{"id":1623331,"date":"2026-07-27T10:40:16","date_gmt":"2026-07-27T08:40:16","guid":{"rendered":"https:\/\/laboklin.de\/bestandsbetreuung-rind-rund-um-das-euter\/"},"modified":"2026-07-27T10:58:01","modified_gmt":"2026-07-27T08:58:01","slug":"bestandsbetreuung-rind-rund-um-das-euter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/bestandsbetreuung-rind-rund-um-das-euter\/","title":{"rendered":"Bestandsbetreuung Rind \u2013 rund um das Euter"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\"><p>[vc_row][vc_column][vc_column_text css=&#8220;&#8220;]<\/p>\n<h2>Die Rolle der Labordiagnostik beim Bestandsmanagement<\/h2>\n<p>In der modernen Bestandsbetreuung hat sich beim Thema Eutergesundheit der Fokus von der Therapie klinischer Mastitiden hin zur Pr\u00e4vention und zum Monitoring subklinischer Infektionen verschoben.<br \/>\nDie Labordiagnostik bildet hierbei das Fundament f\u00fcr evidenzbasierte Entscheidungen.<\/p>\n<p>Eine klinische Mastitis verursacht f\u00fcr den Landwirt einen wirtschaftlichen Verlust von mehreren hundert Euro. Managementoptimierungen, die bei der Ursache der Infektionen ansetzen, bieten ein betr\u00e4chtliches Einsparpotenzial: Eine gute Boxen-, Stall- und Melkhygiene sowie korrektes F\u00fctterungsmanagement und optimaler Kuhkomfort k\u00f6nnen sich daher schnell rechnen. Auch in der Therapie der klinischen F\u00e4lle bestehen M\u00f6glichkeiten der Kostenersparnis, da viele Mastitiden gar nicht antibiotisch behandelt werden m\u00fcssen\/sollten. Zudem ist gesetzlich vorgeschrieben, dass gewisse antibiotische Therapien nur nach Antibiogramm erlaubt sind (T\u00c4HAV \u00a7 13 Antibiogrammpflicht). Um dies am erkrankten Tier zielorientiert zu entscheiden, sind Kenntnisse \u00fcber die urs\u00e4chlichen Erreger und ein strategisches Vorgehen, z. B. anhand von Entscheidungsb\u00e4umen, essentiell.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Diagnostische Schritte bei Mastitisverdacht<\/h2>\n<p><strong>Die kulturelle Milchuntersuchung<\/strong><\/p>\n<p>Der Goldstandard in der Mastitisdiagnostik ist die klassische bakterielle Kultur aus Viertelgemelksproben, denn die Identifizierung euterpathogener Keime ist von gro\u00dfer Relevanz (Tab. 1). Diese Viertelgemelksdiagnostik ist sowohl f\u00fcr das erkrankte Einzeltier als auch f\u00fcr die Herdendiagnostik geeignet. Empfehlenswert ist sowohl die routinem\u00e4\u00dfige Beprobung von neu auftretenden klinischen Mastitisf\u00e4llen als auch subklinische Verdachtsf\u00e4lle, z. B. wenn ein erh\u00f6hter Zellgehalt bei der monatlichen Milchleistungspr\u00fcfung auff\u00e4llt (erstmaliger Zellgehalt \u00fcber 200 Tsd.).<\/p>\n<p>Bei Eutergesundheitsproblemen, die die gesamte Herde betreffen, k\u00f6nnen so zun\u00e4chst die Leitkeime ermittelt werden. Diese geben Hinweise darauf, ob die Neuinfektionen vorrangig w\u00e4hrend des Melkprozesses oder in den Liegeboxen und der Stallumgebung erworben werden. Damit k\u00f6nnen gezielte Anpassungen in den entsprechenden Bereichen vorgenommen werden, z. B. in den Liegebereichen der K\u00fche oder bei der Melkumgebung und -technik. Die automatischen Melksysteme (Melkroboter) stellen uns dabei vor andere Herausforderungen als die klassischen Melkst\u00e4nde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anleitung zur aseptischen Milchprobenentnahme<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr den Nachweis euterpathogener Erreger werden Viertelanfangsgemelke entnommen. Bei Verdacht auf Infektionen mit Hefen ist hingegen die Entnahme von Viertelendgemelken sinnvoll.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Probenentnahme wird die aseptische Milchprobenentnahme empfohlen, bei der die Zitzen trocken gereinigt, desinfiziert und in korrekter Reihenfolge gemolken werden. Es wird empfohlen, Einmalhandschuhe zu tragen (Beispiel f\u00fcr die Entnahme von links: Reinigung: VR HR VL HL, Entnahme: HL VL HR VR).<\/p>\n<p>Die Probenr\u00f6hrchen sollten m\u00f6glichst erst direkt unter der Kuh ge\u00f6ffnet und dabei nahezu waagerecht gehalten werden. Der Verschlussstopfen ist mit der Innenseite nach unten zu halten und darf nicht ber\u00fchrt werden oder die Zitzenkuppe ber\u00fchren, um Kontaminationen zu vermeiden. Als Probengef\u00e4\u00dfe sind sterile, sicher und dicht verschlie\u00dfbare R\u00f6hrchen (ggf. mit Bors\u00e4urezusatz zur Konservierung) geeignet, die eindeutig mit Kuh-ID und jeweiligem Euterviertel gekennzeichnet werden. Der Versand der Proben ins Labor sollte m\u00f6glichst innerhalb von 24 Stunden erfolgen. Bis zum Versand sollten die Proben gek\u00fchlt gelagert werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Proben im Labor<\/strong><\/p>\n<p>Nach Eingang der Proben im Labor umfasst die Milchuntersuchung sowohl eine bakteriologische als auch eine mykologische Untersuchung auf euterpathogene Erreger.<\/p>\n<p>Die Milch wird zun\u00e4chst auf Blutagarplatten ausgestrichen und in Reinkultur angelegt. Wenn keine eindeutige morphologische Zuordnung der gez\u00fcchteten Kolonien m\u00f6glich ist, werden die Erreger mittels MALDI-TOF (Matrix-assisted laser desorption ionisation time-of-flight-Massenspektrometrie) genau identifiziert.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich gibt es die M\u00f6glichkeit, die Tankmilch mittels PCR auf 16 verschiedene Mastitis-Erreger zu testen, um einen \u00dcberblick zu erhalten, welche Mastitiskeime auf dem Betrieb eine Rolle spielen.<\/p>\n<p>Mykoplasmen werden in den meisten Laboren nicht kulturell angez\u00fcchtet, sondern mittels PCR nachgewiesen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Antibiogramm<\/strong><\/p>\n<p>Antibiogramme k\u00f6nnen mithilfe des Bouillon-Mikrodilutionsverfahrens angesetzt werden. Dabei wird das bakterielle Isolat mit unterschiedlichen Konzentrationen eines Antibiotikums inkubiert. Nach der Inkubationszeit wird ermittelt, bei welcher Antibiotikakonzentration das bakterielle Wachstum gehemmt wird. Diese Konzentration wird als minimale Hemmkonzentration (MHK) bezeichnet. Die MHK stellt jedoch zun\u00e4chst nur einen in-vitro-Wert dar.<\/p>\n<p>Um daraus eine klinisch relevante Aussage abzuleiten, wird sie anhand sogenannter klinischer Grenzwerte in die Kategorien S (sensibel), I (intermedi\u00e4r) oder R (resistent) eingeteilt.<\/p>\n<p>Diese klinischen Grenzwerte ber\u00fccksichtigen verschiedene Faktoren, wie die Pharmakokinetik (Wirkstoffkonzentration im Tier), die Pharmakodynamik (Zusammenhang zwischen Wirkstoffkonzentration und Wirkung auf den Erreger) sowie den Behandlungserfolg in klinischen Studien.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Tabelle<\/strong> <strong>1: <\/strong>Mastitis-Leitkeime<\/p>\n<table>\n<tbody valign=\"top\">\n<tr bgcolor=\"e51e1e\">\n<td width=\"119\"><span style=\"color: #ffffff;\"><strong>Erreger<\/strong><\/span><\/td>\n<td width=\"&quot;116\"><span style=\"color: #ffffff;\"><strong>Problemfelder<\/strong><\/span><\/td>\n<td width=\"100\"><span style=\"color: #ffffff;\"><strong>Bemerkung<\/strong><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr bgcolor=\"e7e7e7\">\n<td colspan=\"3\"><strong><u>Staphylokokken<\/u><\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"119\"><strong><em>Staph. <\/em><\/strong><strong><em>aureus<\/em><\/strong><\/td>\n<td width=\"116\">kuhassoziiert, Melken<\/td>\n<td width=\"100\">Spezialn\u00e4hrb\u00f6den<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"119\"><strong>koagulase-negative Staph. (KNS)<\/strong><\/td>\n<td>umweltassoziiert<\/td>\n<td width=\"100\">Zitzenhaut<\/td>\n<\/tr>\n<tr bgcolor=\"e7e7e7\">\n<td colspan=\"3\" width=\"335\"><strong><u>Streptokokken<\/u><\/strong> <strong><em><u>(Sc.)<\/u><\/em><\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"119\"><strong><em>Sc. uberis<\/em><\/strong><\/td>\n<td width=\"116\">umweltassoziiert\/kuhassoziiert<\/td>\n<td width=\"100\">Laufg\u00e4nge, Einstreu, Zitzenhaut<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"119\"><strong><em>Sc.<\/em><\/strong> <strong><em>agalactiae<\/em><\/strong> <strong><em>(ScB),<\/em><\/strong> <strong>\u201eGelber<\/strong> <strong>Galt\u201c<\/strong><\/td>\n<td width=\"116\">kuhassoziiert<\/td>\n<td width=\"100\">hochkontagi\u00f6s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"119\"><strong><em>Sc. dysgalactiae<\/em><\/strong> <strong>(ScC)<\/strong><\/td>\n<td width=\"116\">umweltassoziiert\/ kuhassoziiert<\/td>\n<td width=\"100\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr bgcolor=\"e7e7e7\">\n<td colspan=\"3\" width=\"335\"><strong><u>coliforme<\/u><\/strong> <strong><u>Erreger<\/u><\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"119\"><strong><em>E. coli<\/em><\/strong><\/td>\n<td width=\"116\">umweltassoziiert<\/td>\n<td width=\"100\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"119\"><strong><em>Klebsiella<\/em><\/strong> <strong><em>spp.<\/em><\/strong><\/td>\n<td width=\"116\">umweltassoziiert<\/td>\n<td width=\"100\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"119\"><strong><em>Enterococcus<\/em><\/strong> <strong><em>spp.<\/em><\/strong><\/td>\n<td width=\"116\">umweltassoziiert<\/td>\n<td width=\"100\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"119\"><strong>andere<\/strong> <strong>coliforme Erreger<\/strong><\/td>\n<td width=\"116\">umweltassoziiert<\/td>\n<td width=\"100\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr bgcolor=\"e7e7e7\">\n<td colspan=\"3\" width=\"335\"><strong><u>Sonstige<\/u><\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"119\"><strong><em>Trueperella <\/em><\/strong><strong><em>pyogenes<\/em><\/strong><\/td>\n<td width=\"116\">umweltassoziiert<\/td>\n<td width=\"100\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"119\"><strong><em>Corynebacterium <\/em><\/strong><strong><em>bovis<\/em><\/strong><\/td>\n<td width=\"116\">kuhassoziiert<\/td>\n<td width=\"100\">Zitzenhaut, Hautflora<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"119\"><strong><em>Bacillus<\/em><\/strong><strong><em> cereus<\/em><\/strong><\/td>\n<td width=\"116\">umweltassoziiert<\/td>\n<td width=\"100\">Toxinbildner<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"119\"><strong>Hefen<\/strong><\/td>\n<td width=\"116\">umweltassoziiert<\/td>\n<td width=\"100\">Im Endgemelk nachweisbar<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"119\"><strong><em>Mycoplasma bovis\/ <\/em><\/strong><strong><em>spp.<\/em><\/strong><\/td>\n<td width=\"116\">kuhassoziiert<\/td>\n<td width=\"100\">PCR-Nachweis!<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"119\"><strong><em>Serratia<\/em><\/strong><strong><em> spp.<\/em><\/strong><\/td>\n<td width=\"116\">umweltassoziiert<\/td>\n<td width=\"100\">Dippmittel!<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"119\"><strong>Pseudomonas<\/strong><strong> spp.<\/strong><\/td>\n<td width=\"116\">Umwelt: Feuchtigkeit<\/td>\n<td width=\"100\">Melkreinigung, Dippmittel<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"119\"><strong>Prototheca<\/strong> <strong>spp.<\/strong><\/td>\n<td width=\"116\">Umwelt: Feuchtigkeit, Algen<\/td>\n<td width=\"100\">Melkreinigung<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Hygiene- und Managementdiagnostik<\/h2>\n<p><strong>\u00dcberpr\u00fcfung der Melkhygiene<\/strong><\/p>\n<p>Um Infektionsketten zu unterbrechen, muss die Diagnostik \u00fcber das Euter hinausgehen:<br \/>\nSogenannte kuhassoziierte Keime werden w\u00e4hrend des Melkvorganges von Kuh zu Kuh \u00fcbertragen. Das typische Beispiel hierf\u00fcr ist <em>Staph. aureus<\/em>, aber auch andere Erreger k\u00f6nnen bei ungen\u00fcgender Zwischendesinfektion \u00fcber die Melkbecher oder Melkerh\u00e4nde verschleppt werden (z. B. <em>Sc. uberis<\/em>). Gerade bei automatischen Melksystemen kann eine bestimmte Melkreihenfolge zur Verhinderung der Keimverschleppung nicht gew\u00e4hrleistet werden, weshalb eine ad\u00e4quate Zwischendesinfektion von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung ist. Hierf\u00fcr muss regelm\u00e4\u00dfig \u00fcberpr\u00fcft werden, ob die Menge und Temperatur des Zwischendesinfektionsmittels noch korrekt eingestellt ist.<\/p>\n<p>Um die Wirksamkeit der Zwischendesinfektion zu kontrollieren, werden routinem\u00e4\u00dfig vor allem die Melkbecher mittels Tupferprobe untersucht. Diese Proben werden vor und nach der Desinfektion genommen. Wichtig ist auch hierbei, auf eine saubere Probenentnahme zu achten, um m\u00f6gliche Kontaminationen durch die Au\u00dfenseite der Melkbecher zu verhindern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Anleitung zur Tupferprobenentnahme<\/h2>\n<p><strong>Melkbecher<\/strong><\/p>\n<p>Es wird jeweils eine Probe vom Schaft des Zitzengummis direkt nach dem Melken sowie eine weitere Probe nach erfolgter Zwischendesinfektion entnommen.<br \/>\nBei Durchf\u00fchrung einer nasschemischen Zwischendesinfektion ist zwischen Desinfektionsvorgang und Probenentnahme eine Einwirkzeit von mindestens 30 Sekunden einzuhalten, um eine ausreichende Wirkung des Desinfektionsmittels sicherzustellen.<br \/>\nZur Vermeidung verf\u00e4lschter Untersuchungsergebnisse durch m\u00f6gliche Desinfektionsmittelr\u00fcckst\u00e4nde sollte der Tupfer f\u00fcr die zweite Probenentnahme nach dem Nass-Trocken-Tupfer-Verfahren (nach DIN 10113-1) genommen werden: Ein normaler trockener Tupfer ohne Medium wird mittels NaCl angefeuchtet und nach der Beprobung in einem Neutralisationsmedium gelagert, um m\u00f6gliche Desinfektionsmittelr\u00fcckst\u00e4nde zu inaktivieren.<br \/>\nWird die Zwischendesinfektion thermisch durchgef\u00fchrt, ist vor der Probenentnahme eine ausreichende Abk\u00fchlung der Zitzengummis abzuwarten.<\/p>\n<p>Nach sachgerecht durchgef\u00fchrter Melkzeug-Zwischendesinfektion sollten kuhassoziierte Mastitiserreger, wie beispielsweise <em>Staphylococcus aureus <\/em>oder <em>Streptococcus agalactiae<\/em>, auf der Oberfl\u00e4che der Zitzengummis nicht mehr nachweisbar sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Reinigungsb\u00fcrsten<\/strong><\/p>\n<p>Die Probenentnahme sollte erst nach Abschluss des Melkvorgangs sowie nach ausreichender Trocknung der B\u00fcrste \u00fcber den Feuchtigkeitsabstreifern erfolgen.<br \/>\nDabei wird der B\u00fcrstenarm zur Seite gezogen, um einen besseren Zugang zu gew\u00e4hrleisten. Anschlie\u00dfend wird mit einem Tupfer einmal entlang der B\u00fcrstenbasis gestrichen. Zus\u00e4tzlich sollte bei jeder B\u00fcrste an mehreren Stellen von der Basis ausgehend in Richtung der Borstenspitzen \u00fcber die Borsten gestrichen werden, um eine repr\u00e4sentative Probenentnahme zu gew\u00e4hrleisten.<br \/>\nEin positiver Befund nach der Desinfektion ist ein Alarmsignal f\u00fcr unzureichende Wirksamkeit des Desinfektionsmittels.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sp\u00fclwasserproben<\/strong><\/p>\n<p>Die Untersuchung des Sp\u00fclwassers gibt Aufschluss \u00fcber die Reinigungs- und Desinfektionseffizienz der gesamten Melkanlage. Deshalb sollte das Sp\u00fclwasser auf seine Qualit\u00e4t hin \u00fcberpr\u00fcft werden. Gerade wenn der Betrieb Brunnenwasser verwendet, sollte dieses regelm\u00e4\u00dfig auf die Eignung als Reinigungswasser kontrolliert werden.<br \/>\nIm Rahmen des neuen Wasserprofils \u201eTr\u00e4nkwasser-Profil Wasseruntersuchung QM-Milch\u201c werden die mikrobiologischen Parameter <em>Escherichia <\/em>coli, coliforme Bakterien, Enterokokken und die Gesamtkeimzahl bei 20 \u00b0C und 36 \u00b0C sowie die chemisch-physikalischen Parameter pH-Wert, l\u00f6sliche Salze gesamt, elektrische Leitf\u00e4higkeit, chemischer Sauerstoffbedarf (CSB), Ammonium, Nitrit, Nitrat, Phosphat, Sulfat, Chlorid, Eisen und sensorische Eigenschaften wie Geruch untersucht.<\/p>\n<p>Vor der mikrobiologischen Probenahme sind Auslauf\u00f6ffnung und gegebenenfalls Auffangbecken zu sterilisieren. Das Wasser sollte etwa drei Minuten ablaufen und die Probe unter strikt sterilen Bedingungen sowie sachgerechter Handhabung des Probengef\u00e4\u00dfes entnommen werden, um Kontaminationen zu vermeiden. Das sterile Gef\u00e4\u00df ist zu etwa f\u00fcnf Sechsteln zu f\u00fcllen, umgehend dicht zu verschlie\u00dfen und die Probe schnellstm\u00f6glich ins Labor zu versenden.<\/p>\n<p>Mikrobiologische Befunde mit erh\u00f6hten Gesamtkeimzahlen (GKZ bei 20 \u00b0C und 36 \u00b0C) sowie der Nachweis von <em>Escherichia <\/em>coli, coliformen Keimen oder Enterokokken sind als relevante Indikatoren f\u00fcr hygienische Defizite und potenzielle f\u00e4kale Eintr\u00e4ge zu bewerten.<\/p>\n<p>Die Summe der l\u00f6slichen Salze spiegelt die Gesamtkonzentration l\u00f6slicher Ionen (Mg, Ca, NaHCO<sub>3<\/sub>, Cl, S) wider und dient als Bewertungsparameter der Wasserqualit\u00e4t. Die elektrische Leitf\u00e4higkeit korreliert ma\u00dfgeblich mit der Elektrolytkonzentration.<\/p>\n<p>Eine erh\u00f6hte Leitf\u00e4higkeit weist h\u00e4ufig auf Eintr\u00e4ge von Natrium, Kalium oder Chlorid hin. Auch dies kann ein Hinweis f\u00fcr eine f\u00e4kale Kontamination bedeuten.<\/p>\n<p>Nitrit- und Nitratgehalte sind insbesondere in landwirtschaftlich intensiv genutzten Regionen von Bedeutung, da Stickstoffverbindungen h\u00e4ufig in Form von Nitrat ins Grundwasser eingetragen werden.<\/p>\n<p>Ein erh\u00f6hter chemischer Sauerstoffbedarf (CSB) signalisiert eine Belastung des Wassers mit organischen Verbindungen und kann auf sekund\u00e4re Verunreinigungen durch Huminstoffe, Abw\u00e4sser oder Futterreste hindeuten.<\/p>\n<p>Erh\u00f6hte Eisenkonzentrationen im Wasser k\u00f6nnen Ausf\u00e4llungen und Funktionsst\u00f6rungen verursachen und durch Komplexbildung die Wirksamkeit von Arzneimitteln reduzieren. Weitere Parameter wie der pH-Wert, Ammonium, Phosphat oder Chlorid liefern zus\u00e4tzliche Hinweise auf die chemische Zusammensetzung und potenzielle Belastungen des Sp\u00fclwassers. Auch sensorische Eigenschaften wie der Geruch spielen eine Rolle.<\/p>\n<p>Zusammenfassend liefert dieses Profil eine umfassende \u00dcbersicht der mikrobiologischen und chemischen Wasserqualit\u00e4t in der Melkanlage.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem sind Rohrleitungen als Kontaminationsquelle in der Beprobung mit zu ber\u00fccksichtigen, wenn sich in Betrieben die Nachweise von <em>Pseudomonas spp. <\/em>und\/oder <em>Serratia spp. <\/em>h\u00e4ufen. Biofilme in den Leitungen k\u00f6nnen die Situation versch\u00e4rfen, da dadurch Keime nicht kontinuierlich, sondern schubweise ausgeschwemmt werden, was intermittierend zu massiven Sch\u00fcben an Infektionen f\u00fchren kann. Daher kann eine wiederholte \u00dcberpr\u00fcfung an verschiedenen Stellen der Melkanlage sinnvoll sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Dippmittel als Kontaminationsrisiko<\/h2>\n<p>Es gibt zunehmend Probleme durch resistente Keime in der Zitzendesinfektion auf Milchs\u00e4urebasis. Gerade Serratia spp. scheinen Erreger zu sein, welche sich resistent gegen\u00fcber Desinfektionsmitteln in Dippmitteln f\u00fcr das Pr\u00e4- und Postdipping zeigen. Laboklin bietet hierf\u00fcr die M\u00f6glichkeit, Desinfektionsmittel auf Keimfreiheit zu testen (Desinfektionsmittelkontrolle, Hygieneantrag).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Die Besonderheiten im automatischen Melksystem (AMS)<\/h2>\n<p>Die \u00dcbertragung von kuhassoziierten Keimen im klassischen Melkstand kann oft auf Nachl\u00e4ssigkeiten in der allgemeinen Hygiene und bei der Reinigung der Zitzen zur\u00fcckgef\u00fchrt werden. Bei automatischen Melksystemen steht jedoch die Technik im Vordergrund. F\u00fcr die bestandsbetreuenden Tier\u00e4rzte liegt die Herausforderung darin, diese Systeme mit zu beurteilen, wof\u00fcr Kenntnisse \u00fcber deren Funktionsweise Voraussetzung sind. Die umfangreichen Tierdaten, die vom Melkroboter oder aus anderen Smart Farming Technologien zur Verf\u00fcgung gestellt werden, k\u00f6nnen gute Dienste in der Fr\u00fcherkennung liefern. Manchmal sind es aber auch hier die klassischen bakteriologischen Tupferproben, die entscheidenden Erkenntnisse liefern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Stallhygiene, Liegeboxenhygiene<\/h2>\n<p>\u201eWie man die Kuh bettet, so liegt sie\u201c. Im Bereich der Eutergesundheit kommt der Liegefl\u00e4che eine entscheidende Bedeutung zu: Sauber und trocken soll sie sein. Verunreinigte Liegefl\u00e4chen und Laufwege sowie ungeeignete Einstreu k\u00f6nnen Infektionen, beispielsweise mit <em>Sc. uberis<\/em>, <em>E. coli <\/em>und Klebsiellen beg\u00fcnstigen. Diese sogenannten \u201eUmwelterreger\u201c infizieren die Euter zwischen den Melkzeiten. Vermehrte klinische Mastitiden mit solchen Keimnachweisen k\u00f6nnen allerdings nicht nur ein Hinweis auf mangelnde Liegeboxen- und Stallhygiene sein, sondern auch auf Immunit\u00e4tsschw\u00e4chen, Stoffwechselschwankungen, inkonstante F\u00fctterung oder Hitzestress. Hierf\u00fcr empfiehlt es sich gegebenenfalls, weitere Untersuchungen durchzuf\u00fchren (u. a. Blutuntersuchungen, Futter- und Tr\u00e4nkewasserkontrollen, Klimachecks).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Fazit f\u00fcr die Praxis<\/h2>\n<p>Eutergesundheit ist ein komplexes Thema innerhalb des Bestandsmanagements einer Milchkuhherde.<\/p>\n<p>Neben der Diagnostik rund um das Euter und den besprochenen Umweltfaktoren d\u00fcrfen auch das Immunsystem und der Stoffwechsel f\u00fcr einen guten Start in eine gesunde Laktation nicht vernachl\u00e4ssigt werden.<\/p>\n<p>Eine nachhaltige Verbesserung der Eutergesundheit gelingt besonders effektiv durch das Zusammenspiel gezielter Labordiagnostik, konsequenter Hygienema\u00dfnahmen und einer ganzheitlichen Betrachtung der Milchkuh und des gesamten Bestandes.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Swanhild Wagenfeld, Doris Bismarck, Hannah Lang<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p><strong>Unsere<\/strong> <strong>wichtigsten<\/strong> <strong>Leistungen<\/strong> <strong>zum<\/strong> <strong>Thema<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"color: #000000;\">Bakteriologie aerob\/anaerob Antibiogramm<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #000000;\">Milch (Rd) \u2013 Bakteriologie inkl. Antibiogramm, Mykologie, Milch 1\/4 oder 4\/4<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #000000;\">Problem-Mastitis (PCR) \u2013 PCR-Nachweis von 16 Mastitiserregern (inkl. Mykoplasmen, Hefen) und \u03b2-Laktamase-Gen (kein Antibiogramm)<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #000000;\">Tr\u00e4nkwasser-Profil Wasseruntersuchung QM-Milch (Probe steril entnehmen) \u2013 E. coli, coliforme Keime, Enterokokken, GKZ 20 \u00b0C und 36 \u00b0C, pH-Wert, l\u00f6sl. Salze gesamt, Leitf\u00e4higkeit, CSB, Ammonium, Nitrit, Nitrat, Phosphat, Sulfat, Chlorid, Eisen, Geruch<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #000000;\">Desinfektionsmittelkontrolle<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<\/blockquote>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;vc_default&#8220; gap=&#8220;10&#8243; equal_height=&#8220;yes&#8220; css=&#8220;.vc_custom_1713769814380{margin-top: 30px !important;}&#8220;][vc_column][vc_column_text css=&#8220;&#8220;]<\/p>\n<h5><strong>Weiterf\u00fchrende<\/strong> <strong>Literatur<\/strong> <strong>finden<\/strong> <strong>Sie<\/strong> <strong>hier:<\/strong><\/h5>\n<h6><strong><span style=\"color: #808080;\"><a style=\"color: #808080;\" href=\"https:\/\/short.laboklin.com\/lit_lant0626_de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/short.laboklin.com\/lit_lant0626_de<\/a><\/span><\/strong><\/h6>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;vc_default&#8220; gap=&#8220;10&#8243; equal_height=&#8220;yes&#8220; 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