{"id":1306290,"date":"2020-11-12T09:17:06","date_gmt":"2020-11-12T08:17:06","guid":{"rendered":"https:\/\/laboklin.de\/de\/?p=1306290"},"modified":"2024-12-11T11:47:29","modified_gmt":"2024-12-11T10:47:29","slug":"entwicklung-und-management-eines-allergischen-patienten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/laboklin.de\/de\/entwicklung-und-management-eines-allergischen-patienten\/","title":{"rendered":"Entwicklung und Management eines allergischen Patienten"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\"><p>[vc_row][vc_column width=&#8220;2\/3&#8243;][vc_column_text css=&#8220;&#8220;]Goliat ist ein 2012 geborener Dackelmischlingsr\u00fcde. Im Alter von 4 Jahren wurde er von einer ungarischen Tierschutzorganisation \u00fcbernommen. Damals zeigte er einen minderguten Ern\u00e4hrungszustand, eine eitrige Konjunktivitis sowie diverse Hautwunden, die aber bereits in Abheilung waren. Au\u00dferdem hatte er rezidivierenden Durchfall, der teilweise Blut- und Schleimbeimengungen aufwies. Ein Giardien-ELISA war positiv, nach einer Therapie mit Fenbendazol normalisierte sich der Kotabsatz. Da Goliats Partnerhund Futtermittelallergiker ist, wurde auch er selbst auf einer Di\u00e4t (Ente und Mais) gehalten. Dennoch hatte er zun\u00e4chst seltene, kolikartige Zust\u00e4nde, die mit Borborygmus und Inappetenz, gelegentlich auch mit Erbrechen einhergingen. Diese Anf\u00e4lle h\u00e4uften sich, und schlie\u00dflich blieb die Symptomatik \u00fcber mehrere Tage bestehen. Nachdem Blutscreening, Kotuntersuchung und Ultraschall des Abdomens keine Auff\u00e4lligkeiten zeigten und auch eine Umstellung auf eine Magenschonkost nur eine geringgradige Verbesserung brachte, wurde eine Helicobacter-PCR aus Erbrochenem durchgef\u00fchrt und diese war positiv. Obwohl die Pathogenit\u00e4t von Helicobacter spp. bei Hunden umstritten ist, wurde eine Therapie mit Metronidazol, Amoxicillin und Pantoprazol gestartet und bereits am 2. Tag nach Therapiebeginn war Goliat klinisch unauff\u00e4llig. Goliat wurde nach einigen Monaten (im Alter von 7 Jahren) von der Magenschonkost wieder auf die Di\u00e4t des allergischen Zweithundes umgestellt und entwickelte innerhalb weniger Tage hochgradigen Juckreiz an beiden Ohren.<\/p>\n<h2>Klinisches Bild<\/h2>\n<p>Beide Pinnae waren warm, ger\u00f6tet und verdickt, ebenso der \u00e4u\u00dfere Geh\u00f6rgang. In diesem hatte sich au\u00dferdem reichlich br\u00e4unliches Cerumen mit leichtem Hefegeruch angesammelt. Das Trommelfell war nicht einsehbar.<\/p>\n<p>Zytologische Untersuchung<br \/>\nAm Ohrabstrich-Pr\u00e4parat waren zwischen den physiologisch vorhandenen Hornschollen reichlich Bakterien (Kokken) und auch vermehrt Malassezien zu sehen (Abb. 1). Neben reichlichen Chromatinf\u00e4den waren stellenweise auch einige intakte neutrophile Granulozyten vorhanden.<\/p>\n<h2>Erste Diagnose<\/h2>\n<p>Hochgradige septisch-eitrige Otitis externa mit Malassezien\u00fcberwucherung. Da Otitis externa bei Hunden sehr h\u00e4ufig durch Futtermittelallergien induziert wird und in diesem Fall der zeitliche Zusammenhang mit der Futterumstellung eklatant war, war eine Futtermittelallergie als Prim\u00e4rerkrankung die oberste Differentialdiagnose.<\/p>\n<h2>Serologische Untersuchung auf Futtermittelallergene<\/h2>\n<p>Die Diagnose \u201eFuttermittelallergie\u201c wird mittels Eliminationsdi\u00e4t, die \u00fcber mindestens 8 Wochen durchgef\u00fchrt werden sollte, und anschlie\u00dfender Provokation mit dem urspr\u00fcnglich verwendeten Futter gestellt. Zeigt der Patient ein Rezidiv, kann die Futtermittelallergie diagnostiziert werden. Die Di\u00e4t kann aus einer Protein- und einer Kohlehydratquelle bestehen, die der Patient noch nie zuvor gefressen hat. Aufgrund des sehr weit gef\u00e4cherten Angebotes an kommerziellen Futtermitteln wird es heutzutage immer schwieriger, eine Di\u00e4t zu finden, welche noch nie gef\u00fcttert worden ist. Daher empfiehlt es sich, zur Auswahl der Protein- und Kohlehydratquelle f\u00fcr die Eliminationsdi\u00e4t einen Allergietest (allgemeiner\/erweiterter\/exotischer Futtermittelallergietest: Infos dazu siehe laboklin.com\/allergie) durchzuf\u00fchren. Anhand des Testergebnisses werden eine Proteinquelle und eine Kohlehydratquelle ausgew\u00e4hlt, auf die weder im Bereich der IgE- noch der IgG-Antik\u00f6rper eine positive Reaktion vorliegt. Eine Studie der Universit\u00e4tskleintierklinik in M\u00fcnchen zeigte, dass der negative Vorhersagewert der Futtermittelallergietests unter Ber\u00fccksichtigung beider Antik\u00f6rperklassen bei 81,1% liegt (Bethlehem et al., 2012). Verwendet man f\u00fcr die Di\u00e4t nur Bestandteile, die bei IgE und IgG keine Reaktion zeigen (Reaktionsklasse null), f\u00fcttert man somit bei 4 von 5 Hunden eine passende Eliminationsdi\u00e4t. Neben selbst zubereitetem Futter und hochwertigen, hypoallergenen kommerziellen Di\u00e4ten kann f\u00fcr die Eliminationsdi\u00e4t auch hydrolysiertes Futter verwendet werden. Nat\u00fcrlich muss auch hier auf gute Qualit\u00e4t und v.a. auf den Grad der Hydrolysierung (Gr\u00f6\u00dfe der Peptide sollte &lt; 1 kDa sein) geachtet werden. Bei Goliat wurde ein Futtermittelallergietest durchgef\u00fchrt; leider zeigte er bei fast allen getesteten Protein- und Kohlehydratquellen positive Reaktionen im Bereich der IgE und auch einige positive Ergebnisse im Bereich der IgG. Aufgrund des multipositiven Testergebnisses wurde Goliat ab sofort mit einer qualitativ hochwertigen, hydrolysierten Di\u00e4t aus Gefl\u00fcgelfedern (&lt; 1kDa) und hoch aufgereinigter Maisst\u00e4rke gef\u00fcttert (RC Anallergenic\u00ae), das auch sein allergischer Partnerhund fressen konnte.[\/vc_column_text][\/vc_column][vc_column width=&#8220;1\/3&#8243;][vc_column_text css=&#8220;&#8220;]<\/p>\n\n\t\t\t<style type='text\/css'>\n\t\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\t\twidth: 100%;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='dt-gallery-container gallery galleryid-1306290 gallery-columns-1 gallery-size-medium'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t\t<a class=\"rollover rollover-zoom dt-pswp-item\" title=\"\" data-dt-img-description=\"LABOKLIN aktuell Dermatologie | &lt;b&gt;Abb. 1:&lt;\/b&gt; Ohrabstrich-Pr\u00e4parat: Hornschollen, Chromatinf\u00e4den (vermutlich von Neutrophilen) sowie reichlich Kokken und einige Malassezien &lt;br&gt;&lt;i&gt;Bildquelle: Dr. Maria Christian&lt;\/i&gt;\" data-large_image_width=\"2134\" data-large_image_height=\"1576\"href='https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Otitis_Goli.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"222\" src=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Otitis_Goli-300x222.jpg\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"Ohrabstrich-Pr\u00e4parat: Hornschollen, Chromatinf\u00e4den (vermutlich von Neutrophilen) sowie reichlich Kokken und einige Malassezien\" aria-describedby=\"gallery-1-1306293\" srcset=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Otitis_Goli-300x222.jpg 300w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Otitis_Goli-1024x756.jpg 1024w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Otitis_Goli-768x567.jpg 768w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Otitis_Goli-1536x1134.jpg 1536w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Otitis_Goli-2048x1512.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\n\t\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1306293'>\n\t\t\t\t\t<b>Abb. 1:<\/b> Ohrabstrich-Pr\u00e4parat: Hornschollen, Chromatinf\u00e4den (vermutlich von Neutrophilen) sowie reichlich Kokken und einige Malassezien <br><i>Bildquelle: Dr. Maria Christian<\/i>\n\t\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t\t<a class=\"rollover rollover-zoom dt-pswp-item\" title=\"\" data-dt-img-description=\"LABOKLIN aktuell Dermatologie | &lt;b&gt;Abb. 2:&lt;\/b&gt; Alopezie, Erythem und Hyperpigmentierung medial am Unterarm. &lt;br&gt;&lt;i&gt;Bildquelle: Dr. Maria Christian&lt;\/i&gt;\" data-large_image_width=\"1987\" data-large_image_height=\"1402\"href='https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Goli_VE_li_end.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"212\" src=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Goli_VE_li_end-300x212.jpg\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"Alopezie, Erythem und Hyperpigmentierung medial am Unterarm.\" aria-describedby=\"gallery-1-1306292\" srcset=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Goli_VE_li_end-300x212.jpg 300w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Goli_VE_li_end-1024x723.jpg 1024w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Goli_VE_li_end-768x542.jpg 768w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Goli_VE_li_end-1536x1084.jpg 1536w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Goli_VE_li_end.jpg 1987w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\n\t\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1306292'>\n\t\t\t\t\t<b>Abb. 2:<\/b> Alopezie, Erythem und Hyperpigmentierung medial am Unterarm. <br><i>Bildquelle: Dr. Maria Christian<\/i>\n\t\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t\t<a class=\"rollover rollover-zoom dt-pswp-item\" title=\"\" data-dt-img-description=\"LABOKLIN aktuell Dermatologie | &lt;b&gt;Abb. 3:&lt;\/b&gt; Deutliche Alopezie und Hyperpigmentierung am Abdomen. &lt;br&gt;&lt;i&gt;Bildquelle: Dr. Maria Christian&lt;\/i&gt;\" data-large_image_width=\"1200\" data-large_image_height=\"953\"href='https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Goli_Bauch.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"238\" src=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Goli_Bauch-300x238.jpg\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"Deutliche Alopezie und Hyperpigmentierung am Abdomen.\" aria-describedby=\"gallery-1-1306291\" srcset=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Goli_Bauch-300x238.jpg 300w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Goli_Bauch-1024x813.jpg 1024w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Goli_Bauch-768x610.jpg 768w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Goli_Bauch.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\n\t\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1306291'>\n\t\t\t\t\t<b>Abb. 3:<\/b> Deutliche Alopezie und Hyperpigmentierung am Abdomen. <br><i>Bildquelle: Dr. Maria Christian<\/i>\n\t\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t\t<a class=\"rollover rollover-zoom dt-pswp-item\" title=\"\" data-dt-img-description=\"LABOKLIN aktuell Dermatologie | &lt;b&gt;Abb. 4:&lt;\/b&gt; Seromuk\u00f6ser Augenausfluss infolge einer allergischen Konjunktivitis. &lt;br&gt;&lt;i&gt;Bildquelle: Dr. Maria Christian&lt;\/i&gt;\" data-large_image_width=\"1092\" data-large_image_height=\"1067\"href='https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Goli_Augen.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"293\" src=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Goli_Augen-300x293.jpg\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"Seromuk\u00f6ser Augenausfluss infolge einer allergischen Konjunktivitis.\" aria-describedby=\"gallery-1-1306295\" srcset=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Goli_Augen-300x293.jpg 300w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Goli_Augen-1024x1001.jpg 1024w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Goli_Augen-768x750.jpg 768w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Goli_Augen.jpg 1092w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\n\t\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1306295'>\n\t\t\t\t\t<b>Abb. 4:<\/b> Seromuk\u00f6ser Augenausfluss infolge einer allergischen Konjunktivitis. <br><i>Bildquelle: Dr. Maria Christian<\/i>\n\t\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t\t<\/div>\n\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;vc_default&#8220; css=&#8220;.vc_custom_1613119338058{margin-top: 20px !important;}&#8220;][vc_column css=&#8220;.vc_custom_1733913774746{margin-top: 10px !important;}&#8220;][vc_column_text css=&#8220;&#8220;]<\/p>\n<h2>Therapie Otitis und Futtermittelallergie<\/h2>\n<p>Leider war eine gr\u00fcndliche Ohrreinigung bzw. sogar die Verabreichung von Ohrentropfen wegen fehlender Compliance des eigenwilligen Patienten kaum m\u00f6glich, sodass Goliat nach ein paar Tagen einen Termin zur Ohrsp\u00fclung in Vollnarkose bekam. Bereits vor dieser eingehenden Untersuchung und Behandlung konnte eine deutliche Verbesserung der Symptome festgestellt werden, die allein der Futterumstellung zugeschrieben wurde. Die Schwellung war fast g\u00e4nzlich verschwunden und der Juckreiz \u00e4u\u00dferte sich nur noch durch ein gelegentliches Kopfsch\u00fctteln. Nach der gr\u00fcndlichen Ohrreinigung in Sedierung wurde daher auf eine weitere lokale Therapie verzichtet. Um Goliat nicht ausschlie\u00dflich mit Trockenfutter zu ern\u00e4hren, wurde nach etwa 6 Wochen, als klinisch kaum noch Symptome einer Otitis festzustellen waren, eine Nassfuttervariante eines hydrolysierten Futters \u2013 ebenfalls basierend auf Gefl\u00fcgelprotein und Maisst\u00e4rke (Hill\u2019s z\/d\u00ae) \u2013 zugef\u00fcttert. Wahrscheinlich reichte der Hydrolysierungsgrad dieser Di\u00e4t nicht aus, denn wieder trat innerhalb weniger Tage eine Otitis externa auf. Nach erneuter Futterumstellung rein auf das hydrolysierte Trockenfutter heilte die Otitis wieder aus. Auch eine Studie mit Hunden, die auf Huhn allergisch reagieren, zeigte, dass 40% der Patienten auf die F\u00fctterung von Hill\u2019s z\/d\u00ae mit deutlich vermehrtem Juckreiz reagierten, wohingegen RC Anallergenic\u00ae bei keinem Hund eine Verschlechterung der klinischen Symptome verursachte (Bizikova et al., 2016).<\/p>\n<h2>Weiterer Verlauf<\/h2>\n<p>Einige Wochen sp\u00e4ter \u2013 im Fr\u00fchsommer \u2013 entwickelte Goliat trotz strenger Einhaltung der Di\u00e4t erneut geringgradigen Juckreiz an den Ohren, aber zus\u00e4tzlich auch an den Extremit\u00e4ten, in den Achseln und am ventralen Abdomen, der sich im August schlie\u00dflich zur St\u00e4rke 8 \u2013 9\/10 nach der visuellen Analog-Skala f\u00fcr Juckreiz (Pruritus Visual Analog Scale; PVAS) steigerte. Die Haut zeigte in diesen Bereichen zunehmend ein Erythem, moderate Alopezie, Hyperpigmentierung sowie leichten Hefegeruch (Abb. 2 und 3). Au\u00dferdem fiel eine mittelgradige, seromuk\u00f6se Konjunktivitis auf (Abb. 4).<\/p>\n<p>Da keine Erosionen oder Krusten vorhanden waren, wurde mittels Klebestreifen ein Abklatschpr\u00e4parat der Haut entnommen, um es auf Sekund\u00e4rinfektionen zu pr\u00fcfen. Mikroskopisch waren neben reichlich Pollen auch Ansammlungen von neutrophilen Granulozyten sowie Kokken und wenige Malassezien zu finden. Auf die Beurteilung eines Hautgeschabsels wegen Ektoparasiten wurde verzichtet, da Goliat dauerhaft mit Simparica\u00ae (Sarolaner) versorgt wurde.<\/p>\n<h2>Klinische Verdachtsdiagnose<\/h2>\n<p>Canine atopische Dermatitis (CAD) mit Sekund\u00e4rinfektionen. Da Goliat ausschlie\u00dflich mit der hochgradig hydrolysierten Di\u00e4t Anallergenic\u00ae gef\u00fcttert wurde, erschien es sehr unwahrscheinlich, dass die Juckreizsymptomatik durch die Futtermittelallergie verursacht wurde.<\/p>\n<h2>Therapie Atopie<\/h2>\n<p>Goliat wurde 2x pro Woche mit einem Chlorhexidin-haltigen Pflegeshampoo (Douxo Pyo\u00ae) gebadet und zus\u00e4tzlich wurde die Hautbarrierefunktion durch essentielle Fetts\u00e4uren und Ceramide unterst\u00fctzt. Aufgrund seiner strengen Di\u00e4t wurde auf ein Spot-on-Pr\u00e4parat zur\u00fcckgegriffen (Allerderm\u00ae). Obwohl sich das Erythem und die Alopezie deutlich besserten, wurde der Juckreiz durch die lokale Therapie nur geringgradig besser. Auch eine Injektion von Cytopoint\u00ae (Lokivetmab) konnte den Juckreiz nur reduzieren. Daher wurde nach einer Blutentnahme f\u00fcr die Durchf\u00fchrung eines Allergietest auf Umgebungsallergene vor\u00fcbergehend eine Therapie mit Prednisolon gestartet (1 mg\/kg tgl. f\u00fcr 1 Woche, dann 0,5 mg\/kg tgl.). In Kombination mit regelm\u00e4\u00dfigen Injektionen von Cytopoint\u00ae sowie weitergef\u00fchrter topischer Therapie war die Konjunktivitis nach wenigen Wochen geheilt und der Juckreiz zwar besser, aber noch immer bei einer St\u00e4rke von 6\/10 nach PVAS.<\/p>\n<h2>ASIT<\/h2>\n<p>Da Goliat im Allergietest auf alle Milben eine positive Reaktion gezeigt hatte, wurde die ASIT bestellt. Das Prednisolon wurde vor Beginn der Hyposensibilisierung ausgeschlichen, weil es in Relation zur recht hohen Dosierung nur wenig zur Verbesserung der Juckreizsymptomatik beitrug. Die ASIT wurde lt. Therapieplan begonnen. Anfangs bekam Goliat zus\u00e4tzlich Cytopoint\u00ae gegen den Juckreiz. Bei Hunden, die nach der Verabreichung von Cytopoint\u00ae v\u00f6llig juckreizfrei sind, w\u00e4re die Kombination mit der ASIT vor allem zum Therapiestart nicht zu empfehlen. Es ist zu Beginn der ASIT wichtig, dass die Patienten nicht g\u00e4nzlich symptomfrei sind, weil sonst weder eine Verbesserung noch eine Verschlechterung der Klinik erkannt werden kann. Besonders im Fall einer Symptomverschlechterung ist es aber von Bedeutung, rasch in Form einer Adaptierung des Therapieschemas der ASIT zu reagieren. Da Goliat seit Beginn des Juckreizgeschehens nie symptomfrei war, wurde noch einmalig nach Beginn der ASIT Cytopoint\u00ae gespritzt. Auch nach Ende der Wirkdauer davon zeigte Goliat keinen vermehrten Juckreiz und nach 12 Wochen zeigte der Hund als einziges Anzeichen seiner Allergie kurze Phasen von Belecken der Pfoten vor allem abends vor dem Schlafen (2 \u2013 3\/10 PVAS).<\/p>\n<h2>Langzeitmanagement<\/h2>\n<p>Die Shampoo-Therapie wurde auf 1x pro Woche reduziert, die w\u00f6chentliche Verabreichung von Allerderm\u00ae-Spot-on wurde genauso wie die dauerhafte Gabe von Simparica\u00ae beibehalten. Gef\u00fcttert wird Goliat weiterhin mit RC Anallergenic \u00ae. Um den Milbendruck in der Umgebung zu senken, werden s\u00e4mtliche Schlafpl\u00e4tze w\u00f6chentlich bei 60\u00b0C gewaschen und im Trockner getrocknet. Vor allem im Sp\u00e4tsommer zeigt Goliat trotzdem immer wieder Phasen von vermehrtem Juckreiz, die aber bisher durch h\u00e4ufigeres Schamponieren und der zus\u00e4tzlichen Anwendung von hautpflegendem Schaum (Douxo Calm\u00ae) ohne den Einsatz von systemischen juckreizstillenden Medikamenten in den Griff zu bekommen waren. Diese \u201esaisonale\u201c Verschlechterung bei einem Milbenallergiker kann dadurch erkl\u00e4rt werden, dass sich Hausstaubmilben unter bestimmten klimatischen Bedingungen explosionsartig vermehren k\u00f6nnen und somit der Allergendruck stark ansteigt. Eine andere Erkl\u00e4rung k\u00f6nnte sein, dass Goliat mittlerweile doch eine Reaktion auf Pollen von sp\u00e4tbl\u00fchenden Pflanzen zeigt, die im ersten Allergietest noch nicht zu erkennen war. Ein weiterer Allergietest auf saisonale Allergene ist daher geplant.<\/p>\n<h2>Diskussion<\/h2>\n<p>CAD betrifft ca. 10% der weltweiten Hundepopulation und ist damit eine h\u00e4ufig auftretende Erkrankung. Je nach Studie tritt die atopische Dermatitis bei 3 \u2013 30% der betroffenen Hunde gleichzeitig mit einer Futtermittelallergie auf, wie es auch bei Goliat der Fall ist. Die Pathogenese der CAD ist multifaktoriell: einerseits besteht eine genetische Veranlagung, andererseits beeinflussen aber auch Umweltfaktoren das Auftreten und den Verlauf der CAD. Einige Rassepr\u00e4dispositionen sind bekannt (z.B. Labrador, Golden Retriever, WHWT, Bullterrier\u2026) \u2013 d.h. Goliat als Mischling sollte eigentlich ein geringeres Risiko tragen, eine Allergie zu entwickeln. Allergie-beeinflussende Umweltfaktoren bei Hunden wurden in verschiedenen Studien untersucht, die teilweise kontr\u00e4re Ergebnisse zeigen. Ein Risikofaktor, der in nahezu allen Untersuchungen identifiziert werden konnte, ist das Leben bzw. Aufwachsen in einer urbanen Umgebung. Die in der Humanmedizin postulierte Hygienehypothese, die besagt, dass eine hohe Mikroben-Exposition in der Kindheit vor allergischen Erkrankungen sch\u00fctzt, d\u00fcrfte auch in der Veterin\u00e4rmedizin zutreffen. Weitere protektive Umweltfaktoren sind: l\u00e4ndliche Umgebung, viel Zeit in der Natur, mehrere Tiere im Haushalt, selbstgekochtes Futter w\u00e4hrend der Tr\u00e4chtigkeit und sp\u00e4te Welpen-Vergabe. Negative Risikofaktoren sind hingegen eine sehr saubere Umgebung und das Liegen auf Polsterm\u00f6beln bzw. an Pl\u00e4tzen mit hoher Hausstaubmilbendichte. Da \u00fcber Goliats fr\u00fche Vorgeschichte nichts bekannt ist, ist die Beurteilung der Risikofaktoren in seinem Fall teilweise nicht m\u00f6glich. Ein weiterer Risikofaktor, der erst k\u00fcrzlich in der Humanmedizin untersucht wurde, ist die Einnahme von Magenschutzmedikamenten (Jensen-Jarolim et al, 2019). In einer gro\u00df angelegten retrospektiven Studie wurde gezeigt, dass die Einnahme v.a. von Protonenpumpeninhibitoren das Risiko f\u00fcr das Auftreten allergischer Symptome, die eine antiallergische Therapie erfordern, verdoppelt bis verdreifacht. Neben einer direkten Einwirkung der Medikamente auf das Immunsystem ist in der Humanmedizin auch eine Ver\u00e4nderung des oralen und gastrointestinalen Mikrobioms nachgewiesen, die ein pro-allergisches Milieu schafft und die Entstehung von allergischen Erkrankungen f\u00f6rdert. Auch in der Veterin\u00e4rmedizin wird seit wenigen Jahren intensiv an der Bedeutung des Mikrobioms geforscht. Nach ersten Ergebnissen scheint das gastrointestinale Mikrobiom die Entwicklung von Adipositas, allergischer Dermatitis und Neoplasien sowie kognitive Funktionen und die Nierenfunktion zu beeinflussen. M\u00f6glicherweise hat auch die Therapie des Helicobacter mit Pantoprazol bei Goliat die Entstehung seiner Allergien beg\u00fcnstigt. Der Fall von Goliat zeigt auf, dass nicht jeder Allergiker auf die klassischen Therapiem\u00f6glichkeiten gleich gut anspricht, und dass f\u00fcr jeden Patienten ein individuelles, meist multimodales Management notwendig ist. Ein wichtiger und effektiver Bestandteil davon ist die ASIT.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Dr. Maria Christian<\/em><\/p>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;vc_default&#8220; gap=&#8220;10&#8243; equal_height=&#8220;yes&#8220; content_placement=&#8220;middle&#8220; css=&#8220;.vc_custom_1733912817619{margin-top: 30px !important;}&#8220;][vc_column width=&#8220;1\/6&#8243; css=&#8220;.vc_custom_1733913150185{background-color: #E7E7E7 !important;}&#8220;][vc_icon icon_fontawesome=&#8220;fas fa-file-pdf&#8220; color=&#8220;custom&#8220; size=&#8220;xl&#8220; align=&#8220;center&#8220; css=&#8220;.vc_custom_1733913691665{margin-top: 10px !important;margin-bottom: 10px !important;padding-top: 20px !important;padding-bottom: 20px !important;}&#8220; custom_color=&#8220;#e51e1e&#8220; link=&#8220;url:https%3A%2F%2Flaboklin.de%2Fwp-content%2Fuploads%2F2021%2F02%2FLA_Allergie_November_2020_DE_FINAL.pdf|target:_blank&#8220;][\/vc_column][vc_column width=&#8220;5\/6&#8243; css=&#8220;.vc_custom_1733913166041{background-color: #E7E7E7 !important;}&#8220;][vc_column_text css=&#8220;.vc_custom_1733913196529{margin-top: 10px !important;margin-bottom: 10px !important;padding-top: 20px !important;padding-bottom: 20px !important;}&#8220;]<\/p>\n<p class=\"fancy-title entry-title color-accent start-animation-done start-animation\"><a href=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/LA_Allergie_November_2020_DE_FINAL.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Entwicklung und Management eines allergischen Patienten<\/strong><\/a><\/p>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Goliat ist ein 2012 geborener Dackelmischlingsr\u00fcde. Im Alter von 4 Jahren wurde er von einer ungarischen Tierschutzorganisation \u00fcbernommen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1306294,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"none","_seopress_titles_title":"","_seopress_titles_desc":"","_seopress_robots_index":"","footnotes":""},"categories":[514],"tags":[],"class_list":["post-1306290","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-laboklin-aktuell-dermatologie-2020","category-514","description-off"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1306290","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1306290"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1306290\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1497906,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1306290\/revisions\/1497906"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1306294"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1306290"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1306290"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1306290"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}