{"id":1427838,"date":"2010-03-09T09:51:20","date_gmt":"2010-03-09T08:51:20","guid":{"rendered":"https:\/\/laboklin.de\/fohlendurchfall-labordiagnostik\/"},"modified":"2024-10-21T10:35:31","modified_gmt":"2024-10-21T08:35:31","slug":"fohlendurchfall-labordiagnostik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/laboklin.de\/de-ch\/fohlendurchfall-labordiagnostik\/","title":{"rendered":"Fohlendurchfall &#8211; Labordiagnostik"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\"><p>[vc_row][vc_column width=&#187;2\/3&#8243;][vc_column_text]<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Diarrhoe ist eines der Hauptprobleme beim Fohlen. So entwickeln gem\u00e4\u00df verschiedener Studien ca. 70 % aller Fohlen im ersten Lebenshalbjahr Durchfall, die Mortalit\u00e4t ist dabei aber gering.<br \/>\nDer Durchfall kann ein prim\u00e4res Problem darstellen, er kann aber auch \u201enur\u201c ein Symptom eines septischen Geschehens sein. Die Suche nach einer spezifischen Ursache ist leider h\u00e4ufig vergeblich. So kann nach Literaturangaben nur bei 55 % der an Durchfall erkrankten Fohlen die \u00c4tiologie abgekl\u00e4rt werden. Aber gerade unter Gest\u00fctsbedingungen m\u00fcssen infekti\u00f6se Ursachen ausgeschlossen werden.<\/p>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][vc_column width=&#187;1\/3&#8243;][vc_column_text]<\/p>\n\n\t\t\t<style type='text\/css'>\n\t\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\t\twidth: 100%;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='dt-gallery-container gallery galleryid-1427838 gallery-columns-1 gallery-size-large'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t\t<a class=\"rollover rollover-zoom dt-pswp-item\" title=\"\" data-dt-img-description=\"LABOKLIN aktuell | &lt;b&gt;Abb. 1: &lt;\/b&gt; Proliferative Enteropathie\" data-large_image_width=\"571\" data-large_image_height=\"326\"href='https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/1-min-13.png'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"571\" height=\"326\" src=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/1-min-13.png\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"Laboklin: Proliferative Enteropathie\" aria-describedby=\"gallery-1-1339502\" srcset=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/1-min-13.png 571w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/1-min-13-300x171.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 571px) 100vw, 571px\" \/><\/a>\n\t\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1339502'>\n\t\t\t\t\t<b>Abb. 1: <\/b> Proliferative Enteropathie\n\t\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t\t<\/div>\n\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column css=&#187;.vc_custom_1712919636238{margin-top: 10px !important;}&#187;][vc_column_text]<\/p>\n<h2 class=\"bodytext\">Nichtinfekti\u00f6se Durchf\u00e4lle der Fohlen<\/h2>\n<p class=\"bodytext\"><strong>Diarrhoe in der Fohlenrosse:<\/strong><br \/>\nTrotz des Durchfalls, der meist zwischen dem 5. und 15. Tag post partum auftritt und h\u00e4ufig mit der ersten Rosse der Mutterstute nach dem Abfohlen korreliert, erscheint das betroffene Fohlen meist nicht schwerwiegend erkrankt. Die Fohlen zeigen sich lebhaft und trinken auch normal. Als Ursache f\u00fcr den Durchfall wird angenommen, dass sich in dieser Zeit eine autochthone Mikroflora entwickelt und der Gastrointestinaltrakt reift. Mit der Rosse der Stute hat der Durchfall nichts zu tun, da auch mit der Flasche aufgezogene Fohlen in dieser Phase eine Durchfallepisode durchmachen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><strong>Di\u00e4tetisch bedingte Durchf\u00e4lle:<\/strong><br \/>\nDiese kommen beim Fohlen sehr selten vor. Gelegentlich kommt es bei verwaisten Fohlen dazu, wenn sie wieder Milch aufnehmen k\u00f6nnen und dann exzessiv trinken. Die Menge \u00fcberfordert dann die Verdauungskapazit\u00e4t des D\u00fcnndarmes, unverdaute Milch gelangt in den Dickdarmbereich. Dort verg\u00e4rt sie und kann durch die Bildung von kurzkettigen Fetts\u00e4uren zu einer osmotisch bedingten Diarrhoe f\u00fchren. In diesem Zusammenhang wird auch ein Laktase-Mangel diskutiert, der infolge einer Infektion mit Rotaviren oder nach einer Clostridien Infektion auftreten kann. Durch die der Virusvermehrung in den Enterozyten werden die Zellen, in denen Laktase gebildet wird, zerst\u00f6rt. Als Folge kommt es zu einer Maldigestion und durch die Schleimhautsch\u00e4digung zu einer Malabsorption.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><strong>Darmsch\u00e4digung infolge einer Asphyxie:<\/strong><br \/>\nDurch Komplikationen bei der Geburt kann es infolge einer Sauerstoffunterversorgung zu einer Darmsch\u00e4digung mit Koliksymptomen und Futterintoleranz kommen. Als Folge kann dann ebenfalls wieder ein osmotisch bedingter Durchfall auftreten.<br \/>\n<i>Verschiedene selten auftretende Ursachen:<\/i><br \/>\nHierzu z\u00e4hlen Magengeschw\u00fcre (Stress?, Helicobacter?), die Aufnahme von Sand oder anderen unverdaulichen Bestandteilen, wie z.B. Holz oder Haare von der Mutter.<\/p>\n<h2 class=\"bodytext\">Infekti\u00f6s bedingte Durchf\u00e4lle<\/h2>\n<p class=\"bodytext\">Die infekti\u00f6sen Agentien werden differenziert in viral, bakteriell oder parasit\u00e4r. Dabei wird bei einzelnen Erregern wie z.B. Rotaviren, Clostridium perfringens, Salmonellen, Lawsonia intracellularis oder Rhodococcus equi postuliert, dass es sich um prim\u00e4r pathogene Erreger handelt. \u00dcber die \u201eNormalflora\u201c und deren optimale Zusammensetzung ist trotz zahlreicher Untersuchungen relativ wenig bekannt. So kann man Abweichungen von den im Allgemeinen isolierten Keimen h\u00e4ufig nur schwer hinsichtlich ihrer Bedeutung einsch\u00e4tzen. Die Keimflora der an Durchfall leidenden Tiere unterscheidet sich kaum von der aus dem Kot gesunder Fohlen isolierten Flora.<br \/>\nEs werden bei an Durchfall erkrankten Fohlen vermehrt Pseudomonaden, Proteuskeime oder Aeromonas hydrophila nachgewiesen. Ob es sich jetzt dabei um eine Ursache f\u00fcr den Durchfall handelt, oder ob sie nur auf eine Dysbakterie hinweisen, deren Ursache woanders (Tr\u00e4nkeaufnahme, Hygiene) liegt, ist nicht sicher gekl\u00e4rt.<\/p>\n<h2 class=\"bodytext\">Viren als Durchfallerreger<\/h2>\n<p class=\"bodytext\">Die virale \u00c4tiologie dominiert eindeutig die infekti\u00f6s bedingten Durchf\u00e4lle beim Fohlen.<br \/>\n<i><\/i><\/p>\n<p class=\"bodytext\"><strong>Rota Virus:<\/strong><br \/>\nDieses Virus ist die h\u00e4ufigste Ursache der viral bedingten Durchf\u00e4lle beim Fohlen. Klinisch spricht f\u00fcr eine Rotavirus Infektion, dass innerhalb kurzer Zeit mehrere Tiere betroffen sind. Der Schweregrad der klinischen Erscheinungen ist dabei abh\u00e4ngig vom Alter des Fohlens, seinem Immunstatus und der Infektionsdosis. So treten bei feucht hei\u00dfer Witterung im Mai\/Juni vermehrt Rotavirus bedingte Durchf\u00e4lle auf. Aber auch Stre\u00dfsituationen wie eine hohe Fohlenzahl in einem Betrieb f\u00fchren zu erh\u00f6hten Infektionsraten.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Das Virus vermehrt sich intrazellul\u00e4r, wodurch die Zellen an den Zottenspitzen zugrunde gehen. Hierdurch ist die Darmoberfl\u00e4che reduziert, was zu einer Malabsorption f\u00fchrt. Gleichzeitig wird durch die zugrunde gegangenen Zellen zu wenig Lactase gebildet, die Verdauung der Milch ist ungen\u00fcgend. Im Colon kommt es dadurch zu einem osmotisch bedingten Durchfall. Die Klinik \u00e4u\u00dfert sich in Durchfall, Abgeschlagenheit, reduziertem Appetit und teilweise auch m\u00e4\u00dfiger Temperaturerh\u00f6hung.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die Diagnose kann aus dem Kot mittels eines ELISA oder immunchromatographisch mit einem Schnelltest einfach und sicher gestellt werden.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><strong>Coronavirus:<\/strong><br \/>\nDieses Virus kann ebenfalls zu Durchf\u00e4llen f\u00fchren, besonders gef\u00e4hrdet sind Fohlen mit einer Immunschw\u00e4che (angeboren, z.B. SCID beim Araber, oder erworben, durch eine mangelnde IgG Versorgung). Im Gegensatz zum Rotavirus sind bei diesem Virus meist nur Einzeltiere betroffen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die Klinik \u00e4hnelt der bei einer Rotavirus-Infektion. Die Diagnose kann auch wieder mittels ELISA aus dem Kot sehr zuverl\u00e4ssig und schnell gestellt werden. Weitere Viren wie Adenoviren oder Parvoviren k\u00f6nnen sich ebenfalls beim Fohlen ansiedeln und Probleme bereiten, dabei handelt es sich aber immer nur um sporadisch auftretende Einzeltiererkrankungen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><em>Therapiema\u00dfnahmen:<\/em><br \/>\nEine gezielte antivirale Therapie ist nicht m\u00f6glich. Man kann nur versuchen, den Fl\u00fcssigkeitsverlust optimal auszugleichen und das betroffene Tier m\u00f6glichst h\u00e4ufig zur Nahrungsaufnahme zu animieren.<\/p>\n<h2 class=\"bodytext\">Bakterien als Ursache<\/h2>\n<h5 class=\"bodytext\"><strong>Aerobe Bakterien<\/strong><\/h5>\n<p class=\"bodytext\"><strong>Salmonellen:<\/strong><br \/>\nDie Quelle f\u00fcr die Salmonellen ist meist die Stute, obwohl bei dieser h\u00e4ufig keine oder nur sehr milde Erkrankungsanzeichen auftreten. Die mit Salmonellen infizierten Fohlen weisen dagegen unterschiedlich stark ausgepr\u00e4gte klinische Erscheinungen wie Temperatur Erh\u00f6hung, Durchfall mit daraus resultierender Austrocknung und Mattigkeit auf. Die Kotkonsistenz variiert von ungeformt bis w\u00e4ssrig blutig. Bei sehr jungen Fohlen (unter 2 Monaten) kommt es neben dem Durchfall auch h\u00e4ufig zu systemischen Erkrankungen mit Anzeichen einer Fohlenl\u00e4hme (Synovitis, Uveitis, Pneumonie und Meningitis).<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><em>Labor:<\/em><br \/>\nIm akuten Stadium findet man bei der Erstellung eines Blutbildes h\u00e4ufig erst eine Leukopenie, die dann in eine Leukozytose mit Linksverschiebung und toxischer Granulierung \u00fcbergeht. Sporadisch treten auch Todesf\u00e4lle auf.\u00a0<i>Diagnostik der Kotkultur:\u00a0<\/i>Neben der direkten Kultur auf Selektivn\u00e4hrb\u00f6den muss eine spezifische Anreicherung mit Selenitund\/ oder Tetrathionat Bouillon erfolgen. Da Salmonellen relativ k\u00e4lteempfindlich sind, sollte die Kotprobe nicht gefroren zur Untersuchung gelangen. Eventuell kann man den Nachweis durch die Verwendung von Transportmedium (Tupfer in Amies oder Stuart Medium) verbessern. Aus Schleimhautbiopsien ist dabei die Nachweisrate etwas h\u00f6her als aus dem Kot.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><i>Diagnostik der Blutkultur:<\/i><\/p>\n<p class=\"bodytext\">Besonders bei sehr jungen Tieren mit Anzeichen einer Sepsis k\u00f6nnen Salmonellen in einem speziellen Medium, in das Blut direkt nach der Abnahme eingebracht wird, isoliert werden.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><em>PCR aus dem Kot:<\/em><\/p>\n<p class=\"bodytext\">Diese Methode ist sehr sensitiv, wobei allerdings Inhibitoren aus dem Material Kot h\u00e4ufig st\u00f6ren. Nachteil der PCR: Es kann kein Resistenztest angefertigt werden.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><em>Therapie:<\/em><br \/>\nNeben dem Fl\u00fcssigkeitsersatz m\u00fcssen, wenigstens wenn eine Temperaturerh\u00f6hung vorliegt, eventuell auch Antibiotika verabreicht werden. Diese sollten am besten nach einem vorausgegangenen Antibiogramm ausgew\u00e4hlt werden. Da dieses aber in der Regel noch nicht vorliegt, ist die i.v. Gabe von Cephalosporinen der 3. Generation bzw. Aminoglykosiden zu erw\u00e4gen. Am besten geeignet w\u00e4ren Gyrasehemmer (Enrofloxacin, Marbofloxacin), da allein die Fluochinolone die Ausscheidung sicher verhindern. Dies ist jedoch aufgrund ihrer Nebenwirkungen auf das Knorpel- und Sehnenwachstum obsolet.<br \/>\nKontraindiziert ist die Gabe von Loperamid oder Atropin, da hierdurch die Verweildauer der Bakterien im Darm nur verl\u00e4ngert wird.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><strong>Escherichia coli:<\/strong><br \/>\nObwohl diese Keimart bei den Neugeborenen die h\u00e4ufigste Ursache der Fohlenl\u00e4hme darstellt, ist E.coli beim Fohlen nicht prim\u00e4r Darm pathogen. Weil diese Keimart aber bei an Durchfall erkrankten Fohlen h\u00e4ufig isoliert wird, nimmt man an, dass E.coli f\u00fcr Fohlen unter einem Monat pathogen sein kann. Der Durchfall erscheint profus aber nicht stinkend. Die Differenzierung in prim\u00e4r pathogene E. coli St\u00e4mme wie beim Kalb oder Ferkel (K 99 bzw. K 88 Antigen), ist beim Fohlen nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><strong>Enterococcus durans (D-Streptokokken):<\/strong><br \/>\nDiese Keime werden bei vielen Tierarten mit Durchfall wie z.B. Ferkel und K\u00e4lber isoliert. Auch bei Fohlen mit Durchfall kann dieser Keim isoliert werden, der durch eine Besiedlung des D\u00fcnndarmes zu einer milden bis m\u00e4\u00dfige ausgepr\u00e4gten Durchfallproblematik f\u00fchren kann.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><strong>Rhodococcus equi:<\/strong><br \/>\nDieser Keim verursacht meist eine Bronchopneumonie, h\u00e4ufig mit septischen Erscheinungen. Durch Besiedlung der lymphatischen Einrichtungen (Lymphknoten, Peyersche Platten) k\u00f6nnen dann meist nur sehr mild verlaufende gastrointestinale St\u00f6rungen hinzukommen. Gelegentlich kommt es zu einer ulzerativen Colitis, aber auch da stellt Kot nicht das probate Untersuchungmaterial f\u00fcr eine Kultur oder die PCR da. (Besser geeignet: Nasentupfer, Lungensp\u00fclprobe).<br \/>\nAn weiteren eher selten auftretenden Keimen k\u00f6nnen Campylobacter, Yersinien oder Aeromonas hydrophila isoliert werden. Nach Campylobacter und Yersinien muss dabei aber gezielt gesucht werden, da diese Keime auf den normal verwendeten N\u00e4hrb\u00f6den nicht gut wachsen und h\u00e4ufig von E.coli \u00fcberwuchert werden.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><strong>Lawsonia intracellularis:<\/strong><br \/>\nDie \u00dcbertragung erfolgt orof\u00e4kal, als Erregerreservoir sind bisher neben Ferkeln auch etliche wild lebende Tiere wie Hamster, Frettchen, Igel und Kaninchen festgestellt worden. Auch Hunde werden inzwischen als m\u00f6gliches Reservoir vermutet.<br \/>\nEs sind Fohlen nach dem Absetzen betroffen, aber auch bei J\u00e4hrlingen und \u00e4lteren Pferden konnte der Erreger schon nachgewiesen werden.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><i>Erreger:<\/i><\/p>\n<p class=\"bodytext\">Bei Lawsonia intracellularis handelt es sich um leicht gebogene gram negative St\u00e4bchenbakterien, die sich obligat intrazellul\u00e4r befinden. Sie vermehren sich in den Enterozyten der Crypten des Ileums und des Jejunums, dann aber auch im Duodenum, im Caecum und Dickdarm. Die Infektion f\u00fchrt zu einer proliferativen Enteropathie, die Darmschleimhaut erscheint dabei sehr stark verdickt und hyper\u00e4misch\u00a0 (Abb.).<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die <em>Klinik<\/em> \u00e4u\u00dfert sich in Gewichtsverlust und Abgeschlagenheit, der Appetit ist reduziert, es k\u00f6nnen auch Koliksymptome und Durchfall auftreten. Als Folge kann es zu \u00d6dembildung kommen. Die klinischen Anzeichen sind von mehreren Faktoren wie Stre\u00df, dem Immunsystem aber auch von der Mikro\u00f6kologie des Darmes abh\u00e4ngig. So f\u00fchrt \u00e4hnlich wie beim Ferkel die F\u00fctterung von wenig strukturiertem Futter zu einer Zunahme der Laktobazillen und Clostridium butyricum, was anscheinend die Pr\u00e4valenz von Lawsonia intracellulularis reduzieren kann.<br \/>\n<i><\/i><\/p>\n<p class=\"bodytext\"><i>Labor:<\/i><\/p>\n<p class=\"bodytext\">Im Labor f\u00e4llt die Hypoprotein\u00e4mie und die Hypalbumin\u00e4mie auf, was aufgrund des verminderten onkotischen Druckes zu der \u00d6dembildung beitr\u00e4gt. Es liegt eine milde Leukozytose mit Linksverschiebung und toxischer Granulierung vor.<br \/>\n<i><\/i><\/p>\n<p class=\"bodytext\"><em>Diagnose:<\/em><br \/>\nDer Erreger kann nur mittels PCR nachgewiesen werden, eine kulturelle Anzucht ist nicht m\u00f6glich. Im Fr\u00fchstadium der Infektion erh\u00e4lt man aber leider h\u00e4ufig falsch negative Ergebnisse. Man kann auch im Serum die Antik\u00f6rper bestimmen (ELISA, IFT), da die Serokonversion relativ fr\u00fchzeitig (ca. 3 Wochen) nach der Infektion auftritt. Als Therapiema\u00dfnahme der Wahl gilt die Verabreichung von Erythromycin (25 mg\/kg p.o. 3-4 x tgl.), Azithromycin (10 mg\/kg 1x tgl.) oder auch Oxytetrazyklin (6.6 mg\/kg i.v. 1-2 x tgl.) anschlie\u00dfend Doxyzyklin 10 mg\/kg 2 x tgl. p.o. f\u00fcr 3 Wochen). Die betroffenen Fohlen sollten isoliert werden, andere Tiere des Hofes, besonders Ferkel mit untersucht werden.<\/p>\n<h5 class=\"bodytext\"><strong>Anaerobe Bakterien<\/strong><\/h5>\n<p class=\"bodytext\"><strong>Clostridium perfringens:<\/strong><br \/>\nDiese Anaerobier stellen bei vielen Tierarten die in der Dickdarmflora am h\u00e4ufigsten vorkommende Bakterien Spezies dar. Der Keim ist auch in der Umwelt weit verbreitet. Sie k\u00f6nnen sehr potente Enterotoxine produzieren, die dann f\u00fcr die Erkrankungserscheinungen verantwortlich sind. Bestimmte Serotypen sind beim Fohlen mit massivem Durchfall assoziiert. So ist Clostridium perfringens Serotyp C f\u00fcr blutigen Durchfall, Kolikerscheinungen, Kreislaufschock und eine hohe Todesrate (\u00fcber 80%) verantwortlich. Betroffen sind meist neu geborene Fohlen, die sehr lebhaft erscheinen und auch ausreichend Biestmilch aufgenommen haben.<br \/>\nAndere Serotypen, besonders der Serotyp A, f\u00fchren zu weniger stark ausgepr\u00e4gten klinischen Erscheinungen. So kommt es zu blutigen Durchf\u00e4llen mit Kolikerscheinungen und Fieber, die Mortalit\u00e4t liegt bei etwa 20 %.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><strong>Clostridium difficile:<\/strong><br \/>\nBei neu geborenen Fohlen bis zum Ende der 1. Lebenswoche kann dieser Keim zu einer Enterocolitis f\u00fchren. Davon betroffen sind dann aber sporadisch auch wieder \u00e4ltere Pferde, vor allem nach einer\u00a0 vorausgegangenen Antibiotika Therapie. Auch bei diesem Keim sind potente Toxine f\u00fcr die klinischen Symptome mit verantwortlich.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><em>Diagnose:<\/em><br \/>\nUnter strikt anaeroben Bedingen k\u00f6nnen Cl. perfringens und Cl. difficile angez\u00fcchtet und identifiziert werden. Ein Problem f\u00fcr den kulturellen Nachweis stellt dabei der Versand dar. Da die klinischen Symptome aber haupts\u00e4chlich durch die von den Clostridien gebildeten Toxine bedingt sind, ist deren Nachweis aus einer Kotprobe mittels ELISA diagnostisch sinnvoller als die Kultur. Bei jungen Fohlen mit einer Sepsis kann auch eine Blutkultur sinnvoll sein. Dabei kann wesentlich h\u00e4ufiger Cl. perfringens als Cl. difficile nachgewiesen werden.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><strong>Bacteroides fragilis:<\/strong><br \/>\nDieser Anaerobier z\u00e4hlt bei Fohlen zu den pathogenen Anaerobiern, sofern er Enterotoxine bildet. Auch bei Lamas, K\u00e4lbern, Ferkeln und beim Menschen f\u00fchrt dieser Keim zu Diarrhoe. Nicht-Enterotoxin-Bildner werden sowohl bei Durchfall als auch bei gesunden Fohlen nachgewiesen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><em>Therapie:<\/em><br \/>\nMetronidazol wirkt spezifisch gegen Anaerobier und Giardien (10-15 mg\/kg 2-4 x tgl. p.o. oder 30 mg\/kg rektal 3x tgl. f\u00fcr 14 Tage)<\/p>\n<h2 class=\"bodytext\">Protozoen und Parasiten<\/h2>\n<p class=\"bodytext\"><strong>Cryptosporidien:<\/strong><br \/>\nDie Infektion erfolgt \u00fcber die Aufnahme von verschmutztem Trinkwasser oder Einstreu. Der Erreger, Cryptosporidium parvum, stellt dabei einen echten Zoonose Erreger dar. Im B\u00fcrstensaum des Ileums kommt es zur Merogonie und Gamogonie (Kokzidien Entwicklungszyklus). Die Atrophie der Darmzotten kann dann zur Maldigestion \/ Malabsorption f\u00fchren. Die klinischen Erscheinungen sind meist sehr milde, es kommen jedoch auch t\u00f6dlich verlaufende Durchf\u00e4lle (Dauer 1-8 Tage) vor. Nach verschiedenen Untersuchungen sind zwischen 0 und 30 % der Fohlen unter 6 Monaten von Cryptosporidien befallen. In der Umwelt sind die Oozysten dann \u00fcber Monate infekti\u00f6s.<br \/>\n<em>Diagnose:<\/em><br \/>\nNeben der Mikroskopie nach Anreicherung und modifizierter Ziehl-Neelsen F\u00e4rbung ist auch der serologische Nachweis mittels ELISA oder IFT aus dem Kot m\u00f6glich.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><em>Therapie:<\/em><br \/>\nEine kausale Therapie ist nicht bekannt. Die Gabe von Halofuginon (100 \u03bcg\/kg p.o. \u00fcber 7 Tage) vermag nur die Ausscheidung zu reduzieren. Die wichtigste Ma\u00dfnahme stellt die Boxenhygiene dar.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><strong>Giardien:<\/strong><br \/>\nW\u00e4hrend in unserem Untersuchungsmaterial nur vereinzelt Giardien Oozysten nach Anreicherung mikroskopisch nachgewiesen werden konnten, liegen Berichte aus den USA vor, die eine Pr\u00e4valenz von 35 % beim Fohlen angeben. Auch hier handelt es sich um einen Zoonose Erreger. Die Diagnostik kann mikroskopisch nach spezieller Anreicherung (MIFC Verfahren) oder serologisch (ELISA, IFT) erfolgen. Therapie: Fenbendazol, Metronidazol (5 mg\/kg p.o.) dazu wieder Boxenhygiene.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><strong>Kokzidien (Eimeria leuckartii):<\/strong><\/p>\n<p class=\"bodytext\">Bis zu 80 % der Fohlen in Mitteleuropa sind davon betroffen. Die Infektion tritt in der zweiten H\u00e4lfte der Saugperiode und nach dem Absetzen auf. Die klinischen Erscheinungen sind dabei meist gering. Kokzidien parasitieren im Epithel der D\u00fcnndarmzotten des Ileums, nur massiver Befall kann zu einer katarrhalischen Enteritis mit Maldigestion \/ Malabsorption als Folgeerscheinung f\u00fchren.<br \/>\n<i><\/i><\/p>\n<p class=\"bodytext\"><em>Therapie:<\/em><br \/>\nmeist nicht erforderlich, wenn n\u00f6tig k\u00f6nnen Sulfonamide eingesetzt werden. Auch hier stellt die Boxenhygiene die wichtigste Ma\u00dfnahme dar.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><strong>Strongyloides westeri (Zwergfadenwurm):<\/strong><br \/>\nDie Infektion erfolgt laktogen oder perkutan. Die Larven III machen eine K\u00f6rperwanderung durch und sch\u00e4digen dabei besonders die Lungenbl\u00e4schen. In der Mukosa des vorderen D\u00fcnndarmes erreichen sie dann die Geschlechtsreife und scheiden die typischen d\u00fcnnschaligen Eier mit einer U-f\u00f6rmigen Larve aus. Krankheitsbild: es sind v.a. Saugfohlen unter Gest\u00fctsbedingungen betroffen. Zwischen dem 9. und 16. Lebenstag kommt es zum Durchfall mit Mattigkeit und reduziertem Appetit. Die betroffenen Fohlen weisen eine retardierte Entwicklung auf. In dem durch die Larvenwanderung vorgesch\u00e4digten Lungenparenchym kann es zu einer bakteriellen Superinfektion kommen.<i><br \/>\n<\/i><\/p>\n<p class=\"bodytext\"><em>Diagnostik:<\/em><br \/>\nAb dem 10. Lebenstag kann man in einer frischen Kotprobe mittels Flotation die typischen Eier nachweisen. In einer etwas \u00e4lteren Kotprobe (Stunden) sollte der Nachweis mittels Auswanderung gef\u00fchrt werden.<i><br \/>\nBek\u00e4mpfung:<\/i><\/p>\n<p class=\"bodytext\">In betroffenen Gest\u00fcten verhindert die Entwurmung der Stute 2-4 Wochen vor dem Abfohltermin mit Ivermectin oder Moxidectin die laktogene Infektion. Strikte Boxenhygiene vermag dann auch die perkutane Infektion zu verhindern.<br \/>\nWurde beim Fohlen der positive Nachweis gef\u00fchrt, kann das Fohlen bereits in der ersten Lebenswochen mit Fenbendazol entwurmt werden.<\/p>\n<p class=\"news-date\" style=\"text-align: right;\">03 \/ 2010<\/p>\n<p class=\"news-catRootline\" style=\"text-align: right;\">LABOKLIN Aktuell<\/p>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#187;vc_default&#187; gap=&#187;10&#8243; equal_height=&#187;yes&#187; content_placement=&#187;middle&#187; css=&#187;.vc_custom_1712919402384{margin-top: 30px !important;}&#187;][vc_column width=&#187;1\/6&#8243; css=&#187;.vc_custom_1729499701285{background-color: #e7e7e7 !important;}&#187;][vc_icon icon_fontawesome=&#187;fas fa-file-pdf&#187; color=&#187;custom&#187; size=&#187;xl&#187; align=&#187;center&#187; css=&#187;.vc_custom_1729499708552{margin-top: 10px !important;margin-bottom: 10px !important;padding-top: 20px !important;padding-bottom: 20px !important;}&#187; custom_color=&#187;#e51e1e&#187; link=&#187;url:https%3A%2F%2Flaboklin.de%2Fwp-content%2Fuploads%2F2023%2F03%2FLA_03_2010_Fohlendurchfall-min.pdf|title:LABOKLIN%20aktuell|target:_blank&#187;][\/vc_column][vc_column width=&#187;5\/6&#8243; css=&#187;.vc_custom_1729499718420{background-color: #e7e7e7 !important;}&#187;][vc_column_text css=&#187;.vc_custom_1729499727820{margin-top: 10px !important;margin-bottom: 10px !important;padding-top: 20px !important;padding-bottom: 20px !important;}&#187;]<\/p>\n<p class=\"csc-firstHeader\"><a href=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/LA_03_2010_Fohlendurchfall-min.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Fohlendurchfall &#8211; Labordiagnostik<\/strong><\/a><\/p>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diarrhoe ist eines der Hauptprobleme beim Fohlen. 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