Fruchtbarkeit und Stoffwechsel beim Rind     Fruchtbarkeit und Stoffwechsel beim Rind (147 KB)
 

 Merkblatt Laborkontrollen
  

Die Fruchtbarkeitsleistung von Milchkühen wird maßgeblich von der Versorgungslage in der späten Trockenstehzeit und Frühlaktation beeinflusst. Insbesondere die Phase der Frühlaktation mit negativer Energiebilanz ist kritisch für Entgleisungen des Stoffwechsels. Zudem ist eine optimale Versorgung mit Mineral Stoffen (Mengen- und Spurenelemente) wichtig für optimale Fruchtbarkeitsergebnisse. Sonstige Erkrankungen im peripartalen Zeitraum spielen bei der gesamten Fruchtbarkeitsleistung im Bestand eine wichtige Rolle und beeinflussen diese stärker als Milchleistungsdaten.
Rinderzuchtverbände geben folgende Richtwerte zur Inzidenz peripartaler Erkrankungen in Milchviehherden an ( zitiert nach Rossow, auf www.portal-rind.de )
 

Problem (Fälle/100 Kühe)

Optimal

Tolerabel

Problematisch

Retentio sec.

<2

3-4

>5

Gebärparese

<3

3-6

>7

Schwergeburten

<2

2-7

>8

Puerperalstörungei

<7

8-19

>20

Lahmheiten

<12

9-20

>21

Mastitis

<22

23-30

>35


    

 Indikationen für Laboruntersuchungen
 
  • Prophylaktische Untersuchung von gesunden Tieren
    Erhebung des Status; Früherkennung von Belastungen
  • Kontrolle bei besonderen Risiken
    z.B. bei Futterumstellung, Umstallung
  • Abklärung in Problembeständen
     o  Schlechte Besamungsergebnisse 
     o  Gehäuft keine Brunst erkennbar zwischen Tag 45 und 55 (60) p.p. 
     o  Kühe verlieren in der Frühlaktation stark an Gewicht
     o  Vermehrte Probleme mit Klauenrehe / Klauengeschwüren 
     o  Niedriges Milcheiweiß / Milchfett -Verhältnis
     o  Häufige Labmagenverlagerungen
          

Zeitpunkte für die Probennahme
 
  • 1-2 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin:
    - Gebärparesegefährdung
    - Energiestoffwechselbelastungen /   Fettmobilisationssyndrom / Ketose 
        
  • Frühlaktation (3 Tage post partum)
    - Belastungen der Trockenstehphase und der Geburt: Energie-, Leber- und
       Muskel Stoffwechsel
    - Prädisposition für Erkrankungen in der Frühlaktation
       
  • 2-8 Wochen post partum
    Zeitraum mit höchster Milchleistung und Futtereinsatz; Ketose, Lipomobilisation, Pansenazidose / alkalose kommen vermehrt vor, Anöstrus, Stillbrünstigkeit und
    schlechte Besamungsergebnisse sind häufig die Folge
           

 Die Parameter und ihre Aussagekraft Energiestoffwechsel
 

Indikatoren für kurzfristig anhaltenden Energiemangel:

  • NEFA (freie Fettsäuren)
    steigen akut bei Energiemangel / reduzierter Futteraufnahme bei Krankheiten an (Fettmobilisation)
     
  • Glukose:
    niedrige Glukose zeigt akuten Energiemangel an (niedriger Energiegehalt im Futter oder reduzierte Aufnahme


Indikator für langer anhaltenden Energiemangel:

  • Ketonkörper (im Serum b-HBS = b-hydroxy-Buttersäure):
    - Relativ geringe prognostische Bedeutung
     
    - Cave: Tiere, die hohe Mengen Kraftfutter aufnehmen haben post- prandial erhöhte Ketonkörper die ohne pathologische Relevanz sind, daher bei Screeninguntersuchungen Fütterungsanamnese beachten, im Zweifelsfalle Bilirubin dazu bestimmen (bleibt bei alimentär bedingten Erhöhungen normal).
     
    - Gesamt-Bilirubin
    steigt bei Energiemangelzuständen an (DD: Leberschädigung, Hämolyse) dazu bestimmen (bleibt bei alimentär bedingten Erhöhungen normal).
      
  • Cholesterin
    ist bei eingeschränkter Futteraufnahme / Verdauungsfunktion reduziert. Niedrige Cholesterinspiegel kommen zusammen mit einer Vielzahl von peripartalen Erkrankungen gehäuft vor und verschlechtern dann die Prognose 
         

 Proteinversorgung
 
  • Harnstoff
    während niedrige Harnstoffwerte auf ein Proteindefizit oder eine eingeschränkte Leberfunktion hindeuten, kommen hohe Harnstoffwerte außer bei Niereninsuffizienz und Störungen der Nierenperfusion auch bei Energie Unterversorgung bzw. Proteinüberschuss vor.
     
  • Gesamteiweiß
    Gesamteiweiß sinkt nur nach länger dauernder Malnutrition ab.
    Proteinverlust (Niere, Darm, Blutverlust, Magenulcus) müssen ausgeschlossen werden. Proteinüberversorgung führt zu hohen Proteinspiegeln (DD: Entzündungen, Dehydratation)
      

Leberfunktion
  • AST. gammaGT und GLDH
    sind die klassischen Leberenzyme beim Rind. Bezüglich der Spezifität ist zu beachten, dass die AST auch aus Muskulatur (Skelettmuskel, Uterus) stammen kann, die GLDH kann auch bei schweren Nieren Schädigungen relevant erhöht sein. Begleitende Bestimmung der CK bzw. des Kreatinins geben Klarheit. Die Höhe der Leberenzyme lässt keinen direkten Rückschluss auf die Prognose zu
     
  • Bilirubin
    steigt außer bei Leberveränderungen auch bei Energiemangel an (s.o.)
     
  • Albumin
    sinkt bei eingeschränkter Leberfunktion; erniedrigte Werte verschlechtern die Prognose
     
  • Cholesterin
    niedrige Cholesterinspiegel bei einer Lebererkrankung verschlechtern die Prognose
     

Mineralstoffe und Elektrolyte
  • Kalzium
    Kalzium im Blut unterliegt einer strengen Homöostase, nur hochgradige akute Mangelsituationen (Gebärparese) spiegeln sich im Serum wieder. Bei chronischen Azidosen ist Kalzium ebenfalls erniedrigt.
     
  • Phosphor
    Erhöhungen kommen bei Phosphor-Überversorgung und bei Kalzinose vor. Azidosen können erhöhte und (in chronischen Fällen) niedrige Phosphor-Spiegel verursachen. Auch starke Belastungen und Stress können zu niedrigem Phosphat im Serum führen.
     
  • Magnesium
    Klinisch manifester Magnesiummangel lässt sich über Blutuntersuchungen gut diagnostisch erfassen. Latenter Magnesiummangel, der im Zusammenhang mit Kali-Überdüngung des Grünfutters auftritt lässt sich über Magnesiumbestimmung im Harn besser erfassen. Muskelzittern, Nervosität, Krämpfe und reduzierte Futteraufnahme gehören zur Symptomatik (Weide-, Stall und Transporttetanie)
     
  • Natrium
    Unterversorgung führt zu Fruchtbarkeitsstörungen. Mangel Situationen werden vom Serum Spiegel nicht reflektiert, Speichel- oder Blutuntersuchungen geben zuverlässige Daten
     
     

Kontrolle der Gebärparesegefährdung

Harnuntersuchung 2 bis 1 Woche ante partum:
Fraktionierte NSBA
Erniedrigte Netto-Säure-Base-Ausscheidung im Harn reflektiert einen Anionenüberschuss bzw. Kationenmangel und tritt auf bei reduzierter Futteraufnahme, akuten und chronischen Pansenazidosen.
 
Erhöhte Werte kommen vor bei Alkalose, Kationen- bzw. Proteinüberschuss, Blasen- und Nierenkrankheiten. 
 
 

Vitamine und Spurenelemente

Für folgende Vitamine und Spurenelemente ist ein Zusammenhang mit der Fruchtbarkeit beschrieben und eine Unterversorgung zeigt sich durch erniedrigte Serum Spiegel. Teilweise bestehen komplexe Interaktionen zwischen den verschiedenen Mineralstoffen, weil gemeinsame Transportkanäle genutzt werden, z.B. lässt sich ein ausgeglichener Jod-Spiegel nur erreichen, wenn gleichzeitig auch Zink- und Selen-Versorgung optimiert werden. Überschüssiges Nickel in der Ration blockiert die Resorption von Zink, Selen und Mangan. Hohe Werte von Eisen und Schwefel in der Ration (Grünfutter von anmoorigen Böden) verschlechtern die Verfügbarkeit von Kupfer.

  • Selen
    Reduzierte Leistung und Fruchtbarkeit, Bewegungsstörungen, Herzschwäche, reduzierte Futteraufnahme
  • Zink
    Minderleistung, Haar- und Hautveränderungen (Parakeratose), Anfälligkeit für Entzündungen
  • Kupfer
    Mangel führt zu reduzierter Fruchtbarkeit durch embryonalen Frühtod, außerdem kommen Anämie, Gewichtsverlust und Bewegungsstörungen vor. Bei der klinischen Untersuchung kann eine „Kupfer-Brille" (periokulärer Haarverlust und Verdickung der Haut) auffallen. Erhöhungen kommen bei Entzündungen und Infektionen vor. Überversorgung zeigt sich nicht unbedingt in erhöhten Serumspiegeln.
  • Jod
    Minderleistung und Fruchtbarkeitsprobleme, reduziertes Geburtsgewicht.
  • b-Carotin
    Reduzierte Fruchtbarkeit, schlechtere Immunabwehr Vitamin E
    Reduzierte Fruchtbarkeit, schlechtere Immunabwehr Mangan
    Unterversorgung kommt bei Rindern mit Stallhaltung und Feldfruchtfütterung vor und ist über eine Serumanalyse leider nicht eindeutig abklärbar.

       

Unsere Rinderprofile

Leistungszustand Wiederkäuer:
Ist ein Suchprofil bei unzureichender Fruchtbarkeit oder Leistungsabfall und
besteht aus:
Eiweiß, Harnstoff, Cholesterin, NEFA ,GLDH, AST, A-GT, Bilirubin, b-Hydroxy- Buttersäure, Kalzium, Phosphat
Ein Blutbild rundet die Untersuchung ab und gibt Hinweise auf Entzündungszustände.

Fertilität / Sterilität von Kühen:
Ist ein kostengünstiges Minimalprogramm zur Abklärung von Fruchtbarkeitsproblemen -
wir haben es so geändert, dass jetzt auch die Ketose mit abgeklärt wird: Kalzium, Phosphor, Magnesium, AST, b-HBS und b-Carotin werden getestet

Festliegen von Kühen:
Sucht nach den wichtigsten Ursachen für Festliegen p.p. wie Muskelriss, Magnesium-, Kalziummangel oder Blasenruptur: Kalzium, Phosphor, Mg, AST,CK, Harnstoff, Eiweiß
 
  
 

    

 

 

 

 

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