{"id":1317607,"date":"2022-07-14T17:25:37","date_gmt":"2022-07-14T15:25:37","guid":{"rendered":"https:\/\/laboklin.de\/de\/?p=1317607"},"modified":"2024-04-22T10:51:35","modified_gmt":"2024-04-22T08:51:35","slug":"harnsteine-bei-hund-und-katze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/laboklin.de\/de\/harnsteine-bei-hund-und-katze\/","title":{"rendered":"Harnsteine bei Hund und Katze"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\"><p>[vc_row][vc_column][vc_column_text css=&#8220;&#8220;]Bei ca. 0,5 \u2013 1% der caninen und felinen Patienten, die mit urologischen Problemen in deutschen Tierarztpraxen vorgestellt werden, werden Harnsteine diagnostiziert. Dabei kann die klinische Symptomatik sehr variabel sein, sie h\u00e4ngt sowohl von der Anzahl, als auch von der Beschaffenheit und Lokalisation der Steine ab. Vom asymptomatischem Zufallsbefund bis hin zu einem lebensbedrohlichen klinischen Verlauf bei vollst\u00e4ndiger Blockade der ableitenden Harnwege sind alle klinischen Bilder m\u00f6glich. Urolithen k\u00f6nnen grunds\u00e4tzlich an vielen Lokalisationen auftreten, wobei die Mehrzahl (90 \u2013 99%) der Harnsteine bei Tieren den unteren Harntrakt (Blase, Urethra, Blase und Urethra) betrifft. Harnsteine in Niere und\/oder Ureter sind insgesamt selten (1 \u2013 3%). Die Oberfl\u00e4chenform der Steine kann einen Hinweis auf die Bildungsgeschwindigkeit geben. W\u00e4hrend eine glatte Oberfl\u00e4che ein Hinweis auf schnelles Wachstum ist, deuten bizarre Formen eher auf langsames Wachstum hin. Farbliche Ver\u00e4nderungen entstehen erst durch den Einschluss von Urochromen; die Grundfarbe der Harnsteine ist als reine chemische Verbindung wei\u00df. Da Harnsteine trotz identischer mineralischer Zusammensetzung sehr unterschiedlich aussehen k\u00f6nnen, ist die exakte Analyse Voraussetzung, um eine f\u00fcr den Patienten geeignete Therapieform zu finden bzw. um eine erfolgreiche Rezidivprophylaxe betreiben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2>Bezeichnungen Harnsteine<\/h2>\n<p>Es existieren unterschiedliche Bezeichnungen f\u00fcr Harnsteine, die sich jeweils auf die chemische Zusammensetzung bzw. mineralische Zuordnung beziehen und die parallel verwendet werden (Abb. 1).<\/p>\n<table width=\"50%\">\n<tbody>\n<tr style=\"color: #ffffff;\" bgcolor=\"#e51e1e\">\n<td><strong>Mineralisch<\/strong><\/td>\n<td><strong>Chemisch<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Struvit<\/td>\n<td>Magnesium-Ammonium-Phosphat-Hexahydrat<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Whewellit<\/td>\n<td>Kalziumoxalat-Monohydrat<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Weddellit<\/td>\n<td>Kalziumoxalat-Dihydrat<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Brushit<\/td>\n<td>Kalziumhydrogenphosphat-Dihydrat<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Xanthin<\/td>\n<td>2,6-Dihydroxypurin<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Urate<\/td>\n<td>Salze der Harns\u00e4ure<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><strong>Abb. 1: <\/strong>Mineralische und chemische Bezeichnung unterschiedlicher Harnsteine; <em>Quelle: D. Breu<\/em><\/p>\n<h2>Genese verschiedener Urolithe<\/h2>\n<p><strong>Struvitsteine <\/strong>entwickeln sich bei Hunden prim\u00e4r als Folge von Harnwegsinfektionen mit ureaseproduzierenden Bakterien (oft <em>Staphylococcus intermedius-<\/em>Gruppe, <em>Proteus <\/em>spp.), die Harnstoff zu Bikarbonat und Ammoniumionen spalten. Das entstehende alkalische Harnmilieu verringert die L\u00f6slichkeit von Calcium- sowie Magnesiumphosphaten und beg\u00fcnstigt die Auskristallisation sowie eine nachfolgende Steinbildung. Dar\u00fcber hinaus metabolisieren die Bakterien Citrat, das als wesentlicher Komplexbildner f\u00fcr Calcium- und Magnesiumionen fungiert und die Kristallisation dieser Ionen inhibiert. Auch bei einem di\u00e4tetischen \u00dcberangebot an Mineralien bei gleichzeitig hoher Ammoniumkonzentration und alkalischem Harn-pH-Wert k\u00f6nnen sich Struvite bilden. Bei Katzen findet eher eine sterile Struvitsteinbildung (70%) statt, die beg\u00fcnstigt wird durch eine geringe Wasseraufnahme, die in hochkonzentriertem Urin resultiert. Liegt gleichzeitig eine hohe Magnesium- und Phosphorkonzentration im Harn vor und steigt der pH-Wert anhaltend auf \u2265 7, ist eine Struvitsteinbildung m\u00f6glich. Die Bildung von <strong>Calciumoxalaten <\/strong>(CaOx) ist komplex und wird von der Ern\u00e4hrung (Aufnahme hoher Proteinmengen, saurem Harn-pH) bzw. dem Trinkverhalten, einer m\u00f6glichen Rassedisposition, dem Geschlecht, dem Kastrationsstatus bzw. Erkrankungen, die zu einer Hypercalc\u00e4mie und nachfolgender Hypercalciurie (Hyperadrenokortizismus, prim\u00e4rer Hyperparathyreoidismus) f\u00fchren, beeinflusst. F\u00fcr die Bildung von <strong>Cystinsteinen <\/strong>werden bei Hund und Katze prim\u00e4r genetische Pr\u00e4dispositionen verantwortlich gemacht. Cystinsteine sind bei Katzen eher selten. <strong>Urate <\/strong>(Ammonium-Natrium-Kaliumurate) entstehen bei Hunden (prim\u00e4r Dalmatiner) aufgrund eines genetischen Defekts im Purinstoffwechsel, wodurch weniger Harns\u00e4ure zu Allantoin metabolisiert werden kann. Ist die Reabsorption der Harns\u00e4ure im proximalen Tubulussystem gest\u00f6rt, kann es bei Vorliegen eines Harn-pH von &gt; 6,3 zur Auskristallisation von Ammoniumuraten kommen. Auch das Vorliegen von Pfortaderanomalien kann zu einer reduzierten Umwandlung von Harns\u00e4ure zu Allantoin f\u00fchren, wobei immer mehrere Faktoren (Ern\u00e4hrung, Harn-pH) an der Entstehung einer Urolithiasis beteiligt sind. <strong>Xanthine <\/strong>entstehen i. d. R. aufgrund eines genetischen Defekts der Xanthinoxidase oder als Folge der Hemmung der Xanthinoxidase w\u00e4hrend\/nach einer Therapie mit Allopurinol. Tiere mit genetisch bedingten Xanthinsteinen sind oft sehr jung.<\/p>\n<h2>Untersuchungen bei Laboklin 2016 \u2013 2020<\/h2>\n<p>Mittels Infrarotspektroskopie wurden \u00fcber einen Zeitraum von 5 Jahren bei Laboklin Harnsteinproben von ~ 3600 Katzen sowie ~ 2800 Hunden analysiert. Die Infrarotspektroskopie beruht auf der Wechselwirkung infraroter (elektromagnetischer) Strahlung mit Molek\u00fclen einer chemischen Verbindung. In Abh\u00e4ngigkeit vom Wellenl\u00e4ngenbereich kommt es f\u00fcr jede chemische Substanz zu einem charakteristischen Absorptionsspektrum, das \u00fcber den Abgleich mit einer Datenbank zur Identifikation der Zusammensetzung der analysierten Substanz f\u00fchrt. Ein Stein wurde einem bestimmten Mineraltyp zugeordnet, wenn der Anteil einer mineralischen Komponente \u2265 70% entsprach.[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;vc_default&#8220; gap=&#8220;10&#8243; css=&#8220;.vc_custom_1713775805400{margin-top: 10px !important;}&#8220;][vc_column width=&#8220;2\/3&#8243; css=&#8220;.vc_custom_1650632075890{margin-top: 20px !important;margin-bottom: 20px !important;}&#8220;][vc_column_text css=&#8220;&#8220;]<\/p>\n<h2>H\u00e4ufigste Harnsteintypen bei Hunden und Katzen in deutschen Praxen<\/h2>\n<p><strong>Struvit <\/strong>war die h\u00e4ufigste Harnsteinart beim <strong>Hund <\/strong>(45%), w\u00e4hrend bei <strong>Katzen Calciumoxalate <\/strong>(60%) dominierten (Abb. 2).[\/vc_column_text][\/vc_column][vc_column width=&#8220;1\/3&#8243;][vc_column_text css=&#8220;&#8220;]<\/p>\n\n\t\t\t<style type='text\/css'>\n\t\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\t\twidth: 100%;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='dt-gallery-container gallery galleryid-1317607 gallery-columns-1 gallery-size-large'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t\t<a class=\"rollover rollover-zoom dt-pswp-item\" title=\"\" data-dt-img-description=\"LABOKLIN aktuell | &lt;b&gt;Abb. 2: &lt;\/b&gt; Die prozentual h\u00e4ufigsten Harnsteine bei Hund und Katze&lt;br&gt;&lt;i&gt;\nBildquelle: Laboklin-Erhebung&lt;\/i&gt;\" data-large_image_width=\"1500\" data-large_image_height=\"912\"href='https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Die-prozentual-haeufigsten-Harnsteine-bei-Hund-und-Katze.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"623\" src=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Die-prozentual-haeufigsten-Harnsteine-bei-Hund-und-Katze-1024x623.jpg\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"Laboklin: Die prozentual h\u00e4ufigsten Harnsteine bei Hund und Katze\" aria-describedby=\"gallery-1-1317615\" srcset=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Die-prozentual-haeufigsten-Harnsteine-bei-Hund-und-Katze-1024x623.jpg 1024w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Die-prozentual-haeufigsten-Harnsteine-bei-Hund-und-Katze-300x182.jpg 300w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Die-prozentual-haeufigsten-Harnsteine-bei-Hund-und-Katze-768x467.jpg 768w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Die-prozentual-haeufigsten-Harnsteine-bei-Hund-und-Katze.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a>\n\t\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1317615'>\n\t\t\t\t\t<b>Abb. 2: <\/b> Die prozentual h\u00e4ufigsten Harnsteine bei Hund und Katze<br><i>\nBildquelle: Laboklin-Erhebung<\/i>\n\t\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t\t<\/div>\n\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column css=&#8220;.vc_custom_1713775784320{margin-top: 10px !important;}&#8220;][vc_column_text css=&#8220;&#8220;]<\/p>\n<h2>Verteilung in Abh\u00e4ngigkeit vom Geschlecht\/ Kastrationsstatus<\/h2>\n<p>Bei <strong>Hunden <\/strong>entfielen Struvitsteine \u00fcberwiegend und zu gleichen Anteilen (~ 80%) auf weiblich intakte und kastrierte Tiere. Calciumoxalate traten \u00fcberwiegend (50%) bei m\u00e4nnlichen kastrierten Tieren auf, w\u00e4hrend m\u00e4nnlich intakte Hunde zu ann\u00e4hernd gleichen Teilen (~ 35%) Cystinsteine und Calciumoxalate zeigten. Xanthine waren insgesamt selten und \u2013 anders als bei Katzen \u2013 \u00fcberwiegend bei m\u00e4nnlichen Kastraten vorhanden.<\/p>\n<p>Bei <strong>Katzen <\/strong>waren Calciumoxalate bei m\u00e4nnlichen und weiblichen Tieren nahezu identisch verteilt (~ 59%), wobei Kastraten signifikant h\u00e4ufiger Calciumoxalate hatten als intakte Artgenossen. Struvite waren prozentual ann\u00e4hernd \u00e4hnlich verteilt zwischen m\u00e4nnlichen und weiblichen Individuen (~ 35%), wobei der Anteil bei intakten Tieren signifikant h\u00f6her war als bei Kastraten. Cystinsteine waren insgesamt selten und verteilten sich gleichm\u00e4\u00dfig auf m\u00e4nnliche und weibliche Individuen, mit einer H\u00e4ufung bei intakten Tieren beiderlei Geschlechts. Xanthine waren sehr selten und traten am h\u00e4ufigsten bei m\u00e4nnlich intakten Tieren auf.<\/p>\n<h2>Medianes Alter und Harnsteintypen<\/h2>\n<p>In der untersuchten Population betrug das mediane Alter f\u00fcr Katzen mit Struviten und Calciumoxalaten 7 Jahre, f\u00fcr Hunde 8 bzw. 10 Jahre bei Calciumoxalaten. Katzen (Hunde) mit Cystinsteinen waren 6 (5), solche mit Ammoniumuraten 8 (6) Jahre alt.<\/p>\n<h2>Rasseverteilung und Harnsteintypen<\/h2>\n<p>Zu den am h\u00e4ufigsten vertretenen Rassen mit Harnsteinen siehe Tab. 1.<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr style=\"color: #ffffff;\" bgcolor=\"e51e1e\">\n<td width=\"123\"><strong>Harnsteintyp<\/strong><\/td>\n<td width=\"133\"><strong>Rasse<\/strong><\/td>\n<td width=\"78\"><strong>Anteil (%)<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"123\">Struvit \/ CaOx<\/td>\n<td width=\"133\">Mops<\/td>\n<td width=\"78\">76% \/ 12%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"123\">Struvit \/ Cystin<\/td>\n<td width=\"133\">Labrador<\/td>\n<td width=\"78\">73% \/ 13%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"123\">Struvit \/CaOx<\/td>\n<td width=\"133\">Shi Tzu<\/td>\n<td width=\"78\">62% \/ 27%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"123\">Struvit \/ Cystin<\/td>\n<td width=\"133\">Dackel<\/td>\n<td width=\"78\">50% \/ 33%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"123\">CaOx \/ Struvit<\/td>\n<td width=\"133\">Zwergschnauzer<\/td>\n<td width=\"78\">55% \/ 34%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"123\">CaOx \/ Struvit<\/td>\n<td width=\"133\">Yorkshire Terrier<\/td>\n<td width=\"78\">48% \/ 38%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"123\">CaOx\/ Struvit<\/td>\n<td width=\"133\">Malteser<\/td>\n<td width=\"78\">42% \/ 36%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"123\">Cystin \/ Struvit<\/td>\n<td width=\"133\">Franz. Bulldogge<\/td>\n<td width=\"78\">47% \/ 32%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"123\">Cystin \/ Struvit<\/td>\n<td width=\"133\">Am. Bulldogge<\/td>\n<td width=\"78\">45% \/ 31%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"123\">Cystin \/ CaOx<\/td>\n<td width=\"133\">Chihuahua<\/td>\n<td width=\"78\">44% \/ 29%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"123\">CaOx \/ Struvit<\/td>\n<td width=\"133\">Brit. Kurzhaar<\/td>\n<td width=\"78\">85% \/ 13%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"123\">CaOx \/ Struvit<\/td>\n<td width=\"133\">Ragdoll<\/td>\n<td width=\"78\">75% \/ 15%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"123\">CaOx \/ Struvit<\/td>\n<td width=\"133\">Scottish Fold<\/td>\n<td width=\"78\">74% \/ 26%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"123\">CaOx \/ Struvit<\/td>\n<td width=\"133\">Perser<\/td>\n<td width=\"78\">72% \/ 24%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"123\">CaOx \/ Struvit<\/td>\n<td width=\"133\">Birma<\/td>\n<td width=\"78\">70 % \/ 12%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"123\">CaOx \/ Struvit<\/td>\n<td width=\"133\">Kart\u00e4user<\/td>\n<td width=\"78\">68% \/ 28%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"123\">CaOx \/ Struvit<\/td>\n<td width=\"133\">Maine Coon<\/td>\n<td width=\"78\">67% \/ 27%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"123\">CaOx \/ Struvit<\/td>\n<td width=\"133\">British Langhaar<\/td>\n<td width=\"78\">52% \/ 39%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"123\">CaOx \/ Struvit<\/td>\n<td width=\"133\">Euro. Kurzhaar<\/td>\n<td width=\"78\">51% \/ 42%<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><strong>Tab. 1:<\/strong> Die zwei h\u00e4ufigsten Harnsteintypen nach Rasse bei Individuen mit \u2265 50 Hunden (\u2265 20 Katzen) , CaOx = Calciumoxalate; <em>Quelle: D. Breu<\/em><\/p>\n<p>Ferner hatten Dalmatiner mit Abstand die h\u00f6chste Zahl an Ammoniumuraten, w\u00e4hrend Siamkatzen signifikant h\u00e4ufiger Cystinsteine aufwiesen als andere Rassekatzen. F\u00fcr beide Spezies sind genetische Ursachen f\u00fcr die jeweilige Steinbildung bekannt bzw. werden diskutiert.<\/p>\n<h2>Ist es immer die Rasse?<\/h2>\n<p>Da sich unsere analysierten Daten ausschlie\u00dflich auf Urolithen beschr\u00e4nken, die aus deutschen Tierarztpraxen eingesandt wurden, ist keine generelle Aussage \u00fcber eine tats\u00e4chliche Rassedisposition m\u00f6glich. Obwohl einige Studien eine \u00e4hnliche Rassedisposition f\u00fcr das Auftreten von Harnsteinen bei Hunden beschreiben, zeigt sich jedoch bei Katzen ein weites Spektrum im Vergleich zu anderen L\u00e4ndern. So zeigen z. B. Katzen der Rassen Britisch Kurzhaar, Ragdoll und Perser in unserer deutschen Population eine deutliche H\u00e4ufung f\u00fcr das Auftreten von Calciumoxalaten, die aber bei Katzen der gleichen Rassen aus anderen Habitaten nicht best\u00e4tigt wird. Einzig f\u00fcr die Siamkatzen wird in der Literatur \u00fcbereinstimmend eine Neigung zur Bildung von Cystinsteinen best\u00e4tigt.<\/p>\n<h2>Therapie &amp; Rezidivprophylaxe h\u00e4ufiger Urolithen<\/h2>\n<p>Ob und wie schnell Harnsteine aufgel\u00f6st werden k\u00f6nnen bzw. sich Rezidive bilden, h\u00e4ngt in erster Linie von deren Genese bzw. von der gew\u00e4hlten Therapieform ab. Neben di\u00e4tetisch bzw. di\u00e4tetisch-medikament\u00f6s aufl\u00f6sbaren Harnsteinen [Struvit, Ammoniumurat (teilweise), Cystinsteine] gibt es Urolithen, die nicht di\u00e4tetisch aufgel\u00f6st bzw. nur durch Urohydropropulsion, chirurgisch bzw. durch Lithotripsie entfernt werden k\u00f6nnen (Calciumoxalate, Brushit, Xanthine, Silikatsteine). Liegen einer Harnsteinerkrankung metabolische Ursachen zugrunde, ist nur die erfolgreiche Therapie der Grunderkrankung zielf\u00fchrend.<\/p>\n<p><strong>Infektionsbedingte Struvitsteine <\/strong>beim <strong>Hund <\/strong>k\u00f6nnen oft durch die Behandlung einer bakteriellen Harnwegsinfektion (<em>Staphylococcus, Proteus, Enterobacter, E. coli, Klebsiella, Streptococcus<\/em>) in Kombination mit der di\u00e4tetischen Ans\u00e4uerung des Urins aufgel\u00f6st werden. Es sollte eine Di\u00e4t mit einem geringen Gehalt (15 \u2013 20%) an hochwertigem Protein gew\u00e4hlt werden, um die Harnstoffproduktion in der Leber bzw. die Ausscheidung von Harnstoff \u00fcber den Urin zu reduzieren. Zus\u00e4tzlich verringert eine geringe Harnstoffkonzentration im Serum den Konzentrationsgradienten im Nierenmark, wodurch der Urin geringer konzentriert ist und die Diurese angeregt wird. <strong>Struvitsteine <\/strong>bei <strong>Katzen <\/strong>sind \u00fcberwiegend steril und ben\u00f6tigen daher i. d. R. keine antibiotische Therapie. Eine di\u00e4tetische Aufl\u00f6sung ist oftmals m\u00f6glich, wobei als Ziel ein Harn-pH-Wert von 6,2 \u2013 6,5 angestrebt werden muss. Eine gesteigerte Wasseraufnahme durch das Anbieten von Feuchtfutter sowie eine Reduktion der Aufnahme lithogener Substanzen wie Phosphat, Magnesium und Calcium ist ebenfalls hilfreich. Katzen, die eine harnsteinaufl\u00f6sende Di\u00e4t fressen, d\u00fcrfen zus\u00e4tzlich keine weiteren harnans\u00e4uernden Medikamente wie Methionin oder Ammoniumchlorid bekommen. Monomineralische Cystinsteine k\u00f6nnen mittels Di\u00e4t und Medikamenten aufgel\u00f6st werden. Um die L\u00f6slichkeit von Cystin zu erh\u00f6hen, wird eine Alkalisierung des Harns angestrebt (Ziel: Harn-pH &gt; 7,5). Ferner ist eine Reduktion methioninhaltiger Nahrung (tierische Eiwei\u00dfe) wichtig, sowie die Erh\u00f6hung der Diurese. Um bei Hunden im Rahmen einer proteinrestriktiven F\u00fctterung einen m\u00f6glichen Carnitinmangel zu vermeiden, wird die Supplementierung mit Carnitin empfohlen. Zus\u00e4tzlich kommen Medikamente zum Einsatz (D-Penicillamin, Tiopronin), die die Bildung von Cystin aus L-Methionin und der Zwischenstufe Cystein \u00fcber Bildung von Disulfidbr\u00fccken mit dem gut l\u00f6slichen Cystein blockieren. Das Auftreten von gastrointestinalen Nebenwirkungen sowie eine Hypersensitivit\u00e4t und Lymphadenopathien beim Einsatz von D-Penicillamin werden beschrieben. F\u00fcr R\u00fcden wird zur Vermeidung einer (rezidivierenden) Cystinsteinbildung von einigen Zuchtverb\u00e4nden die Kastration bei Tieren mit einer Cystinurie empfohlen.<\/p>\n<p>Obwohl bei <strong>Calciumoxalatsteinen <\/strong>keine di\u00e4tetische Aufl\u00f6sung m\u00f6glich ist, kann durch die Einstellung des Harn-pH (Hund: angestrebt 6,2 \u2013 6,5; Katze: nur bei konstant niedrigem Harn-pH &lt; 6,0 wird 6,5 \u2013 6,8 angestrebt) einer Rezidivbildung vorgebeugt werden. Zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen zur Rezidivprophylaxe sind die Anregung der Diurese sowie eine Gewichtsreduktion. Eine vorhandene Harnwegsinfektion ist auszuschlie\u00dfen, die Gabe harnans\u00e4uernder Di\u00e4ten bzw. von Medikamenten ist zu unterlassen bzw. einzustellen. Treten Calciumoxalatsteine rezidivierend auf, kann durch medikament\u00f6se Prophylaxema\u00dfnahmen, wie z. B. eine Harnalkalisierung durch Einsatz von Alkalicitraten, versucht werden den pH-Wert zu steigern. Dabei ist zu beachten, dass ein zu hoher pH-Wert (N\u00fcchtern-Harn-pH &gt; 7,0) wiederum die Bildung von Struvitsteinen beg\u00fcnstigen kann. Die Bildung verschiedener <strong>Urate <\/strong>erfolgt in Abh\u00e4ngigkeit vom Harn-pH. Bei einem Harn-pH &lt; 5,7 kristallisiert prim\u00e4r Harns\u00e4ure aus, w\u00e4hrend bei einem pH &gt; 6,3 Ammoniumurate ausfallen. Reine Harns\u00e4uresteine k\u00f6nnen durch eine Alkalisierung des Harns auf einen Harn-pH-Wert von 6,5 \u2013 7,0 aufgel\u00f6st werden, f\u00fcr Ammoniumuratsteine wird ein pH-Wert von 7,0 bis &lt; 7,5 angestrebt. Dabei ist ein Harn-pH-Wert &gt; 7,5 problematisch, da er die Bildung von Calciumphosphaten beg\u00fcnstigt. Di\u00e4tetisch sollte eine purinarme Di\u00e4t verabreicht werden, mit der Zielsetzung, die Harnstoffbildung zu reduzieren und nachfolgend die Ausscheidung von Ammoniumionen zu reduzieren.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich sollte neben einer proteinreduzierten Kost auch eine weitere Harnalkalisierung mit Natriumbikarbonat oder Kaliumcitrat erfolgen. Ferner kann der Einsatz von Allopurinol (Xanthinoxidasehemmer) gemeinsam mit einer purinreduzierten Di\u00e4t versucht werden, wobei die Gefahr der Bildung von <strong>Xanthinsteinen <\/strong>besteht. Xanthine finden sich bevorzugt bei einem Harn-pH von &lt; 6,8 und entstehen einerseits sekund\u00e4r im Rahmen der medikament\u00f6sen Blockade der Xanthinoxidase, andererseits als Folge eines genetischen Defekts in der Bildung der Xanthinoxidase. Eine Therapie kann nur durch Urohydropropulsion bzw. chirurgische Ma\u00dfnahmen erfolgen. Eine geeignete Rezidivprophylaxe ist, \u00e4hnlich wie bei den Ammoniumuraten, eine purinreduzierte Ern\u00e4hrung sowie die Steigerung der Fl\u00fcssigkeitsaufnahme.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Dr. med. vet. Doris Breu<\/em><\/p>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;vc_default&#8220; gap=&#8220;10&#8243; css=&#8220;.vc_custom_1713773860684{margin-top: 30px !important;}&#8220;][vc_column width=&#8220;1\/2&#8243;][vc_column_text css=&#8220;&#8220;]<\/p>\n<h5><strong>Weiterf\u00fchrende Literatur<\/strong><\/h5>\n<h6><span style=\"color: #808080;\"><strong>Hesse A, Neiger R, Hrsg. Harnsteine bei Kleintieren. Stuttgart: Enke; 2008.<\/strong><\/span><\/h6>\n<h6><span style=\"color: #808080;\"><strong>Breu D, Stieger N, M\u00fcller E. Auftreten von Harnsteinen-alters-rasse-und geschlechtsspezifische Unterschiede bei Hunden aus Deutschland. Tierarztl Prax Ausg K Kleintiere Heimtiere 2021; 49(01): 6-12.<\/strong><\/span><\/h6>\n<h6><span style=\"color: #808080;\"><strong>Breu D, M\u00fcller E. Harnsteinbefunde bei Katzen aus Deutschland in den Jahren 2016 \u2013 2020. Tierarztl Prax Ausg K Kleintiere Heimtiere. 2022; 50(02): 102-111.<\/strong><\/span><\/h6>\n<h6><span style=\"color: #808080;\"><strong>Burggraaf N, Wetsgeest D, Corbee R. Analyses of 7866 feline and canine uroliths submitted between 2014 and 2020 in the Netherlands. Res Vet Sci. 2021 Jul; 137: 86-93.<\/strong><\/span><\/h6>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][vc_column width=&#8220;1\/2&#8243;][vc_row_inner equal_height=&#8220;yes&#8220; content_placement=&#8220;middle&#8220; gap=&#8220;10&#8243;][vc_column_inner width=&#8220;1\/4&#8243; css=&#8220;.vc_custom_1713773916990{background-color: #e7e7e7 !important;}&#8220;][vc_icon icon_fontawesome=&#8220;fas fa-file-pdf&#8220; color=&#8220;custom&#8220; size=&#8220;xl&#8220; align=&#8220;center&#8220; css=&#8220;.vc_custom_1713775300820{margin-top: 20px !important;margin-bottom: 20px !important;}&#8220; custom_color=&#8220;#e51e1e&#8220; link=&#8220;url:https%3A%2F%2Flaboklin.de%2Fwp-content%2Fuploads%2F2022%2F08%2FLA_Juli_2022_DE_FINAL.pdf|title:LABOKLIN%20aktuell%20JULI%202022|target:_blank&#8220;][\/vc_column_inner][vc_column_inner width=&#8220;3\/4&#8243; css=&#8220;.vc_custom_1713773923726{background-color: #e7e7e7 !important;}&#8220;][vc_column_text css=&#8220;.vc_custom_1713775309557{margin-top: 20px !important;margin-bottom: 20px !important;}&#8220;]<a href=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/LA_Juli_2022_DE_FINAL.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Harnsteine bei Hund und Katze<\/strong><\/a>[\/vc_column_text][\/vc_column_inner][\/vc_row_inner][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei ca. 0,5 \u2013 1% der caninen und felinen Patienten, die mit urologischen Problemen in deutschen Tierarztpraxen vorgestellt werden&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1317615,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"none","_seopress_titles_title":"","_seopress_titles_desc":"","_seopress_robots_index":"","footnotes":""},"categories":[485],"tags":[],"class_list":["post-1317607","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-laboklin-aktuell-2022","category-485","description-off"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1317607","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1317607"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1317607\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1471333,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1317607\/revisions\/1471333"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1317615"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1317607"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1317607"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1317607"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}