{"id":1524090,"date":"2025-05-09T09:54:22","date_gmt":"2025-05-09T07:54:22","guid":{"rendered":"https:\/\/laboklin.de\/die-laboklin-expertenrunde-zum-lymphom\/"},"modified":"2025-05-09T10:35:34","modified_gmt":"2025-05-09T08:35:34","slug":"die-laboklin-expertenrunde-zum-lymphom","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/die-laboklin-expertenrunde-zum-lymphom\/","title":{"rendered":"Die Laboklin Expertenrunde zum Lymphom"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\"><p>[vc_row][vc_column][vc_column_text css=&#8220;&#8220;]Die Laboklin Expertenrunden mit ihren spannenden Themen und gro\u00dfartigen Experten erfreuen sich gro\u00dfer Beliebtheit. Wir haben aus den Antworten auf Ihre Fragen zum Thema Lymphom die wichtigsten f\u00fcr Sie herausgesucht.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Expertenrunde standen zur Verf\u00fcgung: Prof. Dr. Carla Rohrer Bley, Dipl. ACVR (Radiation Oncology), Dipl. ECVDI (Add Rad Oncol), Direktorin der Klinik f\u00fcr Radio-Onkologie &amp; Medizinische Onkologie des Universit\u00e4ren Tierspitals Z\u00fcrich; Dr. Heike Karpenstein-Klumpp, FTA Radiologie + bildgebende Verfahren, FTA Innere Medizin, Zentrum f\u00fcr Tiergesundheit Baden-Baden; Dr. Sandra Lapsina, Dipl. ECVCP, Labordiagnostik Laboklin mit Fokus H\u00e4matologie\/Lymphomdiagnostik; Dr. Jarno Schmidt, Dipl. ECVIM (Oncology), FTA Innere Medizin Klein-\/Heimtiere, Master Mediation + Konfliktmanagement, IVC Evidensia Tierklinik Hofheim.<\/p>\n<p><em>Prof. Dr. Rohrer Bley <\/em>gibt eine einf\u00fchrende <strong>\u00dcber\u00adsicht<\/strong>. Sie erkl\u00e4rt, dass das Lymphom eine neoplastische Entartung von Lymphozyten ist, die generalisiert oder lokal auftreten kann. Anhand ihrer Organzugeh\u00f6rigkeit werden unterschiedliche Lymphomarten unterschieden. Beim Hund wird besonders h\u00e4ufig das die Lymphknoten betreffende, generalisierte, multizentrische Lymphom gefunden. Mediastinale, kutane und intestinale Lymphome treten seltener auf. Bei der Katze sind Magen-Darm-Lymphome besonders oft vertreten, gefolgt von Lymphomen der Niere, der Nase und des Mediastinums. Eine weitere wichtige Einteilung erfolgt anhand des Ursprungs der Zellen, z. B. in B- oder T-Zell-Lymphom.<\/p>\n<p>Nach <strong>Rassepr\u00e4dispositionen <\/strong>gefragt, erkl\u00e4rt <em>Dr. Schmidt<\/em>, dass alle Rassen betroffen sein k\u00f6nnen. Allerdings scheint die Erkrankung bei einigen \u00fcberproportional h\u00e4ufiger aufzutreten. Hierbei gibt es regionale Unterschiede. So wird in den USA der Golden Retriever sehr oft genannt, w\u00e4hrend es im europ\u00e4ischen Raum eher Boxer, Dobermann und Berner Sennenhunde sind.<\/p>\n<p>Bez\u00fcglich der <strong>Prognose <\/strong>wei\u00df <em>Dr. Lapsina <\/em>zu berichten, dass der Zelltyp eine Rolle spielt. So ist beim multizentrischen Lymphom des Hundes die Prognose f\u00fcr T-Zell-Lymphome oft schlechter als f\u00fcr B-Zell-Lymphome. Zus\u00e4tzlich k\u00f6nnen die Subtypen einen Ausschlag geben. Es kann also Sinn machen, nach Best\u00e4tigung der Diagnose eine weitere Klassifizierung des Lymphoms (z. B. anhand von Immunoph\u00e4notypisierung mittels Durchflusszytometrie oder Immunhistochemie) durchzuf\u00fchren. <em>Dr. Schmidt <\/em>best\u00e4tigt dies und erg\u00e4nzt, dass einige anatomische Formen eine ung\u00fcnstigere Prognose haben (z. B. felines renales Lymphom, canines intestinales Lymphom). Allerdings gibt es neben den aggressiven (high-grade) Lymphomen auch indolente oder low-grade Lymphome, bei denen die Prognose deutlich besser sein kann (z. B. felines kleinzelliges Darm-Lymphom).<\/p>\n<p>Welche Befunde zu einem <strong>Lymphomverdacht <\/strong>f\u00fchren, m\u00f6chten die Teilnehmer wissen. <em>Dr. Karpenstein\u00ad-Klumpp <\/em>achtet beim Hund auf vergr\u00f6\u00dferte periphere Lymphknoten. Auch bei einem Hund mit palpatorisch gro\u00dfer Milz oder einer Katze mit Renomegalie wird sie hellh\u00f6rig. Bei der Katze f\u00fchrt sie gerne routinem\u00e4\u00dfig eine vorsichtige Kompression des cranialen Thorax durch. Die sonst bei der Katze sehr bewegliche Thoraxwand bleibt bei Vorhandensein von gro\u00dfen mediastinalen Massen starr. Weitere Trigger f\u00fcr die Initiierung einer Lymphomsuche k\u00f6nnen chronischer Gewichtsverlust, Polyurie\/Polydipsie (PU\/PD) oder Fieber unbekannter Genese sein.<\/p>\n<p><em>Dr. Lapsina <\/em>berichtet, dass <strong>Blutbefunde <\/strong>meist unspezifisch sind. Ver\u00e4nderungen, bei denen das Lymphom als Differentialdiagnose zu beachten ist, sind nicht regenerative An\u00e4mie, Thrombozytopenie, Lymphozytose, Eosinophilie, Hypercalc\u00e4mie, Hyperglobulin\u00e4mie und erh\u00f6hte Konzentrationen an Akute-Phase-Proteinen (Serum Amyloid A bei der Katze, C-reaktives Protein beim Hund). Eine Sonderstellung kommt der LDH zu. Sie kann beim Lymphom sehr hoch und sogar prognostisch relevant sein.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich k\u00f6nnen <strong>Tumormarker <\/strong>bestimmt werden. Allerdings, so gibt. <em>Dr. Lapsina <\/em>zu bedenken, sind die aktuell verf\u00fcgbaren eher zur Vorsorgeuntersuchung bei klinisch gesunden Hunden und zur Verlaufskontrolle geeignet. Hervorzuheben sind die Thymidinkinase und die Nukleosomen. Die Thymidinkinase wird bei Zellproliferation vermehrt nachgewiesen. Sie ist beim Lymphom (aber auch bei Entz\u00fcndungen) erh\u00f6ht. Interessant ist sie, weil sie beim caninen multizentrischen Lymphom nach\/ unter Therapie fr\u00fchzeitig ein Rezidiv anzeigen kann, noch bevor eine klinisch erkennbare Lymphadenomegalie vorhanden ist. Die Bestimmung vor Start der Therapie kann somit f\u00fcr das sp\u00e4tere Monitoring n\u00fctzlich sein. Nukleosomen werden vermehrt bei Zelluntergang im Blut gefunden. Eine erh\u00f6hte Konzentration bei einem klinisch gesunden Hund kann als erstes Tumorscreening genutzt werden. Allerdings gilt unbedingt zu beachten, dass eine Beurteilung bei Hunden mit Fieber oder anderen klinischen Symptomen schwierig ist, weil der Marker nicht zwischen Entz\u00fcndung und Neoplasie unterscheidet.<\/p>\n<p><em>Dr. Karpenstein-\u00adKlumpp <\/em>gibt uns im Schnelldurchlauf einen exzellenten \u00dcberblick \u00fcber die hinweisenden Befunde in der <strong>abdominalen Sonographie<\/strong>. Beim Hund mit multizentrischem Lymphom findet sie oft eine vergr\u00f6\u00dferte Milz mit umschriebenen, hypoechogenen Bezirken (auch als Mottenfra\u00df bezeichnet) und gro\u00dfe, echoarme, runde abdominale Lymhknoten. Ein Lymphom in der Leber hingegen zeigt meist weniger typische Ver\u00e4nderungen und ist oft schwer zu erkennen. Das Nierenlymphom der Katze zeichnet sich durch eine Renomegalie mit h\u00e4ufig unregelm\u00e4\u00dfiger Oberfl\u00e4che und einem hypoechogenem Randsaum aus. Ein gro\u00dfzelliges Lymphom des Gastrointestinaltraktes f\u00e4llt bei Hund und Katze meist durch eine fokale, stark hypoechogene Wandverdickung mit vollst\u00e4ndigem Schichtungsverlust auf. Die assoziierten abdominalen Lymphknoten sind in der Regel gro\u00df, rund und hypoechogen. Im Gegensatz dazu ist das bei der Katze h\u00e4ufige kleinzellige oder niedrig maligne intestinale Lymphom sonographisch von einer entz\u00fcndlichen Darmerkrankung nicht unterscheidbar. Die Muskelschicht des Darms ist (\u00e4hnlich wie bei entz\u00fcndlichen Erkrankungen) oft verbreitert und die Schichtung ist erhalten. Die intestinalen Lymphknoten sind zwar vergr\u00f6\u00dfert und meist von reduzierter Echogenit\u00e4t, ihnen fehlt aber die klassische, starke Hypoechogenit\u00e4t und Formver\u00e4nderung.<\/p>\n<p><em>Dr. Lapsina <\/em>betont, dass f\u00fcr die Abkl\u00e4rung eines Lymphoms die <strong>Zytologie <\/strong>ein zentrales Diagnostikum darstellt. Wird zytologisch eine sich stark \u00e4hnelnde (monomorphe) Lymphozytenpopulation gesehen und\/oder zeigen die Lymphozyten Atypien, dann besteht ein hochgradiger Verdacht auf ein Lymphom.<\/p>\n<p><em>Prof. Dr. Rohrer Bley <\/em>gibt in diesem Zusammenhang die klare Empfehlung, <strong>keine \u201ediagnostische\u201c Therapie <\/strong>mit Glukokortikoiden zu starten. Die weitere Diagnostik, insbesondere die Zytologie, ist darunter meist nicht mehr aussagekr\u00e4ftig.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Durchf\u00fchrung einer <strong>Lymphknotenpunktion <\/strong>und die Anfertigung eines gut auswertbaren Ausstrichs gibt <em>Dr. Lapsina <\/em>wertvolle Tipps. Die Punktion sollte m\u00f6glichst ohne Aspiration erfolgen. Hierdurch wird eine \u00fcberm\u00e4\u00dfige Blutkontamination als auch ein \u00fcberm\u00e4\u00dfiger Zellgehalt auf dem Objekttr\u00e4ger vermieden. Das Lymphom neigt dazu, viele Zellen abzugeben, die auf dem Objekttr\u00e4ger \u00fcbereinander zu liegen kommen. Dies f\u00fchrt dazu, dass das Pr\u00e4parat nicht ad\u00e4quat beurteilt werden kann. Oft gelingt eine Punktion gut, wenn nur die Kan\u00fcle ohne aufgesetzte Spritze genutzt wird. Das Kan\u00fclenlumen sollte eher klein gew\u00e4hlt werden (z. B. 22 Gauge). Das auf einen Objekttr\u00e4ger abgesetzte Material wird mit einem zweiten Objekttr\u00e4ger sehr sanft ausgestrichen. Lymphomzellen sind fragil und werden durch Druck schnell zerst\u00f6rt. Sie sind dann zytologisch nicht mehr auswertbar. Sind mehrere Lymphknoten vergr\u00f6\u00dfert, empfiehlt es sich, die pr\u00e4skapul\u00e4ren oder poplitealen f\u00fcr die Punktion auszuw\u00e4hlen. Die mandibul\u00e4ren Lymphknoten werden oft durch Infektionen der Maulh\u00f6hle beeinflusst, wodurch die Diagnose erschwert werden kann. Zudem werden sie bei der Probenentnahme gerne mit der Speicheldr\u00fcse verwechselt.<\/p>\n<p>An die Zytologie k\u00f6nnen sich eine <strong>Immunoph\u00e4no\u00adtypisierung <\/strong>mittels Duchflusszytometrie oder <strong>PARR <\/strong>(PCR for antigen receptor rearrangement) anschlie\u00dfen. <em>Dr. Lapsina <\/em>erkl\u00e4rt, was das ist und wof\u00fcr die Verfahren jeweils eingesetzt werden.<br \/>\nDie PARR ist eine PCR, die untersucht, ob die vorhandenen Lymphozyten einem gemeinsamen Klon angeh\u00f6ren oder unterschiedlicher Abstammung sind. Sie gibt eine ja\/nein Antwort bez\u00fcglich der Fragestellung, ob es sich bei dem untersuchten Material um ein Lymphom handelt, und wird somit vorrangig genutzt, wenn die Zytologie nicht eindeutig ist. Die PARR ist ein robustes Verfahren, f\u00fcr das jedes Material, inkl. bereits gef\u00e4rbter Zellen auf einem Objektt\u00e4ger, genutzt kann. Im Gegensatz zur Immunoph\u00e4notypisierung mittels Durchflusszytometrie ist aber keine Subtypenbestimmung m\u00f6glich. Letztere ist eine f\u00fcr die weitere Klassifizierung und Prognose relevante Untersuchung.<br \/>\nSie ben\u00f6tigt frisches, fl\u00fcssiges Material. Geeignet sind Blut und in einer Mischung aus 0,9 % NaCl und Patientenserum (Verh\u00e4ltnis 50:50) \u201eausgesp\u00fclte\u201c Zellaspirate. Alternativ erfolgt eine Immunhisto-chemie an Bioptaten. Diese Variante ist die zuverl\u00e4ssigste, ben\u00f6tigt aber mehr Zeit und ist in der Probenentnahme invasiver.<\/p>\n<p>Nun sind die Teilnehmer an den Meinungen der Experten zum <strong>Staging <\/strong>interessiert. <em>Dr. Schmidt <\/em>berichtet, dass das multizentrische Lymphom des Hundes in f\u00fcnf Stadien eingeteilt wird. Die meisten Hunde mit multizentrischem Lymphom werden im Stadium 3 (generalisierte periphere Lymhknotenbeteiligung) oder 4 (zus\u00e4tzlich auch Leber und Milz ver\u00e4ndert) vorgestellt. Interessanterweise besteht zwischen den beiden Stadien kein prognostischer Unterschied. Bei typischen sonographischen Befunden (z. B. Mottenfra\u00df-Milz) besteht <em>Dr. Schmidt <\/em>in der Regel nicht auf eine zytologische Untersuchung von Milz und Leber. Allerdings empfiehlt er immer eine vollst\u00e4ndige H\u00e4matologie inkl. der Beurteilung eines frisch angefertigten Blutausstriches. Sind hier viele vermehrt gro\u00dfe und\/oder atypische Lymphozyten vorhanden, ist ein Stadium 5 (Knochenmarksbeteiligung) wahrscheinlich. Die Prognose ist dann schlechter. Wichtig sind zudem die klinischen Substadien a) klinisch gutes Allgemeinbefinden und b) klinisch krank (z. B. Vomitus, PU\/PD, Gewichtsverlust). Die Prognose ist im Substadium a) deutlich besser. <em>Prof. Dr. Rohrer Bley <\/em>weist darauf hin, dass die Situation bei Katzen mit nasalem Lymphom etwas anders gelagert ist.<br \/>\nDas nasale Lymphom ist eine lokale Erkrankung, die mittels Strahlentherapie behandelt werden kann.<br \/>\nJegliche systemische Beteiligung sollte vorher durch ein gewissenhaftes Staging (R\u00f6ntgen Thorax, Ultraschall Nieren und abdominale Lymphknoten, Zytologie aus ver\u00e4nderten Lymphknoten sowie aus Leber und Milz) ausgeschlossen werden.<\/p>\n<p><em>Dr. Karpenstein-\u00adKlumpp <\/em>kann bez\u00fcglich der ultraschallgef\u00fchrten Punktionen von inneren Organen beruhigen. Es ist gar nicht so schwer. Gerade die Milz ist gut erreichbar. Optimal wird in der N\u00e4hnadeltechnik (vor und zur\u00fcck, nicht f\u00e4chern) ohne Aspiration gearbeitet. Bei vielen Patienten gelingt die Punktion komplikationslos auch ohne Sedation. Allerdings sollte dies nach individueller Beurteilung des Patienten, eigener Expertise und zu punktierendem Organ entschieden werden.<\/p>\n<p>Die <strong>Therapie <\/strong>richtet sich nach der Art des Lymphoms. Im Mittelpunkt steht die medikamentelle Therapie. Einige Lymphomarten, wie das nasale Lymphom der Katze, k\u00f6nnen (sofern sie tats\u00e4chlich auf die Nasenh\u00f6hle beschr\u00e4nkt sind) effektiv durch Strahlentherapie behandelt werden. Chirurgische M\u00f6glichkeiten sind begrenzt. Die Chirurgie kann bei singul\u00e4ren Hautknoten, einzeln betroffenen Lymphknoten und zur Beseitigung eines Ileus beim Darmlymphom zum Einsatz kommen, wird aber immer auch von einer medikamentellen Therapie begleitet. Insbesondere beim Nierenlymphom der Katze muss unbedingt beachtet werden, dass es sich um eine bilaterale Erkrankung handelt. Die einseitige Entfernung einer Niere ist sinnlos.<\/p>\n<p><em>Dr. Schmidt <\/em>r\u00e4t eine ausf\u00fchrliche Aufkl\u00e4rung der Tierbesitzer in puncto Nebenwirkungen und Risiken an, ohne aber unn\u00f6tige \u00c4ngste zu sch\u00fcren. Da der\u00a0 Begriff \u201eChemotherapie\u201c oft falsche Assoziationen weckt, spricht er bevorzugt von \u201emedikamenteller Krebstherapie\u201c. Als Prognose gibt er als Faustregel f\u00fcr das gro\u00dfzellige, multizentrische Lymphom des Hundes unter Chemotherapie folgende Zeitr\u00e4ume an: 50 % der behandelten Hunde mit B-Zell-Lymphom leben nach 12 Monaten noch, beim T-Zell-Lymphom nach 7 \u2013 8 Monaten. Hierbei ist wichtig, dass es sich um statistische Werte handelt. Im Einzelfall k\u00f6nnen durchaus lange \u00dcberlebenszeiten, z. T. auch \u00fcber mehrere Jahre, erzielt werden. Eine Heilung ist m\u00f6glich, aber selten. Der alleinige Einsatz von Glukokortikoiden ist palliativ und die H\u00e4lfte der Hunde verstirbt innerhalb von 2 \u2013 3 Monaten.<\/p>\n<p>Ein vollst\u00e4ndiger Zyklus einer Chemotherapie dauert in der Regel 4 \u2013 5 Monate. Die meisten Protokolle enthalten Doxorubicin, Vincristin, Cyclophosphamid und Prednisolon (so genanntes CHOP-Protokoll). F\u00fcr T-Zell-Lymphome wird gerne ein Lomustin enthaltenes Protokoll gew\u00e4hlt (meist als LOPP bezeichnet). Bei Katzen wird oft lediglich Vincristin, Cyclophosphamid und Prednisolon (COP) eingesetzt. Die Wirkstoffe sind so ausgew\u00e4hlt, dass Stoffgruppen mit unterschiedlichen Wirkmechanismen einander abwechseln, um ein m\u00f6glichst breites Wirkungsspektrum zu erzielen.<\/p>\n<p>Doxorubicin und Vincristin m\u00fcssen intraven\u00f6s verabreicht werden, w\u00e4hrend Cyclophosphamid, Lomustin und Prednisolon als orale Medikation erh\u00e4ltlich sind. Allerdings ist das oft notwendige Teilen der Tabletten problematisch, weil die neuen gesetzlichen Regelungen, die zur Verf\u00fcgungstellung von an die Tiermedizin angepassten Dosierungen erschweren. Eine reine \u201eTablettenchemo\u201c ist meist weniger effektiv, weil wichtige Wirkstoffe, wie Doxorubicin und Vincristin fehlen. Eine Ausnahme bildet hier sicherlich das kleinzelllige intestinale Lymphom der Katze.<\/p>\n<p>M\u00f6gliche Nebenwirkungen sind Appetitlosigkeit, Vomitus, Diarrhoe und Sekund\u00e4rinfektionen durch Immunsuppression (Chemotherapie induzierte Leukopenie). Zudem kann es zu Gewebesch\u00e4den rund um den Venenzugang kommen, wenn das Chemotherapeutikum nicht korrekt appliziert wurde. F\u00fcr Doxorubicin besteht die Besonderheit, dass es kardiotoxisch sein kann. Es sollte bei kardial vorbelasteten Patienten nicht eingesetzt werden. Viele Chemotherapeutika (z. B. Vincristin, Doxorubicin) sind bei Patienten mit MDR1-Defekt kontraindiziert.<\/p>\n<p>In Bezug auf die Durchf\u00fchrung muss die Sicherheit des mit den Chemotherapeutika umgehenden Personals gew\u00e4hrleistet sein. Chemotherapeutika d\u00fcrfen nur auf einer speziellen Werkbank mit Abzug f\u00fcr die Applikation vorbereitet werden. Alternativ k\u00f6nnen sie in bestimmten Apotheken bestellt werden, die sie in einem geschlossenen System liefern. Die Aufkl\u00e4rung \u00fcber den Umgang mit Chemotherapeutika von Personal als auch Tierhalter ist wichtig. Die Stoffe k\u00f6nnen \u00fcber Harn, Kot und Speichel ausgeschieden werden. Inwiefern dies aber gesundheitlich bedenklich f\u00fcr im Kontakt befindliche Menschen und Tiere ist, bleibt unklar. Besondere Aufmerksamkeit gilt hier insbesondere Schwangeren und Kleinkindern. Blutproben, die kurz nach einer Chemotherapie entnommen werden, sollten mit Vorsicht gehandhabt werden.<\/p>\n<p><em>Dr. Rohrer Bley <\/em>erkl\u00e4rt, dass eine Besonderheit des Lymphoms seine Strahlensensitivit\u00e4t ist. Aufgrund des oft generalisierten Auftretens und\/oder der intrathorakalen oder intraabdominalen Lokalisation ist die Strahlentherapie aber oft nicht sinnvoll durchf\u00fchrbar. Gute Resultate werden bei der Bestrahlung des nasalen Lymphoms der Katze erzielt. Ein klassisches Protokoll beinhaltet 10 Bestrahlungen \u00fcber einen Zeitraum von zwei Wochen. Die klinische Verbesserung erfolgt sehr schnell bei mittleren \u00dcberlebenszeiten um 2 \u2013 3 Jahre. Allerdings ist bei einem Drittel der Patienten mit einer sp\u00e4teren systemischen Erkrankung zu rechnen.<\/p>\n<p>Ein weiteres Einsatzgebiet der Strahlentherapie ist das kutane Lymphom, solange solit\u00e4re Hautver\u00e4nderungen fr\u00fch genug entdeckt werden, bevor es zu einer gro\u00dffl\u00e4chigen Ausbreitung gekommen ist, und\/oder es auf die Maulh\u00f6hle beschr\u00e4nkt ist.<\/p>\n<p>Bez\u00fcglich des Monitorings berichtet <em>Prof. Dr. Rohrer <\/em>Bley, dass sie weitestgehend darauf verzichtet. Vielmehr sensibilisiert sie ihre Kunden im Hinblick auf die m\u00f6glichen Symptome, so dass die Patienten zeitnah vorgestellt werden, sobald eine erneute Progression stattfindet. <em>Dr. Schmidt <\/em>empfiehlt, Katzen regelm\u00e4\u00dfig zu wiegen und bei deutlichem Gewichtsverlust zur Untersuchung vorzustellen.<br \/>\n<em>Dr. Karpenstein\u00ad-Klumpp <\/em>geht gerne auf die Bed\u00fcrfnisse der Tierhalter ein. Viele w\u00fcnschen sich den regelm\u00e4\u00dfigen Besuch beim Tierarzt und manche auch die sonographische Untersuchung ihrer Tiere. Auch <em>Dr. Schmidt <\/em>best\u00e4tigt diesen Wunsch nach regelm\u00e4\u00dfiger Kontrolle seitens der Tierhalter. <em>Dr. Lapsina <\/em>erinnert an den m\u00f6glichen Nutzen von kleineren (z. B. Hyperglobulin\u00e4mie, Hypercalc\u00e4mie, LDH) und gr\u00f6\u00dferen (z. B. Thymidinkinase) Tumormarkern in diesem Zusammenhang.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Dr. Jennifer von Luckner<\/em><\/p>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;vc_default&#8220; gap=&#8220;10&#8243; equal_height=&#8220;yes&#8220; content_placement=&#8220;middle&#8220; css=&#8220;.vc_custom_1733824624772{margin-top: 30px !important;}&#8220;][vc_column width=&#8220;1\/6&#8243; css=&#8220;.vc_custom_1733824634434{background-color: #E7E7E7 !important;}&#8220;][vc_icon icon_fontawesome=&#8220;fa fa-solid fa-file-pdf&#8220; color=&#8220;custom&#8220; size=&#8220;xl&#8220; align=&#8220;center&#8220; css=&#8220;.vc_custom_1746777196919{margin-top: 10px !important;margin-bottom: 10px !important;padding-top: 20px !important;padding-bottom: 20px !important;}&#8220; custom_color=&#8220;#e51e1e&#8220; link=&#8220;url:https%3A%2F%2Flaboklin.de%2Fwp-content%2Fuploads%2F2025%2F05%2Fdie_laboklin_expertenrunde_zum_lymphom.pdf|title:LABOKLIN%20aktuell%2005.2025|target:_blank&#8220;][\/vc_column][vc_column width=&#8220;5\/6&#8243; css=&#8220;.vc_custom_1733824644825{background-color: #E7E7E7 !important;}&#8220;][vc_column_text css=&#8220;.vc_custom_1746777225559{margin-top: 10px !important;margin-bottom: 10px !important;padding-top: 20px !important;padding-bottom: 20px !important;}&#8220;]<a href=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/die_laboklin_expertenrunde_zum_lymphom.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Die<\/strong> <strong>Laboklin<\/strong> <strong>Expertenrunde<\/strong> <strong>zum<\/strong> <strong>Lymphom<\/strong><\/a>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Experten geben Einblick in Diagnostik, Prognose und Therapiem\u00f6glichkeiten<\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":1524072,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"none","_seopress_titles_title":"%%post_title%%","_seopress_titles_desc":"Lymphom: Experten geben Einblick in Diagnostik, Prognose und Therapiem\u00f6glichkeiten","_seopress_robots_index":"","footnotes":""},"categories":[248],"tags":[],"class_list":["post-1524090","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-laboklin-aktuell-de-at","category-248","description-off"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1524090","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1524090"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1524090\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1524098,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1524090\/revisions\/1524098"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1524072"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1524090"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1524090"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1524090"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}