{"id":1552548,"date":"2025-07-30T10:30:53","date_gmt":"2025-07-30T08:30:53","guid":{"rendered":"https:\/\/laboklin.de\/faekale-biomarker-bei-chronischen-enteropathien-von-hund-und-katze\/"},"modified":"2025-07-30T10:34:40","modified_gmt":"2025-07-30T08:34:40","slug":"faekale-biomarker-bei-chronischen-enteropathien-von-hund-und-katze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/laboklin.de\/de-ch\/faekale-biomarker-bei-chronischen-enteropathien-von-hund-und-katze\/","title":{"rendered":"F\u00e4kale Biomarker bei chronischen Enteropathien von Hund und Katze"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\"><p>[vc_row][vc_column width=&#187;2\/3&#8243;][vc_column_text css=&#187;&#187;]F\u00e4kale Biomarker stellen eine wertvolle, <strong>nicht-invasive <\/strong>M\u00f6glichkeit dar, Informationen \u00fcber patho-physiologische Prozesse im Magen-Darm-Trakt zu gewinnen. Sie erm\u00f6glichen die Differenzierung entz\u00fcndlicher und nicht-entz\u00fcndlicher Ursachen chronischer Enteropathien, geben Hinweise auf Proteinverlust oder helfen in der Verlaufskontrolle und Therapieplanung. Die wichtigsten derzeit in der Veterin\u00e4rmedizin verf\u00fcgbaren f\u00e4kalen Biomarker stellen wir Ihnen nachfolgend vor.[\/vc_column_text][\/vc_column][vc_column width=&#187;1\/3&#8243;][vc_column_text css=&#187;&#187;]<\/p>\n\n\t\t\t<style type='text\/css'>\n\t\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\t\twidth: 100%;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='dt-gallery-container gallery galleryid-1552548 gallery-columns-1 gallery-size-large'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t\t<a class=\"rollover rollover-zoom dt-pswp-item\" title=\"\" data-dt-img-description=\"LABOKLIN aktuell | &lt;i&gt;Bildquelle: Laboklin&lt;\/i&gt;\" data-large_image_width=\"1200\" data-large_image_height=\"720\"href='https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/faekale_biomarker_bei_chronischen_enteropathien.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"614\" src=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/faekale_biomarker_bei_chronischen_enteropathien-1024x614.jpg\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"f\u00e4kale Biomarker,Dysbiose,Kotuntersuchung,Enteropathie\" aria-describedby=\"gallery-1-1552517\" srcset=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/faekale_biomarker_bei_chronischen_enteropathien-1024x614.jpg 1024w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/faekale_biomarker_bei_chronischen_enteropathien-300x180.jpg 300w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/faekale_biomarker_bei_chronischen_enteropathien-768x461.jpg 768w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/faekale_biomarker_bei_chronischen_enteropathien.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a>\n\t\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1552517'>\n\t\t\t\t\t<i>Bildquelle: Laboklin<\/i>\n\t\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t\t<\/div>\n\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column css=&#187;.vc_custom_1650632075890{margin-top: 20px !important;margin-bottom: 20px !important;}&#187;][vc_column_text css=&#187;&#187;]<\/p>\n<h2>1. \u03b11-Antitrypsin<\/h2>\n<p><strong>\u03b11-Antitrypsin<\/strong> <strong>(\u03b11-AT)<\/strong> ist ein Protein aus der Familie der Serinprotease-Inhibitoren (Serpine). Es wird prim\u00e4r in der Leber synthetisiert und zirkuliert in relativ stabiler Konzentration im Blutplasma. Seine physiologische Funktion besteht darin, proteolytische Enzyme \u2013 insbesondere Neutrophilenelastase \u2013 zu hemmen, um Gewebesch\u00e4den durch \u00fcberschie\u00dfende Entz\u00fcndungsreaktionen zu verhindern. Besondere Relevanz erlangt \u03b11-AT jedoch durch seine Verwendung als <strong>diagnostischer Marker bei Protein-Verlust-Enteropathien (PLE)<\/strong>. Anders als viele andere Proteine ist \u03b11-AT gegen den enzymatischen Abbau im Gastrointestinaltrakt weitgehend resistent. Wird es durch eine gest\u00f6rte intestinale Barriere \u2013 z. B. bei Entz\u00fcndung oder Ulzeration \u2013 aus dem Plasma in das Darmlumen abgegeben, bleibt es im Kot intakt nachweisbar. Das macht \u03b11-AT zu einem idealen f\u00e4kalen Marker f\u00fcr den Verlust von Plasmaeiwei\u00dfen \u00fcber den Darm. Ein Nachweis in Faeces deutet somit auf eine gest\u00f6rte intestinale Barrierefunktion hin und wird als Indikator f\u00fcr einen intestinalen Proteinverlust gewertet.<\/p>\n<p><strong>Indikation<br \/>\n<\/strong>Beim Hund ist der Nachweis von f\u00e4kalem \u03b11-AT insbesondere als geeigneter Fr\u00fchmarker einer sich entwickelnden PLE bei einer hierf\u00fcr pr\u00e4disponierten Rasse (z. B. Soft Coated Wheaten Terrier) gut untersucht. Die Ergebnisse zeigen an, dass der Marker schon fr\u00fch, noch bevor klinische Symptome oder eine im Blut sichtbare Hypoalbumin\u00e4mie vorhanden sind, eine entsprechende intestinale Barrierest\u00f6rung anzeigt. Ein weiteres Einsatzgebiet kann die Abkl\u00e4rung einer Hypoprotein\u00e4mie\/ Hypoalbumin\u00e4mie sein. Nicht immer geht die PLE mit Durchfall einher, sodass das f\u00e4kale \u03b11-AT hilfreich sein kann, die Ursache einer entsprechenden Ver\u00e4nderung im Blut zu erkl\u00e4ren. Bei Patienten mit chronischer Enteropathie zeigt eine erh\u00f6hte f\u00e4kale \u03b11-AT-Konzentration ein entsprechend schweres Erkrankungsgeschehen an.<\/p>\n<p>Zudem kann der Parameter zum Therapiemonitoring eingesetzt werden: R\u00fcckl\u00e4ufige Werte unter Therapie sprechen f\u00fcr eine verbesserte Darmbarrierefunktion.<\/p>\n<p><strong>Was beachtet werden sollte<br \/>\n<\/strong>Die Messung erfolgt meist mittels ELISA. An sich werden bereits geringe Mengen, die durch eine gesch\u00e4digte Mukosa entweichen, erfasst. Allerdings sind sowohl tageszeitliche Schwankungen als auch eine inhomogene Verteilung innerhalb einer Kotprobe bekannt. Das kann unter Umst\u00e4nden dazu f\u00fchren, dass trotz entsprechender Erkrankung die Untersuchung niedrige oder nicht messbare Konzentrationen anzeigt. Die Testung von drei aufeinanderfolgenden Kotproben erh\u00f6ht die diagnostische Aussagekraft.<\/p>\n<p>Die Beurteilung von f\u00e4kalem \u03b11-AT sollte immer im klinischen Kontext erfolgen. Das Referenzintervall ist weit, \u00dcberschneidungen mit gesunden Kontrolltieren sind m\u00f6glich und die tagesabh\u00e4ngigen Schwankungen sowie die ungleiche Verteilung im Kot k\u00f6nnen sowohl falsch positive als auch falsch negative Ergebnisse verursachen. Zudem ist zu beachten, dass die Konzentrationen logischerweise erh\u00f6ht sind, wenn gastrointestinale Blutungen oder eine erh\u00f6hte Schleimproduktion im Darm vorhanden sind.<\/p>\n<p>\u03b11-AT erlaubt keine Aussagen \u00fcber die \u00c4tiologie einer PLE \u2013 es handelt sich um einen quantitativen Marker f\u00fcr Proteinverlust, er ist nicht spezifisch f\u00fcr Entz\u00fcndung oder Neoplasie.<\/p>\n<p><strong>\u03b11-Antitrypsin bei der Katze<br \/>\n<\/strong>Bei Katzen liegen ebenfalls Daten vor, die zeigen, dass die Konzentration bei chronischen Enteropathien signifikant erh\u00f6ht sein kann. Die Interpretation muss im klinischen Kontext erfolgen. Insgesamt scheint bei Katzen die chronische Enteropathie h\u00e4ufiger mit einem intestinalen Proteinverlust einherzugehen als beim Hund. Die Definition einer PLE ist daher bei dieser Spezies nicht ganz einfach.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>2. Calprotectin<\/h2>\n<p><strong>Calprotectin <\/strong>ist ein kalziumbindendes Protein aus der Familie der S100-Proteine, das prim\u00e4r in neutrophilen Granulozyten vorkommt und bei entz\u00fcndlichen Prozessen vermehrt freigesetzt wird. Im Fall gastrointestinaler Entz\u00fcndungen wird Calprotectin \u00fcber die Darmmukosa ins Darmlumen abgegeben und kann somit im Kot nachgewiesen werden. Seine Bestimmung im Kot erm\u00f6glicht eine <strong>nicht-invasive <\/strong><strong>Einsch\u00e4tzung der Entz\u00fcndungsaktivit\u00e4t im Gastrointestinaltrakt <\/strong>\u2013 sowohl in der Human- als auch zunehmend in der Veterin\u00e4rmedizin.<\/p>\n<p><strong>Indikation<br \/>\n<\/strong>Beim Hund wird f\u00e4kales Calprotectin als Marker f\u00fcr chronisch-entz\u00fcndliche Darmerkrankungen genutzt. Studien zeigen, dass erh\u00f6hte Konzentrationen mit der Schwere der histologischen Ver\u00e4nderungen sowie mit dem klinischen Aktivit\u00e4tsindex (CCECAI) korrelieren. Es kann hilfreich f\u00fcr die Differenzierung zwischen entz\u00fcndlicher und nicht-entz\u00fcndlicher Diarrhoe, zur Einsch\u00e4tzung der Krankheitsaktivit\u00e4t sowie zur Therapiekontrolle sein.<\/p>\n<p>Die Relevanz von Calprotectin liegt insbesondere in seiner F\u00e4higkeit, den Schweregrad einer chronischen Enteropathie widerzuspiegeln. Studien zeigten, dass Hunde mit h\u00f6herem CCECAI (z. B. \u226512) signifikant erh\u00f6hte Werte aufweisen. Der Parameter kann Hinweise auf die Notwendigkeit einer immunsuppressiven Therapie geben und Prognoseaussagen erm\u00f6glichen. Je h\u00f6her die f\u00e4kale Calprotectin-Konzentration, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Patient eine immunsuppressive Behandlung ben\u00f6tigt. In der Verlaufsbeurteilung kann das nicht vollst\u00e4ndige Abfallen ein Hinweis auf eine unvollst\u00e4ndige Remission bedeuten. Ein erneuter Anstieg ist bereits vor einer klinisch sichtbaren Verschlechterung m\u00f6glich.<\/p>\n<p><strong>Was beachtet werden sollte<br \/>\n<\/strong>Wie bei allen Biomarkern gilt: Calprotectin ist nicht krankheitsspezifisch. Es zeigt lediglich das Vorhandensein und Ausma\u00df einer Entz\u00fcndung an. Es kann auch bei bakteriellen Infektionen, Parasitosen oder Tumorerkrankungen erh\u00f6ht sein. Eine Interpretation sollte daher immer im klinischen Kontext erfolgen und durch weiterf\u00fchrende Diagnostik (z. B. Bildgebung, Endoskopie, Histologie) erg\u00e4nzt werden. Calprotectinkonzentrationen im Normalbereich bedeuten nicht, dass keine Enteropathie vorhanden ist. Dies kann beim Hund durchaus vorkommen und erkl\u00e4rt sich vermutlich daraus, dass bei Hunden weniger h\u00e4ufig eine neutrophile als vielmehr eine lymphoplasmazyt\u00e4re Entz\u00fcndungsreaktion vorliegt. Zudem scheinen beim Hund viele Enteropathien Futter-responsiv zu sein. Eine starke neutrophile Entz\u00fcndungsreaktion ist bei diesen Patienten nicht zu erwarten.<\/p>\n<p><strong>Calprotectin bei der Katze<br \/>\n<\/strong>Auch bei der Katze zeigt Calprotectin vielversprechende Resultate. Es wird unter anderem bei chronischen Diarrhoen als unterst\u00fctzender Marker eingesetzt. Besonders relevant sind Untersuchungen zur Differenzierung zwischen entz\u00fcndlichen und neoplastischen Prozessen (z. B. niedrig-maligne Lymphome). F\u00e4kales Calprotectin k\u00f6nnte beim Lymphom deutlich h\u00f6her sein. Allerdings konnte bisher noch nicht klar gezeigt werden, dass eine Differenzierung m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>3. Zonulin<\/h2>\n<p><strong>Zonulin <\/strong>ist ein k\u00f6rpereigenes Protein, das eine zentrale Rolle in der Regulation der Darmpermeabilit\u00e4t spielt. Es <strong>kontrolliert die Durchl\u00e4ssigkeit der tight junctions <\/strong>\u2013 also jener Zellverbindungen, die die Darmepithelzellen eng miteinander verkn\u00fcpfen und so das Eindringen unerw\u00fcnschter Substanzen verhindern. Eine vermehrte Zonulinfreisetzung f\u00fchrt zur Lockerung dieser Zellverbindungen und damit zu einer erh\u00f6hten Durchl\u00e4ssigkeit der Darmschleimhaut \u2013 einem Zustand, der als <strong>&#171;leaky gut&#187; <\/strong>bezeichnet wird. Unter physiologischen Bedingungen erm\u00f6glicht Zonulin eine tempor\u00e4re \u00d6ffnung der Darmbarriere, beispielsweise zur Immun\u00fcberwachung oder bei Transportprozessen. Diese Regulation ist fein abgestimmt und normalerweise reversibel. Pathologische Zust\u00e4nde entstehen, wenn diese \u00d6ffnung anhaltend oder \u00fcberm\u00e4\u00dfig stark erfolgt, was unter anderem die Passage von bakteriellen Bestandteilen, Toxinen oder unvollst\u00e4ndig verdauten Nahrungsproteinen ins Gewebe erlaubt.<\/p>\n<p><strong>Indikation<br \/>\n<\/strong>Zonulin wurde als potenzieller Marker f\u00fcr die Integrit\u00e4t der intestinalen Barriere identifiziert. Erh\u00f6hte f\u00e4kale oder serologische Zonulinwerte wurden insbesondere bei Hunden mit chronischer Enteropathie, Futtermittelallergien oder entz\u00fcndlicher Darmerkrankung beschrieben. Studien deuten darauf hin, dass eine dysregulierte Zonulinexpression mit einer erh\u00f6hten Darmpermeabilit\u00e4t einhergeht \u2013 also einem gest\u00f6rten Barrieremechanismus. Die Bestimmung von Zonulin bietet daher insbesondere einen nicht-invasiven Einblick in die Funktionalit\u00e4t der Darmschleimhaut. Trotz derzeit noch begrenzter klinischer Datenlage bei Kleintieren er\u00f6ffnet die Zonulinmessung neue diagnostische und therapeutische Perspektiven in der ganzheitlichen Betrachtung gastrointestinaler Erkrankungen.<\/p>\n<p><strong>Was beachtet werden sollte<br \/>\n<\/strong>Zonulin ist <strong>kein krankheitsspezifischer Marker<\/strong>. Wie bei vielen neueren Biomarkern gilt auch bei Zonulin: Die Ergebnisse m\u00fcssen im klinischen Gesamtkontext interpretiert werden. Erh\u00f6hte Werte alleine erlauben keine Diagnose, sondern liefern Hinweise auf funktionelle St\u00f6rungen der Barriere. Faktoren wie Stress, Medikamente, Alter oder Ern\u00e4hrung k\u00f6nnen die Konzentration beeinflussen.<\/p>\n<p><strong>Zonulin bei der Katze<br \/>\n<\/strong>Erste Pilotstudien bei Katzen deuten darauf hin, dass das Protein auch bei felinen chronischen Enteropathien (z. B. lymphoplasmazyt\u00e4re Enteritis oder niedrig-maligne Lymphome) eine Rolle spielen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>4. F\u00e4kales sekretorisches Immunglobulin A (sIgA)<\/h2>\n<p>Immunglobulin A (IgA) ist ein zentrales Element der mukosalen Immunabwehr. Es wird in Form von <strong>sekretorischem<\/strong> <strong>IgA<\/strong> <strong>(sIgA)<\/strong> von Plasmazellen in der Lamina propria des Darms gebildet und aktiv \u00fcber das Epithel in das Darmlumen transportiert. Dort bildet es eine erste Schutzbarriere gegen pathogene Mikroorganismen, ohne dabei entz\u00fcndliche Reaktionen auszul\u00f6sen. sIgA agiert somit als <strong>\u201eT\u00fcrsteher\u201c, <\/strong><strong>der die Schleimhaut vor bakterieller Adh\u00e4renz, Toxinwirkung und Invasion sch\u00fctzt<\/strong>. Sekretorisches IgA bindet an Oberfl\u00e4chenantigene von Bakterien, Viren oder Toxinen und neutralisiert diese, bevor sie in Kontakt mit den Epithelzellen treten. Anders als IgG oder IgM aktiviert IgA jedoch nicht das Komplementsystem und wirkt somit nichtentz\u00fcndlich. Dies ist f\u00fcr die immunologische Toleranz im Darm essenziell, da dort st\u00e4ndig zahlreiche harmlose Antigene (z. B. Futterbestandteile, Kommensalen) pr\u00e4sent sind.<\/p>\n<p><strong>Indikation<br \/>\n<\/strong>Eine reduzierte Konzentration in Faeces kann auf eine funktionelle Immunschw\u00e4che der intestinalen Mukosa hindeuten. Besonders bei Deutschen Sch\u00e4ferhunden mit chronischer Enteropathie wurde eine verminderte sIgA-Produktion beschrieben.<\/p>\n<p><strong>Was beachtet werden sollte<br \/>\n<\/strong>sIgA wird als Kennzahl f\u00fcr die mukosale Immunkompetenz im Darm betrachtet, wenngleich die Interpretation vorsichtig erfolgen muss \u2013 sie kann durch Alter, Stress, Di\u00e4t und sogar Probenhandhabung beeinflusst werden. Die Bestimmung sollte an m\u00f6glichst frischen Kotproben erfolgen.<\/p>\n<p><strong>sIgA bei der Katze<br \/>\n<\/strong>Bei Katzen ist die Datenlage zu f\u00e4kalem sIgA bislang wenig umfassend. Erste Untersuchungen zeigen jedoch auch hier, dass bei chronischen Darmerkrankungen \u2013 etwa bei inflammatorischer Enteritis oder beim intestinalen Lymphom \u2013 reduzierte Konzentrationen von sIgA im Kot beobachtet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>5. Canine Pankreas-Elastase 1<\/h2>\n<p>Elastase ist ein proteolytisches Enzym, das im exokrinen Pankreas gebildet und mit dem Pankreassaft in den D\u00fcnndarm abgegeben wird. Seine Hauptfunktion besteht im Abbau von Elastin, einem Strukturprotein im Bindegewebe. In der Diagnostik spielt jedoch weniger die enzymatische Aktivit\u00e4t eine Rolle, sondern vielmehr der Nachweis stabiler Mengen an Elastase im Kot, die R\u00fcckschl\u00fcsse auf die exokrine Pankreasleistung erlauben. Im Gegensatz zu vielen anderen Pankreasenzymen ist Elastase im Darmlumen weitgehend resistent gegen\u00fcber enzymatischem Abbau, Gallens\u00e4uren und bakteriellen Einfl\u00fcssen. Sie wird unver\u00e4ndert mit dem Kot ausgeschieden und kann dort \u00fcber immunologische Tests (ELISA) nachgewiesen werden. Das macht sie zu einem <strong>nicht-invasiven Marker f\u00fcr die exokrine Pankreasfunktion<\/strong>. Beim Hund ist die Messung der <strong>Pankreas-Elastase 1 <\/strong>ein n\u00fctzliches Screeninginstrument, vor allem bei Patienten mit unspezifischen gastrointestinalen Symptomen. Sie kann als Erg\u00e4nzung oder Vorstufe zur Bestimmung der spezifischen Trypsin-\u00e4hnlichen Immunreaktivit\u00e4t (cTLI) dienen. Normale Elastase-Werte schlie\u00dfen eine klinisch relevante EPI in der Regel aus. Deutlich erniedrigte Werte k\u00f6nnen auf eine exokrine Dysfunktion hinweisen, m\u00fcssen aber mit Hilfe der Serum-cTLI abgesichert werden. Niedrige Elastase-Konzentrationen im Kot k\u00f6nnen beispielsweise durch den Verd\u00fcnnungseffekt bei Diarrhoe vorkommen und sind daher alleinstehend nicht beweisend f\u00fcr eine EPI. Ebenfalls k\u00f6nnen niedrige Elastase-Konzentrationen bei gesunden Hunden vorkommen.<br \/>\nEine cTLI-Konzentration im Referenzbereich spricht gegen das Vorliegen einer EPI, auch wenn die f\u00e4kale Elastase sehr niedrig ist. Nur in sehr seltenen F\u00e4llen geht eine EPI mit niedrigen f\u00e4kalen Elastase aber (niedrig) normaler cTLI-Konzentration einher: Verschluss des Pankreasgangs (das Pankreas an sich ist funktional, die Enzyme gelangen aber nicht in den Darm), Blutentnahme f\u00fcr cTLI ist nicht n\u00fcchtern oder w\u00e4hrend eines Pankreatitis-Schubes erfolgt (es wurde noch vorhandenes Restenzym an das Blut abgegeben).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>6. (Gesamt-) Gallens\u00e4uren<\/h2>\n<p><strong>Gallens\u00e4uren <\/strong>werden in der Leber synthetisiert und im Rahmen der Verdauung in den D\u00fcnndarm sezerniert. Im Ileum werden sie zu etwa 95 % r\u00fcckresorbiert. Eine St\u00f6rung dieser R\u00fcckresorption \u2013 z. B. durch eine chronische Entz\u00fcndung \u2013 f\u00fchrt zu erh\u00f6hten Mengen prim\u00e4rer Gallens\u00e4uren im Kolon, die dort sekretorische Diarrhoe ausl\u00f6sen k\u00f6nnen. Ebenso kann eine Dysbiose mit verminderter Umwandlung in sekund\u00e4re Gallens\u00e4uren durch Clostridium hiranonis (umbenannt in Peptacetobacter hiranonis) diese Prozesse beeinflussen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>7. Dysbiose-Untersuchungen<\/h2>\n<p>Die intestinale Mikrobiota spielt eine Schl\u00fcsselrolle in der Pathogenese chronischer Enteropathien. Dysbiose-Untersuchungen quantifizieren \u00fcber PCR-basierte Verfahren relevante bakterielle Markerkeime (z. B. <em>Faecalibacterium, Turicibacter, Clostridium hiranonis<\/em>) und bewerten deren Abweichung vom physiologischen Zustand. Ein ver\u00e4nderter Score weist auf eine gest\u00f6rte mikrobielle Hom\u00f6ostase hin und kann prognostisch relevant sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Die Evaluation f\u00e4kaler Biomarker hat in den letzten Jahren zunehmend Einzug in die Diagnostik und das Therapiemonitoring chronischer Enteropathien gehalten. W\u00e4hrend \u03b11-Antitrypsin und Calprotectin direkte Hinweise auf Proteinverlust und Entz\u00fcndung geben k\u00f6nnen, liefern Gallens\u00e4uren erg\u00e4nzende Informationen zur funktionellen und bakteriellen Integrit\u00e4t des Darms. Ihre gezielte Anwendung kann eine fundierte Grundlage f\u00fcr Therapieentscheidungen, Verlaufskontrollen und Prognoseabsch\u00e4tzungen bieten. Wichtig bleibt die Interpretation im klinischen Kontext und gegebenenfalls die Kombination mehrerer Parameter zur Erh\u00f6hung der diagnostischen Aussagekraft.<\/p>\n<p>Einen \u00dcberblick zu den f\u00e4kalen Biomarkern k\u00f6nnen Sie hier in Tabellenform herunterladen: <a href=\"https:\/\/short.laboklin.com\/LA0825_biomarker\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/short.laboklin.com\/LA0825_biomarker<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Dr. Jennifer von Luckner<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p><strong>Unsere Leistungen rund um Enteropathien<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"color: #000000;\">Darmprofil (Serum)<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #000000;\">Durchfallprofile (Faeces)<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #000000;\">Parasitenprofile (Faeces)<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #000000;\">Dysbioseanalyse (Faeces)<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #000000;\">Dysbioseprofil (Faeces)<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">u. v. m.<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<\/blockquote>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#187;vc_default&#187; gap=&#187;10&#8243; equal_height=&#187;yes&#187; css=&#187;.vc_custom_1713769814380{margin-top: 30px !important;}&#187;][vc_column][vc_column_text css=&#187;&#187;]<\/p>\n<h5><strong>Weiterf\u00fchrende Literatur:<\/strong><\/h5>\n<h6><span style=\"color: #808080;\"><strong>Jergens AE, Heilmann RM. Canine chronic enteropathy\u2014Current state- of-the-art and emerging concepts. Front Vet Sci. 2022;9:923013.<\/strong><\/span><\/h6>\n<h6><span style=\"color: #808080;\"><strong>Oliveira IM, Ribeiro RR, Cysneiros MEC, Torres LB, Moraes VR, Ferreira LR, Silva WPR, Souza MR, Xavier RAL, Costa PRS, Martins DB, Borges NC. Intestinal biomarkers and their importance in canine enteropathies. Vet Med Int. 2024;2024:7409482.<\/strong><\/span><\/h6>\n<h6><span style=\"color: #808080;\"><strong>Sacoor C, Barros LM, Montezinho L. What are the potential biomarkers that should be considered in diagnosing and managing canine chronic inflammatory enteropathies? Open Vet J. 2020;10:412\u201330.<\/strong><\/span><\/h6>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#187;vc_default&#187; gap=&#187;10&#8243; equal_height=&#187;yes&#187; content_placement=&#187;middle&#187; css=&#187;.vc_custom_1733824624772{margin-top: 30px !important;}&#187;][vc_column width=&#187;1\/6&#8243; css=&#187;.vc_custom_1733824634434{background-color: #E7E7E7 !important;}&#187;][vc_icon icon_fontawesome=&#187;fa fa-solid fa-file-pdf&#187; color=&#187;custom&#187; size=&#187;xl&#187; align=&#187;center&#187; css=&#187;.vc_custom_1753864178827{margin-top: 10px !important;margin-bottom: 10px !important;padding-top: 20px !important;padding-bottom: 20px !important;}&#187; custom_color=&#187;#e51e1e&#187; link=&#187;url:https%3A%2F%2Flaboklin.de%2Fwp-content%2Fuploads%2F2025%2F07%2Ffaekale_biomarker_bei_chronischen_enteropathien_hund-katze.pdf|title:LABOKLIN%20aktuell%2008.2025|target:_blank&#187;][\/vc_column][vc_column width=&#187;5\/6&#8243; css=&#187;.vc_custom_1733824644825{background-color: #E7E7E7 !important;}&#187;][vc_column_text css=&#187;.vc_custom_1753864469634{margin-top: 10px !important;margin-bottom: 10px !important;padding-top: 20px !important;padding-bottom: 20px !important;}&#187;]<a href=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/faekale_biomarker_bei_chronischen_enteropathien_hund-katze.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>F\u00e4kale Biomarker bei chronischen Enteropathien von Hund und Katze<\/strong><\/a>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Intraokul\u00e4re melanozyt\u00e4re Tumore bei Hund und Katze: Klinik, Diagnose, Prognose<\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":1552517,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"none","_seopress_titles_title":"%%post_title%%","_seopress_titles_desc":"F\u00e4kale Biomarker unterst\u00fctzen Diagnostik, Therapieplanung und Monitoring bei chronischen Enteropathien bei Hund und Katze","_seopress_robots_index":"","footnotes":""},"categories":[249],"tags":[],"class_list":["post-1552548","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-laboklin-aktuell-de-ch","category-249","description-off"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1552548","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-ch\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-ch\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-ch\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1552548"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1552548\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1552552,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1552548\/revisions\/1552552"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-ch\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1552517"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-ch\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1552548"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-ch\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1552548"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-ch\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1552548"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}