{"id":1576720,"date":"2025-11-28T11:41:09","date_gmt":"2025-11-28T10:41:09","guid":{"rendered":"https:\/\/laboklin.de\/die-allergen-spezifische-immuntherapie-asit-bei-pferden\/"},"modified":"2026-01-02T15:04:52","modified_gmt":"2026-01-02T14:04:52","slug":"die-allergen-spezifische-immuntherapie-asit-bei-pferden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/die-allergen-spezifische-immuntherapie-asit-bei-pferden\/","title":{"rendered":"Die Allergen-spezifische Immuntherapie (ASIT) bei Pferden"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\"><p>[vc_row][vc_column width=&#8220;2\/3&#8243;][vc_column_text css=&#8220;&#8220;]Die <strong>Allergen-spezifische Immuntherapie (ASIT, Hyposensibilisierung) <\/strong>ist die einzige <strong>kausale Therapieform <\/strong>bei der Behandlung von allergischen Erkrankungen des Pferdes.<\/p>\n<p>Allergien beim Pferd k\u00f6nnen kutane <strong>Symptome<\/strong> wie Juckreiz und Urticaria (atopische Dermatitis und Sommerekzem), oder respiratorische Symptome (equines Asthma) verursachen, des Weiteren kann auch Headshaking mit Allergien assoziiert sein. Die h\u00e4ufigsten urs\u00e4chlichen Allergene sind Umweltallergene (Pollen, Hausstaub-\/Vorratsmilben, Schimmelpilze) und Insekten.<\/p>\n<p>Allergien k\u00f6nnen nicht geheilt, sondern nur kontrolliert werden und erfordern ein lebenslanges Management. Die ASIT greift als einzige Therapieoption kausal in das Krankheitsgeschehen ein. Sie ist eine effektive und sichere Behandlungsform, erfolgreich therapierte Pferde haben deutlich reduzierte Symptome oder werden sogar komplett symptomfrei. Durch die Applikation eines Extraktes, das die ausl\u00f6senden Allergene enth\u00e4lt, wird die immunologische Reaktion auf Umweltallergene moduliert. Das konventionelle Protokoll der ASIT besteht aus subkutanen Injektionen des Extraktes, die in anfangs kurzen, dann verl\u00e4ngerten Intervallen mit steigender Dosierung und Konzentration je nach Protokoll \u00fcber einige Wochen bis Monate verabreicht werden (Erstbehandlung, Einleitungsphase). An die Erstbehandlung schlie\u00dfen Folgebehandlungen (Erhaltungsphase) an, bei denen eine konstante Menge des Extraktes in l\u00e4ngeren Intervallen (meist 1 ml alle 4 Wochen) appliziert wird. Laut der Guidelines vom International Committee on Allergic Diseases of Animals (ICADA) gilt die Empfehlung, eine ASIT f\u00fcr mindestens 12 Monate durchzuf\u00fchren, bevor der klinische Erfolg bewertet wird.<\/p>\n<p>Spricht ein Pferd erfolgreich auf die ASIT an, sollte diese langfristig bis lebenslang fortgef\u00fchrt werden.[\/vc_column_text][\/vc_column][vc_column width=&#8220;1\/3&#8243;][vc_column_text css=&#8220;&#8220;]<\/p>\n\n\t\t\t<style type='text\/css'>\n\t\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\t\twidth: 100%;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='dt-gallery-container gallery galleryid-1576720 gallery-columns-1 gallery-size-full'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t\t<a class=\"rollover rollover-zoom dt-pswp-item\" title=\"\" data-dt-img-description=\"LABOKLIN aktuell Derma | &lt;b&gt;Abb. 1:&lt;\/b&gt; Symptome der in die Studie inkludierten Pferde\n&lt;br&gt;&lt;i&gt;Bildquelle: Laboklin&lt;\/i&gt;\" data-large_image_width=\"959\" data-large_image_height=\"679\"href='https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/symptome_pferde.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"959\" height=\"679\" src=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/symptome_pferde.jpg\" class=\"attachment-full size-full\" alt=\"Symptome der in die Studie inkludierten Pferde\" aria-describedby=\"gallery-1-1576601\" srcset=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/symptome_pferde.jpg 959w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/symptome_pferde-300x212.jpg 300w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/symptome_pferde-768x544.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 959px) 100vw, 959px\" \/><\/a>\n\t\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1576601'>\n\t\t\t\t\t<b>Abb. 1:<\/b> Symptome der in die Studie inkludierten Pferde\n<br><i>Bildquelle: Laboklin<\/i>\n\t\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t\t<a class=\"rollover rollover-zoom dt-pswp-item\" title=\"\" data-dt-img-description=\"LABOKLIN aktuell Derma | &lt;b&gt;Abb. 2:&lt;\/b&gt; Gr\u00fcnde f\u00fcr den ASIT-Abbruch &lt;br&gt;&lt;i&gt;Bildquelle: Laboklin&lt;\/i&gt;\" data-large_image_width=\"1006\" data-large_image_height=\"712\"href='https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/gruende_asit-abbruch.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1006\" height=\"712\" src=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/gruende_asit-abbruch.jpg\" class=\"attachment-full size-full\" alt=\"Gr\u00fcnde f\u00fcr den ASIT-Abbruch\" aria-describedby=\"gallery-1-1576618\" srcset=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/gruende_asit-abbruch.jpg 1006w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/gruende_asit-abbruch-300x212.jpg 300w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/gruende_asit-abbruch-768x544.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1006px) 100vw, 1006px\" \/><\/a>\n\t\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1576618'>\n\t\t\t\t\t<b>Abb. 2:<\/b> Gr\u00fcnde f\u00fcr den ASIT-Abbruch <br><i>Bildquelle: Laboklin<\/i>\n\t\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t\t<\/div>\n\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;vc_default&#8220; css=&#8220;.vc_custom_1764847071300{padding-top: 10px !important;}&#8220;][vc_column css=&#8220;.vc_custom_1745496144176{margin-top: 20px !important;}&#8220;][vc_column_text css=&#8220;&#8220;]<\/p>\n<h2>Fragebogenstudie bei Laboklin<\/h2>\n<p>Das Ziel der Studie war, die Gr\u00fcnde f\u00fcr einen Abbruch der ASIT bei Pferden w\u00e4hrend\/nach der Einleitungsphase (Erstbehandlung, Starter-Set) herauszufinden. Die Einleitungsphase geht \u00fcber etwa 6 Monate, was deutlich k\u00fcrzer ist, als der empfohlene Zeitraum von 12 Monaten zur Beurteilung des Ansprechens auf die Therapie.<\/p>\n<p>Aus den Bestelllisten f\u00fcr ASIT-Behandlungen des Labors Laboklin der Jahre 2021\u20132023 wurden die Pferde ausgew\u00e4hlt, f\u00fcr welche nach dem Starter-Set keine weiteren ASIT-Behandlungen bestellt wurden. Von 4271 Erstbehandlungen wurden bei 1475 (34,5 %) keine Folgebehandlungen geordert.<\/p>\n<p>Um die Gr\u00fcnde des ASIT-Abbruchs zu erfahren, wurden die behandelnden Tier\u00e4rztinnen und Tier\u00e4rzte mittels schriftlicher Frageb\u00f6gen kontaktiert. Es konnten ein oder mehrere m\u00f6gliche Gr\u00fcnde von ihnen ausgew\u00e4hlt werden. Die gesammelten Daten wurden deskriptiv-statistisch ausgewertet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Gr\u00fcnde f\u00fcr den ASIT-Abbruch<\/h2>\n<p>Es wurden 171 R\u00fcckmeldungen mit 204 genannten Gr\u00fcnden, warum nach der Erstbehandlung keine Folgebehandlung bestellt wurde, ausgewertet. Nicht ber\u00fccksichtigt bei der Auswertung wurden die Patienten (n=15), f\u00fcr die keine weitere ASIT bestellt wurde, weil sie verstorben waren. Die in der Studie inkludierten Pferde zeigten folgende Symptome: Asthma (n=68, 39,8 %), Juckreiz (n=40, 23,4 %), Urticaria (n=3, 1,8 %), Headshaking (n=3, 1,8 %) oder eine Kombination dieser Symptome (n=31, 18,1 %).<br \/>\nBei 26 Pferden (15,2 %) wurde nicht angegeben, welche Symptome diese zeigten (Abb. 1).<\/p>\n<p>Die h\u00e4ufigsten Gr\u00fcnde f\u00fcr den Abbruch der ASIT (Abb. 2) waren Kontaktverlust zum Besitzer (n=55, 27 %), fehlende Besitzercompliance (n=40, 19,6 %), unzureichender (n=39, 19,1 %) oder guter Behandlungserfolg (n=27, 13,2 %). Diese vier Gr\u00fcnde waren die Ursache f\u00fcr \u00fcber 80 % der Behandlungsabbr\u00fcche. Weitere Gr\u00fcnde waren: Kosten oder der Verkauf des Pferdes (jeweils n=13, 6,4 %), Nebenwirkungen (n=4, 2 %) und Unwissenheit bez\u00fcglich der Weiterf\u00fchrung der ASIT (n=4, 0,5 %). Au\u00dferdem wurde die ASIT wegen Besserung der Symptome aufgrund eines Stallwechsels bzw. einer Haltungsoptimierung (n=7, 3,4 %) oder aufgrund einer Futterumstellung (n=1, 0,5 %) beendet. Die Erstbehandlung war bei drei Pferden (1,5 %) aufgrund einer Protokollanpassung noch nicht beendet, bei einem Pferd (0,5 %) wurde die ASIT weitergef\u00fchrt, aber der ASIT-Produzent gewechselt.<\/p>\n<p>Bei 116 Frageb\u00f6gen wurde angegeben, dass die ASIT nach dem Herstellerprotokoll verabreicht wurde, bei vier Pferden wurde das Protokoll individuell angepasst. Bei 93 Pferden wurde keine zus\u00e4tzliche symptomatische Therapie verabreicht, elf Pferde bekamen zus\u00e4tzlich zur ASIT Mukolytika, 15 haben mit Glukokortikoiden und Bronchodilatatoren inhaliert, sechs Patienten mit systemischen Glukokortikoiden behandelt. Bei acht Patienten wurde berichtet, dass sich die Symptome nach dem Absetzen der ASIT wieder verschlechterten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Wie k\u00f6nnen ASIT-Abbr\u00fcche reduziert und der Behandlungserfolg der ASIT optimiert werden?<\/h2>\n<p>Erstbehandlungen gehen \u00fcblicherweise \u00fcber einen Zeitraum von 6 Monaten, was deutlich k\u00fcrzer ist, als der empfohlene Zeitraum zur Evaluation des Therapieerfolgs von 12 Monaten. Bis sich der maximale Benefit der ASIT klinisch zeigt, kann es bis zu einem Jahr dauern. Bei \u00fcber einem Drittel der Erstbehandlungen wurde in dieser Laboklin-Studie keine Folgebehandlung bestellt und somit die ASIT verfr\u00fcht nach der Erstbehandlung abgebrochen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kontaktverlust zu den Besitzern und fehlende Besitzercompliance<br \/>\n<\/strong>Die h\u00e4ufigsten Gr\u00fcnde f\u00fcr den ASIT-Abbruch waren der Kontaktverlust zwischen Tierarzt und Besitzer (27 %) und fehlende Besitzercompliance (19,6 %). Sie ergaben zusammengenommen fast 50 % der Abbruchsursachen. In einer Laboklin-Studie \u00fcber den ASIT-Abbruch bei Hunden waren dies ebenso die am h\u00e4ufigsten genannten Gr\u00fcnde. Besitzercompliance (Kooperation des Besitzers bei der Umsetzung der empfohlenen Therapiema\u00dfnahmen) ist ein entscheidender Faktor f\u00fcr den Therapieerfolg. Besitzer sollten detailliert \u00fcber das Therapieprotokoll, Therapiel\u00e4nge, den verz\u00f6gerten Wirkungseintritt der ASIT und die zu erwartenden Kosten aufgekl\u00e4rt werden, um dadurch auch die Erwartungshaltung der Besitzer optimieren zu k\u00f6nnen. Eine kontinuierliche Kommunikation ist der Schl\u00fcsselfaktor f\u00fcr eine gute Besitzercompliance, das gilt im Besonderen f\u00fcr das erste Therapiejahr.<\/p>\n<p>Regelm\u00e4\u00dfige Kontrollen oder telefonischer Kontakt mit den Besitzern k\u00f6nnen nicht nur die Kommunikation sicherstellen, sondern gew\u00e4hrleisten auch das kontinuierliche Monitoring der Patienten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Erfolg geringer als erwartet<br \/>\n<\/strong>Der dritth\u00e4ufigste Grund f\u00fcr den Abbruch der ASIT war ein unzureichender Therapieerfolg (19,1 %). Dies wurde auch mehrmals in Kombination mit schlechter Besitzercompliance genannt. Aufgrund des verz\u00f6gerten Wirkungseintrittes der ASIT sollte der Therapieerfolg nach fr\u00fchestens einem Jahr beurteilt werden. Der Abbruch der ASIT wegen fehlendem Therapieerfolg nach der Erstbehandlung ist ein Aufkl\u00e4rungsproblem, denn diese Pferde wurden zu fr\u00fch als Non-Responder deklariert. Der verz\u00f6gerte Wirkungseintritt der ASIT sollte vom Tierarzt detailliert kommuniziert werden, um die Erwartungshaltung der Besitzer zu optimieren und den verfr\u00fchten Abbruch der ASIT innerhalb des ersten Therapiejahres verhindern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In der aktuellen Studie wurde bei 93 Patienten angegeben, dass sie keine zus\u00e4tzliche Therapie erhielten, nur bei 15 Pferden wurde w\u00e4hrend der Einleitungsphase der ASIT gleichzeitig auch symptomatisch therapiert, um die allergischen Symptome zu lindern. Symptomatische Therapien wie Glukokortikoide, Antihistaminika oder Bronchodilatatoren und Mukolytika (bei equinem Asthma) sind h\u00e4ufig w\u00e4hrend der ersten Monate der ASIT n\u00f6tig, um die klinischen Symptome schnell zu reduzieren, bis die Wirkung der ASIT eintritt. Auch dies ist ein wichtiger Faktor, der die Besitzercompliance verbessert. Dauer und Dosierung der Medikamente sollten so gering wie m\u00f6glich gehalten werden. Die Symptome sollten reduziert, aber nicht ganz verschwunden sein, denn unterdr\u00fcckt man die Symptome komplett, kann man die Notwendigkeit einer Protokollanpassung nicht erkennen.<\/p>\n<p>Wichtig ist au\u00dferdem die korrekte Definition des Erfolges: Eine ASIT wird als erfolgreich bewertet, wenn die behandelten Pferde eine mehr als 50%ige Verbesserung der klinischen Symptomatik zeigen oder die zus\u00e4tzlich ben\u00f6tigten symptomatischen Medikamente um mehr als 50 % reduziert werden k\u00f6nnen. Bevor ein Pferd als Therapieversager klassifiziert wird, sollte genau evaluiert werden, ob tats\u00e4chlich keine Besserung zu beobachten ist (genaue Protokollierung der H\u00e4ufigkeit von Allergiesch\u00fcben, Dauer und Dosierung der zus\u00e4tzlich ben\u00f6tigten symptomatischen Therapie). Vier Befragte in dieser Studie gaben an, dass die ASIT wegen ungen\u00fcgender Wirkung abgebrochen wurde, es nach dem Abbruch dann aber zu einer weiteren Verschlechterung kam. In diesen F\u00e4llen ist davon auszugehen, dass die ASIT eine Verbesserung brachte, die aber nicht ausreichend protokolliert wurde, sodass diese Patienten f\u00e4lschlich als Non-Responder gewertet wurden.<\/p>\n<p>Die durchschnittliche Erfolgsrate einer ASIT bei Pferden war in einem Review (Herrmann et al. 2023) beim equinen Asthma 75 %, bei Urticaria 88 %, bei Pferden mit juckender Dermatitis 59 % und beim Sommerekzem (ASIT ausschlie\u00dflich mit Insektenallergenen) 36 %. \u00dcber die Erfolgsrate der ASIT bei allergisch bedingtem Headshaking ist wenig publiziert, eine Studie berichtete ein gutes bis sehr gutes Ansprechen bei f\u00fcnf von sechs der in der Studie inkludierten Pferde. Es ist nicht bekannt, warum Pferde, die nur mit Insektenallergenen hyposensibilisiert werden, schlechtere Erfolgsraten haben. Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung ist, dass es aufgrund des gleichzeitigen Auftretens der Allergene klinisch nicht m\u00f6glich ist eine Umweltallergie auf Pollen und das Sommerekzem (Insektenstich-Hypersensitivit\u00e4t) voneinander zu unterscheiden. Viele Pferde sind polysensibilisiert. Bei diesen Patienten m\u00fcssten demnach weitere Allergene neben den Insekten in der ASIT inkludiert werden. Eine weitere Theorie ist, dass Insektenallergene in der ASIT nicht so eine starke Immunantwort hervorrufen, verglichen mit anderen Allergenen. Dies k\u00f6nnte damit zusammenh\u00e4ngen, dass f\u00fcr die ASIT nur Ganzk\u00f6rper-Extrakte zur Verf\u00fcgung stehen, ASITs mit reinen Insekten-Speichelproteinen k\u00f6nnten wirksamer sein. Diese Hypothese unterst\u00fctzen Studien, die rekombinante Allergene f\u00fcr die ASIT verwendeten. Aktuell wurde eine Studie von Graner et al. 2024 ver\u00f6ffentlicht, in der Pferde mit einer ASIT bestehend aus rekombinanten <em>Culicoides<\/em>-Allergenen behandelt wurden. Das klinische Ansprechen war signifikant h\u00f6her als bei der Placebo-Kontrollgruppe. Fast 90 % der behandelten Pferde zeigten eine mindestens 50%ige Verbesserung der Symptomatik im zweiten Behandlungsjahr.<\/p>\n<p>Auch die Krankheitsdauer k\u00f6nnte einen Einfluss auf die Erfolgsrate der ASIT haben. Hunsinger 2003 berichtete, dass Pferde, die innerhalb von zwei Jahren nach dem Beginn der Allergiesymptome mit einer ASIT behandelt wurden, deutlich besser auf die Therapie ansprachen. Bei Pferden mit Sommerekzem war die Erfolgsrate der ASIT 75 %, wenn innerhalb der ersten zwei Jahre nach Krankheitsbeginn behandelt wurde. Diese sank erheblich, wenn l\u00e4nger mit dem Start der ASIT gewartet wurde.<\/p>\n<p>Eine weitere Ma\u00dfnahme, um den Behandlungserfolg zu optimieren, k\u00f6nnte die individuelle Protokollanpassung bez\u00fcglich der Injektionsmenge und\/oder der Behandlungsintervalle sein. Eine Protokollanpassung wurde in dieser Studie nur bei vier Pferden berichtet, bei allen anderen Patienten wurde nach Herstellerprotokoll injiziert. Um die Notwendigkeit einer Protokollanpassung zu erkennen ist ein kontinuierliches Patienten-Monitoring n\u00f6tig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Abbruch bei erfolgreichem Ansprechen<br \/>\n<\/strong>Der vierth\u00e4ufigste Grund (13,2 %) des ASIT-Stopps war, dass sich betreffende Pferde unter der ASIT gebessert haben und deswegen die ASIT unterbrochen wurde. Die meisten Patienten ben\u00f6tigen eine langfristige bis lebenslange Therapie, um die allergischen Symptome dauerhaft zu kontrollieren. Erfahrungsgem\u00e4\u00df verschlechtern sich die meisten Patienten nach dem Abbruch einer ASIT wieder. Dies wurde auch in dieser Studie bei zwei Patienten, bei denen die ASIT wegen deutlicher Besserung nicht weitergef\u00fchrt wurde, berichtet. Ein Neustart der ASIT kann dann aufwendig sein. H\u00e4ufig sind wiederholte Allergietests n\u00f6tig. Es muss wieder mit einer Erstbehandlung begonnen werden und manche Tiere sprechen nicht mehr so erfolgreich darauf an. Deswegen wird generell empfohlen, die ASIT bei Erfolg nicht zu unterbrechen und die Besitzer \u00fcber die Notwendigkeit einer Weiterbehandlung aufzukl\u00e4ren. Ist der Behandlungserfolg \u00fcber mehrere Jahre in der Erhaltungsphase stabil, k\u00f6nnen die Injektionsintervalle graduell auf bis zu 8 Wochen verl\u00e4ngert werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kosten<\/strong><br \/>\nKosten waren in dieser Studie bei 6,4 % die Ursache f\u00fcr den ASIT-Abbruch. F\u00fcr Besitzer erscheinen die Kosten einer ASIT im ersten Jahr inklusive der Kosten f\u00fcr den Allergietest und regelm\u00e4\u00dfige tier\u00e4rztliche Kontrollen hoch, allerdings ist die ASIT langfristig auch aus \u00f6konomischer Sicht wesentlich g\u00fcnstiger als eine rein symptomatische Therapie, die bei Pferden sehr teuer sein kann. Schlecht kontrollierte Allergiker ben\u00f6tigen langfristig h\u00e4ufigere tier\u00e4rztliche Kontrollen, h\u00f6here Mengen symptomatisch wirkender Therapeutika sowie diagnostische und therapeutische Ma\u00dfnahmen aufgrund von potentiellen Nebenwirkungen dieser Medikamente. Auch diese Information kann dabei helfen, Besitzer zu motivieren, die ASIT \u00fcber das gesamte erste Behandlungsjahr bzw. in der Erhaltungsphase auch bei moderatem Therapieerfolg weiterzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nebenwirkungen<br \/>\n<\/strong>Generell kann die ASIT beim Pferd als sehr sicher eingestuft werden. Bei vier Pferden (2 %) wurde die ASIT in der aktuellen Studie wegen Nebenwirkungen gestoppt. Bei allen hatte sich die Allergie-Symptomatik nach den Injektionen verschlechtert, ein Pferd reagierte zus\u00e4tzlich mit Durchfall und eines mit Kreislaufproblemen. Eine Verschlechterung der Allergie-Symptome direkt nach den Injektionen ist eine der h\u00e4ufigsten Nebenwirkungen. Dies entsprach auch den Ergebnissen der vorliegenden Studie. Tritt diese Nebenwirkung auf, sollte die Menge des Allergenextraktes reduziert und das Einleitungsprotokoll individuell angepasst werden. Auch hinsichtlich der Nebenwirkungen kann nochmal die Wichtigkeit der kontinuierlichen Kommunikation zwischen Tier\u00e4rzten und Besitzern betont werden. Die Besitzer sollten die Reaktion der Pferde auf die Injektionen genau beobachten und sofort R\u00fcckmeldung an den behandelnden Tierarzt geben, um das ASIT-Protokoll bei Nebenwirkungen anpassen zu k\u00f6nnen. Das Laboklin-Team steht Ihnen bei Fragen zur Protokollanpassung gerne zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Anaphylaktische Reaktionen (Urticaria, Angio\u00f6dem, Atemnot, Kreislaufkollaps) kommen sehr selten vor. Ein Patient in der aktuellen Studie zeigte Kreislaufprobleme, weswegen die ASIT abgebrochen wurde. Die h\u00e4ufigste Nebenwirkung der ASIT beim Pferd in der Einleitungsphase ist eine selbstlimitierende lokale Reaktion an der Injektionsstelle. Diese Nebenwirkung wurde aber nicht als Abbruchsgrund genannt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Zusammenfassend ist die ASIT ein wichtiger Bestandteil des multimodalen Therapiemanagements von allergischen Pferden und eine lebenslange Therapieform, die eine gute Zusammenarbeit von Besitzern und Tier\u00e4rzten ben\u00f6tigt. Das erste Therapiejahr erfordert ein engmaschiges Monitoring der Patienten und ist die entscheidende Zeitspanne f\u00fcr den Therapieerfolg. Die h\u00e4ufigsten Gr\u00fcnde f\u00fcr einen ASIT-Abbruch sind auf Kontaktverlust zu den Besitzern, mangelnde Besitzercompliance und zu hohe Erwartungshaltung bez\u00fcglich eines schnellen Behandlungserfolges zur\u00fcckzuf\u00fchren. Eine bessere Aufkl\u00e4rung und Kommunikation, regelm\u00e4\u00dfige Kontrollen und die genaue Befolgung der ASIT-Guidelines k\u00f6nnen die Anzahl der Pferde, die erfolgreich auf die ASIT ansprechen und davon profitieren, erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Dr. Elisabeth Reinbacher<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p><strong>Unsere<\/strong> <strong>Leistungen<\/strong> <strong>rund<\/strong> <strong>um<\/strong> <strong>Allergien<\/strong> <strong>beim<\/strong> <strong>Pferd<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"color: #000000;\">Vortest<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #000000;\">Haupttests zur Ausdifferenzierung der Allergene (saisonale Allergene, ganzj\u00e4hrige Allergene, Insekten, Federn\/Haare\/Schuppen, Futtermittel)<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #000000;\">Screenings (Allergie Profil Haut, Allergie Profil respiratorisch)<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #000000;\">PAX complete (Umweltallergene und\/oder Futtermittel)<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #000000;\">Allergen-spezifische Immuntherapie (ASIT)<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<\/blockquote>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;vc_default&#8220; gap=&#8220;10&#8243; css=&#8220;.vc_custom_1736345705990{margin-top: 30px !important;margin-bottom: 30px !important;}&#8220;][vc_column css=&#8220;.vc_custom_1736345686133{margin-bottom: 20px !important;}&#8220;][vc_column_text css=&#8220;&#8220;]<\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><strong>Weiterf\u00fchrende Literatur<\/strong><\/span><\/h5>\n<h6><span style=\"color: #808080;\"><strong>Graner A, Mueller RS, Geisler J, Bogenst\u00e4tter D, White SJ, Jonsdottir S, Marti E. Allergen immunotherapy using recombinant Culicoides allergens improves clinical signs of equine insect bite hypersensitivity. Front Allergy. 2024 Sep 30;5:1467245.<\/strong><\/span><\/h6>\n<h6><span style=\"color: #808080;\"><strong>Herrmann I, Sanchez AJ. Efficacy and Safety of Subcutaneous Allergen-Specific Immuno-Therapy in Horses with Allergic Cutaneous and Respiratory Diseases-A Systematic Review. Vet Sci. 2023 Oct 10;10(10):613<\/strong><\/span><\/h6>\n<h6><span style=\"color: #808080;\"><strong>Hunsinger B. Diagnostik und Spezifische Immuntherapie allergisch bedingter Erkrankungen. pferde spiegel 2003; 6(4): 10-14.<\/strong><\/span><\/h6>\n<h6><span style=\"color: #808080;\"><strong>Marsella R, White S, Fadok VA, Wilson D, Mueller R, Outerbridge C, Rosenkrantz W. Equine allergic skin diseases: Clinical consensus guidelines of the World Association for Veterinary Dermatology. Vet Dermatol. 2023 Jun;34(3): 175-208.<\/strong><\/span><\/h6>\n<h6><span style=\"color: #808080;\"><strong>Reinbacher E, Wagner R, Mueller E. Die Allergen-spezifische Immuntherapie (ASIT) bei Hunden mit atopischer Dermatitis \u2013 Was sind die Gr\u00fcnde f\u00fcr einen Behandlungsabbruch und wie kann der Behandlungserfolg optimiert werden? Kleintierpraxis 2025 May;70:236\u2013246.<\/strong><\/span><\/h6>\n<h6><span style=\"color: #808080;\"><strong>Stepnik CT, Outerbridge CA, White SD, Kass PH. Equine atopic skin disease and response to allergen-specific immunotherapy: a retrospective study at the University of California-Davis (1991-2008). Vet Dermatol. 2012 Feb;23(1):29-35, e7.<\/strong><\/span><\/h6>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;vc_default&#8220; gap=&#8220;10&#8243; css=&#8220;.vc_custom_1736345705990{margin-top: 30px !important;margin-bottom: 30px !important;}&#8220;][vc_column css=&#8220;.vc_custom_1736345686133{margin-bottom: 20px !important;}&#8220;][vc_row_inner equal_height=&#8220;yes&#8220; content_placement=&#8220;middle&#8220; gap=&#8220;10&#8243;][vc_column_inner width=&#8220;1\/6&#8243; css=&#8220;.vc_custom_1731401040417{background-color: #e7e7e7 !important;}&#8220;][vc_icon icon_fontawesome=&#8220;fa fa-solid fa-file-pdf&#8220; color=&#8220;custom&#8220; size=&#8220;xl&#8220; align=&#8220;center&#8220; css=&#8220;.vc_custom_1767362675711{margin-top: 10px !important;margin-bottom: 10px !important;padding-top: 20px !important;padding-bottom: 20px !important;}&#8220; custom_color=&#8220;#e51e1e&#8220; link=&#8220;url:https%3A%2F%2Flaboklin.de%2Fwp-content%2Fuploads%2F2026%2F01%2Fneu_november_derma_2025_de.pdf|target:_blank&#8220;][\/vc_column_inner][vc_column_inner width=&#8220;5\/6&#8243; css=&#8220;.vc_custom_1731401048958{background-color: #e7e7e7 !important;}&#8220;][vc_column_text css=&#8220;.vc_custom_1767362687639{margin-top: 10px !important;margin-bottom: 10px !important;padding-top: 20px !important;padding-bottom: 20px !important;}&#8220;]<a href=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/neu_november_derma_2025_de.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Die Allergen-spezifische Immuntherapie (ASIT) bei Pferden \u2012 was sind die Gr\u00fcnde f\u00fcr einen Behandlungsabbruch w\u00e4hrend\/nach der Erstbehandlung und wie kann der Behandlungserfolg optimiert werden?<\/strong><\/a>[\/vc_column_text][\/vc_column_inner][\/vc_row_inner][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ASIT Pferd: Gr\u00fcnde f\u00fcr Behandlungsabbr\u00fcche und Optimierung des Behandlungserfolges<\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":1576601,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"none","_seopress_titles_title":"%%post_title%%","_seopress_titles_desc":"%%post_excerpt%%","_seopress_robots_index":"","footnotes":""},"categories":[252],"tags":[],"class_list":["post-1576720","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-laboklin-allergie-de-at","category-252","description-off"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1576720","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1576720"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1576720\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1579857,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1576720\/revisions\/1579857"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1576601"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1576720"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1576720"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1576720"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}