{"id":1610082,"date":"2026-05-11T11:58:45","date_gmt":"2026-05-11T09:58:45","guid":{"rendered":"https:\/\/laboklin.de\/aktuelle-entwicklungen-in-der-pferdemedizin\/"},"modified":"2026-05-11T12:13:51","modified_gmt":"2026-05-11T10:13:51","slug":"aktuelle-entwicklungen-in-der-pferdemedizin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/laboklin.de\/de-ch\/aktuelle-entwicklungen-in-der-pferdemedizin\/","title":{"rendered":"Aktuelle Entwicklungen in der Pferdemedizin \u2013 Highlights vom Leipziger Tier\u00e4rztekongress 2026"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\"><p>[vc_row][vc_column width=&#187;2\/3&#8243;][vc_column_text css=&#187;&#187;]<\/p>\n<h2>Vitamin E beim Sportpferd \u2013 ern\u00e4hrungsphysiologische Relevanz und Mangelpathologie<\/h2>\n<p>Vitamin E ist ein fettl\u00f6slicher Mikron\u00e4hrstoff und in der Pferdeern\u00e4hrung essenziell. Physiologisch relevant ist nahezu ausschlie\u00dflich \u03b1<strong>-Tocopherol, <\/strong>wobei die nat\u00fcrliche Form <strong>RRR-<\/strong>\u03b1<strong>-Tocopherol <\/strong>aufgrund ihrer bevorzugten hepatischen Verarbeitung die h\u00f6chste Bioverf\u00fcgbarkeit besitzt.<\/p>\n<p>Als lipidl\u00f6sliches Antioxidans sch\u00fctzt Vitamin E Zellmembranen vor oxidativer Sch\u00e4digung und ist f\u00fcr die neuromuskul\u00e4re Funktion von zentraler Bedeutung. Unter k\u00f6rperlicher Belastung steigt der Vitamin-E-Umsatz infolge vermehrter Bildung reaktiver Sauerstoffspezies an.[\/vc_column_text][\/vc_column][vc_column width=&#187;1\/3&#8243;][vc_column_text css=&#187;&#187;]<\/p>\n\n\t\t\t<style type='text\/css'>\n\t\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\t\twidth: 100%;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='dt-gallery-container gallery galleryid-1610082 gallery-columns-1 gallery-size-large'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t\t<a class=\"rollover rollover-zoom dt-pswp-item\" title=\"Schema_Differentialdiagnose_bei_Fieber_Pferd\" data-dt-img-description=\"LABOKLIN aktuell Pferd | &lt;b&gt;Abb. 1:&lt;\/b&gt; Differentialdiagnosen der h\u00e4ufigsten Erreger bei Pferden mit Fieber nach Organsystemen sortiert &lt;br&gt;&lt;i&gt;Bildquelle: Laboklin&lt;\/i&gt;\" data-large_image_width=\"1280\" data-large_image_height=\"720\"href='https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/schema_differentialdiagnose_bei_fieber_pferd.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/schema_differentialdiagnose_bei_fieber_pferd-1024x576.jpg\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"Differentialdiagnosen der h\u00e4ufigsten Erreger bei Pferden mit Fieber nach Organsystemen sortiert\" aria-describedby=\"gallery-1-1610049\" srcset=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/schema_differentialdiagnose_bei_fieber_pferd-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/schema_differentialdiagnose_bei_fieber_pferd-300x169.jpg 300w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/schema_differentialdiagnose_bei_fieber_pferd-768x432.jpg 768w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/schema_differentialdiagnose_bei_fieber_pferd.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a>\n\t\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1610049'>\n\t\t\t\t\tAbb. 1: Differentialdiagnosen der h\u00e4ufigsten Erreger bei Pferden mit Fieber nach Organsystemen sortiert Bildquelle: Laboklin\n\t\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t\t<\/div>\n\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column css=&#187;.vc_custom_1751872278335{margin-top: 30px !important;}&#187;][vc_column_text css=&#187;&#187;]<span style=\"font-size: 14px; font-weight: normal;\">Vitamin E wird ausschlie\u00dflich von Pflanzen synthetisiert und ist in frischem Gras in hohen Konzentrationen vorhanden. Konservierte Futtermittel weisen durch Lagerungs- und Oxidationsprozesse deutlich reduzierte Gehalte auf, sodass Pferde ohne Weidegang ihren Bedarf nicht ausreichend decken k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p>Der empfohlene t\u00e4gliche Bedarf liegt bei <strong>1\u20132 mg\/kg K\u00f6rpermasse, <\/strong>f\u00fcr Sportpferde bei mindestens <strong>2 mg\/kg KM. <\/strong>Bei erh\u00f6hter oxidativer Belastung oder muskul\u00e4ren Erkrankungen werden <strong>4\u20136 mg\/kg KM <\/strong>empfohlen.<\/p>\n<p>Ein chronischer Vitamin-E-Mangel kann zu schwerwiegenden neuromuskul\u00e4ren Erkrankungen f\u00fchren. Dazu z\u00e4hlen die <strong>Vitamin E deficient myopathy <\/strong>mit degenerativen Muskelver\u00e4nderungen, die <strong>Equine Motor Neuron Disease (EMND) <\/strong>mit progressiver Degeneration motorischer Neurone sowie die <strong>Neuroaxonale Dystrophie\/Equine Degenerative Myeloenzephalopathie (NAD\/EDM), <\/strong>eine neuro-degenerative Erkrankung des jungen Pferdes, bei der Vitamin-E-Mangel als zentraler pr\u00e4disponierender Faktor gilt.<\/p>\n<p>Der Versorgungsstatus wird \u00fcber die <strong>Serum-<\/strong>\u03b1<strong>-Tocopherol-Konzentration<\/strong> beurteilt; Werte <strong>&gt;2,0 \u00b5g\/ml <\/strong>gelten als ad\u00e4quat.<\/p>\n<p>Bei fehlender Grasaufnahme ist eine Supplementation obligat. <strong>Nat\u00fcrliches RRR-<\/strong>\u03b1<strong>-Tocopherol <\/strong>ist synthetischen Formen hinsichtlich der Bioverf\u00fcgbarkeit \u00fcberlegen. Eine \u00fcber den Bedarf hinausgehende Supplementation zeigt bei gesunden Sportpferden jedoch <strong>keinen konsistenten Nutzen <\/strong>in Bezug auf Leistungsf\u00e4higkeit oder Marker des oxidativen Stresses.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Myopathien beim Islandpferd \u2013 labordiagnostische Einordnung und klinische Relevanz<\/h2>\n<p>Myopathien stellen beim Islandpferd eine zunehmend erkannte Ursache f\u00fcr Leistungsminderung und unspezifische Lahmheitsbilder dar. Aufgrund rassespezifischer biomechanischer Besonderheiten sowie subtiler klinischer Symptome werden muskul\u00e4re Erkrankungen h\u00e4ufig erst sp\u00e4t diagnostiziert. Eine k\u00fcrzlich beschriebene <strong>chronisch idiopathische Myopathie <\/strong>scheint dabei eine Islandpferde-spezifische Entit\u00e4t darzustellen.<\/p>\n<p>Betroffene Pferde zeigen \u00fcberwiegend unspezifische klinische Symptome wie Leistungsabfall, diffuse Lahmheiten, Stolpern, erh\u00f6hte Atemfrequenz sowie eine verminderte Bereitschaft zur Ausf\u00fchrung bestimmter Gangarten. Akute klinische Zeichen einer klassischen Belastungsrhabdomyolyse fehlen in der Regel.<\/p>\n<p>Die <strong>Serum-Creatinkinase (CK) <\/strong>stellt den wichtigsten labordiagnostischen Marker dar. Ruhewerte sind h\u00e4ufig normal oder nur geringgradig erh\u00f6ht. Diagnostisch wegweisend ist ein <strong>belastungsabh\u00e4ngiger CK-Anstieg, <\/strong>der standardisiert nach <strong>4 und 24 Stunden <\/strong>erfasst wird. Die CK-Spitzenwerte liegen typischerweise bei <strong>2000\u20133000 U\/L <\/strong>und damit deutlich unter den Werten von Pferden mit rezidivierender Belastungsmyopathie (Recurrent Exercise Rhabdomyolysis, RER).<\/p>\n<p>Die <strong>CK-Kinetik <\/strong>besitzt eine h\u00f6here diagnostische Aussagekraft als Einzelmessungen. Reproduzierbare, moderate Anstiege nach Belastung sprechen f\u00fcr eine myopathische Genese, auch bei nur geringf\u00fcgig erh\u00f6hten Absolutwerten. Erg\u00e4nzend kann <strong>Aspartat-Aminotransferase (AST) <\/strong>zur Beurteilung l\u00e4nger bestehender Muskelsch\u00e4digungen herangezogen werden. Entz\u00fcndungsparameter sowie metabolische Routineprofile dienen prim\u00e4r dem Ausschluss systemischer oder entz\u00fcndlicher Erkrankungen.<\/p>\n<p>Die definitive Diagnosesicherung erfolgt mittels <strong>Muskelbiopsie <\/strong>aus dem Musculus semimembranosus. Histopathologisch zeigen sich chronische degenerative und regenerative Ver\u00e4nderungen mit zentralisierten Zellkernen, ohne Hinweise auf abnorme Glykogenablagerungen oder myofibrill\u00e4re Defekte.<\/p>\n<p>Bei Islandpferden mit Leistungsminderung sollte die <strong>belastungsabh\u00e4ngige CK-Dynamik <\/strong>fr\u00fchzeitig Bestandteil der Diagnostik sein. In Kombination mit der Muskelbiopsie erm\u00f6glicht sie eine valide Abgrenzung gegen\u00fcber anderen myopathischen und nicht-myopathischen Ursachen und stellt eine zentrale Grundlage f\u00fcr die klinische Entscheidungsfindung dar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Fieber beim Pferd: Stellenwert der Labordiagnostik in der klinischen Entscheidungsfindung<\/h2>\n<p>Fieber stellt beim Pferd ein h\u00e4ufiges, jedoch unspezifisches klinisches Leitsymptom dar, dessen \u00e4tiologische Abkl\u00e4rung eine strukturierte diagnostische Vorgehensweise erfordert (Abb. 1). Ziel ist die fr\u00fchzeitige Identifikation infekti\u00f6ser oder systemischer Erkrankungen, die eine gezielte Therapie oder weiterf\u00fchrende Ma\u00dfnahmen notwendig machen.<\/p>\n<p>Nach Anamnese und klinischer Untersuchung kommt der <strong>Labordiagnostik <\/strong>eine zentrale Rolle zu. H\u00e4matologische und klinisch-chemische Untersuchungen erm\u00f6glichen eine erste Einordnung des Entz\u00fcndungsgeschehens sowie Hinweise auf m\u00f6gliche Organbeteiligungen. <strong>Akute-Phase-Pro<\/strong><strong>teine <\/strong>besitzen hierbei eine besondere diagnostische Bedeutung. <strong>Serum Amyloid A (SAA) <\/strong>reagiert als Major-Akute-Phase-Protein des Pferdes rasch und hochsensitiv auf entz\u00fcndliche Stimuli und eignet sich sowohl zur Detektion akuter Prozesse als auch zur Verlaufskontrolle. <strong>Fibrinogen <\/strong>zeigt eine verz\u00f6gerte, l\u00e4nger anhaltende Erh\u00f6hung und ist insbesondere bei subakuten oder chronischen Entz\u00fcndungen diagnostisch relevant. Aufgrund ihrer hohen Sensitivit\u00e4t, jedoch fehlenden Spezifit\u00e4t, m\u00fcssen Akute-Phase-Proteine stets im klinischen Kontext interpretiert werden.<\/p>\n<p>Zur \u00e4tiologischen Abkl\u00e4rung infekti\u00f6ser Ursachen sind spezifische labordiagnostische Verfahren erforderlich. <strong>Molekulare<\/strong> <strong>Nachweismethoden, <\/strong>insbesondere <strong>PCR-basierte Verfahren <\/strong>in akkreditierten Laboren, gelten als Goldstandard f\u00fcr den direkten Erregernachweis. Sie zeichnen sich durch eine hohe analytische Sensitivit\u00e4t und Spezifit\u00e4t aus und erm\u00f6glichen eine gezielte Differenzierung relevanter bakterieller und viraler Pathogene. <strong>Point-of-Care-Tests <\/strong>k\u00f6nnen eine zeitnahe erste Orientierung bieten, ersetzen jedoch weder die umfassende Labordiagnostik noch die qualit\u00e4tsgesicherte Befundinterpretation durch spezialisierte Labore.<\/p>\n<p>In Abh\u00e4ngigkeit von den laborchemischen Ergebnissen und dem klinischen Verlauf k\u00f6nnen weiterf\u00fchrende diagnostische Ma\u00dfnahmen, einschlie\u00dflich bildgebender Verfahren oder gezielter Probenentnahmen, erforderlich sein. Insgesamt stellt die Labordiagnostik einen unverzichtbaren Bestandteil der Fieberabkl\u00e4rung beim Pferd dar und bildet die Grundlage f\u00fcr evidenzbasierte Therapieentscheidungen sowie f\u00fcr Ma\u00dfnahmen zum Schutz des Bestandes.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Genetische Tests bei equinen Myopathien: evidenzbasierte Anwendung und genetische Grenzen<\/h2>\n<p>Die genetische Testung hat sich als diagnostisches Instrument bei equinen Myopathien etabliert, erfolgt jedoch bislang ohne verbindliche regulatorische Kontrolle. Daraus ergibt sich f\u00fcr Tier\u00e4rztinnen und Tier\u00e4rzte die Notwendigkeit, die Validit\u00e4t kommerziell angebotener Tests kritisch zu beurteilen. Ein genetischer Test sollte nur dann klinisch Anwendung finden, wenn die zugrunde liegende Variante nachweislich kausal mit der Erkrankung assoziiert ist und international anerkannte Validierungskriterien Beachtung finden.<\/p>\n<p>Zu den grundlegenden Anforderungen an valide genetische Tests z\u00e4hlen eine geringe Allelfrequenz in der Allgemeinpopulation, eine hohe \u00dcbereinstimmung zwischen Genotyp und Ph\u00e4notyp, ein funktionell relevanter Einfluss der Variante auf das kodierte Protein sowie eine Reproduzierbarkeit der Ergebnisse in peer-reviewten Studien. Diese Kriterien werden bislang nur von wenigen genetischen Tests f\u00fcr equine Myopathien erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Derzeit existieren f\u00fcnf bis sechs validierte genetische Tests f\u00fcr Muskelerkrankungen beim Pferd, darunter die <strong>Polysaccharid-Speicher-Myopathie Typ 1 (PSSM1; GYS1), <\/strong>die <strong>Myosin-Heavy-Chain-Myopathie (MYHM; MYH1), <\/strong>die <strong>hyperkali\u00e4mische periodische Paralyse (HYPP; SCN4A), die malig-ne Hyperthermie (MH; RYR1) sowie die Glykogen-Verzweigungsenzym-Defizienz (GBED; GBE1).<\/strong><\/p>\n<p>Die Identifikation der kausalen Varianten basierte jeweils auf streng ph\u00e4notypisierten Fall-Kontroll-Studien unter Anwendung von Goldstandard-Diagnostik wie Muskelhistopathologie oder Elektromyographie. Die jeweiligen Mutationen zeigen eine hohe Krankheitsassoziation, eine niedrige Pr\u00e4valenz in gesunden Populationen sowie einen klaren funktionellen Effekt auf das betroffene Protein.<\/p>\n<p>Demgegen\u00fcber stehen kommerzielle genetische Testpanels f\u00fcr sogenannte <strong>Typ-2-Polysaccharid-<\/strong><strong>Speicher-Myopathien (PSSM2), myofibrill\u00e4re Myopathien (MFM), Muscle Integrity Myopathy (MIM) <\/strong>und die <strong>rezidivierende Belastungsrhabdomyolyse (RER). <\/strong>Diese Tests basieren auf Varianten in Genen wie <em>MYOT, FLNC, MYOZ3, PYROXD1, CACNA2D3 <\/em>und <em>COL6A3, <\/em>deren pathogenetische Relevanz bislang nicht \u00fcberzeugend belegt ist.<\/p>\n<p>Mehrere unabh\u00e4ngige Studien konnten keine signifikante Assoziation zwischen diesen Varianten und histopathologisch best\u00e4tigten Myopathien nachweisen. Die Pr\u00e4valenz der getesteten Varianten war bei erkrankten Pferden vergleichbar mit jener gesunder Kontrolltiere, was zu hohen Raten falsch-positiver und falsch-negativer Testergebnisse f\u00fchrte. Besonders auff\u00e4llig ist die hohe Allelfrequenz dieser Varianten in der Allgemeinpopulation: Populations-genetische Analysen zeigen, dass bis zu 50 % der Warmblutpferde mindestens eine dieser Varianten tragen. Angesichts der deutlich niedrigeren Pr\u00e4valenz klinisch manifester Muskelerkrankungen ist eine kausale Rolle dieser Varianten unwahrscheinlich; vielmehr handelt es sich vermutlich um benigne genetische Polymorphismen.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr die genetische Diagnostik der <strong>rezidivie<\/strong><strong>renden Belastungsrhabdomyolyse <\/strong>ist die Evidenz begrenzt. Die als urs\u00e4chlich postulierte Px-Variante ist synonym und f\u00fchrt zu keiner Ver\u00e4nderung der Aminos\u00e4uresequenz. Ihre hohe Pr\u00e4valenz in gesunden Thoroughbreds widerspricht einer kausalen pathogenetischen Bedeutung.<\/p>\n<p>Zusammenfassend sollten genetische Tests bei equinen Myopathien ausschlie\u00dflich dann eingesetzt werden, wenn sie streng validiert sind und mit Rasse, klinischem Erscheinungsbild sowie laborchemischen und histopathologischen Befunden \u00fcbereinstimmen. Der unkritische Einsatz nicht validierter genetischer Testpanels birgt ein erhebliches Risiko f\u00fcr Fehldiagnosen und unangemessene z\u00fcchterische Selektion.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Entwicklung neuer diagnostischer Tests f\u00fcr infekti\u00f6se Endometritis bei der Stute<\/h2>\n<p>Die infekti\u00f6se Endometritis stellt eine der h\u00e4ufigsten Ursachen f\u00fcr Subfertilit\u00e4t und Infertilit\u00e4t bei der Stute dar. Sie tritt entweder als persistierende entz\u00fcndliche Reaktion nach der Bedeckung oder als chronische bakterielle Infektion auf. W\u00e4hrend die Mehrzahl der Stuten uterine bakterielle Kontaminationen innerhalb von 6\u201324 h effektiv eliminiert, entwickeln etwa 10\u201315 % eine chronische Endometritis, die eine erfolgreiche Tr\u00e4chtigkeit verhindert.<\/p>\n<p>Die klassische Diagnostik der infekti\u00f6sen Endometritis basiert auf <strong>bakteriologischer Kultur, zyto<\/strong><strong>logischer Untersuchung <\/strong>sowie <strong>molekularbiologischen Verfahren <\/strong>wie der PCR. Diese Methoden erfassen jedoch prim\u00e4r planktonisch vorliegende, metabolisch aktive Bakterien. Rezidivierende Infektionen k\u00f6nnen dennoch auftreten, da Erreger entweder in <strong>anatomischen<\/strong> <strong>Reservoiren<\/strong> (z. B. Klitorisfossa), in einem <strong>metabolisch inaktiven (dormanten) Zustand <\/strong>tief im Endometrium oder als <strong>bakterielle Biofilme <\/strong>persistieren. Diese Formen entziehen sich h\u00e4ufig sowohl der konventionellen Diagnostik als auch der antibiotischen Therapie.<\/p>\n<p>Zur Detektion dormant persistierender Keime wurde ein <strong>diagnostisch-therapeutisches Aktivierungskonzept <\/strong>entwickelt, bei dem ruhende Bakterien im Endometrium stimuliert werden, sodass sie anschlie\u00dfend mittels konventioneller Kultur oder PCR nachweisbar und therapeutisch zug\u00e4nglich werden. Dieses Vorgehen stellt einen wesentlichen Fortschritt in der Diagnostik subklinischer und rezidivierender Endometritiden dar.<\/p>\n<p>Ein bislang ungel\u00f6stes diagnostisches Problem ist der <strong>zuverl\u00e4ssige in-vivo-Nachweis bakterieller Biofilme <\/strong>im Uterus. Biofilme sch\u00fctzen Bakterien effektiv vor der Immunabwehr und antimikrobiellen Substanzen und f\u00f6rdern die Entwicklung antimikrobieller Resistenzen. Zwar ist experimentell belegt, dass typische Erreger der equinen Endometritis wie <em>Streptococcus equi <\/em>ssp. <em>zooepidemicus, Escherichia coli <\/em>oder <em>Pseudomonas aeruginosa <\/em>Biofilme bilden k\u00f6nnen, jedoch existiert derzeit keine etablierte klinische Diagnostikmethode f\u00fcr uterine Biofilme.<\/p>\n<p>Aktuelle Forschungsans\u00e4tze fokussieren sich daher auf den Nachweis spezifischer <strong>Bestandteile der <\/strong><strong>Biofilm-Matrix <\/strong>in niedrigvolumigen uterinen Lavagen. Diese Matrix besteht aus Proteinen, Lipiden, Polysacchariden und Nukleins\u00e4uren. Proteomische und lipidomische Analysen konnten bereits Unterschiede zwischen planktonischen und biofilmbildenden Bakterien identifizieren, darunter biofilmspezifische Proteine und Membranlipide mit potenzieller diagnostischer Relevanz. Ziel ist die Entwicklung eines robusten, klinisch einsetzbaren Tests, der eine gezielte Diagnose und damit eine differenzierte, biofilmspezifische Therapie erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Zusammenfassend sollten bei rezidivierender infekti\u00f6ser Endometritis neben frei vorliegenden Bakterien auch <strong>dormant persistierende Keime <\/strong>und <strong>bakterielle Biofilme <\/strong>in die diagnostische \u00dcberlegung einbezogen werden. Die Entwicklung biofilmspezifischer diagnostischer Verfahren stellt einen entscheidenden Schritt dar, um die Therapie zu optimieren und den Einsatz von Antibiotika gezielter und verantwortungsvoller zu gestalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p><strong>Eine<\/strong> <strong>Auswahl<\/strong> <strong>unserer<\/strong> <strong>Leistungen<\/strong> <strong>zu<\/strong> <strong>den<\/strong> <strong>o.<\/strong> <strong>g.<\/strong> <strong>Themen:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"color: #000000;\">Bestimmung von Einzelvitaminen und Vitaminprofile (gro\u00df und klein)<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #000000;\">Muskel-Screening einfach und erweitert<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #000000;\">verschiedene PCR-Profile zum Erregernachweis nach Organsystem (z. B. Atemwege I-IV)<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #000000;\">zahlreiche Gentests (z. B. Polysaccharid-Speicher-Myopathie Typ 1, PSSM; Immune mediated myositis &amp; MYH1 myopathy, MYHM; Hyperkali\u00e4mische periodische Paralyse, HYPP; Equine maligne Hyperthermie, EMH; Glycogen branching enzyme deficiency, GBED)<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #000000;\">Zuchthygiene<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Jana Pohl<\/em><\/p>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#187;vc_default&#187; css=&#187;.vc_custom_1761653312857{margin-top: 30px !important;}&#187;][vc_column css=&#187;.vc_custom_1743677988086{margin-top: 30px !important;}&#187;][vc_column_text css=&#187;&#187;]<\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><strong>Weiterf\u00fchrende Literatur<\/strong><\/span><\/h5>\n<h6><strong><a href=\"https:\/\/short.laboklin.com\/lit_lapf0526_de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/short.laboklin.com\/lit_lapf0526_de<\/a><\/strong><\/h6>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#187;vc_default&#187; gap=&#187;10&#8243; equal_height=&#187;yes&#187; content_placement=&#187;middle&#187; css=&#187;.vc_custom_1761653772548{margin-top: 30px !important;}&#187;][vc_column width=&#187;1\/6&#8243; css=&#187;.vc_custom_1761653809503{background-color: #E7E7E7 !important;}&#187;][vc_icon icon_fontawesome=&#187;fa fa-solid fa-file-pdf&#187; color=&#187;custom&#187; size=&#187;xl&#187; align=&#187;center&#187; css=&#187;.vc_custom_1778493597368{margin-top: 10px !important;margin-bottom: 10px !important;padding-top: 20px !important;padding-bottom: 20px !important;}&#187; custom_color=&#187;#e51e1e&#187; link=&#187;url:https%3A%2F%2Flaboklin.de%2Fwp-content%2Fuploads%2F2026%2F05%2Faktuelle_entwicklungen_pferdemedizin_leipziger_tieraertzekongress_2026.pdf|target:_blank&#187;][\/vc_column][vc_column width=&#187;5\/6&#8243; css=&#187;.vc_custom_1761653821859{background-color: #E7E7E7 !important;}&#187;][vc_column_text css=&#187;.vc_custom_1778493610647{margin-top: 10px !important;margin-bottom: 10px !important;padding-top: 20px !important;padding-bottom: 20px !important;}&#187;]<a href=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/aktuelle_entwicklungen_pferdemedizin_leipziger_tieraertzekongress_2026.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Aktuelle Entwicklungen in der Pferdemedizin \u2013 Highlights vom Leipziger Tier\u00e4rztekongress 2026<\/strong><\/a>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zusammenfassung der wichtigsten Highlights vom Leipziger Tier\u00e4rztekongress 2026<\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":1610032,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"none","_seopress_titles_title":"%%post_title%%","_seopress_titles_desc":"%%post_excerpt%%","_seopress_robots_index":"","footnotes":""},"categories":[254],"tags":[],"class_list":["post-1610082","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-laboklin-pferd-de-ch","category-254","description-off"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1610082","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-ch\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-ch\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-ch\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1610082"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1610082\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1610084,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1610082\/revisions\/1610084"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-ch\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1610032"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-ch\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1610082"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-ch\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1610082"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-ch\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1610082"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}