{"id":1532782,"date":"2025-07-07T09:08:11","date_gmt":"2025-07-07T07:08:11","guid":{"rendered":"https:\/\/laboklin.de\/haemonchus-contortus-bei-kleinen-wiederkaeuern-und-neuweltkamelen\/"},"modified":"2025-07-17T10:09:03","modified_gmt":"2025-07-17T08:09:03","slug":"haemonchus-contortus-bei-kleinen-wiederkaeuern-und-neuweltkamelen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/haemonchus-contortus-bei-kleinen-wiederkaeuern-und-neuweltkamelen\/","title":{"rendered":"Haemonchus contortus bei kleinen Wiederk\u00e4uern und Neuweltkamelen"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\"><p>[vc_row][vc_column width=&#8220;2\/3&#8243;][vc_column_text css=&#8220;&#8220;]<em>Haemonchus contortus, <\/em>auch bekannt als \u201eroter oder gedrehter Magenwurm\u201c, ist ein parasit\u00e4rer Fadenwurm der zur Familie der Trichostrongyliden geh\u00f6rt. Er ist einer der bedeutendsten gastrointestinalen Nematoden von Wiederk\u00e4uern und vor allem bei Schafen und Ziegen relevant. Immer h\u00e4ufiger tritt er auch bei Neuweltkamelen auf und kann dort ebenfalls zu massiven Problemen f\u00fchren. Als blutsaugender Parasit kann er schwere An\u00e4mien verursachen, die bis zum Festliegen und Tod f\u00fchren k\u00f6nnen.<br \/>\nAufgrund seiner hohen Pathogenit\u00e4t, der kurzen Entwicklungszeit und zunehmender Resistenzen gegen Anthelminthika stellt er insgesamt eine gro\u00dfe Herausforderung f\u00fcr die Haltung von Wiederk\u00e4uern und Neuweltkamelen dar. In der urspr\u00fcnglichen Heimat der Neuweltkamele, den hohen und trockenen Gebieten der Anden, kommt <em>Haemonchus contortus <\/em>nur bedingt vor. Im w\u00e4rmeren und feuchteren Mitteleuropa finden die Larven bessere Vermehrungsbedingungen, wodurch insbesondere Standweiden, die h\u00e4ufigste Haltungsform von Neuweltkamelen in Deutschland, stark belastet sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Morphologie und Lebenszyklus<\/h2>\n<p>Die adulten W\u00fcrmer sind ca. 10\u201316 mm (M\u00e4nnchen) bzw. 20\u201330 mm (Weibchen) lang und parasitieren in der Schleimhaut des Labmagens bzw. bei den Neuweltkamelen in einer der drei Magenkammern (C3). Mit einem Zahn in der Mundregion schaben die adulten W\u00fcrmer kleine Gef\u00e4\u00dfe der Magenschleimhaut auf und ern\u00e4hren sich vom Blut des Wirtstieres. Das Blut im Darm des Wurmes sorgt besonders bei den Weibchen f\u00fcr die charakteristisch r\u00f6tlich-wei\u00df gestreifte F\u00e4rbung, da sich der Darm spiralig um den mit tausenden Eiern gef\u00fcllten helleren Uterus windet.<br \/>\nEin Weibchen legt pro Tag bis zu 5000 Eier, welche mit dem Kot des Wirtes ausgeschieden werden.<br \/>\nDie Larvenentwicklung erfolgt bei feuchtem und warmem Wetter (20\u201325 \u00b0C) am schnellsten, dann schl\u00fcpfen die L1-Larven nach 1\u20132 Tagen, entwickeln sich \u00fcber eine H\u00e4utung zu L2- und anschlie\u00dfend innerhalb von einer Woche zu infekti\u00f6sen L3-Larven. Die L3-Larven sind sehr widerstandsf\u00e4hig gegen \u00e4u\u00dfere Einfl\u00fcsse und \u00fcberleben auch k\u00e4ltere Temperaturen. Bei feuchtem Wetter k\u00f6nnen die Larven aktiv auf die Grashalme wandern und werden mit dem Weidegras vom Wirtstier aufgenommen. Die L3-Stadien lagern sich an den Krypten des Schleimhautepithels des Labmagens \/ C3 an und entwickeln sich zu L4-Larven und dann weiter zum adulten Wurm. Durch erneute Eiausscheidung kommt es zur Weiterverbreitung \u00fcber den Kot. Der gesamte Entwicklungszyklus dauert ca. 3\u20135 Wochen und wiederholt sich mehrfach j\u00e4hrlich.<br \/>\nBesonders bei warmer und feuchter Witterung kann sich die Populationsdichte von <em>Haemonchus contortus <\/em>in einer Herde bzw. auf einer Weide exponentiell vervielfachen. Das robuste L3-Stadium kann kurze und milde Winter auf der Weide \u00fcberstehen und zu geh\u00e4uften Infektionen im Fr\u00fchjahr f\u00fchren. Auch im Wirtstier \u00fcberstehen die L4-Larven oder die adulten W\u00fcrmer als inhibierte Stadien den Winter (Hypobiose). Ihre Weiterentwicklung wird im Herbst gestoppt und setzt zum Ende des Winters wieder ein, wodurch direkt zu Beginn der Weideperiode bereits Eier die Wiesen massiv kontaminieren k\u00f6nnen. Dieser sog. \u201espring rise\u201c trifft im Fr\u00fchjahr bei Muttertieren und ihrem Nachwuchs zus\u00e4tzlich auf das Ph\u00e4nomen des peripartalen Eieranstiegs, welches als \u201eperiparturient egg rise\u201c beschrieben ist.<br \/>\nDas Immunsystem der Muttertiere ist aufgrund der Tr\u00e4chtigkeit, Geburt und Laktation geschw\u00e4cht und die Muttertiere scheiden vermehrt Eier aus. Somit werden die Weiden im Fr\u00fchjahr binnen k\u00fcrzester Zeit stark kontaminiert und die Jungtiere von Geburt an einem hohen Infektionsdruck ausgesetzt.[\/vc_column_text][\/vc_column][vc_column width=&#8220;1\/3&#8243;][vc_column_text css=&#8220;&#8220;]<\/p>\n\n\t\t\t<style type='text\/css'>\n\t\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\t\twidth: 100%;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='dt-gallery-container gallery galleryid-1532782 gallery-columns-1 gallery-size-large'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t\t<a class=\"rollover rollover-zoom dt-pswp-item\" title=\"\" data-dt-img-description=\"LABOKLIN aktuell Pferd | &lt;b&gt;Abb. 1:&lt;\/b&gt; Stark an\u00e4mische Ziege mit porzellanfarbigen Kopfschleimh\u00e4uten\nund einem H\u00e4matokrit von 0.08 l\/l aufgrund\neines hochgradigen Befalls mit &lt;i&gt;Haemonchus contortus&lt;\/i&gt;.\n&lt;br&gt;&lt;i&gt;Bildquelle: S. Wagenfeld&lt;\/i&gt;\" data-large_image_width=\"1056\" data-large_image_height=\"1526\"href='https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/stark_anaemische_ziege.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"709\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/stark_anaemische_ziege-709x1024.jpg\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"Stark an\u00e4mische Ziege mit porzellanfarbigen Kopfschleimh\u00e4uten\nund einem H\u00e4matokrit von 0.08 l\/l aufgrund\neines hochgradigen Befalls mit Haemonchus contortus.\" aria-describedby=\"gallery-1-1532736\" srcset=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/stark_anaemische_ziege-709x1024.jpg 709w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/stark_anaemische_ziege-208x300.jpg 208w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/stark_anaemische_ziege-768x1110.jpg 768w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/stark_anaemische_ziege.jpg 1056w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px\" \/><\/a>\n\t\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1532736'>\n\t\t\t\t\t<b>Abb. 1:<\/b> Stark an\u00e4mische Ziege mit porzellanfarbigen Kopfschleimh\u00e4uten\nund einem H\u00e4matokrit von 0.08 l\/l aufgrund\neines hochgradigen Befalls mit <i>Haemonchus contortus<\/i>.\n<br><i>Bildquelle: S. Wagenfeld<\/i>\n\t\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t\t<a class=\"rollover rollover-zoom dt-pswp-item\" title=\"\" data-dt-img-description=\"LABOKLIN aktuell Pferd | &lt;b&gt;Abb. 2:&lt;\/b&gt; Morphologie Trichostrongyliden- oder MDS-Ei: oval, glatt, 16 oder mehr Furchungszellen und ca. 70-98 x 30-50 \u03bcm\ngro\u00df &lt;br&gt;&lt;i&gt;Bildquelle: Laboklin&lt;\/i&gt;\" data-large_image_width=\"1048\" data-large_image_height=\"710\"href='https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/morphologie_trichostrongyliden-_oder_mds-ei.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"694\" src=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/morphologie_trichostrongyliden-_oder_mds-ei-1024x694.jpg\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"Morphologie Trichostrongyliden- oder MDS-Ei: oval,\nglatt, 16 oder mehr Furchungszellen und ca. 70-98 x 30-50 \u03bcm\ngro\u00df\" aria-describedby=\"gallery-1-1532753\" srcset=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/morphologie_trichostrongyliden-_oder_mds-ei-1024x694.jpg 1024w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/morphologie_trichostrongyliden-_oder_mds-ei-300x203.jpg 300w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/morphologie_trichostrongyliden-_oder_mds-ei-768x520.jpg 768w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/morphologie_trichostrongyliden-_oder_mds-ei.jpg 1048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a>\n\t\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1532753'>\n\t\t\t\t\t<b>Abb. 2:<\/b> Morphologie Trichostrongyliden- oder MDS-Ei: oval,\nglatt, 16 oder mehr Furchungszellen und ca. 70-98 x 30-50 \u03bcm\ngro\u00df <br><i>Bildquelle: Laboklin<\/i>\n\t\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t\t<a class=\"rollover rollover-zoom dt-pswp-item\" title=\"\" data-dt-img-description=\"LABOKLIN aktuell Pferd | &lt;b&gt;Abb. 3:&lt;\/b&gt; Fluoreszenz von Haemonchus contortus-Eiern nach Erdnussagglutinin-\nF\u00e4rbung &lt;br&gt;&lt;i&gt;Bildquelle: Laboklin&lt;\/i&gt;\" data-large_image_width=\"1047\" data-large_image_height=\"450\"href='https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/fluoreszenz_von_haemonchus_contortus-eiern.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"440\" src=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/fluoreszenz_von_haemonchus_contortus-eiern-1024x440.jpg\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"Fluoreszenz von Haemonchus contortus-Eiern nach Erdnussagglutinin-\nF\u00e4rbung\" aria-describedby=\"gallery-1-1532770\" srcset=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/fluoreszenz_von_haemonchus_contortus-eiern-1024x440.jpg 1024w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/fluoreszenz_von_haemonchus_contortus-eiern-300x129.jpg 300w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/fluoreszenz_von_haemonchus_contortus-eiern-768x330.jpg 768w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/fluoreszenz_von_haemonchus_contortus-eiern.jpg 1047w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a>\n\t\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1532770'>\n\t\t\t\t\t<b>Abb. 3:<\/b> Fluoreszenz von Haemonchus contortus-Eiern nach Erdnussagglutinin-\nF\u00e4rbung <br><i>Bildquelle: Laboklin<\/i>\n\t\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t\t<\/div>\n\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column css=&#8220;.vc_custom_1751872278335{margin-top: 30px !important;}&#8220;][vc_column_text css=&#8220;&#8220;]<\/p>\n<h2>Pathogenese und klinische Symptome<\/h2>\n<p><em>Haemonchus contortus <\/em>saugt als adulter Wurm Blut an der Magenschleimhaut. Ein einzelner Wurm verursacht einen t\u00e4glichen Blutverlust von ca. 0,05 ml und bei Infektionen mit \u00fcber 5000 W\u00fcrmern kann es so zum Entzug von ca. 250 ml Blut pro Tag kommen. Entsprechende Folgen sind An\u00e4mie und Hypoalbumin\u00e4mie, N\u00e4hrstoff- und Mineralstoffmangel.<br \/>\nKlinische Symptome k\u00f6nnen chronisch und akut bis perakut auftreten.<br \/>\nChronische Infektionen zeichnen sich durch Leistungsminderung und Abmagerung aus. Gastrointestinale Symptome sind f\u00fcr diese Parasitose nicht kennzeichnend, aber Durchfall kann auftreten. Es kann zu dunklem Kot kommen aufgrund von okkultem Blut, welches durch die Verletzungen in der Magenschleimhaut austritt. \u00d6deme im Kopf- und Brustbereich, das typische Kehlgangs\u00f6dem oder der \u201eFlaschenhals\u201c entstehen aufgrund der Hypoalbumin\u00e4mie.<\/p>\n<p>Tritt starker bis massiver Befall mit <em>Haemonchus contortus <\/em>auf und kann der Parasit seine Vermehrungszyklen schnell durchlaufen, kann es akut zu massiver An\u00e4mie kommen, die sich in porzellan-farbigen Schleimh\u00e4uten (Abb. 1), Tachykardie, Tachypnoe, allgemeiner Schw\u00e4che und Apathie bis hin zum Festliegen zeigt. Vor allem Jungtiere, aber auch tragende Tiere und Muttertiere sind besonders empfindlich. L\u00e4mmer sind erst ab einem Lebensalter von sechs Monaten in der Lage eine Infektion mit ihrem Immunsystem zu kontrollieren, daher k\u00f6nnen sich die W\u00fcrmer ungehindert im Labmagen ansiedeln. Aufgrund der geringeren K\u00f6rpermasse setzt der starke Blutverlust besonders den Jungtieren zu, welche h\u00e4ufig innerhalb weniger Tage versterben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Diagnostik<\/h2>\n<p><strong>Klinische Untersuchung<br \/>\n<\/strong>Einen ersten Hinweis gibt die klinische Untersuchung mit Anamnese. Die wichtigste Differentialdiagnose f\u00fcr An\u00e4mien bei kleinen Wiederk\u00e4uern und Neuweltkamelen sollte stets die Haemonchose sein. Eine Infektion mit h\u00e4motropen Mykoplasmen, ein Labmagen- bzw. C3-Ulcus, andere Sickerblutungen und chronische Mangelsituationen kommen differentialdiagnostisch in Betracht.<br \/>\nDie klinische Diagnose kann gut durch Blutuntersuchungen bzw. H\u00e4matokritmessungen erg\u00e4nzt werden. Beim Monitoring einer Herde k\u00f6nnen Body Condition Score (BCS)- und Famacha\u00a9-Score gute Dienste leisten (siehe Behandlung und Prophylaxe).<\/p>\n<p><strong>Koproskopie<br \/>\n<\/strong>Geeignetes Material f\u00fcr die parasitologische Untersuchung ist eine \u00fcber drei Tage gesammelte Kotprobe. Der Kot sollte frisch und ohne langen Bodenkontakt aufgesammelt werden (Kontaminationsgefahr) und m\u00f6glichst von mehreren Kotabs\u00e4tzen hintereinander stammen.<br \/>\nIn der parasitologischen Untersuchung mittels Flotation sind die Eier von <em>Haemonchus contortus <\/em>unter dem Mikroskop erkennbar, jedoch morphologisch nicht von denen anderer Magen-Darm-Strongyliden (MDS) zu unterscheiden (Abb. 2). Eine hohe Konzentration an MDS-Eiern kann einen Hinweis geben, dass der vermehrungsfreudige Haemonchus an der Infektion beteiligt ist.<br \/>\nEine Differenzierung kann durch eine Larvenkultur oder eine Fluoreszenzf\u00e4rbung mit Erdnussagglutinin erfolgen. Die Larvenkultur erm\u00f6glicht die Bestimmung der MDS-Arten, ist jedoch sehr zeitaufw\u00e4ndig und anspruchsvoll in der Auswertung.<\/p>\n<p>Bei der Fluoreszenzf\u00e4rbung macht man sich die unterschiedliche Lectinbindungsf\u00e4higkeit der MDS-Eier zu Nutze. Das mit einem Farbstoff gekoppelte Erdnussagglutinin bindet an die Eioberfl\u00e4che von <em>Haemonchus contortus <\/em>und kann dann unter dem Fluoreszenzmikroskop farblich dargestellt werden (Abb 3). Somit ist eine eindeutige Differenzierung zu anderen MDS-Eiern m\u00f6glich, da an deren Oberfl\u00e4che das Agglutinin nicht gebunden wird.<\/p>\n<p><strong>Molekularbiologische Methoden<br \/>\n<\/strong>Die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) erkennt spezifische DNA-Sequenzen des Parasiten und kann sehr sensibel und spezifisch die Beteiligung von <em>Haemonchus contortus <\/em>detektieren. Die PCR weist keine intakten Strukturen nach, sondern nur DNA-Fragmente. So kann der Nachweis auch noch positiv sein, wenn keine Infektiosit\u00e4t mehr vorliegt, z. B. nach der Entwurmung. F\u00fcr die Erfolgskontrolle einer anthelminthischen Behandlung eignet sich die PCR daher nicht. Allerdings ist aus demselben Grund die Untersuchung von \u00e4lteren Proben m\u00f6glich, die f\u00fcr die Koproskopie nicht mehr frisch genug w\u00e4ren.<\/p>\n<p><strong>Behandlung und Prophylaxe<br \/>\n<\/strong>Weltweit nehmen die Resistenzen gegen Anthelminthika bei gastrointestinalen Nematoden besorgniserregend zu. Aufgrund der hohen Reproduktionsrate von <em>Haemonchus contortus <\/em>entstehen gro\u00dfe Populationen, in denen mehr spontane Mutationen auftreten, die zu resistenten W\u00fcrmern f\u00fchren k\u00f6nnen. Aufgrund der gro\u00dfen tiergesundheitlichen und wirtschaftlichen Sch\u00e4den durch <em>Haemonchus contortus <\/em>steht der Parasit zudem unter einem hohen Selektionsdruck durch h\u00e4ufige Behandlungen.<br \/>\nEin Therapieversagen aufgrund von Resistenzen tritt in allen Wirkstoffgruppen auf, auch gegen die neueren Wirkstoffe sind schon Resistenzen bekannt. Ein sorgsamer Einsatz von Anthelminthika und eine durchdachte Entwurmungsstrategie in Kombination mit gutem Weidemanagement sind das Gebot der Stunde.<br \/>\nF\u00fcr jeden Bestand gilt es, die Anthelminthika heraus zu finden, die am besten wirken. Dies geschieht \u00fcber Eizahlreduktionstests (EZRT). Dazu werden vor der Entwurmung und 10\u201314 Tage nach der Entwurmung Kotproben untersucht und der Wurmbefall mittels McMaster-Verfahren quantifiziert (Eier pro Gramm Kot = EpG). Eine Behandlung war erfolgreich, wenn die Reduktion der Eizahl durch die Entwurmung mindestens 95 % betr\u00e4gt.<br \/>\nWenn eine Entwurmung nicht erfolgreich war, sollte nicht nur der Wirkstoff, sondern die Wirkstoffgruppe gewechselt werden und danach wieder eine Erfolgskontrolle mittels McMaster-Z\u00e4hlung durchgef\u00fchrt werden.<br \/>\nUm die weitere Entwicklung von Resistenzen zu begrenzen, sollte selektiv entwurmt werden. Das bedeutet, dass die Tiere, die eine Behandlung erhalten, genau definiert werden. Das ist wichtig, da in den Tieren, die mit Anthelminthika behandelt werden, nur die resistenten W\u00fcrmer \u00fcberleben. W\u00fcrde man alle Tiere entwurmen und sie danach ggf. sogar auf eine neue Weide bringen, w\u00fcrde die frische Fl\u00e4che ausschlie\u00dflich mit Eiern resistenter W\u00fcrmer kontaminiert. Dieses sog. \u201edose and move\u201c Verfahren muss also der Vergangenheit angeh\u00f6ren. Bleiben in einer Herde Tiere unbehandelt, so scheiden diese auch Eier von nicht-resistenten W\u00fcrmern aus. So kommt es zu einer Verd\u00fcnnung der resistenten Wurmpopulation und die sensiblen W\u00fcrmer bringen weiterhin ihre sensiblen Gene in die Gesamtpopulation ein.<\/p>\n<p><strong>Welche Tiere sollen entwurmt werden?<br \/>\n<\/strong>Die Auswahl der zu entwurmenden Tiere erfolgt \u00fcber die Untersuchung von Kotproben. Liegt ein hochgradiger Befall vor, sollte behandelt werden. Eine genaue Quantifizierung ist auch hier mittels McMaster-Verfahren m\u00f6glich. F\u00fcr die verschiedenen Nematodenarten werden unterschiedliche EpG-Grenzwerte f\u00fcr eine Behandlung definiert.<br \/>\nBei einem Befall mit <em>Haemonchus contortus <\/em>wird bei Schafen eine Entwurmung bei Werten &gt; 200 EpG empfohlen. Bei Ziegen, Lamas und Alpakas liegt die Empfehlung bei &gt; 100 EpG. Weiterhin sollte die Entwurmung nach Altersgruppen durchgef\u00fchrt werden. Alle Jungtiere sollten entwurmt werden, da sie sehr empf\u00e4nglich und empfindlich sind. Die Muttertiere werden mit zunehmendem Alter resistenter gegen- \u00fcber gastrointestinalen Nematoden und k\u00f6nnen z. B. anhand von klinischen Scores beurteilt werden. Anhand ihrer Gewichtsentwicklung oder ihres BCS kann eingesch\u00e4tzt werden, ob eine Behandlung indiziert ist. Auch die Kopfschleimh\u00e4ute werden beurteilt, z. B. durch Anwendung einer Famacha\u00a9-Karte. Der sog. Dag-Score (dag = englischer Ausdruck f\u00fcr die verschmutzte Wolle in der Perianalregion und an den Hintergliedma\u00dfen bei Schafen), gibt ebenfalls Hinweise auf Endoparasitosen. Er sollte aber bei der Suche nach <em>Haemonchus contortus <\/em>nur in Kombination mit den zuvor genannten Beurteilungskriterien genutzt werden, da Durchfall kein charakteristisches Symptom der Haemonchose ist. Ebenfalls wichtig f\u00fcr die Vermeidung von Resistenzbildung ist die korrekte Dosierung der Anthelminthika. Analog zur Bildung von Antibiotikaresistenzen beg\u00fcnstigt eine Unterdosierung das \u00dcberleben teilresistenter W\u00fcrmer. Auch Anthelminthika mit Langzeitwirkung f\u00f6rdern die Selektion von resistenten W\u00fcrmern, da von den neu aufgenommenen L3-Larven auch nur die resistenten \u00fcberleben.<br \/>\nEin gutes Weidemanagement kann helfen den Infektionsdruck zu senken. Optimalerweise wird zwischen Beweidung und Mahd der Wiese gewechselt, um den Larvendruck zu reduzieren. Nach M\u00f6glichkeit sollten die Tiere nicht so lange auf einer Weide stehen, bis sie ganz kurz abgefressen wird, da die Larven sich vor allem in Bodenn\u00e4he aufhalten. Eine Misch- oder Wechselbeweidung mit anderen Tierarten kann sich g\u00fcnstig auswirken. Diese k\u00f6nnen infekti\u00f6se Larven aufnehmen ohne daran zu erkranken und unterbrechen so den Vermehrungszyklus, da sie nicht empf\u00e4nglich f\u00fcr die speziesspezifischen Parasiten sind. Durch das Absammeln des Kots von der Weide kann der Infektionsdruck deutlich gesenkt werden. Das ist besonders bei Neuweltkamelen gut durchf\u00fchrbar, da sie Toilettenareale haben, was die t\u00e4gliche und vollst\u00e4ndige Entfernung des Kots erm\u00f6glicht.<br \/>\nWeiterhin ist es sinnvoll bei Neuzug\u00e4ngen im Bestand eine Quarant\u00e4nefrist einzuhalten, die Tiere einer Quarant\u00e4nebehandlung (Kotuntersuchung inkl. Quantifizierung, Entwurmung bei Befall) zu unterziehen und eine Erfolgskontrolle mittels EZRT durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p><strong>Unsere Leistungen rund um Parasitosen<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"color: #000000;\">Parasitologische Untersuchung (Flotation, SAFC) inkl. Differenzierung Haemonchus contortus<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #000000;\">Parasitenprofil (Flotation, SAFC, mod. McMaster-Verfahren)<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #000000;\">Modifiziertes McMaster-Verfahren (Eizahl pro Gramm Kot)<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #000000;\">Haemonchus contortus-PCR<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Dr. Britta Beck, Dr. Anna-Linda Golob,<\/em><br \/>\n<em>Swanhild Wagenfeld<\/em><\/p>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column css=&#8220;.vc_custom_1743677988086{margin-top: 30px !important;}&#8220;][vc_column_text css=&#8220;&#8220;]<\/p>\n<h5><strong>Weiterf\u00fchrende<\/strong> <strong>Literatur<\/strong><\/h5>\n<h6><strong><span style=\"color: #808080;\">Kultscher L, Joachim A, Wittek T. Auftreten und Management von Endoparasiten bei Alpakas in Deutschland und \u00d6sterreich. Tierarztl Prax Ausg G Grosstiere Nutztiere 2018; 46: 241\u2013248. dx.doi.org\/10.15653\/ TPG-170766<\/span><\/strong><\/h6>\n<h6><strong><span style=\"color: #808080;\">Voigt K, Geiger M, J\u00e4ger M. F\u00fcnf nach zw\u00f6lf \u2013 zur Resistenzlage gastrointestinaler Nematoden bei kleinen Wiederk\u00e4uern in Deutschland.<br \/>\n<\/span><\/strong><strong><span style=\"color: #808080;\">Tierarztl Prax Ausg G Grosstiere Nutztiere 2023; 51: 153\u2013159. dx.doi. org\/10.1055\/a-2097-9361<\/span><\/strong><\/h6>\n<h6><strong><span style=\"color: #808080;\">Werne S, Heckendorn F et al. Weideparasiten bei Schafen und Ziegen nachhaltig kontrollieren. Merkblatt Ausgabe Schweiz Nr. 2515. FiBL, BioSuisse. LWZ Visp.2019; <a style=\"color: #808080;\" href=\"http:\/\/www.fibl.org\/\">www.fibl.org<\/a><\/span><\/strong><\/h6>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;vc_default&#8220; gap=&#8220;10&#8243; equal_height=&#8220;yes&#8220; content_placement=&#8220;middle&#8220; css=&#8220;.vc_custom_1728991510912{margin-top: 30px !important;}&#8220;][vc_column width=&#8220;1\/6&#8243; css=&#8220;.vc_custom_1728991412891{background-color: #e7e7e7 !important;}&#8220;][vc_icon icon_fontawesome=&#8220;fa fa-solid fa-file-pdf&#8220; color=&#8220;custom&#8220; size=&#8220;xl&#8220; align=&#8220;center&#8220; css=&#8220;.vc_custom_1752739712606{margin-top: 10px !important;margin-bottom: 10px !important;padding-top: 20px !important;padding-bottom: 20px !important;}&#8220; custom_color=&#8220;#e51e1e&#8220; link=&#8220;url:https%3A%2F%2Flaboklin.de%2Fwp-content%2Fuploads%2F2025%2F07%2Fhaemonchus_contortus_klein_wiederkaeuer-neuweltkamele-1.pdf|target:_blank&#8220;][\/vc_column][vc_column width=&#8220;5\/6&#8243; css=&#8220;.vc_custom_1728991421019{background-color: #e7e7e7 !important;}&#8220;][vc_column_text css=&#8220;.vc_custom_1752739731073{margin-top: 10px !important;margin-bottom: 10px !important;padding-top: 20px !important;padding-bottom: 20px !important;}&#8220;]<a href=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/haemonchus_contortus_klein_wiederkaeuer-neuweltkamele-1.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong><em>Haemonchus<\/em><\/strong> <strong><em>contortus<\/em><\/strong> <strong>bei<\/strong> <strong>kleinen<\/strong> <strong>Wiederk\u00e4uern<\/strong> <strong>und<\/strong> <strong>Neuweltkamelen<\/strong><\/a>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Haemonchus contortus: Diagnostik, Behandlung und Prophylaxe bei Schafen, Ziegen und Neuweltkamelen<\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":1532719,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"none","_seopress_titles_title":"%%post_title%%","_seopress_titles_desc":"","_seopress_robots_index":"","footnotes":""},"categories":[255],"tags":[],"class_list":["post-1532782","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-laboklin-pferd-de-at","category-255","description-off"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1532782","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1532782"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1532782\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1549595,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1532782\/revisions\/1549595"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1532719"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1532782"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1532782"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1532782"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}