wirkstoffen (s.o.) nicht sicher ausgeschlossen werden.<\/p>\n<p><b>MDR1\/MDR1<\/b>: Der untersuchte Hund ist reinerbig f\u00fcr die nt230 (del4) Mutation (auf beiden Chromosomen vorhanden) und \u00fcbertr\u00e4gt die Mutation auf seine Nachkommen. Homozygot betroffene Hunde k\u00f6nnen nach Applikation von problematischen Wirkstoffen (s.o.) Vergiftungserscheinungen entwickeln. Der DNA-Test zum Nachweis des MDR1- Defektes bietet Tier\u00e4rzten und Z\u00fcchtern ein effizientes und \u00e4u\u00dferst sicheres Mittel zur Identifizierung Ivermectin-sensitiver Tiere. Der DNA-Test kann bereits von Geburt an betroffene Tiere sicher identifizieren, so dass eine Entscheidung f\u00fcr\/gegen eine Therapie leichter getroffen werden kann. Ferner k\u00f6nnen sinnvolle Zuchtentscheidungen getroffen werden um den MDR1-Defekt mittelfristig aus der Zucht zu entfernen.<\/p>\n<p class=\"news-date\" style=\"text-align: right;\">12 \/ 2009<\/p>\n<div class=\"news-catRootline\" style=\"text-align: right;\">LABOKLIN Aktuell<\/div>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;vc_default&#8220; gap=&#8220;10&#8243; equal_height=&#8220;yes&#8220; content_placement=&#8220;middle&#8220; css=&#8220;.vc_custom_1712651017432{margin-top: 30px !important;}&#8220;][vc_column width=&#8220;1\/6&#8243; css=&#8220;.vc_custom_1729498566125{background-color: #e7e7e7 !important;}&#8220;][vc_icon icon_fontawesome=&#8220;fas fa-file-pdf&#8220; color=&#8220;custom&#8220; size=&#8220;xl&#8220; align=&#8220;center&#8220; css=&#8220;.vc_custom_1729498573191{margin-top: 10px !important;margin-bottom: 10px !important;padding-top: 20px !important;padding-bottom: 20px !important;}&#8220; custom_color=&#8220;#e51e1e&#8220; link=&#8220;url:https%3A%2F%2Flaboklin.de%2Fwp-content%2Fuploads%2F2023%2F03%2FLA_12_2009_MDR1-Defekt_beim_Hund-min.pdf|title:LABOKLIN%20aktuell|target:_blank&#8220;][\/vc_column][vc_column width=&#8220;5\/6&#8243; css=&#8220;.vc_custom_1729498603394{background-color: #e7e7e7 !important;}&#8220;][vc_column_text css=&#8220;.vc_custom_1729498585921{margin-top: 10px !important;margin-bottom: 10px !important;padding-top: 20px !important;padding-bottom: 20px !important;}&#8220;]<\/p>\n<p class=\"csc-firstHeader\"><strong><a href=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/LA_12_2009_MDR1-Defekt_beim_Hund-min.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">MDR1-Defekt beim Hund<\/a><\/strong><\/p>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor mehr als zwei Jahrzehnten wurde bei Colliehunden erstmals ein Krankheitsbild beobachtet, bei dem es infolge der Behandlung mit dem Antiparasitikum Ivermectin zur Auspr\u00e4gung schwerer neurologischer Symptome kam<\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":1339528,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"none","_seopress_titles_title":"","_seopress_titles_desc":"Vor mehr als zwei Jahrzehnten wurde bei Colliehunden erstmals ein Krankheitsbild beobachtet, bei dem es infolge der Behandlung mit dem Antiparasitikum Ivermectin zur Auspr\u00e4gung schwerer neurologischer Symptome kam","_seopress_robots_index":"","footnotes":""},"categories":[411],"tags":[],"class_list":["post-1339523","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-laboklin-aktuell-2009","category-411","description-off"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1339523","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1339523"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1339523\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1490137,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1339523\/revisions\/1490137"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1339528"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1339523"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1339523"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1339523"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}