{"id":1337298,"date":"2019-06-17T11:41:15","date_gmt":"2019-06-17T09:41:15","guid":{"rendered":"https:\/\/laboklin.de\/intestinales-mikrobiom-beim-hund\/"},"modified":"2024-05-06T13:26:15","modified_gmt":"2024-05-06T11:26:15","slug":"intestinales-mikrobiom-beim-hund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/intestinales-mikrobiom-beim-hund\/","title":{"rendered":"Intestinales Mikrobiom beim Hund"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\"><p>[vc_row][vc_column width=&#8220;2\/3&#8243;][vc_column_text css=&#8220;&#8220;]<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Viele Bereiche des K\u00f6rpers sind bei Hunden mit den unterschiedlichsten Bakterien besiedelt. Dazu z\u00e4hlen die Oberfl\u00e4che der Haut und alle direkt der Umwelt ausgesetzten Schleimh\u00e4ute z. B. des Atem- oder Urogenitaltraktes (Abb. 1). Die Gesamtheit aller dieser Mikroorganismen wird als Mikrobiom bezeichnet.<br \/>\nHauptkolonisationsort des Mikrobioms ist allerdings der Gastrointestinaltrakt. Ausgehend von eher keimarmen Bereichen wie Magen und Zw\u00f6lffingerdarm, nimmt die Konzentration der Bakterien von D\u00fcnndarm bis zum Kolon stark zu (1011-1012 Bakterien\/g Kot). Neuere Untersuchungen zeigen, dass die Zahl der im Kolon lokalisierten Mikroben die der K\u00f6rperzellen des Wirtsorganismus um das 10-fache \u00fcbersteigen kann. Mehr als 25% der Kotmenge von Hunden bestehen aus abgesto\u00dfenen Darmbakterien, wobei Anaerobier mit 99% den deutlich gr\u00f6\u00dferen Anteil ausmachen. Betrachtet man die Gesamtheit aller metabolischen Prozesse dieses Bakterienverbunds, hat das intestinale Mikrobiom eine h\u00f6here Stoffwechselkapazit\u00e4t als die Leber.<\/p>\n<h2 class=\"bodytext\">Bedeutung und Funktion der Darmflora<\/h2>\n<p class=\"bodytext\">Der Beitrag, den die Darmmikroben zur Gesundheit des Wirtes leisten, ist mittlerweile durch eine gro\u00dfe Zahl von wissenschaftlichen Untersuchungen belegt. Dabei zeigte sich, dass eine ganze Reihe komplexer Stoffwechsel- und immunregulatorischer Prozesse durch die Darmflora positiv beeinflusst werden.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><strong>1. Kolonisationsresistenz<\/strong><\/p>\n<p class=\"bodytext\">Kommensale Bakterien im Darm stellen eine wichtige mikrobielle Barriere dar und verhindern die Ansiedlung und Vermehrung von enteropathogenen Keimen wie Campylobacter oder Opportunisten wie\u00a0<i>Candida albicans.\u00a0<\/i>Vermittelt wird diese Funktion haupts\u00e4chlich durch drei Prozesse:<\/p>\n<ul>\n<li class=\"bodytext\">Besetzung von Rezeptoren auf der Schleimhaut<\/li>\n<li class=\"bodytext\">Hemmung des Pathogenwachstums durch Sekretion bakteriostatischer oder mikrobizider Stoffwechselprodukte<\/li>\n<li class=\"bodytext\">Konkurrenz um N\u00e4hrstoffe, Vitamine und wachstumsf\u00f6rdernde Faktoren<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"bodytext\"><strong>2. N\u00e4hrstoffversorgung<\/strong><\/p>\n<p class=\"bodytext\">Eine gut aufgestellte Mikroflora f\u00f6rdert den Stoffwechsel und die Durchblutung der Darmschleimhaut. Bakterielle Abbauprodukte von Kohlenhydraten und Proteinen gelangen \u00fcber Diffusion in die Zellen der Dickdarmschleimhaut und decken so mehr als 50% des Energiebedarfs der Enterozyten des Kolons. Zus\u00e4tzlich regen von den Bakterien sezernierte kurzkettige Fetts\u00e4uren die Darmperistaltik an und unterst\u00fctzen so die Verdauungsleistung.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><strong>3. Darmassoziiertes Immunsystem<\/strong><\/p>\n<p class=\"bodytext\">Neben der N\u00e4hrstoffversorgung ist die Darmflora auch besonders wichtig zur Unterst\u00fctzung der Immunabwehr des Wirtes. Schon die blo\u00dfe Anwesenheit der Darmmikrobiota tr\u00e4gt \u00fcber st\u00e4ndiges Training des darmassoziierten Immunsystems zur Instandhaltung einer immunologischen Abwehrbarriere gegen Fremdkeime bei. Au\u00dferdem werden Pathogene durch die Stimulation der Synthese von antimikrobiell wirksamen Peptiden wie \u03b2-Defensinen und Immunglobulinen (sIgA) aktiv verdr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][vc_column width=&#8220;1\/3&#8243;][vc_column_text css=&#8220;&#8220;]<\/p>\n\n\t\t\t<style type='text\/css'>\n\t\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\t\twidth: 100%;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t\t}\n\t\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='dt-gallery-container gallery galleryid-1337298 gallery-columns-1 gallery-size-large'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t\t<a class=\"rollover rollover-zoom dt-pswp-item\" title=\"Abbildung-1\" data-dt-img-description=\"LABOKLIN aktuell | &lt;b&gt;Abb. 1: &lt;\/b&gt; Bakterieller Biofilm mit Mikrobiota. &lt;br&gt;&lt;i&gt; Bildquelle: Lewis Lab, Northeastern University. Aufnahme von: Anthony D\u02bcOnofrio, William H. Fowle, Eric J. Stewart und Kim Lewis. &lt;\/i&gt;\" data-large_image_width=\"1000\" data-large_image_height=\"889\"href='https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Abbildung-1.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"889\" src=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Abbildung-1.jpg\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"Laboklin:  Bakterieller Biofilm mit Mikrobiota. Bildquelle: Lewis Lab, Northeastern University. Aufnahme von: Anthony D\u02bcOnofrio, William H. Fowle, Eric J. Stewart und Kim Lewis.\" aria-describedby=\"gallery-1-1324620\" srcset=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Abbildung-1.jpg 1000w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Abbildung-1-300x267.jpg 300w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Abbildung-1-768x683.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/a>\n\t\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1324620'>\n\t\t\t\t\t<b>Abb. 1: <\/b> Bakterieller Biofilm mit Mikrobiota. <br><i> Bildquelle: Lewis Lab, Northeastern University. Aufnahme von: Anthony D\u02bcOnofrio, William H. Fowle, Eric J. Stewart und Kim Lewis. <\/i>\n\t\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t\t<a class=\"rollover rollover-zoom dt-pswp-item\" title=\"Abbildung-2\" data-dt-img-description=\"&lt;b&gt;Abb. 2: &lt;\/b&gt; Pr\u00e4valenz von erh\u00f6hten Gallens\u00e4ure- bzw. erniedrigten Pankreas-Elastase-Werten bei Hunden mit Durchfall im Vergleich zu unauff\u00e4lligen Tieren (jeweils links) und Mikroflorazusammensetzung bei Hunden mit Durchfall (oben) und Verdauungsinsuffizienz (unten) im Vergleich zur Kontrollgruppe. (n=30, p&lt;0.05, Wilcoxon-Mann-Whitney-Test).\" data-large_image_width=\"1000\" data-large_image_height=\"562\"href='https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Abbildung-2.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"562\" src=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Abbildung-2.jpg\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"Laboklin: Pr\u00e4valenz von erh\u00f6hten Gallens\u00e4ure- bzw. erniedrigten Pankreas-Elastase-Werten bei Hunden mit Durchfall im Vergleich zu unauff\u00e4lligen Tieren (jeweils links) und Mikroflorazusammensetzung bei Hunden mit Durchfall (oben) und Verdauungsinsuffizienz (unten) im Vergleich zur Kontrollgruppe. (n=30, p\" aria-describedby=\"gallery-1-1324622\" srcset=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Abbildung-2.jpg 1000w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Abbildung-2-300x169.jpg 300w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Abbildung-2-768x432.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/a>\n\t\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1324622'>\n\t\t\t\t\tAbbildung 2. Pr\u00e4valenz von erh\u00f6hten Gallens\u00e4ure- bzw. erniedrigten Pankreas-Elastase-Werten bei Hunden mit Durchfall im Vergleich zu unauff\u00e4lligen Tieren (jeweils links) und Mikroflorazusammensetzung bei Hunden mit Durchfall (oben) und Verdauungsinsuffizienz (unten) im Vergleich zur Kontrollgruppe. (n=30, p<0.05, Wilcoxon-Mann-Whitney-Test).\n\t\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t\t<a class=\"rollover rollover-zoom dt-pswp-item\" title=\"Abbildung-3\" data-dt-img-description=\"&lt;b&gt;Abb. 3: &lt;\/b&gt; Pr\u00e4valenzen von erh\u00f6hten f\u00e4kalen Calprotectin-Werten bei Hunden mit Durchfall im Vergleich zu unauff\u00e4lligen Tieren (links) und Mikroflorazusammensetzung bei Hunden mit angezeigten inflammatorischen Schleimhautver\u00e4nderungen im Vergleich zur Kontrollgruppe. (n=25, p&lt;0.05, Wilcoxon-Mann-Whitney-Test).\" data-large_image_width=\"1000\" data-large_image_height=\"287\"href='https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Abbildung-3.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"287\" src=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Abbildung-3.jpg\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"Laboklin: Pr\u00e4valenzen von erh\u00f6hten f\u00e4kalen Calprotectin-Werten bei Hunden mit Durchfall im Vergleich zu unauff\u00e4lligen Tieren (links) und Mikroflorazusammensetzung bei Hunden mit angezeigten inflammatorischen Schleimhautver\u00e4nderungen im Vergleich zur Kontrollgruppe. (n=25, p\" aria-describedby=\"gallery-1-1324624\" srcset=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Abbildung-3.jpg 1000w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Abbildung-3-300x86.jpg 300w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Abbildung-3-768x220.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/a>\n\t\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1324624'>\n\t\t\t\t\tAbbildung 3. Pr\u00e4valenzen von erh\u00f6hten f\u00e4kalen Calprotectin-Werten bei Hunden mit Durchfall im Vergleich zu unauff\u00e4lligen Tieren (links) und Mikroflorazusammensetzung bei Hunden mit angezeigten inflammatorischen Schleimhautver\u00e4nderungen im Vergleich zur Kontrollgruppe. (n=25, p<0.05, Wilcoxon-Mann-Whitney-Test).\n\t\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t\t<a class=\"rollover rollover-zoom dt-pswp-item\" title=\"Abbildung-4\" data-dt-img-description=\"&lt;b&gt;Abb. 4: &lt;\/b&gt; Akute h\u00e4morrhagische Proktitis bei einem Hund (H\u00e4matoxylin-Eosin-F\u00e4rbung, 100x). &lt;br&gt;&lt;i&gt;Bildquelle:Dr. Ulrike Schwittlick, Laboklin GmbH &amp; Co. KG&lt;\/i&gt;\" data-large_image_width=\"1000\" data-large_image_height=\"751\"href='https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Abbildung-4.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"751\" src=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Abbildung-4.jpg\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"Laboklin: Akute h\u00e4morrhagische Proktitis bei einem Hund (H\u00e4matoxylin-Eosin-F\u00e4rbung, 100x). Bildquelle:Dr. Ulrike Schwittlick, Laboklin GmbH &amp; Co. KG\" aria-describedby=\"gallery-1-1324626\" srcset=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Abbildung-4.jpg 1000w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Abbildung-4-300x225.jpg 300w, https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Abbildung-4-768x577.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/a>\n\t\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1324626'>\n\t\t\t\t\tAbbildung 4. Akute h\u00e4morrhagische Proktitis bei einem Hund (H\u00e4matoxylin-Eosin-F\u00e4rbung, 100x). Quelle: Dr. Ulrike Schwittlick, Laboklin GmbH &#038; Co. KG\n\t\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t\t<\/div>\n\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column css=&#8220;.vc_custom_1714994559670{margin-top: 10px !important;}&#8220;][vc_column_text css=&#8220;&#8220;]<\/p>\n<h2 class=\"bodytext\">Dysbiosen im Darm<\/h2>\n<p class=\"bodytext\">Bei bakteriellen Dysbalancen im Darm ist die Mikroflora nur noch unzureichend in der Lage, ihre schleimhautnutritiven und protektiven Aufgaben zu erf\u00fcllen. Eine Folge davon ist die Verringerung der Kolonisationsresistenz mit einer darauffolgenden Vermehrung obligat oder fakultativ pathogener Erreger wie Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten. Aufgrund der verminderten Barrierefunktion der Schleimhaut k\u00f6nnen bspw. Antigene, Endotoxine und zentralnerv\u00f6s wirksame Metabolite wie Histamine aus dem Darmlumen in den K\u00f6rper \u00fcbertreten und Pathomechanismen initiieren oder verst\u00e4rken. Dazu z\u00e4hlen nicht nur gastrointestinale Beschwerden wie Diarrhoe, Obstipation und chronisch-entz\u00fcndliche Darmerkrankungen. Auch das Auftreten von Krankheitsbildern des atopischen Formenkreises wie Futtermittelunvertr\u00e4glichkeiten, Hautekzeme und Fellprobleme wird durch eine immunologische \u00dcberstimulation beg\u00fcnstigt.<\/p>\n<h2 class=\"bodytext\">Diagnostik und Interpretation<\/h2>\n<p class=\"bodytext\">Die erste Wahl bei der Diagnose von gastrointestinalen Beschwerden wie etwa rezidivierenden Durchf\u00e4llen ist die mikrobiologisch-kulturelle Analyse des Kots. Diese erlaubt die schnelle und kosteng\u00fcnstige Identifizierung vieler enteropathogener Keime wie Salmonellen, Yersinien und Campylobacter sowie fakultativ pathogener Bakterien wie Klebsiellen oder h\u00e4molytischer\u00a0<i>E. coli.\u00a0<\/i>Als Erg\u00e4nzung dazu ist in vielen F\u00e4llen die Bestimmung von Schleimhaut-, Entz\u00fcndungs-, und Verdauungsmarkern wie f\u00e4kales Calprotectin, Alpha-1-Antitrypsin, Gallens\u00e4uren und canine Pankreas-Elastase sinnvoll (Abb. 2). In jedem Fall sollten auch Parasitosen durch eine mikroskopische oder immunologische Untersuchung des Kots auf Endoparasiten ausgeschlossen werden.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Sind diese Untersuchungen ohne besonderen Befund, kann eine molekularbiologisch basierte Analyse der Kotflora die Differenzialdiagnose unterst\u00fctzen. Eine gro\u00dfe Zahl anaerober Bakterien mit antiinflammatorischen, schleimhautprotektiven und -nutritiven Eigenschaften (bspw.\u00a0<i>Faecalibacterium prausnitzii<\/i>) l\u00e4sst sich nur schwer oder \u00fcberhaupt nicht kulturell anz\u00fcchten. Konventionelle mikrobiologische Untersuchungen erfassen somit nur einen sehr geringen Teil der Darmmikrobiota (&lt; 1%). Demzufolge sind Aussagen, die mithilfe solcher Analysen hinsichtlich der metabolischen Versorgung der Schleimhautzellen und des aktuellen Barrierestatus getroffen werden k\u00f6nnen, eher unzureichend.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Durch molekularbiologische Verfahren basierend auf der Analyse der 16S-rRNA-Gene k\u00f6nnen Bakterien unabh\u00e4ngig von ihren Kultivierungsbedingungen identifiziert und quantifiziert werden. In k\u00fcrzlich publizierten Studien bei Hunden mit akuten und chronischen Enteropathien wurden diverse, haupts\u00e4chlich obligat anaerobe Bakteriengruppen identifiziert, deren Keimzahlen sich signifikant von denen einer gesunden Kontrollgruppe unterschieden. Diese Unterschiede qualifizieren solche Keime besonders gut als Biomarker f\u00fcr eine Untersuchung auf Darmdysbiosen. Aufbauend auf diesen Ergebnissen konnte ein Realtime-PCR basiertes Nachweisverfahren etabliert werden, das gut zur Aufkl\u00e4rung von Darmdysbakterien geeignet ist. Untersucht und quantifiziert werden hierbei die folgenden Bakterienspezies:\u00a0<i>Escherichia coli, Faecalibacterium prausnitzii, Fusobacteria spp., Blautia spp., Turicibacter spp., Clostridium hiranonis\u00a0<\/i>sowie die Gesamtkeimzahl aller sich im Darm befindlichen Bakterien (Abb. 2).<\/p>\n<h2 class=\"bodytext\">Indikationen f\u00fcr eine Dysbiose-Analyse<\/h2>\n<p class=\"bodytext\">In welchen F\u00e4llen ist eine Darmdysbiose-Untersuchung sinnvoll? Eigene Studien mit Tieren, bei denen im Vorfeld ausgeschlossen wurde, dass Infektionen mit enteropathogenen Bakterien, Viren oder Endoparasiten vorlagen, zeigten:<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><strong>1. Verdauungsst\u00f6rungen mit exkretorischer Pankreasinsuffizienz<\/strong><\/p>\n<p class=\"bodytext\">Hier sehen wir bei Tieren mit erniedrigten Pankreas-Elastase-Werten in 38% aller F\u00e4lle Durchfall. Das Bild der Darmflora entspricht dem einer Dysbiose mit signifikant reduzierten Keimzahlen von schleimhautprotektiven und antiinflammatorisch wirksamen Bakterien wie\u00a0<i>Faecalibacterium prausnitzii\u00a0<\/i>(bis zu 10-fach verringert). Im Gegensatz dazu ist die Zahl an Keimen mit proinflammatorischem Potential wie proteolytische\u00a0<i>E. coli\u00a0<\/i>deutlich erh\u00f6ht (Abb. 2).<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die Ursachen hierf\u00fcr sind vielf\u00e4ltig und aufgrund der komplexen Zusammenh\u00e4nge immer noch Gegenstand der aktuellen Forschung. Einen Selektionsfaktor f\u00fcr die Mikrobiotazusammensetzung stellt vermutlich die ver\u00e4nderte metabolische Situation dar, zu der die mangelnde Verdauungsleistung in Kombination mit einer pathologisch beschleunigten Darmpassage f\u00fchrt. Ein vermehrter Gehalt von leichtverdaulichen Kohlenhydraten, Proteinen und Fetten in D\u00fcnndarm- und Kolonbereich beg\u00fcnstigt das Wachstum von G\u00e4rungskeimen und Bakterien mit proinflammatorischen Eigenschaften.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><strong>2. Entz\u00fcndliche Prozesse mit erh\u00f6hter f\u00e4kaler Calprotectin-Konzentration<\/strong><\/p>\n<p class=\"bodytext\">In 19% der F\u00e4lle mit erh\u00f6htem f\u00e4kalem Calprotectin sehen wir Ver\u00e4nderungen der Kotkonsistenz. Die Analyse der Mikroflora auf die vorab ausgew\u00e4hlten Markerkeime ergab signifikante Ver\u00e4nderungen gegen\u00fcber dem Kollektiv an gesunden Hunden. Die Ver\u00e4nderungen \u00e4hnelten denen bei exkretorischer Pankreasinsuffizienz, eine Differenzierung der Genese ist bei Betrachtung der limitierten Zahl an untersuchten Proben derzeit nicht m\u00f6glich und scheint auch bei k\u00fcnftiger Betrachtung einer gr\u00f6\u00dferen Tierzahl unwahrscheinlich.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Ausl\u00f6ser hierf\u00fcr kann in diesen F\u00e4llen unter anderem eine vermehrte Sezernierung von Entz\u00fcndungseiwei\u00dfen in das Darmlumen hinein sein. So kann auch ohne Verdauungsst\u00f6rungen oder externe Proteinquellen wie stark eiwei\u00dfhaltigen Futtermitteln eine Verschiebung des bakteriellen Gleichgewichts in eine Darmdysbakterie mit proteolytischer \u00dcberbesiedlung auftreten (Abb. 3 und 4).<\/p>\n<h2 class=\"bodytext\">Therapie bei Darmdysbiosen<\/h2>\n<p class=\"bodytext\">Welche therapeutischen M\u00f6glichkeiten sind bei einer nachgewiesenen Darmdysbiose sinnvoll? Nach einer ersten symptomatischen Therapie mit antiinflammatorischen und schleimhautunterst\u00fctzenden Substanzen wie Humins\u00e4uren, Zeolith oder Heilerde bietet sich der Einsatz von mikrobiologischen Therapeutika an. Zwar ist eine direkte Supplementierung der anaeroben Keimflora wie\u00a0<i>Faecalibacterium prausnitzii, Blautia\u00a0<\/i>oder\u00a0<i>Turicibacter\u00a0<\/i>noch nicht m\u00f6glich, allerdings muss aufgrund der vielschichtigen Interaktionen im Mikrobiom auch nicht zwingend eine einzelne Bakteriengruppe angesprochen werden. Jeder Eingriff in das Darmmikrobiom, sei es \u00fcber Futtermittelumstellung, pr\u00e4biotische Futtermittelerg\u00e4nzung oder Probiotika, beeinflusst alle Individuen des Bakterienkollektivs direkt oder indirekt. So kann der Einsatz von mikrobiologischen Pr\u00e4paraten die klinischen Beschwerden deutlich verbessern und dem Auftreten von Rezidiven vorbeugen. Daher ist zur Verbesserung der immunologischen und Schleimhautbarriere eine orale autologe Immuntherapie mit Autovakzinen ebenfalls ein besonders gut geeigneter therapeutischer Ansatz bei einer bakteriellen Fehlbesiedlung.<\/p>\n<h2>Zusammenfassung<\/h2>\n<p class=\"bodytext\">Trotz der zum gro\u00dfen Teil noch ungekl\u00e4rten kausalen Zusammenh\u00e4nge stellt eine Untersuchung der mikrobiellen Zusammensetzung der Kotflora beim Hund einen geeigneten Summenparameter dar, der die Gesamtheit aller Einflussfaktoren auf den Darm widerspiegelt. Mit der im neuen Dysbioseprofil enthaltenen molekularbiologischen Analyse k\u00f6nnen mittels moderner kulturunabh\u00e4ngiger Verfahren anaerobe und aerobe Schl\u00fcsselkeime der Darmmikrobiota quantifiziert und so Darmdysbakterien schnell und einfach nachgewiesen werden. Indikationen f\u00fcr eine Dysbioseanalyse sind gastrointestinale Erkrankungen mit unklarer Genese (chronische Durchf\u00e4lle, Flatulenzen, Obstipation etc.), St\u00f6rungen des Immunsystems (Futtermittelallergien, atopische Dermatitiden, Fellprobleme) und Immunabwehrschw\u00e4chen.<br \/>\nAls nicht-invasives Verfahren ist das Dysbiose-Profil auch besonders gut f\u00fcr die Verlaufskontrolle von antiinflammatorischen Therapien bei akuten und chronisch-entz\u00fcndlichen Darmerkrankungen sowie zur Beurteilung von Beeintr\u00e4chtigungen des intestinalen \u00d6kosystems nach Antibiotikatherapie geeignet. Mit der zus\u00e4tzlich im Dysbioseprofil enthaltenen Bestimmung von Schleimhaut- und Entz\u00fcndungsmarkern wie Calprotectin und Alpha-1-Antitrypsin, einer mykologischen Untersuchung sowie dem mikroskopischen Nachweis von Parasiten k\u00f6nnen so einfach und schnell eine gro\u00dfe Zahl an Schleimhaut-Noxen gleichzeitig erfasst und Barrierest\u00f6rungen erkannt werden.<\/p>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;vc_default&#8220; css=&#8220;.vc_custom_1714994772828{margin-top: 30px !important;}&#8220;][vc_column][vc_column_text css=&#8220;&#8220;]<\/p>\n<h5><strong>Literatur<\/strong><\/h5>\n<h6 class=\"bodytext\"><span style=\"color: #808080;\"><strong><span lang=\"EN-US\">Guard BC, Suchodolski JS.: Canine intestinal microbiology and metagenomics: from phylogeny to function. J Anim Sci. <\/span><span lang=\"EN-US\">2016;94: 2247\u201361.<\/span><\/strong><\/span><\/h6>\n<h6 class=\"bodytext\"><span style=\"color: #808080;\"><strong><span lang=\"EN-US\">Herstad KMV, Gajardo K, Bakke AM et al.: A diet change from dry food to beef induces reversible changes on the faecal microbiota in healthy, adult client-owned dogs. BMC Vet Res. <\/span><span lang=\"EN-US\">2017;13:147.<\/span><\/strong><\/span><\/h6>\n<h6 class=\"bodytext\"><span style=\"color: #808080;\"><strong><span lang=\"EN-US\">Honneffer JB, Minamoto Y, Suchodolski JS.: Microbiota alterations in acute and chronic gastrointestinal inflammation of cats and dogs. World J Gastroentero. <\/span><span lang=\"EN-US\">2014;20:16489\u201397.<\/span><\/strong><\/span><\/h6>\n<h6 class=\"bodytext\"><span style=\"color: #808080;\"><strong><span lang=\"EN-US\">Isaiah A, Parambeth JC, Steiner JM et al.: The fecal microbiome of dogs with exocrine pancreatic insufficiency. Anaerobe. <\/span><span lang=\"EN-US\">2017;45:50\u20138.<\/span><\/strong><\/span><\/h6>\n<h6 class=\"bodytext\"><span style=\"color: #808080;\"><strong><span lang=\"EN-US\">MK AlShawaqfeh, B Wajid et al.: A dysbiosis index to assess microbial changes in fecal samples of dogs with chronic inflammatory enteropathy. FEMS Microbiology Ecology. <\/span>2017;11:136<\/strong><\/span><\/h6>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;vc_default&#8220; gap=&#8220;10&#8243; equal_height=&#8220;yes&#8220; content_placement=&#8220;middle&#8220; css=&#8220;.vc_custom_1714994609710{margin-top: 30px !important;}&#8220;][vc_column width=&#8220;1\/6&#8243; css=&#8220;.vc_custom_1714994658084{background-color: #e7e7e7 !important;}&#8220;][vc_icon icon_fontawesome=&#8220;fas fa-file-pdf&#8220; color=&#8220;custom&#8220; size=&#8220;xl&#8220; align=&#8220;center&#8220; css=&#8220;.vc_custom_1714994715295{margin-top: 20px !important;margin-bottom: 20px !important;}&#8220; custom_color=&#8220;#e51e1e&#8220; link=&#8220;url:https%3A%2F%2Flaboklin.de%2Fwp-content%2Fuploads%2F2021%2F08%2FLA_Juni_DE_L_Final.pdf|title:Intestinales%20Mikrobiom%20beim%20Hund|target:_blank&#8220;][\/vc_column][vc_column width=&#8220;5\/6&#8243; css=&#8220;.vc_custom_1714994668468{background-color: #e7e7e7 !important;}&#8220;][vc_column_text css=&#8220;.vc_custom_1714994692027{margin-top: 20px !important;margin-bottom: 20px !important;}&#8220;]<a href=\"https:\/\/laboklin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/LA_Juni_DE_L_Final.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Intestinales Mikrobiom beim Hund<\/strong><\/a>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele Bereiche des K\u00f6rpers sind bei Hunden mit den unterschiedlichsten Bakterien besiedelt&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1324626,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"none","_seopress_titles_title":"","_seopress_titles_desc":"","_seopress_robots_index":"","footnotes":""},"categories":[306],"tags":[],"class_list":["post-1337298","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-laboklin-aktuell-2019-de-at","category-306","description-off"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1337298","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1337298"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1337298\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1473718,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1337298\/revisions\/1473718"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1324626"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1337298"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1337298"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/laboklin.de\/de-at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1337298"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}