{"id":1338666,"date":"2018-10-19T10:54:28","date_gmt":"2018-10-19T08:54:28","guid":{"rendered":"https:\/\/laboklin.de\/?p=1338666"},"modified":"2024-07-02T11:23:19","modified_gmt":"2024-07-02T09:23:19","slug":"igelkrankheiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/laboklin.de\/de\/igelkrankheiten\/","title":{"rendered":"Igelkrankheiten"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\"><p>[vc_row][vc_column width=&#8220;2\/3&#8243;][vc_column_text css=&#8220;&#8220;]Im tier\u00e4rztlichen Alltag begegnen uns auch hin und wieder au\u00dfergew\u00f6hnliche Patienten: Von Fr\u00fchling bis Herbst werden gelegentlich Wildigel (Europ\u00e4ische Braunbrustigel, Erinaceus europaeus) in der Tierarztpraxis vorgestellt. Auch werden in Deutschland vermehrt Afrikanische Wei\u00dfbauchigel (Atelerix albiventris) als exotische Haustiere gehalten. Beide Spezies geh\u00f6ren derselben systematischen Familie der Stacheligel (Erinaceinae) an, sind aber verschiedenen Unterfamilien zuzuordnen. Hieraus, aber vor allem aus den verschiedenen Lebensbedingungen ergeben sich f\u00fcr den behandelnden Tierarzt oft unterschiedliche Fragestellungen. Nachfolgend werden beide Igelspezies und deren h\u00e4ufigste Erkrankungen kurz vorgestellt.<\/p>\n<h2>Europ\u00e4ischer Braunbrustigel<\/h2>\n<p>Die Europ\u00e4ischen Braunbrustigel (EBI) sind in Europa weitverbreitete Wildtiere. Sie leben als Einzelg\u00e4nger, sind d\u00e4mmerungs- und nachtaktiv und halten Winterschlaf (witterungsabh\u00e4ngig von November bis M\u00e4rz\/April). Sie ern\u00e4hren sich vorwiegend von Insekten (K\u00e4fer, Larven etc.). Durch den zunehmenden Verlust ihres nat\u00fcrlichen Lebensraumes (B\u00f6schungen, Waldr\u00e4nder) und durch starken Stra\u00dfenverkehr erreichen nur wenige EBI ein hohes Alter, das bei 7-8 Jahren liegen kann. EBI stehen unter Naturschutz und sind in einigen Bundesl\u00e4ndern als gef\u00e4hrdete Tierart eingestuft. Eine Haltung gesunder EBI in menschlicher Obhut ist somit verboten. Die medizinische Versorgung und ggf. eine tempor\u00e4re Unterbringung zur Pflege verletzter, kranker oder hilfsbed\u00fcrftiger Igel sollte fachkundigen, erfahrenen Personen vorbehalten sein. Zahlreiche Vereine und Pflegestationen haben sich dies zur Aufgabe gemacht und k\u00f6nnen Hilfestellungen geben. Ziel jeder Behandlung muss die Rehabilitation und Wiederauswilderung des Patienten sein. Hinweise zur notwendigen Erstversorgung, Therapievorschl\u00e4ge und Dosierungen sind in der einschl\u00e4gigen Literatur (s. u.) nachzulesen.<\/p>\n<p>Ein h\u00e4ufiger Vorstellungsgrund von EBI sind <strong>Verletzungen<\/strong>, die in der Regel durch vielf\u00e4ltige traumatische Einwirkungen (Verletzungen durch Autos, Gartenger\u00e4te, Hundebisse etc.) bedingt sind. Die chirurgische oder konservative Versorgung von Wunden und Frakturen ist in Analogie zu anderen kleinen S\u00e4ugetieren m\u00f6glich, kann jedoch durch starke Verschmutzung, Infektionen oder Fliegenmadenbefall (Myasis) erschwert sein. Wichtig ist eine gleichzeitige Schmerzmedikation und falls erforderlich eine Antibiose.[\/vc_column_text][\/vc_column][vc_column width=&#8220;1\/3&#8243;][vc_column_text css=&#8220;&#8220;]<\/p>\n\n\t\t\t<style type='text\/css'>\n\t\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\t\twidth: 100%;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='dt-gallery-container gallery galleryid-1338666 gallery-columns-1 gallery-size-large'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t\t<a class=\"rollover rollover-zoom dt-pswp-item\" title=\"\" data-dt-img-description=\"LABOKLIN aktuell | &lt;b&gt;Abb. 1: &lt;\/b&gt; Histologie einer Bronchopneumonie mit Lungenwurmstadien (Pfeile) im Bronchuslumen (B), HE-F\u00e4rbung 40x Vergr\u00f6\u00dferung\" data-large_image_width=\"997\" data-large_image_height=\"756\"href='https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/1_16.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"997\" height=\"756\" src=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/1_16.jpg\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"Laboklin: Histologie einer Bronchopneumonie mit Lungenwurmstadien (Pfeile) im Bronchuslumen (B), HE-F\u00e4rbung 40x Vergr\u00f6\u00dferung\" aria-describedby=\"gallery-1-1338667\" srcset=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/1_16.jpg 997w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/1_16-300x227.jpg 300w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/1_16-768x582.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 997px) 100vw, 997px\" \/><\/a>\n\t\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1338667'>\n\t\t\t\t\t<b>Abb. 1: <\/b> Histologie einer Bronchopneumonie mit Lungenwurmstadien (Pfeile) im Bronchuslumen (B), HE-F\u00e4rbung 40x Vergr\u00f6\u00dferung\n\t\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t\t<a class=\"rollover rollover-zoom dt-pswp-item\" title=\"\" data-dt-img-description=\"LABOKLIN aktuell | &lt;b&gt;Abb. 2: &lt;\/b&gt; Proliferative Ver\u00e4nderungen der Gingiva (Markierung) bei einem Afrikanischen Wei\u00dfbauchigel\" data-large_image_width=\"1001\" data-large_image_height=\"758\"href='https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/2-3.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1001\" height=\"758\" src=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/2-3.jpg\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"Laboklin: Proliferative Ver\u00e4nderungen der Gingiva (Markierung) bei einem Afrikanischen Wei\u00dfbauchigel\" aria-describedby=\"gallery-1-1338670\" srcset=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/2-3.jpg 1001w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/2-3-300x227.jpg 300w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/2-3-768x582.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1001px) 100vw, 1001px\" \/><\/a>\n\t\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1338670'>\n\t\t\t\t\t<b>Abb. 2: <\/b> Proliferative Ver\u00e4nderungen der Gingiva (Markierung) bei einem Afrikanischen Wei\u00dfbauchigel\n\t\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t\t<a class=\"rollover rollover-zoom dt-pswp-item\" title=\"\" data-dt-img-description=\"LABOKLIN aktuell | &lt;b&gt;Abb. 3: &lt;\/b&gt; Mammakarzinom bei einem Afrikanischen Wei\u00dfbauchigel &lt;br&gt;&lt;i&gt;Bildquelle: mit freundlicher Genehmigung der Tierarztpraxis Dr. Hildebrand, Walldorf&lt;\/i&gt;\u2003\" data-large_image_width=\"1002\" data-large_image_height=\"758\"href='https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/3-2.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1002\" height=\"758\" src=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/3-2.jpg\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"Laboklin: Mammakarzinom bei einem Afrikanischen Wei\u00dfbauchigel Bildquelle: mit freundlicher Genehmigung der Tierarztpraxis Dr. Hildebrand, Walldorf\u2003\" aria-describedby=\"gallery-1-1338673\" srcset=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/3-2.jpg 1002w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/3-2-300x227.jpg 300w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/3-2-768x581.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1002px) 100vw, 1002px\" \/><\/a>\n\t\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1338673'>\n\t\t\t\t\t<b>Abb. 3: <\/b> Mammakarzinom bei einem Afrikanischen Wei\u00dfbauchigel <br><i>Bildquelle: mit freundlicher Genehmigung der Tierarztpraxis Dr. Hildebrand, Walldorf<\/i>\u2003\n\t\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t\t<\/div>\n\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column css=&#8220;.vc_custom_1650632075890{margin-top: 20px !important;margin-bottom: 20px !important;}&#8220;][vc_column_text css=&#8220;&#8220;]Wildigel leiden oft an starken <strong>Ekto-<\/strong> und <strong>Endoparasitosen<\/strong>, die insbesondere bei kranken und schwachen Tieren eine Behandlung erfordern. Dabei finden sich regelm\u00e4\u00dfig Fl\u00f6he (Hunde-, Katzen- und Igelfloh), Zecken (v.a. Ixodes spp.) und Milben (oft Caparinia spp., Sarcoptes-, Notoedres- und Chorioptesmilben, Demodex erinacei). Lungenw\u00fcrmer (Crenosoma striatum, Abb. 1) sind die h\u00e4ufigsten Endoparasiten bei EBI. Haarwurmbefall von Lunge und Darm (Capillaria spp.) sowie intestinale Infektionen mit Helminthen (Brachylaemus erinacei, Hymenolepsis erinacei, Kratzw\u00fcrmer) und Protozoen (Isospora spp., Cryptosporidia spp. Giardien) kommen ebenfalls vor. Eine antiparasit\u00e4re Therapie muss bei EBI vorsichtig erfolgen, da sie bei Tieren mit schlechtem Allgemeinzustand oder bei \u00dcberdosierung einiger Pr\u00e4parate (insbesondere SpotOn-Pr\u00e4parate) zum Tod des Patienten f\u00fchren kann.<\/p>\n<p><strong>Hauterkrankungen<\/strong> k\u00f6nnen bei EBI prim\u00e4r sein oder als Begleiterscheinungen anderer Krankheiten auftreten. Dermatitiden im Zusammenhang mit Mykosen (z.B. Trichophyton erinacei, Microsporum spp.) treten h\u00e4ufiger auf. Es zeigen sich wei\u00dfliche Bel\u00e4ge v.a. an Ohren und Nase. Die Therapie ist oft langwierig. Ein \u00e4hnliches klinisches Bild (Borken und Schuppen im Kopfbereich) zeigt sich bei bakteriell bedingten Ekzemen. Chronische Hauterkrankungen k\u00f6nnen zu einem partiellen oder kompletten Stachelverlust (\u201aNacktigel\u2018) f\u00fchren. Ein Vitamin- A-, Zink- oder Fetts\u00e4uremangel sollte differentialdiagnostisch ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<p>\u00dcber <strong>Neoplasien<\/strong> bei EBI ist insgesamt wenig bekannt. Dies liegt sicher auch daran, dass es sich um eine wildlebende Spezies handelt und viele Tiere durch \u00e4u\u00dfere Umst\u00e4nde in j\u00fcngerem Alter zu Tode kommen. Mehrere F\u00e4lle von <strong>Mammatumoren<\/strong> wurden in einer Studie genauer untersucht. Interessanterweise waren alle diese Mammatumore maligne.<\/p>\n<h2>Afrikanischer Wei\u00dfbauchigel<\/h2>\n<p>Die Afrikanischen Wei\u00dfbauchigel (WBI) erfreuen sich zunehmender Beliebtheit als exotische Haustiere. Sie werden in menschlicher Obhut etwa 4 bis 6, in seltenen F\u00e4llen auch 8 bis 10 Jahre alt. WBI sind nachtaktiv und in menschlicher Haltung ganzj\u00e4hrig aktiv. Sie sollten einzeln gehalten werden, bleiben oft scheu und suchen wenig menschlichen Kontakt. Die Haltungsbedingungen sind anspruchsvoll und erfordern ausreichend Platz, Besch\u00e4ftigungsm\u00f6glichkeiten und Auslauf. WBI sind Insektivore und ben\u00f6tigen eine ausgewogene Di\u00e4t, da sie bei suboptimaler F\u00fctterung zu \u00dcbergewicht neigen.<\/p>\n<p>Wie bei anderen exotischen Haustieren ist eine ausf\u00fchrliche Anamnese bei Erstvorstellung des Patienten sinnvoll. Hierbei sollten neben dem Vorstellungsgrund auch Verhalten des Patienten, Haltungsbedingungen und F\u00fctterung abgefragt werden und ggf. sollte eine ausf\u00fchrliche Beratung zur Optimierung der Haltungsumst\u00e4nde durch einen kundigen Tierarzt erfolgen.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbergewicht<\/strong> stellt ein h\u00e4ufiges Problem dar. Umstellung auf eine proteinreiche, fettarme F\u00fctterung und Animation zu mehr Bewegung und Erkundungsverhalten (enviromental enrichment) sind notwendige Gegenma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p><strong>Gingivitiden<\/strong> und hyperplastische Ver\u00e4nderungen der Maulh\u00f6hle (\u00e4hnlich den Epuliden bei anderen Spezies, siehe Abb. 2) kommen bei WBI h\u00e4ufiger vor. Die Ursache ist unklar, ein Zusammenhang mit einer suboptimalen F\u00fctterung wird vermutet.<\/p>\n<p>Bei WBI sind <strong>Enteritiden<\/strong> u.a. im Zusammenhang mit Salmonelleninfektionen beschrieben. Auch k\u00f6nnen WBI asymptomatische Tr\u00e4ger von Salmonellen sein, was insbesondere hinsichtlich des zoonotischen Potentials dieser Erreger bei Kontakt mit Kindern, Schwangeren, alten und immunsupprimierten Menschen beachtet werden muss. Differentialdiagnostisch kommen eine Vielzahl anderer infekti\u00f6ser Ursachen (z.B. Candidainfektionen, Endoparasitosen) und nicht-infekti\u00f6ser Ursachen (F\u00fctterungsfehler, Obstruktionen durch Fremdk\u00f6rper, Neoplasien) in Betracht.<\/p>\n<p>Auch <strong>Hauterkrankungen<\/strong> kommen bei WBI gelegentlich vor. Ektoparasiten (Milben, Fl\u00f6he) k\u00f6nnen eine Rolle spielen und der Patient sollte regelm\u00e4\u00dfig auf Ektoparasitosen kontrolliert werden. Sekund\u00e4re bakterielle Infektionen (oft Staphylococcus spp.) und Dermatophytosen (Trichophyton spp., Microsporum spp.) sind beschrieben. Auch Abszesse k\u00f6nnen auftreten. Chronische Hauterkrankungen k\u00f6nnen zu einem herdf\u00f6rmigen oder kompletten Stachelverlust f\u00fchren. Es gibt in der Literatur einzelne Fallberichte \u00fcber allergische Dermatitiden, einen Pemphigus foliaceus und Hautver\u00e4nderungen bei einem Hyperadrenocortizismus (adrenale Neoplasie).<\/p>\n<p>Das sog. <strong>wobbly hedgehog syndrome<\/strong> ist eine neurodegenerative, progressiv verlaufende Erkrankung, die bei WBI seit Beginn der 1990er Jahre vermehrt beschrieben ist. Die WBI zeigen zuerst eine Unf\u00e4higkeit sich einzurollen, Ataxien, schwankenden Gang und Koordinationsst\u00f6rungen und im weiteren Verlauf Tremor, Kr\u00e4mpfe, Selbstverletzungen, Muskelatrophien und Paralysen (oft Vordergliedma\u00dfen betroffen). Histologisch finden sich L\u00e4sionen der wei\u00dfen Substanz (Axon- und Myelinscheidendegenerationen, spongi\u00f6se Myelinopathie) des ZNS. Die Ursache ist noch immer unklar, es wird allerdings eine famili\u00e4re H\u00e4ufung berichtet.<\/p>\n<p>Differentialdiagnostisch f\u00fchren auch Traumata, Toxine, Mangelern\u00e4hrung und Bandscheibenerkrankungen (intervertebral disc disease) zu neurologischen Symptomen.<\/p>\n<p>Bei WBI sind vergleichsweise h\u00e4ufig <strong>Neoplasien<\/strong> beschrieben. In der Literatur werden H\u00e4ufigkeiten von 32 bis 52 % berichtet, bei denen es sich mehrheitlich um maligne Neoplasien (etwa 85 %) handelt. Insgesamt sind jedoch bei WBI (v. a. im Vergleich zu anderen Haustieren wie Hunden und Katzen) nur kleine Fallzahlen untersucht. Alle Organsysteme k\u00f6nnen betroffen sein und die klinische Symptomatik kann entsprechend variieren.<\/p>\n<p>Es finden sich bei WBI h\u00e4ufig <strong>Mammatumore<\/strong> (Abb. 3). Insbesondere weibliche Tiere im Alter \u00fcber 3 Jahre sind betroffen. Ein hoher Prozentsatz der Neoplasien ist maligne (89 % der beschriebenen F\u00e4lle). Eine chirurgische Entfernung und Ovariohysterektomie wird empfohlen, zeigt aber sehr variable Verl\u00e4ufe. Rezidive scheinen h\u00e4ufig vorzukommen.<\/p>\n<p>Maligne <strong>Lymphome<\/strong> sind bei WBI ebenfalls h\u00e4ufiger beschrieben und treten u.a. im Gastrointestinaltrakt auf.<\/p>\n<p>Weiterhin kommen bei WBI ab einem Alter von 2 Jahren vermehrt orale <strong>Plattenepithelkarzinome<\/strong> vor. Diese f\u00fchren oft zu Destruktionen des angrenzenden Knochens und zeigen sich klinisch durch lockere Z\u00e4hne, Zahnverluste, Zahnfleisch- und Kieferschwellung sowie Umfangsvermehrungen. Eine Histologie von Bioptaten ist diagnostisch besser geeignet als eine Zytologie. Bildgebende Untersuchungen (v.a. R\u00f6ntgen des Kopfes) sind zus\u00e4tzlich hilfreich, um eine Beteiligung von kn\u00f6chernen Strukturen abzukl\u00e4ren. Bis jetzt sind keine effizienten Therapien f\u00fcr Plattenepithelkarzinome bei WBI beschrieben.<\/p>\n<p>Insgesamt empfiehlt es sich, bei einem Wei\u00dfbauchigel eine fr\u00fchzeitige und gezielte Diagnostik einzuleiten, wenn ein klinischer Neoplasieverdacht besteht. Dies erm\u00f6glicht eine bessere prognostische Einsch\u00e4tzung und fr\u00fchestm\u00f6gliche Therapieversuche.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Igel geh\u00f6ren zu den selteneren Patienten in der tier\u00e4rztlichen Praxis und k\u00f6nnen eine Herausforderung darstellen. Je nachdem, ob es sich um einheimische Wildigel oder um exotische Haustiere handelt, ergeben sich verschiedene diagnostische Fragestellungen, Behandlungsschwerpunkte und Therapieoptionen.<\/p>\n<p>Bei der Versorgung von Wildtieren k\u00f6nnen Auffang- und Pflegestationen ggf. hilfreiche Ansprechpartner sein. Bei Erkrankungen von Afrikanischen Wei\u00dfbauchigeln gibt Spezialliteratur Hinweise und Hilfestellungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">10 \/ 2018<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">LABOKLIN Aktuell<\/p>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;vc_default&#8220; gap=&#8220;10&#8243; css=&#8220;.vc_custom_1719911419937{margin-top: 30px !important;}&#8220;][vc_column width=&#8220;1\/2&#8243;][vc_column_text css=&#8220;&#8220;]<\/p>\n<h5><strong>Weiterf\u00fchrende Literatur<\/strong><\/h5>\n<h6><span style=\"color: #808080;\"><strong>T. Wrobel: Igel in der Tierarztpraxis, 6. Auflage, Pro Igel e.V. 2015.<\/strong><\/span><\/h6>\n<h6><span style=\"color: #808080;\"><strong>E. Ivey und J.W. Carpenter: \u201aAfrican hedgehogs\u2019 in K.E. Quesenberry, J.W. Carpenter Ferrets, Rabbits, and Rodents\u2018, 3rd Edition, Elsevier Saunders 2012.<\/strong><\/span><\/h6>\n<h6><span style=\"color: #808080;\"><strong>J.Heatly, G. E. Mauldin und D.Y.Cho (2005): A review of neoplasia in the captive african hedgehog. Seminars in Avian and Exotic pet medicine 14 (3):182-192.<\/strong><\/span><\/h6>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][vc_column width=&#8220;1\/2&#8243;][vc_row_inner equal_height=&#8220;yes&#8220; content_placement=&#8220;middle&#8220; gap=&#8220;10&#8243; css=&#8220;.vc_custom_1719911571869{margin-top: 10px !important;}&#8220;][vc_column_inner width=&#8220;1\/4&#8243; css=&#8220;.vc_custom_1719911454062{background-color: #e7e7e7 !important;}&#8220;][vc_icon icon_fontawesome=&#8220;fas fa-file-pdf&#8220; color=&#8220;custom&#8220; size=&#8220;xl&#8220; align=&#8220;center&#8220; css=&#8220;.vc_custom_1719911482564{margin-top: 10px !important;margin-bottom: 10px !important;padding-top: 20px !important;padding-bottom: 20px !important;padding-left: 0px !important;}&#8220; custom_color=&#8220;#e51e1e&#8220; link=&#8220;url:https%3A%2F%2Flaboklin.de%2Fwp-content%2Fuploads%2F2023%2F03%2FLA_10_Oktober_2018_Igelkrankheiten-min.pdf|title:LABOKLIN%20aktuell%20Oktober%202022|target:_blank&#8220;][\/vc_column_inner][vc_column_inner width=&#8220;3\/4&#8243; css=&#8220;.vc_custom_1719911462742{background-color: #e7e7e7 !important;}&#8220;][vc_column_text css=&#8220;.vc_custom_1719911618870{margin-top: 10px !important;margin-bottom: 10px !important;padding-top: 20px !important;padding-bottom: 20px !important;}&#8220;]<\/p>\n<p class=\"csc-firstHeader\"><a href=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/LA_10_Oktober_2018_Igelkrankheiten-min.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Igelkrankheiten<\/strong><\/a><\/p>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column_inner][\/vc_row_inner][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im tier\u00e4rztlichen Alltag begegnen uns auch hin und wieder au\u00dfergew\u00f6hnliche Patienten: Von Fr\u00fchling bis Herbst werden gelegentlich Wildigel (Europ\u00e4ische Braunbrustigel, Erinaceus europaeus) in der Tierarztpraxis vorgestellt. <\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":1338670,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"none","_seopress_titles_title":"","_seopress_titles_desc":"Im tier\u00e4rztlichen Alltag begegnen uns auch hin und wieder au\u00dfergew\u00f6hnliche Patienten: Von Fr\u00fchling bis Herbst werden gelegentlich Wildigel (Europ\u00e4ische Braunbrustigel, Erinaceus europaeus) in der Tierarztpraxis vorgestellt.","_seopress_robots_index":"","footnotes":""},"categories":[188],"tags":[],"class_list":["post-1338666","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-laboklin-aktuell-2018","category-188","description-off"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1338666","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1338666"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1338666\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1477988,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1338666\/revisions\/1477988"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1338670"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1338666"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1338666"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1338666"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}