{"id":1643456,"date":"2026-10-06T10:25:29","date_gmt":"2026-10-06T08:25:29","guid":{"rendered":"https:\/\/laboklin.de\/vergiftungen-beim-pferd-wachsamkeit-ist-gefragt\/"},"modified":"2026-10-13T17:09:39","modified_gmt":"2026-10-13T15:09:39","slug":"vergiftungen-beim-pferd-wachsamkeit-ist-gefragt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/vergiftungen-beim-pferd-wachsamkeit-ist-gefragt\/","title":{"rendered":"Vergiftungen beim Pferd \u2013 Wachsamkeit ist gefragt!"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\" id=\"wpb-content-root\"><p>[vc_row][vc_column width=&#8220;2\/3&#8243;][vc_column_text]Vergiftungen z\u00e4hlen beim Pferd zu den wichtigsten Differentialdiagnosen bei pl\u00f6tzlich auftretenden Symptomen wie beispielsweise Koliken, neurologischen Ausf\u00e4llen oder Kreislaufproblemen (Tab. 1). Doch nicht immer treten Symptome sofort nach der Ingestion auf. Wenn wiederholt kleine Mengen toxischer Substanzen aufgenommen werden, k\u00f6nnen schleichend chronische Erkrankungen auftreten, insbesondere Leber- und Muskelsch\u00e4den. Das klinische Erscheinungsbild reicht dabei von milden Beeintr\u00e4chtigungen bis hin zu schweren, lebensbedrohlichen oder t\u00f6dlich verlaufenden Erkrankungen.<\/p>\n<p>Eine fr\u00fchzeitige Diagnosestellung ist f\u00fcr den Behandlungserfolg und die Prognose entscheidend. Grundlage hierf\u00fcr ist eine sorgf\u00e4ltige und gezielte Anamnese, bei der insbesondere m\u00f6gliche Expositionen gegen\u00fcber Giftpflanzen, verd\u00e4chtigen Futtermitteln, Wasser oder anderen potenziellen Toxinquellen erfasst werden. Erg\u00e4nzend sind gezielte labordiagnostische Untersuchungen sowie \u2013 je nach Verdachtsdiagnose \u2013 die Analyse von Futter-, Pflanzen- und gegebenenfalls Wasserproben sinnvoll.<\/p>\n<p>Durch eine rasche Erkennung der m\u00f6glichen Intoxikation und die fr\u00fchzeitige Einleitung geeigneter therapeutischer Ma\u00dfnahmen kann die Prognose betroffener Pferde h\u00e4ufig deutlich verbessert werden. Entscheidend sind dabei insbesondere die m\u00f6glichst schnelle Entfernung der Expositionsquelle, eine gezielte symptomatische und gegebenenfalls spezifische Therapie sowie eine engmaschige \u00dcberwachung des Patienten.<\/p>\n<h2>Ursachen<\/h2>\n<p>Zu den wichtigsten Quellen aus der Lebensumgebung des Pferdes z\u00e4hlen Giftpflanzen (Abb. 1), Mykotoxine, Schwermetalle sowie kontaminiertes Wasser und Chemikalien (Farben, Reinigungsmittel, Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfung u. v. m.).<\/p>\n<p>Die Liste der potentiellen <strong>Giftpflanzen <\/strong>ist lang, auf eine Auswahl wird sp\u00e4ter n\u00e4her eingegangen. Obwohl Pferde aufgrund ihres ausgepr\u00e4gten Selektionsverhaltens viele Giftpflanzen normalerweise meiden, kann es unter bestimmten Umst\u00e4nden den-<\/p>\n<p>noch zu einer Aufnahme kommen. Zu den m\u00f6glichen Risikofaktoren z\u00e4hlen insbesondere Futtermangel, mit Giftpflanzen verunreinigtes Heu, Weidefutter oder Paddockbelag, Neugier sowie Ver\u00e4nderungen der Umwelt- und Haltungsbedingungen.<\/p>\n<p>Bei <strong>Mykotoxinen <\/strong>handelt es sich um giftige Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen, die \u00fcber kontaminiertes Futter aufgenommen werden und beim Pferd unter anderem gastrointestinale, hepatotoxische, nephrotoxische, neurologische oder immuntoxische Wirkungen hervorrufen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Schwermetalle <\/strong>wie Arsen, Blei, Quecksilber und Kupfer k\u00f6nnen sich im Organismus anreichern und abh\u00e4ngig von der Dosis unter anderem gastrointestinale, neurologische, h\u00e4matologische, hepatische und renale Sch\u00e4digungen verursachen.<\/p>\n<p>Auch das <strong>Tr\u00e4nkwasser <\/strong>stellt eine potenzielle Quelle f\u00fcr gesundheitssch\u00e4dliche Substanzen dar. Sowohl Regen- als auch Brunnenwasser k\u00f6nnen durch bakterielle Verunreinigungen, Cyanobakterien (Blaualgen) oder verschiedene Schadstoffe belastet sein und dadurch schwere Erkrankungen oder Vergiftungen verursachen. Insbesondere bei warmen Temperaturen k\u00f6nnen sich Cyanobakterien in stehenden oder n\u00e4hrstoffreichen Gew\u00e4ssern stark vermehren und verschiedene Toxine bilden.[\/vc_column_text][\/vc_column][vc_column width=&#8220;1\/3&#8243;][vc_column_text]<\/p>\n\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column css=&#8220;.vc_custom_1751872278335{margin-top: 30px !important;}&#8220;][vc_column_text]M\u00f6gliche klinische Symptome einer entsprechenden Intoxikation sind unter anderem vermehrtes Speicheln, Kolik, Durchfall, Zittern, Schw\u00e4che, Ataxie und Krampfanf\u00e4lle. Pferde sollten deshalb ausschlie\u00dflich sauberes und hygienisch einwandfreies Tr\u00e4nkwasser erhalten.<\/p>\n<h2>Klinische Symptomatik<\/h2>\n<p>Die klinischen Symptome variieren erheblich in Abh\u00e4ngigkeit von Toxin, Dosis und Expositionsdauer. Zu den m\u00f6glichen unspezifischen, akuten Symptomen z\u00e4hlen Apathie, Fressunlust, Schwei\u00dfausbr\u00fcche, Unruhe, Erregung, Hypo- oder Hyperthermie.<\/p>\n<p>H\u00e4ufig treten auch gastrointestinale Symptome wie Speichelfluss, Schluckbeschwerden, Kolik (v. a. krampfartig), Mel\u00e4na oder Diarrhoe auf. Tachykardie, Herzrhythmusst\u00f6rungen und Atemprobleme wie z. B. Dyspnoe lassen auf eine Beeintr\u00e4chtigung des Herz-Kreislauf-Systems bzw. der Atemwege schlie\u00dfen. Nicht selten kommen neurologische Symptome wie Muskelzittern, Ataxie oder Krampfanf\u00e4lle hinzu. Teilweise ist auch Pigmenturie zu beobachten. Selbst pl\u00f6tzliches Versterben ohne erkennbare vorherige Symptomatik kann Folge einer Vergiftung sein.<\/p>\n<p>Hingegen f\u00fchren chronische Intoxikationen h\u00e4ufig zu Gewichtsverlust, Leistungsabfall, Photosensibilisierung oder \u00d6demen sowie chronischen Leber-oder Nierensch\u00e4den.<\/p>\n<h2>Diagnostisches Vorgehen<\/h2>\n<p>Eine sorgf\u00e4ltige <strong>Anamnese <\/strong>bildet die Grundlage der Diagnostik. Entscheidend sind Informationen zur Anzahl betroffener Tiere (Einzeltier vs. Gruppe), zu Weide, Heu, Silage, Kraftfutter, Medikamenten und m\u00f6glichen Giftquellen. Anschlie\u00dfend erfolgen die <strong>klinische Untersuchung <\/strong>sowie eine h\u00e4matologische und klinisch-chemische <strong>Blutuntersuchung <\/strong>(Tab. 2).<\/p>\n<p><strong>Tab. 1: <\/strong>Differentialdiagnosen f\u00fcr typische Vergiftungssymptome bzw. Laborbefunde<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<th style=\"text-align: left;\" scope=\"col\">Krankheitsbild<\/th>\n<th style=\"text-align: left;\" scope=\"col\">Beispiele einiger Differentialdiagnosen<\/th>\n<th style=\"text-align: left;\" scope=\"col\">m\u00f6gliche Vergiftungsursachen<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><strong>Kolik<\/strong><\/td>\n<td>Darmverschluss, Enteritis\/Colitis, Gastritis, Magenulkus, Peritonitis<\/td>\n<td>Herbstzeitlose, Eicheln, Robinien, bestimmte Mykotoxine<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><strong>Neurologische Ausf\u00e4lle<\/strong><\/td>\n<td>EHV-1, Trauma, Enzephalitis, Ataxie, West Nile Virus, Shamonda-Virus, Bornavirus, FSME<\/td>\n<td>Blaualgen, Eibe, Botulinumtoxin, Schwermetalle, bestimmte Mykotoxine<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><strong>Hepatopathie<\/strong><\/td>\n<td>Hepatitis, Leberlipidose, Gallengangsobstruktion<\/td>\n<td>Jakobskreuzkraut, Mykotoxine, Pyrrolizidinalkaloide<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><strong>Rhabdomyolyse<\/strong><\/td>\n<td>Kreuzverschlag, Trauma, starke Belastung, Elektrolytst\u00f6rungen<\/td>\n<td>Bergahorn<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Tab. 2: <\/strong>Blutchemie (minimale Datenbasis) bei Vergiftungsverdacht<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"198\"><strong>Parameter<\/strong><\/td>\n<td width=\"232\"><strong>Organzuordnung<\/strong><\/td>\n<td width=\"266\"><strong>Bedeutung<\/strong> <strong>bei<\/strong> <strong>Erh\u00f6hung<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"198\"><strong>Glutamatdehydrogenase<\/strong> <strong>(GLDH)<\/strong><\/td>\n<td width=\"232\">hepatozellul\u00e4re Sch\u00e4digung<\/td>\n<td width=\"266\">sensitiv und spezifisch bei akuter Leber-sch\u00e4digung verschiedenster Ursachen<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"198\"><strong>\u03b3-Glutamyl-Transferase<\/strong> <strong>(GGT)<\/strong><\/td>\n<td width=\"232\">Gallengangsch\u00e4digung<\/td>\n<td width=\"266\">u. a. bei Cholestase<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"198\"><strong>Aspartataminotransferase<\/strong> <strong>(AST)<\/strong><\/td>\n<td width=\"232\">Leber-\/Muskelsch\u00e4digung<\/td>\n<td width=\"266\">zusammen mit CK und GLDH interpretieren, da nicht leberspezifisch<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"198\"><strong>Kreatinkinase<\/strong> <strong>(CK)<\/strong><\/td>\n<td width=\"232\">Muskelsch\u00e4digung<\/td>\n<td width=\"266\">u. a. bei atypischer Myopathie<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"198\"><strong>Gallens\u00e4uren<\/strong><\/td>\n<td width=\"232\">Leberfunktion<\/td>\n<td width=\"266\">sensitiv f\u00fcr funktionelle Hepatopathien<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"198\"><strong>Bilirubin<\/strong><\/td>\n<td width=\"232\">Leber-\/Gallenwegsfunktion, Blutabbau<\/td>\n<td width=\"266\">pr\u00e4hepatisch (H\u00e4molyse), hepatisch (u. a. Hepatotoxine), posthepatisch (Gallenwegsabfluss beeintr\u00e4chtigt)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"198\"><strong>Kreatinin\/Harnstoff<\/strong><\/td>\n<td width=\"232\">Nierenfunktion<\/td>\n<td width=\"266\">pr\u00e4renal (Dehydratation), renal (u. a. bei Nephrotoxinen), postrenal (u. a. bei Obstruktion)<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Bestandteil der weiterf\u00fchrenden Diagnostik ist oft die <strong>Sonografie <\/strong>des Abdomens, um morphologische Organver\u00e4nderungen zu erkennen und ggf. ein Korrelat zu auff\u00e4lligen Laborwerten herstellen zu k\u00f6nnen. Erg\u00e4nzend kann die pathohistologische und toxikologische Untersuchung einer <strong>Biopsie<\/strong>, z. B. der Leber, sinnvoll sein. Je nach Verdachtsdiagnose k\u00f6nnen zus\u00e4tzlich Blut, Harn, Mageninhalt (Sp\u00fclfl\u00fcssigkeit), Futter-\/Wasserproben oder Pflanzenmaterial in Speziallaboren (z. B. Universit\u00e4tsinstitute, Futtermittel\u00fcberwachungsbeh\u00f6rden) toxikologisch untersucht werden. Auch wenn zun\u00e4chst keine Einsendung gew\u00fcnscht wird, ist es bei Verdacht auf eine Vergiftung aus forensischer Sicht empfehlenswert, die genannten Proben zu asservieren.<\/p>\n<h2>H\u00e4ufige Giftpflanzen<\/h2>\n<p>Die Folgen einer Pflanzenvergiftung reichen von leichten gesundheitlichen Beschwerden bis hin zur Todesfolge. Bei manchen Pflanzen, wie der Eibe, k\u00f6nnen bereits kleinste Mengen lebensgef\u00e4hrlich sein (Tab. 3).<\/p>\n<p>Eine potentielle Gefahrenquelle f\u00fcr Vergiftungen mit Giftpflanzen stellen neben Weidefutter, Heu und Silage auch Hackschnitzel als Paddockbelag dar, die giftigen Holzarten wie Robinie oder Eibe enthalten k\u00f6nnen. Im Folgenden wird auf eine Auswahl der f\u00fcr Pferde relevanten Giftpflanzen n\u00e4her eingegangen.<\/p>\n<p><strong>Tab. 3: <\/strong>h\u00e4ufige Giftpflanzen beim Pferd, letale Dosis im frischen Zustand<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"99\"><strong>Spezies<\/strong><\/td>\n<td width=\"151\"><strong>Toxin<\/strong><\/td>\n<td width=\"5\"><\/td>\n<td width=\"146\"><strong>betroffene<\/strong> <strong>Organe<\/strong><\/td>\n<td width=\"5\"><\/td>\n<td width=\"144\"><strong>Krankheitsbild<\/strong><\/td>\n<td width=\"145\"><strong>letale Dosis<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"99\"><strong>Kreuzkraut<\/strong><\/td>\n<td width=\"151\">Pyrrolizidinalkaloide<\/td>\n<td rowspan=\"9\" width=\"5\"><\/td>\n<td width=\"146\">Leber<\/td>\n<td rowspan=\"9\" width=\"5\"><\/td>\n<td width=\"144\">chronische Hepatopathie<\/td>\n<td width=\"145\">4\u201320 kg\/Tier<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"99\"><strong>Herbstzeitlose<\/strong><\/td>\n<td width=\"151\">Colchicin<\/td>\n<td width=\"146\">Darm, ZNS, Knochenmark<\/td>\n<td width=\"144\">Kolik, Durchfall<\/td>\n<td width=\"145\">1\u20133 kg\/Tier<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"99\"><strong>Bergahorn<\/strong><\/td>\n<td width=\"151\">Hypoglycin A<\/td>\n<td width=\"146\">Muskulatur, sek. Niere<\/td>\n<td width=\"144\">atypische Myopathie<\/td>\n<td width=\"145\">unbekannt<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"99\"><strong>Eibe<\/strong><\/td>\n<td width=\"151\">Taxine<\/td>\n<td width=\"146\">Herz, Muskeln, Nervensystem<\/td>\n<td width=\"144\">Arrhythmien, pl\u00f6tzlicher Tod<\/td>\n<td width=\"145\">100\u2013300 g Nadeln\/Tier<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"99\"><strong>Eiche<\/strong><\/td>\n<td width=\"151\">Tannine<\/td>\n<td width=\"146\">Niere, Darm<\/td>\n<td width=\"144\">Kolik, Nierenschaden<\/td>\n<td width=\"145\">unbekannt<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"99\"><strong>Adlerfarn<\/strong><\/td>\n<td width=\"151\">Thiaminase, Ptaquilosid<\/td>\n<td width=\"146\">Knochenmark, Nervensystem<\/td>\n<td width=\"144\">Apathie, Ataxie, Durchfall<\/td>\n<td width=\"145\">unbekannt<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"99\"><strong>Oleander<\/strong><\/td>\n<td width=\"151\">Herzglykoside<\/td>\n<td width=\"146\">Herz, Darm<\/td>\n<td width=\"144\">Bradykardie, Arrhythmie, Kolik<\/td>\n<td width=\"145\">15\u201320 g gr\u00fcne Bl\u00e4tter\/Tier<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"99\"><strong>Goldregen<\/strong><\/td>\n<td width=\"151\">Cytisin<\/td>\n<td width=\"146\">Nervensystem<\/td>\n<td width=\"144\">Tremor, Dyspnoe<\/td>\n<td width=\"145\">0,5 g\/kg KGW<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"99\"><strong>Fingerhut<\/strong><\/td>\n<td width=\"151\">Digitalisglykoside<\/td>\n<td width=\"146\">Herz, Muskel<\/td>\n<td width=\"144\">Tremor, Durchfall, Herzstillstand<\/td>\n<td width=\"145\">100\u2013200 g\/Tier<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h2>Kreuzkraut<\/h2>\n<p>Deutschlandweit gibt es ca. 30 verschiedene Kreuz-krautarten, zu erkennen an den gelben Korbbl\u00fcten (Abb. 2). Am h\u00e4ufigsten kommt das Jakobskreuz-kraut (<em>Senecio jacobaea<\/em>) vor; Fr\u00fchlingskreuzkraut (<em>Senecio vernalis<\/em>) und Schmalbl\u00e4ttriges Kreuzkraut (<em>Senecio inaequidens<\/em>) sind ebenso von Bedeutung.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><u>Standort:<\/u> Wegr\u00e4nder, Waldr\u00e4nder, Geb\u00fcsche, Brachfl\u00e4chen und Wiesen, bevorzugt Tonb\u00f6den mit m\u00e4\u00dfigem Stickstoffgehalt; Fr\u00fchlingskreuzkraut bevorzugt kalkarme B\u00f6den<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><u>Giftstoffe:<\/u> Pyrrolizidinalkaloide (PA), v. a. Senecionin und Jacobin, h\u00f6chste Giftstoffkonzentration in Jungpflanzen, Bioaktivierung durch Leberenzyme zu toxischen Metaboliten, Giftwirkung auch nach Trocknung und Silierung, h\u00e4ufig chronische Verl\u00e4ufe, denn Verlust des bitteren Geschmacks nach Trocknung macht unbemerkte Aufnahme z. B. \u00fcber Heu m\u00f6glich<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><u>Wirkung:<\/u> Hepatopathie, durch Anreicherung der Abbauprodukte in der Leber Vergiftung entweder durch einmalige Aufnahme gro\u00dfer Mengen oder schleichende Vergiftung durch l\u00e4ngerfristige Aufnahme kleiner Mengen<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><u>Letale Dosis:<\/u> individuell unterschiedlich, ca. 4 kg frisches bzw. 0,5 kg getrocknetes Jakobskreuz-kraut bei kleinen Ponys, ca. 20 kg frisches bzw. 3 kg getrocknetes Jakobskreuzkraut bei Gro\u00dfpferden<\/p>\n<h2>Herbstzeitlose<\/h2>\n<p>Die Herbstzeitlose (<em>Colchicum autumnale<\/em>) sieht mit ihrer violetten Bl\u00fcte dem B\u00e4rlauch und Krokus zum Verwechseln \u00e4hnlich (Abb. 3). Die gesamte Pflanze ist giftig.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><u>Standort:<\/u> feuchte Wiesen und Weiden<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><u>Zeitraum:<\/u> Bl\u00fctezeit August bis Oktober<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><u>Giftstoff:<\/u> Colchicin, bleibt in Heu und Silage stabil, geht auch in Muttermilch \u00fcber<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><u>Wirkung:<\/u> v. a. gastrointestinale Symptome wie Kolik, Speicheln und schwerer, teilweise h\u00e4morrhagischer Durchfall; sp\u00e4ter auch Kreislaufversagen, Herzrhythmusst\u00f6rungen, Koagulopathien, neuromuskul\u00e4re St\u00f6rungen, Ateml\u00e4hmung<\/p>\n<h2>Bergahorn<\/h2>\n<p>Die Samen und Keimlinge des Bergahorns (<em>Acer pseudoplatanus<\/em>, Abb. 4) k\u00f6nnen beim Pferd die lebensgef\u00e4hrliche atypische Weidemyopathie (Muskell\u00e4hmung) ausl\u00f6sen.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><u>Standort:<\/u> h\u00e4ufig an Waldr\u00e4ndern, in Alleen oder als Einzelb\u00e4ume auf Weiden<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><u>Zeitraum:<\/u> Samenflug (weitr\u00e4umig!) Oktober bis Dezember, Keimlinge M\u00e4rz bis Mai<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><u>Giftstoff:<\/u> Hypoglycin A, auch nach Trocknung und Silieren noch toxisch, wasserl\u00f6slich<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><u>Wirkung:<\/u> massive Muskelsch\u00e4den, Freisetzung von Muskelenzymen ins Blut (CK, Lactatdehydrogenase (LDH), AST), Myoglobinurie<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><u>Letale Dosis:<\/u> keine verl\u00e4ssliche letale Dosis bekannt, erhebliche Schwankungen des Toxingehalts der Samen, daher potentiell ab 30\u201340 Samen toxisch, keine Literaturangaben zu Keimlingen<\/p>\n<h2>Therapie<\/h2>\n<p>Ein Ziel der Therapie ist es, die weitere Resorption von Toxinen aus dem Gastrointestinaltrakt zu verhindern bzw. zu reduzieren. Hierzu kann je nach Art und Zeitpunkt der Vergiftung eine Magensp\u00fclung und\/oder die Verabreichung von Aktivkohle oder Paraffin\u00f6l erfolgen, um verbliebene Giftstoffe im Verdauungstrakt zu eliminieren bzw. zu binden und deren Ausscheidung zu f\u00f6rdern. Parallel oder im Anschluss erfolgt eine individuelle symptomatische Therapie der akut betroffenen Organsysteme sowie m\u00f6glicher Konsequenzen wie beispielsweise Hufrehe, Fieber, Nieren- oder Lebersch\u00e4digung. Je nach Situation kommen u. a. Fl\u00fcssigkeitstherapie, Schmerztherapie sowie intensive \u00dcberwachung zum Einsatz. Spezifische Antidote stehen i. d. R. nicht zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<h2>Pr\u00e4vention<\/h2>\n<p>Im Vergiftungsfall hat das unverz\u00fcgliche Entfernen der Giftquelle zum Schutz der Patienten und deren Partnertiere oberste Priorit\u00e4t. Pr\u00e4ventiv sind regelm\u00e4\u00dfige Weidekontrollen mit Entfernung von Giftpflanzen samt Wurzeln, konsequente Futter- und Tr\u00e4nkehygiene und die sichere Lagerung von Chemikalien die wichtigsten Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Vergiftungen k\u00f6nnen sowohl akute Notf\u00e4lle darstellen als auch chronische Erkrankungen verursachen und \u00e4u\u00dfern sich h\u00e4ufig durch unspezifische Symptome.<\/p>\n<p>Bei Vergiftungsverdacht sind eine zeitnahe Diagnostik und die unverz\u00fcgliche Einleitung einer Therapie entscheidend. F\u00fcr die Identifikation der Giftquelle sind eine gezielte Anamnese, klinische Untersuchung und Labordiagnostik essentiell. Der Pr\u00e4vention kommt eine besonders hohe Bedeutung zu.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Elisabeth Haussmann<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p><strong>Leistungen<\/strong> <strong>zum<\/strong> <strong>Thema<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/leistungen\/vitamine-medikamentenspiegel-vergiftungen\/vergiftungsnachweis\/bergahorn-hypoglycin-a\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span style=\"color: #000000;\"><strong>Bergahorn (<\/strong>Hypoglycin A-Nachweis aus Blut)<\/span><\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/leistungen\/vitamine-medikamentenspiegel-vergiftungen\/vergiftungsnachweis\/herbstzeitlose-colchicin\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span style=\"color: #000000;\"><strong>Herbstzeitlose<\/strong> (Colchicin-Nachweis aus Harn)<\/span><\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/leistungen\/vitamine-medikamentenspiegel-vergiftungen\/vergiftungsnachweis\/kreutzkraut-senecionin\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span style=\"color: #000000;\"><strong>Kreuzkraut<\/strong> (Senecionin-Nachweis aus Harn)<\/span><\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/leistungen\/vitamine-medikamentenspiegel-vergiftungen\/vergiftungsnachweis\/schwermetall-screening\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span style=\"color: #000000;\"><strong>Schwermetall-Screening<\/strong> (Arsen, Blei, Cadmium, Chrom, Kupfer, Mangan, Quecksilber, Thallium, Zink aus Blut und Harn)<\/span><\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/leistungen\/wasseruntersuchungen\/traenkwasser\/traenkwasser-profile\/traenkwasser-profil-weide-klein\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span style=\"color: #000000;\"><strong>Tr\u00e4nkwasser-Profil Weide<\/strong> (mikrobiologische und physikalisch-chemische Untersuchung)<\/span><\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/blockquote>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;vc_default&#8220; css=&#8220;.vc_custom_1761653312857{margin-top: 30px !important;}&#8220;][vc_column css=&#8220;.vc_custom_1743677988086{margin-top: 30px !important;}&#8220;][vc_column_text]<\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><strong>Weiterf\u00fchrende<\/strong> <strong>Literatur<\/strong><\/span><\/h5>\n<ul>\n<li>\n<h6><span style=\"color: #808080;\"><strong>Merck Veterinary Manual. Toxikologie [Internet]. Rahway (NJ): Merck &amp; Co., Inc.; [zitiert am 10. September 2026]. Verf\u00fcgbar unter: <a style=\"color: #808080;\" href=\"https:\/\/www.merckvetmanual.com\/toxicology\">https:\/\/www.merckvetmanual.com\/toxicology<\/a><\/strong><\/span><\/h6>\n<\/li>\n<li>\n<h6><span style=\"color: #808080;\"><strong>Reed SM, Bayly WM, Sellon DC, Hrsg. Equine Internal Medicine. 4. Aufl. St. Louis (MO): Elsevier; 2018.<\/strong><\/span><\/h6>\n<\/li>\n<li>\n<h6><span style=\"color: #808080;\"><strong>Dietz O, Huskamp B, Hrsg. Handbuch Pferdepraxis. 4. Aufl. Stuttgart: Enke; 2016.<\/strong><\/span><\/h6>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;vc_default&#8220; gap=&#8220;10&#8243; content_placement=&#8220;middle&#8220; equal_height=&#8220;yes&#8220; css=&#8220;.vc_custom_1761653772548{margin-top: 30px !important;}&#8220;][vc_column width=&#8220;1\/6&#8243; css=&#8220;.vc_custom_1761653809503{background-color: #E7E7E7 !important;}&#8220;][vc_icon icon_fontawesome=&#8220;fa fa-solid fa-file-pdf&#8220; size=&#8220;xl&#8220; align=&#8220;center&#8220; custom_color=&#8220;#e51e1e&#8220; css=&#8220;.vc_custom_1791360538271{margin-top: 10px !important;margin-bottom: 10px !important;padding-top: 20px !important;padding-bottom: 20px !important;}&#8220; color=&#8220;custom&#8220; link=&#8220;url:https%3A%2F%2Flaboklin.de%2Fwp-content%2Fuploads%2F2026%2F10%2Fla_pferd_oktober_2026_de_final.pdf|target:_blank&#8220;][\/vc_column][vc_column width=&#8220;5\/6&#8243; css=&#8220;.vc_custom_1761653821859{background-color: #E7E7E7 !important;}&#8220;][vc_column_text css=&#8220;.vc_custom_1791360987502{margin-top: 10px !important;margin-bottom: 10px !important;padding-top: 20px !important;padding-bottom: 20px !important;}&#8220;]<a href=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/la_pferd_oktober_2026_de_final.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Vergiftungen beim Pferd \u2013 Wachsamkeit ist gefragt!<\/strong><\/a>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vergiftungen bei Pferden und Fohlen erkennen: Ursachen, Symptome, Diagnostik und schnelle Therapie bei Giftpflanzen, Mykotoxinen und Schadstoffen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1643363,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_titles_title":"%%post_title%%","_seopress_titles_desc":"Vergiftungen bei Pferden und Fohlen erkennen: Ursachen, Symptome, Diagnostik und schnelle Therapie bei Giftpflanzen, Mykotoxinen und Schadstoffen.","_seopress_robots_index":"","_seopress_robots_follow":"","_seopress_robots_imageindex":"","_seopress_robots_snippet":"","_seopress_robots_primary_cat":"","_seopress_robots_breadcrumbs":"","_seopress_robots_freeze_modified_date":"","_seopress_robots_custom_modified_date":"","_seopress_robots_canonical":"","_seopress_social_fb_title":"","_seopress_social_fb_desc":"","_seopress_social_fb_img":"","_seopress_social_fb_img_attachment_id":0,"_seopress_social_fb_img_width":0,"_seopress_social_fb_img_height":0,"_seopress_social_twitter_title":"","_seopress_social_twitter_desc":"","_seopress_social_twitter_img":"","_seopress_social_twitter_img_attachment_id":0,"_seopress_social_twitter_img_width":0,"_seopress_social_twitter_img_height":0,"_seopress_redirections_value":"","_seopress_redirections_enabled":"","_seopress_redirections_enabled_regex":"","_seopress_redirections_logged_status":"both","_seopress_redirections_param":"","_seopress_redirections_type":301,"_seopress_analysis_target_kw":"Blutkultur,Sepsis,Antibiose,Resistenzen,Therapie Sepsis,Fohlen","_seopress_news_disabled":"","_seopress_video_disabled":"","_seopress_video":[],"_seopress_pro_schemas_manual":[],"_seopress_pro_rich_snippets_disable_all":"","_seopress_pro_rich_snippets_disable":[],"_seopress_pro_schemas":[],"footnotes":""},"categories":[255],"tags":[],"class_list":["post-1643456","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-laboklin-pferd-de-at","category-255","description-off"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1643456","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1643456"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1643456\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1644343,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1643456\/revisions\/1644343"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1643363"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1643456"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1643456"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1643456"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}