{"id":1493522,"date":"2024-01-25T09:24:13","date_gmt":"2024-01-25T08:24:13","guid":{"rendered":"https:\/\/laboklin.de\/neues-von-internationalen-kongressen-zur-pferdemedizin-2023\/"},"modified":"2024-11-07T11:05:13","modified_gmt":"2024-11-07T10:05:13","slug":"neues-von-internationalen-kongressen-zur-pferdemedizin-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/laboklin.de\/de-ch\/neues-von-internationalen-kongressen-zur-pferdemedizin-2023\/","title":{"rendered":"Neues von internationalen Kongressen (2023) zur Pferdemedizin"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\"><p>[vc_row][vc_column width=&#187;2\/3&#8243;][vc_column_text]<\/p>\n<h2>Teil I: BEVA-Congress, September 2023, Birmingham, UK<\/h2>\n<p><strong>Hopster-Iversen: Gewichtsverlust \u2013 k\u00f6nnen wir nur Steroide verordnen?<\/strong><\/p>\n<p>Die Autorin griff das Thema chronischer Gewichtsverlust bei adulten Pferden auf und ging hierbei insbesondere auf die \u201einflammatory bowl disease\u201c (IBD) ausf\u00fchrlicher ein. Diese ist charakterisiert durch die Infiltrierung von Entz\u00fcndungszellen in die Mukosa oder Submukosa des GIT. Die Diagnose IBD muss mittels muss mittels Ausschlu\u00dfdiagnostik gestellt werden und weist dann folgende Befunde auf: verdickte Darmwand (Sonographie), abnormaler Absorptionstest (cave: Dickdarm), Hypoprotein- und Hypoalbumin\u00e4mie, histologischer Nachweis der Infiltration von Entz\u00fcndungszellen (Lymphozyten, eosinophile Granu\u00adlozyten u.a.) Die \u00c4tiologie ist noch nicht gekl\u00e4rt. Vermutet wird eine immunmediierte Reaktion auf ein noch nicht identifiziertes Antigen. Eine Therapie besteht darin, das vermutete Antigen zu vermeiden. Eine Eliminationsdi\u00e4t sowie evtl. Parasitenbek\u00e4mpfung wurden ebenfalls angeraten. Evtl. kann initial systemisch Dexamethason, gefolgt von Prednisolon (manchmal lebenslang) versucht werden. W\u00e4hrend sich die Prognose bei fr\u00fchem Therapiebeginn als moderat stellen l\u00e4sst, haben Pferde mit weiter bestehender Malabsorption eher eine eingeschr\u00e4nkte Genesungsaussicht.[\/vc_column_text][\/vc_column][vc_column width=&#187;1\/3&#8243;][vc_column_text css=&#187;&#187;]<\/p>\n\n\t\t\t<style type='text\/css'>\n\t\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\t\twidth: 100%;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='dt-gallery-container gallery galleryid-1493522 gallery-columns-1 gallery-size-large'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t\t<a class=\"rollover rollover-zoom dt-pswp-item\" title=\"\" data-dt-img-description=\"LABOKLIN aktuell Pferd | &lt;i&gt;Bildquelle: envatoelements&lt;\/i&gt;\" data-large_image_width=\"1200\" data-large_image_height=\"446\"href='https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Pferde_im_Schnee.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"381\" src=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Pferde_im_Schnee-1024x381.jpg\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-1459777\" srcset=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Pferde_im_Schnee-1024x381.jpg 1024w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Pferde_im_Schnee-300x112.jpg 300w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Pferde_im_Schnee-768x285.jpg 768w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Pferde_im_Schnee.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a>\n\t\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1459777'>\n\t\t\t\t\t<i>Bildquelle: envatoelements<\/i>\n\t\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t\t<a class=\"rollover rollover-zoom dt-pswp-item\" title=\"\" data-dt-img-description=\"LABOKLIN aktuell Pferd | &lt;b&gt;Abb. 2:&lt;\/b&gt; Pony mit \u00dcbergewicht &lt;br&gt;&lt;i&gt;Bildquelle: Shutterstock&lt;\/i&gt;\" data-large_image_width=\"1200\" data-large_image_height=\"960\"href='https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Pony_mit_Uebergewicht.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"819\" src=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Pony_mit_Uebergewicht-1024x819.jpg\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-1459794\" srcset=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Pony_mit_Uebergewicht-1024x819.jpg 1024w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Pony_mit_Uebergewicht-300x240.jpg 300w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Pony_mit_Uebergewicht-768x614.jpg 768w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Pony_mit_Uebergewicht.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a>\n\t\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1459794'>\n\t\t\t\t\t<b>Abb. 2:<\/b> Pony mit \u00dcbergewicht <br><i>Bildquelle: Shutterstock<\/i>\n\t\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t\t<\/div>\n\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#187;vc_default&#187; css=&#187;.vc_custom_1657177034207{margin-top: 20px !important;}&#187;][vc_column][vc_column_text]<strong>Hughes: Transfaunation \u2013 ist Mist das Heilmittel?<\/strong><\/p>\n<p>Hughes ging auf das Thema f\u00e4kale Mikrobiota-\u00adTransplantation bei Pferden ein. Indikationen sind: Diarrh\u00f6e, Enteritis und Colitis \u2013 auch bei \u00adFohlen, die \u00e4lter als 24 Stunden sind. Donor-Pferde \u00adsollten gesund sein, in den letzten Wochen keine Medikamente bekommen haben und ein negatives Kotscreening auf Pathogene aufweisen. Die Aufbereitung der Faeces wurde beschrieben. Adulte Pferde bekommen 2 \u2013 7 l, Fohlen 400 \u2013 600 ml \u00fcbertragen.<\/p>\n<p><strong>Sullivan: Colitis beim Esel<\/strong><\/p>\n<p>Die Autorin wies auf Esel-spezifische Abweichungen im Verhalten, aber auch bei labordiagnostischen Parametern hin. Ausl\u00f6ser k\u00f6nnen beim Esel alle Formen von Stressoren sein. Auch hier brachte die Transfaunation gute Ergebnisse. Als Donor kommt nur ein gesunder anderer Esel infrage. Die beim Pferd eingesetzten Probiotika sollen nicht zur Anwendung kommen, weil Esel ein anderes Mikrobiom als Pferde haben.<\/p>\n<p><strong>South: Hepatotrope Viren \u2013 wo stehen wir heute?<\/strong><\/p>\n<p>Im Detail wurde auf Lebererkrankungen eingegangen, welche durch hepatotrope Viren verursacht werden. Theiler\u2018s Disease ist eine meist akut auftretende Lebererkrankung, die schnell lebensbedrohend wird. Sie wird verursacht durch eine Infektion mit dem equinen Parvovirus, welches in den meisten F\u00e4llen mit der Applikation equiner Biologika \u00fcbertragen wird. Wo dies nicht der Fall ist, werden noch andere \u00dcbertragungswege diskutiert (blutsaugende Vektoren?). T. Divers hat das equine Parvovirus vor einigen Jahren als \u00e4tiologisches Agens isoliert, die Theiler\u2018s Disease ist allerdings schon sehr viel l\u00e4nger beschrieben. Im Anfangsstadium ist die Erh\u00f6hung der \u03b3-GT nicht be\u00e4ngstigend hoch. Bemerkenswert ist auch, dass einer Studie zufolge die \u00adSeropr\u00e4valenz bei ca. 30 % liegt und 9 % ein positives PCR-\u00adErgebnis aufweisen. Die Infektion mit dem equinen Hepacivirus verl\u00e4uft meist subklinisch. Experimentell lie\u00dfen sich allerdings klinische Verl\u00e4ufe ausl\u00f6sen.<\/p>\n<p>Rossdales Laboratories fanden unter 227 Probeneinsendungen gesunder Pferde bei 2,6 % Hepaci\u00advirus-positive Ergebnisse (Serologie und\/oder PCR), wohingegen der Prozentsatz beim equinen Parvovirus &lt; 1 % war. Daraus stellt sich die Frage nach der Relevanz f\u00fcr Hepatopathien. Au\u00dferdem wird \u00addeutlich, dass ein einmaliger positiver Nachweis \u00adkeine \u00e4tiologisch abgekl\u00e4rte Diagnose zul\u00e4sst.<\/p>\n<p><strong>Van Erck-Westergren: Erh\u00f6hte Leberenzyme bei Sportpferden &#8211; m\u00fcssen sie uns Sorgen bereiten?<\/strong><\/p>\n<p>Die Autorin ging auf die Bedeutung erh\u00f6hter Leber\u00adwerte, speziell der \u03b3-GT beim Sportpferd, ein. Das \u201e\u03b3-GT-Syndrom\u201c: Die \u03b3-GT ist nach intensiven, kumulativen Trainingseinheiten m\u00e4\u00dfig erh\u00f6ht. Als Ursache wird oxidativer Stress vermutet. Bei erh\u00f6htem O2-Verbrauch werden 98 % des Sauerstoffs f\u00fcr die Energiebereitstellung verbraucht, 2 % verbleiben als hochreaktive oxidative Stressmetaboliten (ROS) im K\u00f6rper. Diese Anh\u00e4ufung von ROS ist als Trainings\u00adintoleranz zu werten.<\/p>\n<p><strong>Claes: Einsatzm\u00f6glichkeiten der Reproduktionsendokrinologie in der Diagnostik bei Stuten<\/strong><\/p>\n<p>Zur Abkl\u00e4rung von Granulosazelltumoren (GZT) gab der Autor folgenden Rahmen an: Testosteronbestimmung: 48 % Sensitivit\u00e4t (adrenaler oder \u00adovarieller Ursprung, bei tr\u00e4chtigen Stuten erh\u00f6ht, t\u00e4gliche Variationen), Inhibinbestimmung: 80 % Sensitivit\u00e4t (zyklische \u00c4nderungen, erh\u00f6ht w\u00e4hrend der Tr\u00e4chtigkeit). Inhibin- und Testosteronbestimmung: 84 % Sensitivit\u00e4t. Die Bestimmung des Anti-M\u00fcller-Hormons (AMH) zeigte eine Sensitivit\u00e4t von 98 % und wurde zur GZT-Diagnostik empfohlen!<\/p>\n<p>Beim m\u00e4nnlichen Tier sinkt das AMH ca. eine \u00adWoche nach der Kastration auf Wallachniveau ab (HWZ 1,5 Tage).<\/p>\n<p><strong>Rendle: Ist Ertugliflozin ein Wunder-Medikament?<\/strong><\/p>\n<p>Der Autor fasste noch einmal die Arbeit von \u00ad<strong>Sundra<\/strong> zum Ertugliflozin zusammen. Ihre Ergebnisse \u00adwurden noch durch weitere Studien erg\u00e4nzt und haben sich best\u00e4tigt: Ertugliflozin scheint sich erstmals als sinnvolles Medikament zur EMS- und Hufrehebehandlung herauszustellen und die EMS-Therapie auf eine neue Stufe zu heben. Nicht nur die Gewichtsabnahme, das Absinken der Insulinkonzentration und die deutliche Verbesserung der Hufrehesymptomatik innerhalb kurzer Zeit waren eindrucksvoll, auch die Besitzerzufriedenheit bei Pferden, bei denen bereits \u00fcber die Euthanasie nachgedacht wurde, war extrem positiv. Man sollte jedoch beachten, dass Pferde wieder normal eingesetzt werden, bei denen zum Teil durch langj\u00e4hrige Hufrehevorgeschichte schon strukturelle Ver\u00e4nderungen im Huf vorliegen. Da muss man die lang\u00adfristige Entwicklung dieser Pferde abwarten.<\/p>\n<p><strong>Sullivan: Endokrinopathien beim Esel<\/strong><\/p>\n<p>Hier ging es im Wesentlichen um das Donkey \u00adMetabolic Syndrome. Dabei ist die \u00adEinsch\u00e4tzung des Futterzustandes des Tieres durch deren \u00adBesitzer schwer gest\u00f6rt. 26 % der Esel im UK sind \u00fcbergewichtig, fast 9 % adip\u00f6s und diese Proble\u00admatik nimmt weiter zu. AMS (asinine metabolic syndrom): Die Diagnostik erfolgt wie beim Pferd, jedoch mit angepassten Referenzwerten. Der Karo light syrup\u00ae-Test ist f\u00fcr Esel noch nicht validiert. Nach Einsch\u00e4tzung der Autorin d\u00fcrfte der Cut-off f\u00fcr Insulin bei etwa 50 \u00b5U\/ml liegen. Die Therapie umfasst: Di\u00e4t, Bewegung (auch Esel kann man bewegen!), 2\u00a0bis 3 kg Rauhfutter\/Tag (im Winter: 50 % Stroh, im Sommer: 75 % Stroh) sowie entsprechende Futterzus\u00e4tze (Balancer).<\/p>\n<p><strong>Hughes: Rotavirus B \u2013 das \u201cnew kid on the block\u201d<\/strong><\/p>\n<p>Ein neues Rotavirus B hat zu Ausbr\u00fcchen blutiger Durchf\u00e4lle bei jungen Fohlen auf mehreren Gest\u00fcten in Kentucky gef\u00fchrt. Ursprung dieses neuen Gruppe B-Rotavirus (ERVB) waren Wiederk\u00e4uer. Die PCR-Untersuchung auf das bekannte ERVA konnte das neue Virus nicht detektieren. Die Fohlen waren 2 \u2013 7 Tage alt, der Durchfall hielt f\u00fcr 3 \u2013 4 Tage an, die Morbidit\u00e4t betrug bis zu 100 %. Eine vorangegangene Impfung der Mutterstuten mit einer inaktivierten ERVA-Vakzine gab keinen Schutz der Fohlen vor einer ERVB-Erkrankung. Bislang steht kein kommerzieller Test f\u00fcr ERVB zur Verf\u00fcgung, so dass es unklar bleibt, wo sonst noch das Virus vorhanden ist. Ein gewisses zoonotisches Potential des ERVB ist nicht auszuschlie\u00dfen.<\/p>\n<h2>Teil II: Annual Convention of the American Association of Equine \u00adPractitioners (AAEP), Dezember 2023, San Diego, CA, USA<\/h2>\n<p>Bei der \u201eKester News Hour\u201c wurden verschiedene bedeutsame Ver\u00f6ffentlichungen aus dem zur\u00fcck\u00adliegenden Jahr vorgestellt:<\/p>\n<p>Mit dem Hintergrund der Evaluation eines Hufrehe\u00adrisikos nach Cortisongabe untersuchten Boger et al. den Effekt einer einzelnen intraartikul\u00e4ren (i.a.) Triamcinolonacetat (TA)-Injektion auf die Blutglukose- und Insulinkonzentrationen bei Pferden. F\u00fcr die Studie wurden bei 10 gesunden Pferden Insulin- und Glukosekonzentrationen basal bestimmt sowie nach einer i.a. TA-Injektion (Messungen nach 4, 6, 8, 24, 48 und 72 h). Moderate Erh\u00f6hungen im Vergleich zu den Basalwerten wurden bis zu 48 h nach TA-Injektion festgestellt. Man kann davon ausgehen, dass eine i.a. Cortisoninjektion den Blutglukose- und Insulinspiegel bis zu 48 h nach der Injektion bei gesunden Pferden beeinflussen kann. Bei Pferden mit Verdacht auf eine Insulindysregulation (ID) sollte dieses im Vorfeld einer TA-Injektion \u00adber\u00fccksichtigt werden. Es wird empfohlen, diese auf ID \u2013 z.\u00a0B. \u00admittels Karo light syrup\u00ae-Test oder oralen Glukose-\u00adTests \u2013 zu untersuchen, um das Hufreherisiko \u00adbesser einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dr. Noah Cohen (Texas School of Veterinary \u00adMedicine) stellte ein neues Forschungsprojekt vor: die Entwicklung einer mRNA-Vakzine gegen Rhodococcus equi-Infektionen bei Fohlen mit dem Ziel einer besseren Immunantwort.<\/p>\n<p>In einer anderen Studie untersuchten Stratico et al. die Besitzerzufriedenheit nach einer durchgef\u00fchrten Ovariektomie bei 11 Stuten (einseitig n = 5, beidseitig n = 6) mit Verhaltensauff\u00e4lligkeiten (z. B. Unrittigkeit, erh\u00f6hte Empfindlichkeit an beiden Flanken etc.). Nach der Operation berichtete die Mehrheit der Besitzer (91 %, 10\/11) von einer deutlichen Verbesser\u00adung des Verhaltens (Verringerung des Schwere\u00adgrads oder vollst\u00e4ndiges Verschwinden der \u00adAuff\u00e4lligkeiten). Bei 6 Stuten wurden die entnommenen Ovarien \u00adhistopathologisch untersucht. In 5 Proben wurde entweder ein Granulosa- oder Granulosathekazell\u00adtumor diagnostiziert. Hormonanalysen wurden allerdings nicht durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>Fachvortr\u00e4ge<\/strong><\/p>\n<p>Neurologische und neuromuskul\u00e4re \u00adErkrankungen bei Pferden wurden dieses Jahr vermehrt thema\u00adtisiert. Als Ursachen f\u00fcr die h\u00e4ufigsten, nicht-\u00adinfekti\u00f6sen R\u00fcckenmarkserkrankungen bei Pferden in den USA mit spinaler Ataxie wurden von der Vortragenden Amy L. Johnson (University of Pennsylvania) die cervical vertebrae stenotic myelopathy (CVSM oder Wobbler syndrome) sowie die equine neuroaxonal dystrophy (eNAD)\/equine degenerative myeloencephalopathy (EDM) genannt. Die eNAD sowie die fortgeschrittene Form dieser Erkrankung (die EDM) sind neurodegenerative St\u00f6rungen mit einer genetischen Pr\u00e4disposition, die mit einem \u00adVitamin-E-Mangel innerhalb des ersten Lebens\u00adjahres assoziiert werden. Zus\u00e4tzlich zu Leistungsinsuffizienz, Ataxie und propriozeptiven Defiziten k\u00f6nnen die Pferde Verhaltens- und\/oder Wesensver\u00e4nderungen zeigen. Diese \u00advariieren von pl\u00f6tzlich auftretendem, unvorhersehbarem explosions\u00adartigem Verhalten (Aggressionen, \u00adBocken, Unrittigkeit etc.) bishin zu Tr\u00e4gheit oder \u00adLethargie. Eine Diagnose ante mortem ist schwierig und daher eine Ausschluss\u00addiagnostik: Eine Liquoruntersuchung zeigt meistens keinen Hinweis auf ein entz\u00fcndlich-\u00adinfekti\u00f6ses Geschehen. Eine urs\u00e4chliche CVSM \u00adsollte mittels R\u00f6ntgenuntersuchungen \u00adausgeschlossen werden. Die Untersuchung des Biomarkers pNF-H (phosphorylated neurofilament heavy chain protein) aus Liquor und Serum kann sinnvoll sein, um die Diagnose eNAD\/EDM ante mortem zu unterst\u00fctzen. Dieses Protein weist auf eine neuroaxonale Degeneration und die anschlie\u00dfende Freisetzung von Strukturproteinen (Neurofilamente) hin. Zus\u00e4tzlich ist die Vitamin-E-Konzentration im Serum h\u00e4ufig marginal bis niedrig und wird als Risiko\u00adfaktor f\u00fcr eNAD\/EDM genannt. Da nur histopathologische Ver\u00e4nderungen des Hirnstammes und R\u00fcckenmarks eine eindeutige Diagnose post \u00admortem zulassen, bleibt die Diagnose eNAD\/EDM eher unterdiagnostiziert. Amy L. Johnson nennt \u00addiese Erkrankung als h\u00e4ufigste neurologische \u00adDiagnose post mortem.<\/p>\n<p>Ebenfalls eine Vitamin-E-assoziierte Muskelerkrankungen mittelalter Pferde ist die equine motor neuron disease (EMND) \u2013 eine erworbene, neuro\u00addegenerative Erkrankung der somatischen \u00adunteren Motoneurone, welche die Skelettmuskulatur innervieren. Die Pferde zeigen keine Ataxie aber Schw\u00e4che und eine generalisierte Muskelatrophie. Die Diagnose erfolgt \u00fcber eine Biopsie des \u00adMusculus \u00adsacrocaudalis dorsalis medialis und eine \u00adBestimmung der Vitamin-E-Konzentration im Serum. Hierbei muss ber\u00fccksichtigt werden, dass normale Vitamin-E-Konzentrationen vorhergehende Mangelzust\u00e4nde nicht ausschlie\u00dfen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Vitamin E responsive myopathy (VEM), eine Unterform der EMND, bezeichnet eine meist \u00adreversible Erkrankung, die mit Muskelschwund und -schw\u00e4che einhergeht, jedoch keine Sch\u00e4digung der \u00admotorischen Nerven hervorruft. Die Vitamin-E-\u00adBestimmung kann allerdings normale bis \u00adniedrige Serumwerte erbringen. Eine \u00adUnterscheidung zwischen EMND und VEM ist nur anhand einer Biopsie des Musculus sacrocaudalis \u00addorsalis medialis m\u00f6glich. W\u00e4hrend EMND-\u00adPatienten h\u00e4ufig nicht oder nur eingeschr\u00e4nkt auf eine Therapie mit \u00adVitamin E ansprechen bzw. bleibende \u00adMuskelatrophie zeigen, sprechen Patienten mit VEM auf eine Therapie mit Vitamin E sehr gut an \u2013 bis hin zur vollst\u00e4ndigen \u00adGenesung.<\/p>\n<p>Die h\u00e4ufigste infekti\u00f6se Ursache f\u00fcr R\u00fcckenmarkserkrankungen beim Pferd in den USA ist die equine protozo\u00e4re Myeloenzephalitis (EPM), verursacht durch eine Protozoeninfektion (Sarcocystis neurona, selten auch Neospora hughesi). Zu den \u00adSymptomen geh\u00f6ren Lahmheiten, propriozeptive Ataxie, Parese sowie asymmetrische Muskelatrophie. Auf Grund der sehr hohen Seropr\u00e4valenz (je nach Region bis zu 83 %) sollte ein positiver Antik\u00f6rpertiter nicht als alleinige Grundlage f\u00fcr eine Diagnose herangezogen werden. Amy L. Johnson empfiehlt daher ante mortem eine Ausschlussdiagnostik, basierend auf der Untersuchung einer gepaarten Serumprobe, dem Antik\u00f6rpertiter-Verh\u00e4ltnis von Serum\/Liquor, PCR-Untersuchung aus Liquor sowie einer diagnostischen Therapie. Die EPM sollte bei Import\u00adtieren aus den USA unbedingt als Differentialdiagnose bei unklaren orthop\u00e4dischen sowie bei \u00adneuromuskul\u00e4ren Erkrankungen ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<p>Die Diagnose der Polysaccharid-Speicher-\u00adMyopathie Typ 2 (PSSM2) sowie der myofibrill\u00e4ren Myopathie (MFM) erfolgt durch eine Biopsie des Musculus semimebranosus oder Musculus \u00adgluteus medius. Stephanie Valberg (Kentucky Equine \u00adResearch) beschreib daf\u00fcr die sogenannte \u201e\u00adPercutaneous Needle Biopsy Technique\u201c. \u00adDiese und andere Biopsietechniken sind \u00adanschaulich und einfach auf der Webseite des Valberg Neuromuscular Diagnostic Laboratory beschrieben.<\/p>\n<p>Laut Amy L. Johnson spielt Borrelia burgdorferi als Ursache neurologischer Erkrankungen beim Pferd eine eher untergeordnete Rolle. Sie \u00adberichtete jedoch von regelm\u00e4\u00dfig auftretenden F\u00e4llen \u00adeiner Beteiligung dieses Erregers bei der Bursitis \u00adnuchalis. Die Diagnose erfolgt \u00fcber eine positive PCR-Unter\u00adsuchung aus Schleimbeutelfl\u00fcssigkeit. Aus \u00adErfahrung der Vortragenden sind diese Pferde h\u00e4ufig zus\u00e4tzlich hoch positiv auf OspA-Antik\u00f6rper im Westernblot, die eigentlich eher mit einer Impfung gegen den Erreger assoziiert sind.<\/p>\n<p><strong>Reproduktion<\/strong><\/p>\n<p>Progesteron, 5\u0251-dihydro-Progesteron (DHP) und die Bedeutung f\u00fcr den luteo-plazentaren Shift in der Tr\u00e4chtigkeit:<\/p>\n<p>Alan Conley (University of California, Davis) sprach \u00fcber die Bedeutung der Bestimmung dieser Hormone w\u00e4hrend der Tr\u00e4chtigkeit mittels Fl\u00fcssigchromatographie mit Massenspektrometrie-Kopplung (LC-MS\/MS). Besonders der Verlauf von Progesteron und DHP sowie das Verh\u00e4ltnis dieser beiden Hormone in der Fr\u00fchtr\u00e4chtigkeit kann f\u00fcr den Praktiker relevant sein, um den sogenannten luteo-\u00adplazentaren Shift \u2013 also den Zeitpunkt, an dem die Plazenta die Gestagensynthese \u00fcbernimmt \u2013 zu bestimmen. Die luteale Progesteronsynthese nimmt zwischen dem 70. und 100. Tag der Tr\u00e4chtigkeit ab. Stattdessen produziert die Chorioallantoismembran DHP bis zur Geburt. Eine Unterscheidung dieser beiden Hormone ist nur mittels LC-MS\/MS m\u00f6glich. Bei zyklischen oder fr\u00fchtr\u00e4chtigen Stuten betr\u00e4gt das DHP\/Progesteron-Verh\u00e4ltnis &lt; 1, w\u00e4hrend es nach dem luteo-plazentaren Shift (ca. um den 100. bis 120.\u00a0Tag) &gt; 1 betr\u00e4gt. Bei Stuten mit Verdacht auf eine luteale Insuffizienz (Progesteron &lt; 4 ng\/ml) ist die Bestimmung des Zeitpunktes des luteo-plazentaren Shifts m\u00f6glicherweise relevant, um den Behandlungszeitraum einer Altrenogest-Supplementierung absch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen. Aufgrund der androgenen Eigenschaften von Altrenogest, mit m\u00f6glichen Auswirkungen auf die langfristige Fruchtbarkeit der Stute und auch auf neugeborene Stutfohlen, sollte das Pr\u00e4parat nicht unn\u00f6tig lange gegeben werden. Somit kann die Bestimmung des DHP\/Progesteron-Verh\u00e4ltnisses hilfreich sein, um diesbez\u00fcglich eine Therapieentscheidung zu treffen. Herk\u00f6mmliche Immunoassays k\u00f6nnen aufgrund von Kreuzreaktivit\u00e4ten nur das \u00adGesamtprogesteron \u00adbestimmen. Somit kann eine Bestimmung aller \u00adrelevanten Gestagene mittels LC-MS\/MS bei Verdacht auf eine luteale Insuffizienz von Vorteil sein. Au\u00dferdem kann bei ausreichend vorhandener DHP-Konzentration davon ausgegangen werden, dass eine Supplementation von Altrenogest risikolos ab dem 120. Tag beendet werden kann. Zus\u00e4tzlich kann es bei Plazentitiden zu einer Downregulation der Progesteronrezeptoren im Myometrium kommen, was eine ausreichende Wirksamkeit einer zus\u00e4tzlichen Supplementierung von Altrenogest infrage stellen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Dr. Antje W\u00f6ckener, Dr. Svenja M\u00f6ller<\/em><\/p>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#187;vc_default&#187; gap=&#187;10&#8243; css=&#187;.vc_custom_1706172164020{margin-top: 30px !important;}&#187;][vc_column width=&#187;1\/2&#8243;][vc_column_text]<\/p>\n<h5><strong>Literatur:<\/strong><\/h5>\n<h6><strong><span style=\"color: #808080;\">Alle Beitr\u00e4ge sind in den Proceedings der AAEP Convention und des BEVA-Kongresses hinterlegt.<\/span><\/strong><\/h6>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][vc_column width=&#187;1\/2&#8243;][vc_row_inner equal_height=&#187;yes&#187; content_placement=&#187;middle&#187; gap=&#187;10&#8243;][vc_column_inner width=&#187;1\/4&#8243; css=&#187;.vc_custom_1730973883429{background-color: #e7e7e7 !important;}&#187;][vc_icon icon_fontawesome=&#187;fas fa-file-pdf&#187; color=&#187;custom&#187; size=&#187;xl&#187; align=&#187;center&#187; css=&#187;.vc_custom_1730973890539{margin-top: 10px !important;margin-bottom: 10px !important;padding-top: 20px !important;padding-bottom: 20px !important;}&#187; custom_color=&#187;#e51e1e&#187; link=&#187;url:https%3A%2F%2Flaboklin.de%2Fwp-content%2Fuploads%2F2024%2F01%2FLa_Pferd_Januar_2024_DE_FINAL-1.pdf|target:_blank&#187;][\/vc_column_inner][vc_column_inner width=&#187;3\/4&#8243; css=&#187;.vc_custom_1730973903724{background-color: #e7e7e7 !important;}&#187;][vc_column_text css=&#187;.vc_custom_1730973911158{margin-top: 10px !important;margin-bottom: 10px !important;padding-top: 20px !important;padding-bottom: 20px !important;}&#187;]<a href=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/La_Pferd_Januar_2024_DE_FINAL-1.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Neues von internationalen Kongressen zur Pferdemedizin<\/strong><\/a>[\/vc_column_text][\/vc_column_inner][\/vc_row_inner][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Autorin griff das Thema chronischer Gewichtsverlust bei adulten Pferden auf und ging hierbei insbesondere auf die \u201einflammatory bowl disease\u201c (IBD) ausf\u00fchrlicher ein.<\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":1459777,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"none","_seopress_titles_title":"%%post_title%%","_seopress_titles_desc":"%%post_excerpt%%","_seopress_robots_index":"","footnotes":""},"categories":[254],"tags":[],"class_list":["post-1493522","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-laboklin-pferd-de-ch","category-254","description-off"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1493522","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-ch\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-ch\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-ch\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1493522"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1493522\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1493526,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1493522\/revisions\/1493526"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-ch\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1459777"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-ch\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1493522"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-ch\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1493522"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-ch\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1493522"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}